Land der Pharaohnen (1955), neu transferiert im Plaion-Mediabook

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
26. Mai 2026
Abgelegt unter:
Blu-Ray, Sehen

Film

(4.0/6)

Bild

(4.5/6)

Ton

(4.5/6)

Extras

(3.5/6)

Das erste Sandalenopus im Breitwandformat CinemaScope: Warners Land der Pharaonen (1955)

Von den bis Anfang der 1950er Jahre produzierten Nachkriegs-Sandalenfilmen sticht MGMs Quo Vadis (1949) (LINK: https://cinemusic.de/rezension/quo-vadis-prometheus-neueinspielung/) als entscheidender Wegbereiter des bald zu einer Welle werdenden Sandalenkinos hervor. Regisseur Howard Hawks hat dann mit Land of the Pharaos ∗ Land der Pharaonen die von Cinerama initiierte Breitwandära zumindest visuell zu einem ersten Höhepunkt geführt. Dieses prachtvoll bebilderte Produkt aus der Monumentalfilmecke besitzt nicht zuletzt dank der durch den kleinen Bruder von Cinerama, CinemaScope, erheblich preiswerter möglich gewordenen betont prachtvoll ausgefüllten Leinwandpanoramen eindeutigen Reiz. Auch wenn Howard Hawks hier nun sicher kein Meisterwerk des klassischen Hollywood-Kinos vorgelegt hat. Obwohl in diversen historischen Bezügen unstimmig und ebenso ausstattungsmäßig nur auf den ersten Blick annähernd überzeugend, ist das visuelle Spektakel dafür über weite Strecken schon insgesamt mitreißend bebildert. Eine dadurch eben schon durchaus faszinierende Vision des antiken Ägyptens mit atemberaubend massenhaft (also ohne CGI) ins breite Panoramabild gerückten echten Heeren an Komparsen ist der Film allemal. Und als somit sehr ansehnliches Sinnbild der Kategorie des extravaganten klassischen hollywooder Ausstattungs- und hier Sandalenkinos gehört er schon in jede ernsthafte Filmkollektion, die sich den unleugbaren Qualitäten diverser der so genannten „Alten Schinken“ nicht verweigert. Getoppt wurde der Aufwand bei den Statisten allerdings dann bereits im Folgejahr mit Paramounts rein visuell ebenfalls äußerst ansehnlichen, ansonsten aber schon besonders arg triefig geratenen Bibelkirsch-Epos The Ten Commandments ∗ Die 10 Gebote (LINK: https://cinemusic.de/rezension/die-zehn-gebote/) von Cecil B. DeMille.

Für eingehende Informationen zum Film und ebenso zur herausragenden Filmmusik von Dimitri Tiomkin verweise ich auf den Artikel „Land of the Pharaohs, Das Sandalenepos vom Westernregisseur“ aus dem Jahr 2008.

Land der Pharaonen neu transferiert im Plaion-Mediabook-Doppelpack: in HD auf BD und in SD auf DVD

Der hier vorliegende Transfer beruht auf einer mit finanzieller Unterstützung der Film Foundation sowie durch das Engagement von Martin Scorsese erfolgten 4K-Neuabtastung des Originalnegativs. Derselbe Transfer erschien zuerst in Form der US-Warner-Archive-Collection-Blu-ray-Ausgabe aus dem Jahr 2023. Plaion Pictures hat den neutransferierten Land der Pharaonen als Doppelpack (s.o.) im insgesamt recht schick aufgemachten Mediabook inklusive eines ansprechenden 20-seitigen Booklets mit Text von Peter Osteried vorgelegt. Übrigens mit demselben nicht so ganz überzeugenden Werbefoto von Joan Collins als Covermotiv. Leider hat man hier nicht eines der auch zu diesem Titel in relativer Fülle verfügbaren, erheblich eindrucksvolleren klassischen Plakatmotive verwendet.

