Nachts, wenn der Teufel kam

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
2. Oktober 2003
Abgelegt unter:
DVD

Film

(4.5/6)

Bild

(4.5/6)

Ton

(3/6)

Extras

(3/6)

Nachts, wenn der Teufel kam (1957) entstand diesseits des Eisernen Vorhangs, in der Bundesrepublik, zu einer Zeit als Wirtschaftswunder und Verdrängung der jüngsten Vergangenheit Hand in Hand gingen.

Der Film greift einen Fall von eklatanter Rechtsbeugung aus dem Jahr 1944 auf: Die These eines ermittelnden Kriminalkommissars, dass hinter einer Reihe von Frauenmorden möglicherweise ein Massenmörder steht, ruft einen karrierebewussten SS-Obergruppenführer auf den Plan. Der ist fasziniert vom Gedanken, der obersten Führung in Berlin einen propagandistisch verwertbaren, gemäß der NS-Ideologie zwangsläufig schwachsinnigen und nicht arischen Triebtäter zu präsentieren. Doch die Realitäten sind anders: Der schließlich Überführte ist leider Volksdeutscher mit Paragraph 51. Die Nazi-Führung schreckt verständlicherweise davor zurück, „diesen“ unerwünschten Fahndungserfolg offen auszuschlachten. Ein den Ermittlungsbehörden über Jahre verborgen gebliebener Massenmörder könnte das von den Kriegseinwirkungen stark in Mitleidenschaft gezogene Volk nur weiter beunruhigen. Es wird Stillschweigen angeordnet, ein Unschuldiger als Einzeltäter „geopfert“ und der überführte Massenmörder heimlich „liquidiert“. Der Kommissar, der versucht hatte, den Unschuldigen zu retten, erhielt „Bewährung“ in einem Strafbatallion an der zusammenbrechenden Ostfront …

Trotz einiger Zugeständnisse an das Unterhaltungskino ist Robert Siodmaks Film einer der wenigen diskussionswürdigen Filme jener Jahre, die sich mit den Konsequenzen des NS-Regimes auseinandersetzen. Einigen entbehrlichen kleinen Mätzchen steht überwiegend Treffendes gegenüber, das insgesamt für eine glaubwürdige realistische Atmosphäre sorgt. Etwas, wofür auch die guten Darsteller, wie Claus Holm als Kommissar, Hannes Messemer als sein Gegenspieler, in der Rolle des gebildeten und fanatischen SS-Obergruppenführers, und Mario Adorf als beinahe gutmütig-naiv erscheinender Muskelprotz, der rund 80 Morde gesteht. Unterm Strich ist Siodmaks Film eine sehenswerte Studie über den eher alltäglichen Faschismus jener Zeit.

Die Filme auf DVD

Alle drei Filme werden in sauberen, kontrastreichen und gut detaillierten Schwarz-Weiß-Bildern präsentiert, allein Nachts, wenn der der Teufel kam lässt stellenweise etwas Schärfe vermissen. In allen drei Fällen handelt es sich hier wohl um die bereits im Fernsehen verschiedentlich ausgestrahlten ordentlichen Videomaster, die eventuell technisch etwas aufpoliert worden sind. Akustisch ist hier natürlich jeweils „nur“ ein solider Mono-Sound in Deutsch drin; Ich war neunzehn kann man auch mit der russischen Tonfassung genießen.

Das Zusatzmaterial ist (fast zwangsläufig) recht bescheiden. In erster Linie gibt es jeweils Infos zu den Darstellern auf Texttafeln und einige Bildergalerien. Allein Kinowelts Nachts, wenn der Teufel kam bietet zum Film auch einen Trailer; die beiden DEFA-Streifen von Icestorm enthalten einige Wochenschauausschnitte, die mehr oder weniger eng mit dem jeweiligen Film verknüpft sind.

Drei Bücher:

  • „Die Tragödie v. Brettheim“
  • „Unternehmen Wüste“
  • „Vernichtung durch Arbeit“

Drei Buchtitel aus dem Silberburg-Verlag beschäftigen sich mit wenig bekannten (verschwiegenen) Verbrechen der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft, die aber ebenso wenig vergessen werden dürfen wie die bekannten großen Ereignisse, die Eingang in die allgemeinen Geschichtsbücher gefunden haben.

Regisseur*in:
Siodmak, Robert

Erschienen:
2003
Vertrieb:
Kinowelt DVD
Kennung:
500601
Zusatzinformationen:
D, 1957

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