L’uomo, l’orgoglio, la vendetta

Geschrieben von:
Stefan Schlegel
Veröffentlicht am:
14. Mai 2005
Abgelegt unter:
CD

Score

(4.5/6)

L’uomo, l’orgoglio, la vendetta

Der vom damaligen Constantin-Filmverleih erdichtete deutsche Filmtitel Mit Django kam der Tod führt zunächst einmal in die Irre. Trotz der Besetzung mit Django-Hauptdarsteller Franco Nero handelt es sich bei L’uomo, l’orgoglio, la vendetta eigentlich nicht um ein weiteres Sequel mit dem Seriencharakter, sondern Regisseur Luigi Bazzoni lieferte 1967 mit diesem Western-Melodram sozusagen eine Adaption des durch Prosper Merimée literarisch und durch Georges Bizet musikalisch fixierten Carmen-Stoffs. In der italienischen Originalfassung heißen die beiden von Franco Nero und Tina Aumont gespielten Hauptcharaktere dementsprechend auch wie schon in der Vorlage José und Carmen: José ist Sergeant der mexikanischen Armee, verfällt den Verführungskünsten der wunderschönen Zigeunerin Carmen, desertiert und schließt sich der von ihr und ihrem Mann (dargestellt von Bösewicht Klaus Kinski!) angeführten Schmugglerbande an. Unweigerlich nimmt daraufhin die Eifersuchtstragödie ihren Lauf.

Während sich der mäßig gelungene Film nur teilweise der typischen Standards der zeitgenössischen Italo-Western-Produktion bedient, entfernt sich die großartige sinfonische und oft tragisch angehauchte Musik von Carlo Rustichelli noch mehr von den durch Morricone & Co. breit getretenen musikalischen Pfaden. Rustichelli hat hier einen herrlich abwechslungsreichen Score komponiert, der ganz seinem eigenen Personalstil, in dem sich urwüchsige Folklore und opernhaftes Pathos aufs Glücklichste verbinden, zum Ausdruck bringt. Weder Gepfeife noch Peitschenknallen bestimmen das orchestrale Klangbild, sondern geboten wird stimmungsvolle traditionelle Sinfonik mit starkem Einbezug von spanischem Kolorit, wie es vor allem in den von aparten Gitarren-Soli bestimmten Tracks „Fandango“ oder „Habanera Gitana“ zelebriert wird. Auch das betörend schöne romantische Liebesthema wird zunächst von der Solo-Gitarre vorgetragen, bevor es vom satt dahinschwelgenden Streicherapparat und im Schluss-Track „Morte di José“ gar choral übernommen wird. Hinsichtlich Melodieführung, Instrumentierung und auch in Bezug auf das spanische Flair knüpft Rustichelli hier übrigens nahtlos an seine Komposition zu Carlos Sauras Abenteuerfilm-Ballade I cavalieri della vendetta • Cordoba aus dem Jahre 1964 an, die den meisten heutigen Filmmusiksammlern wohl kaum bekannt sein dürfte, da es davon nur eine äußerst rare und dementsprechend schwer zugängliche LP auf dem CAM-Label gegeben hatte.

Ein weiteres Charakteristikum der Musik zu L’uomo, l’orgoglio, la vendetta sind die furios dahergaloppierenden und rhythmisch dynamischen Orchesterkaskaden für die Verfolgungsjagden wie in „Il colpo“ oder in „L’inseguimento di Garcia“. Von starker Dramatik geprägt ist weiterhin ein absteigendes, fast wagnerisch anmutendes Streichermotiv, das immer wieder mit dem Liebesthema korreliert und bereits den tragischen Ausgang der Geschichte verkündet. Wie man einer Filmmusik Innenspannung und Bewegung verleiht und trotzdem noch szenische Details ausmalen kann, das ist etwa vorbildlich im hitzigen ersten Track „L’uomo, l’orgoglio, la vendetta“ herauszuhören. Während sich ein fast dem Verdursten naher Mann bei sengender Hitze durch die Wüste schleppt, wechseln sich stets neue aufflammende tragische Melodielinien ab, wobei schrille, scharf zustechende Orgeltöne den Kameraeinstellungen auf die gleißende Sonne korrespondieren.

Gerade als Höralbum funktioniert diese CD deshalb so wunderbar, weil hier das Konzept der Gegenüberstellung von feurig-dramatischen und romantisch-besinnlichen Stücken von vorn bis hinten durchgehalten wird und somit die ansonsten bei Italo-Western üblichen Spannungshänger außen vor bleiben. L’uomo, l’orgoglio, la vendetta dürfte sicherlich auf CD eine der besten und auch eigenständigsten Italo-Western-Filmmusiken darstellen, deren Anschaffung man eigentlich jedem Filmmusikliebhaber von Herzen empfehlen kann — auch denen, die ansonsten nur sinfonische US-Scores bevorzugen. Dies ist sinnliche, melancholische und melodisch hochgradig inspirierte Musik eines wirklich großen italienischen Maestros, dessen umfangreiches und bedeutendes Werk es in Deutschland erst noch zu entdecken gilt.

Komponist*in:
Rustichelli, Carlo

Erschienen:
1992
Gesamtspielzeit:
35:17 Minuten
Sampler:
CAM
Kennung:
CSE 086

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