Bild und Ton

Das Bild erweist sich als das Beste was man vom Land der Pharaonen zuvor über Jahrzehnte im Fernsehen und im Home-Video-Bereich bislang erleben konnte. Besonders farbtechnisch war der Film in meinen frühen Begegnungen im Farb-Fernsehen der ausgehenden 1960er Jahre, stark verblasst und zu einer bräunlichen Bildästhetik tendierend, etwa so wie auf der aktuellen Edition der originale deutsche Kinotrailer aussieht. Und ebenso, dass die heutzutage zwangsläufig etwas antiquierten Special-Effects (Rückpros etc.) gerade bei farblich defekten Kopien besonders deutlich als solche hervorstechen.

WarnerColor, war in den 1950er Jahren Warner Bros.’ Markenname für Eastmancolor. Die Restaurierung des bekanntermaßen wenig farbstabilen frühen Eastmancolors ist aufgrund erheblicher, materialbedingter Probleme ein hochkomplexes und teures technisches Unterfangen. Viele Eastmancolor-Negative aus den 1950ern sind stark verblasst, wobei insbesondere die Gelbeinlagerungen durch Zersetzung verloren gegangen sind.

Das transferierte Kameranegativ ist in jedem Fall von der Warner-Abteilung „Motion Picture Imaging“ (MPI) in allen in Frage kommenden Punkten sorgfältig nachbearbeitet worden. Entsprechend treten praktisch keine Bildschäden wie Laufstreifen, Kratzer oder Verschmutzungen hervor. Wie ausgeprägt beim transferierten Bild  in Sachen Farbgüte korrigiert werden musste, kann man nur mutmaßen. In jedem Fall zeigt das Bild über weite Strecken schon recht frisch erscheinende Farben und partiell tritt auch mal ein dezent leuchtendes Rot hervor.  Insgesamt erscheint damit hier jetzt alles erheblich stimmiger als das was über die letzten mindestens sechs Dekaden von den Pharaonen im Fernsehen und auf Video zu sehen gewesen ist. Dabei kommt schon beträchtliche Freude auf.

Soweit so gut: Aber trotzdem kann WarnerColor auch hier selbst in den besten Passagen mit der Farbgüte von Technicolor unübersehbar nicht mithalten. Den mitunter tendenziell auch mal etwas fahl und stumpf erscheinenden Farben fehlt sowohl die unverwechselbare Leuchtkraft als auch die Vielschichtigkeit, und auch ist ein tendenzieller Hang zum Bräunlichen besonders auffällig.
Das zeigt sich bereits in der Eingangsszene in der der Hohepriester Hamar geschickt als Chronist der nachfolgenden Ereignisse eingeführt wird, wo neben der Softness auch der Braunstich besonders deutlich wird. Das dieser hier dem antiken ägyptischen Bronze-Look des Films sogar ein gutes Stück entgegen kommt, sei fairerweise angemerkt. Darüber hinaus werden vereinzelt auch die Probleme der frühen CinemaScope Produktionen in Form von in Schwenks kurzzeitig auffallenden optischen Verzerrungen an den Bildrändern dezent erkennbar. Die generelle Bildschärfe eines Großbildes welches von nur einem 35-mm-Filmstreifen herrührt, zeigt in puncto Schärfe und Auflösung zwangsläufig klare Einschränkungen. Im Vordergrund ist diese noch einigermaßen solide, nämlich im guten Mittelfeld anzusiedeln, aber dagegen lässt die Schärfentiefe häufig erheblich zu wünschen übrig. Darüber hinaus tritt verschiedentlich, mal mehr mal weniger, auch stärker ausgeprägtes Filmkorn deutlich hervor, etwa kurzzeitig direkt nach dem Hamar-Prolog. Auch in den Überblendungen braucht es regelmäßig recht lange, bis der Schärfeeindruck wieder passabel fokussiert ist. In einzelnen schnelleren Schwenks treten gerade bei der 1 : 2,55er-Version insbesondere an den Bildrändern auch die bei frühen Scope-Produktionen mitunter erkennbaren optischen Verzerrungen kurzzeitig deutlicher hervor. CinemaScope galt nicht zu Unrecht als „Cinerama für Arme“) LINK: https://cinemusic.de/rezension/flying-clipper-traumreise-unter-weissen-segeln/

