Faccia a faccia

Geschrieben von:
Magdi Aboul-Kheir
Veröffentlicht am:
14. Mai 2005
Abgelegt unter:
CD

Score

(4.5/6)

Faccia a Faccia

Im Mittelpunkt von Ennio Morricones beeindruckendem Score zu Faccia a faccia • Von Angesicht zu Angesicht (1967) steht ein Thema, das zu den originellsten musikalischen Italo-Western-Schöpfungen überhaupt gehört. Es ist zweiteilig angelegt und bietet eine Menge Material, das Morricone dann immer wieder aufgreift: Der erste Abschnitt wird geprägt von einem E-Orgel-Solo über kräftigen Trommeln, dazu flirren die Streicher; der B-Teil ist das Herz des Scores, ein ungestümer Gitarren-Riff aus auf- und absteigenden Halbtonschritten, über den schließlich der Chor eine breite Melodie vorstellt. Es ist ein wilder Tanz, fast unbeherrscht wirkend, zuweilen greifen scharfe Blechbläser den Gitarren-Riff auf. Bemerkenswert ist, dass das Thema in der Titelfassung nur vage harmonisiert erscheint.

Morricone spielt dann im weiteren Verlauf gekonnt mit den diversen Elementen dieses Themas, er zerlegt und variiert, zerdehnt und verdichtet es. Später taucht es — dann konventionell und eingängig harmonisiert — in den Tracks 11 und 13 als „großes episches Thema“ über Gitarren- und Percussion-Rhythmen auf, schließlich wird es von Edda dell‘Orso in bewährter Manier getragen.

Doch der Score hat noch mehr zu bieten: ein warmes, nostalgisch wirkendes Thema für Professor Fletcher, ein simples Gitarren-Thema für Maria, E-Orgel-Soli und quasi improvisierte Klavierläufe, dissonante Streicherschichtungen und eine triumphale Duell-Musik.

Der Tonfall von Faccia a faccia ist über weite Strecken ernst, ja grimmig, das Burleske und Spielerische anderer Italo-Western-Scores aus der Feder Morricones fehlt hier fast völlig. Es ist ein erfindungsreicher und spannungsvoller Score, klanglich raffiniert und oft wirklich mitreißend — eine Bewertung von 4 1/2 Sternen ist nicht zu hoch gegriffen.

Im Jahr 2001 ist auf dem Label Screen Trax eine Langfassung des Scores erschienen (Mono-Bänder), die mit 31 Tracks und gut 50 Minuten Spieldauer wesentlich mehr Musik bietet als der alte Plattenschnitt (16 Tracks, 30 Minuten). Unter den erstmals veröffentlichten Cues sind einige reizvolle Varianten der Themen, und auch die Duell-Musik war zuvor auf Tonträger noch nicht zu hören — für wahre Morricone- und Italo-Western-Fans ist das also die Edition der Wahl. Dafür ist die bei Vivi Musica erschienene CD von Faccia a faccia mit der schönen Musik zu Il mercenario gekoppelt, da gibt es also die Höhepunkte zweier Scores auf einem Silberling.

Komponist*in:
Morricone, Ennio

Erschienen:
2001
Gesamtspielzeit:
48:42 Minuten
Sampler:
Screen Trax
Kennung:
CDST 337

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