Anna and the King

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
2. Februar 2000
Abgelegt unter:
CD

Score

(4.5/6)

Zwei sehr gegensätzliche Kulturen begegnen sich auf romantisch, exotische und märchenhafte Weise in Anna and the King • Anna und Der König: Die junge viktorianische Offizierswitwe Anna Leonnowens (dargestellt von Jodie Foster) reiste 1862 in das Königreich Siam (heute Thailand) — damals eines der wenigen südostasiatischen Länder, das nicht unter Kolonialherrschaft stand. König Mongkut (dargestellt von Chow Yun-Fat) hatte Anna als Lehrerin für seine immerhin 58-köpfige Kinderschar angestellt: Im Verlauf der Handlung ergibt sich eine (natürlich unerfüllt bleibende) Romanze; aber auch für Spannung sorgende, abenteuerliche Aspekte (Aufstand und Militärrevolte) kommen nicht zu kurz.

Regisseur und Ko-Autor Andy Tennant hat die Geschichte der historischen Anna als bildgewaltiges Ausstattungs-Epos im Stile der Fünfziger und frühen Sechziger inszeniert. Natürlich ist der Film keine Geschichtsstunde geworden, und neben der Tatsache, dass wohl vieles in den Tagebüchern der historischen Figur von der Autorin selbst geschönt wurde, nimmt sich die Filmstory weitere Freiheiten heraus und präsentiert damit auch einige „mittlere Unwahrscheinlichkeiten“ im Handlungsablauf. Eine der kleineren Ungenauigkeiten sei hier korrigiert: Die historische Anna reiste nicht „Tausende von Kilometern“ aus dem britischen Mutterland an, sondern kam aus Bombay und hatte „nur“ (immerhin) den indischen Ozean überquert. Was soll’s, eine angenehme und auch spannende Kinounterhaltung ist der Film in jedem Fall geworden. Schon das Studium des luxuriös ausgestatteten Presseheftes war eine reine Freude, und wer Filmen wie Doktor Schiwago oder Jenseits von Afrika etwas abgewinnen kann, sollte sich diesen Film unbedingt zuerst im großen Kino und erst später auf DVD ansehen.

Für die Musik zu dieser immerhin vierten Verfilmung des Stoffes wurde der Brite George Fenton verpflichtet. Fenton, der bislang überwiegend für das Fernsehen komponierte, hat hier eine im wahren Wortsinn „schöne Musik“ geschaffen: Eine besonders auf üppigen Streicherwohlklang mit gelegentlicher Unterstützung durch ein Klavier angelegte, überwiegend ruhige und romantische Komposition, die ihren exotischen Reiz durch vielfältige Verwendung ethnischer Instrumente der Region erhält. Dem Komponisten ist durch behutsames Einarbeiten klanglicher Exotik die musikalische Verschmelzung der Kulturen — zumindest für westliche Ohren — überzeugend gelungen. Als musikalischen Höhepunkt empfinde ich „The Rice Festival“ (Track 7), in dem die Mischung aus westlicher Harmonik, Melodik und pseudo-siamesischer Klang-Exotik besonders prachtvoll aufblüht. Daneben gibt es für ein Geburtstagsfest „westlicher Art“ auch eine Polka und einen eleganten Walzer. Das ebenfalls gelungene romantische Hauptthema leitet die CD in einer heute wohl unvermeidlichen, hier aber passablen Songversion ein.

Insgesamt hat George Fenton sicher keine große dramatische Schöpfung, sondern eher sauberes, sehr solides Handwerk vorgelegt: In jedem Fall ist ihm eine gute Filmmusik gelungen, die zudem problemlos ins Ohr geht und damit auch eine gern wieder gehörte CD abgibt. Vielleicht ist die Musik trotz fernöstlicher Exotik nicht ganz zum Meditieren geeignet, aber zum Entspannen nach einem arbeitsreichen Tag oder einfach zum angenehm „Nebenbei“-Hören ist sie sehr zu empfehlen. Wer Basil Poledouris vergleichbare Musik zu Farewell to the King • Abschied vom König mag, dem dürfte auch George Fentons musikalischer Beitrag zu Anna und der König gefallen. Ein Vergleich mit Bernard Herrmanns Komposition zur 1946er Erstlingsversion des Stoffes Anna and the King of Siam, die Ende Februar auf Varèse erscheint, verspricht interessant zu werden.

Komponist*in:
Fenton, George

Erschienen:
1999
Gesamtspielzeit:
59:11 Minuten
Sampler:
aris (BMG)
Kennung:
73008-26075-2

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