Wobei das Filmkorn in der HD Version besonders deutlich auffällt, in SD von DVD hingegen kaum. Und da der Zuwachs an Detailschärfe des HD-Bildes gegenüber der SD-Version nur sehr geringfügig ausfällt, gefällt mir das Bild von DVD in diesem speziellen Falle ironischerweise sogar noch ein Stückchen besser.

Beim Ton ist erfreulicherweise nicht nur die englische Tonfassung im ursprünglichen, recht kraftvoll klingenden analogen 4-Kanal-Magnetton (drei Kanäle vorn: L-M-R, sowie ein vierter, monophoner Effektkanal) vertreten, sondern sogar in praktisch gleich guter Qualität auch die deutsche, wobei der analoge 4-Kanal-Stereoton von einer Magnettonkopie abgenommen und auf dts 5.1 übertragen worden ist. Das recht klare Stereopanorama der drei Frontkanäle ist schon recht beachtlich. Der monophone Effektkanal kommt zwar nur in einzelnen Momenten ausgeprägter zum Einsatz. Er sorgt aber insbesondere durch die auch auf diesen gelegte Musik fast fortwährend für einen ansprechenden Raumton. Auch Dimitri Tiomkins prachtvolle Filmmusik kommt nicht zuletzt in der eröffnenden Siegesparade dank des recht robust ausgeprägten Bassfundaments (freilich ohne den heutzutage gewohnten Tiefbass) sehr schön zur Geltung. Insgesamt klingt der Ton dank fehlender Zischlaute und Verzerrungen sehr frisch, wobei auch die Dialoge durchweg gut verständlich sind.

Extras:

Ausschließlich die Blu-ray beherbergt neben der in der jüngeren Vergangenheit auch schon im öffentlich rechtlichen Fernsehen auf Arte gezeigten Version im Bildseitenverhältnis 1 : 2,35 zusätzlich die ursprüngliche, mit noch etwas breiterem Bild aufwartende Fassung im Seitenverhältnis 1 : 2,55. Ansonsten sind beide Discs in ihrer Ausstattung komplett identisch. Neben dem bereits erwähnten, ansprechenden 20-seitigen Begleitheft (Text von Peter Osteried) ist sowohl auf Blu-ray als auch von DVD ein recht informativer Audiokommentar des Regisseurs Peter Bogdanovich wählbar. Dieser wurde von der 2007er DVD-Edition des Films übernommen.

Fazit: Wer ein Faible für das Monumental- und Sandalenkino vergangener Tage besitzt, für den ist Land der Pharaonen  trotz einiger unleugbarer Schwächen in der Handlung unverzichtbar. Für die aktuelle, besonders edle Plaion-Mediabook-Edition gilt dies in besonderem Maße. Trotz einiger dezent erkennbarer typischer Schwächen des Warner-Color-Prozesses kommt beim Betrachten beträchtliche Freude auf. Vergleichbar hochwertig hat man den Film wohl seit dem Uraufführungsjahr kaum mehr zu Gesicht bekommen. Für die hiesigen Filmfreunde kommt aber noch ein zusätzliches Schmankerl als Überraschung obendrauf: der offenbar von einer erhalten gebliebenen Magnettonkopie stammende, sehr gut klingende deutschsprachige 4-Kanal-Stereosound.

Hier geht’s zum Gewinnspiel.

© aller Logos und Abbildungen bei Plaion Pictures. (All pictures, trademarks and logos are protected by Plaion Pictures.)

Originaltitel:
Land der Pharaonen

Erschienen:
2026/02
Land:
Deutschland
Vertrieb:
Plaion Pictures Mediabook
Kennung:
Bestell-Nr.: 1194697

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