Der schwarze Spiegel

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
24. April 2010
Abgelegt unter:
DVD

The Dark Mirror • Der schwarze Spiegel (1946) von Regisseur Robert Siodmak lebt von der im Hollywood jener Jahre immensen Begeisterung für die Freud’sche Psychoanalyse. Alles in allem ist Der schwarze Spiegel nicht nur die Stunde des Psychiaters, sondern zugleich ein gelungenes Kammerspiel, das in der heimischen Noir-Kollektion unbedingt sein Plätzchen erhalten sollte. Der Seelenklempner bewaffnet mit Rorschach-Test und anderen psychodiagnostischen Verfahren erweist sich hier originellerweise als der wahre Detektiv. Zwar wirkt die Geschichte um zwei eineiige Zwillinge (Olivia de Havilland in einer Doppelrolle), von denen die eine eine psychopathische Mörderin ist, nicht erst heutzutage als abenteuerlich konstruiert, versehen mit geradezu haarsträubenden „wissenschaftlichen“ Begründungen. Der Film bleibt aber neben der in einer Doppelrolle als guter und überraschenderweise auch als böser Zwilling überzeugend agierenden Olivia de Havilland gerade durch die visuell so sorgfältig wie geschickt erfolgte tricktechnische Umsetzung sehr ansehenswert. Bei der selbst heutzutage immer noch verblüffend echt wirkenden Dopplung de Havillands war übrigens der deutsche Trickspezialist Eugen Schüfftan (Metropolis) maßgeblich beteiligt. Die hierzu mitgelieferte deutsche Erstsynchronisation der Kinoauswertung erfreut zusätzlich durch die vollständig und damit sortenrein (s. o.) enthaltene Filmmusik von Dimitri Tiomkin.

Koch-Medias Film-Noir-Collection in der Praxis:

Präsentiert werden die Titel der Reihe als wie ein Buch anmutende Slim-Digi-Packs. Erfreulicherweise sind diese nicht nur mechanisch recht solide, sie sehen außerdem noch schick aus. Sämtliche Filme werden in mitunter leicht schwankender, aber zumindest sehr ordentlicher Bildqualität präsentiert. Hier reichen die zu vergebenden Noten von „Befriedigend+“ bis knapp an ein „Sehr Gut“ heran. Das bedeutet ein von Schäden des abgetasteten Materials und Rauschen weitgehend freies Bild, das außerdem mit respektabler Schärfe, Detailzeichnung sowie solidem Kontrast aufwartet. Desert Fury überzeugt darüber hinaus mit seinen satten Technicolorfarben. Zum Ton gibt es sowohl Positives wie Negatives zu berichten. In Anbetracht des beträchtlichen Alters der Produktionen sind alle Tonspuren in zumindest akzeptabler Qualität vorhanden. Mitunter ist allerdings zu sehr mit Rauschfiltern gearbeitet worden. Daraus resultiert eine Beschneidung des Frequenzumfanges, die nicht nur den Sprechstimmen das Charisma raubt, was letztendlich die Atmosphäre der gesamten Tonmischung klar beeinträchtigt. Die deutschsprachigen Synchronfassungen klingen meist merklich frischer als das jeweilige englische Original.

An Boni gibt es in der Regel einen Original- oder Wiederaufführung-Trailer sowie eine Bildergalerie mit seltenem Werbematerial. Besonders ansprechend und damit erwähnenswert ist das bei jeder Edition als fest verankerter Teil des „Buches“ enthaltene 10 bis 12 Seiten umfassende Begleitheft, dank der kompetenten, informativen Texte von Thomas Willmann. Diese schlagen sich beim Punkt „Ausstattung“ der ansonsten natürlich zwangsläufig nicht zu üppig mit Boni versehenen DVD-Editionen positiv zu Buche.

Regisseur*in:
Siodmak, Robert

Erschienen:
2008
Vertrieb:
Koch MediaDVD
Kennung:
DVM000464D
Zusatzinformationen:
USA, 1946

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