CD

Veröffentlicht am 30.11.2014 | von Michael Boldhaus

Mister Moses

Mister Moses Michael Boldhaus
Bewertung

Und Moses wandelte offenbar auch in Afrika

Mister Moses * Südlich vom Pangani-Fluss (1965) ist nach seinem Kino-Einsatz sang und klanglos in der Versenkung verschwunden und zählt heutzutage zu den praktisch vergessen Hollywood-Produktionen. Verantwortlich zeichnet der renommierte britische Kameramann, Drehbuchautor, Produzent, Darsteller und Regisseur, Ronald Neame. Neame war an bemerkenswerten Produktionen beteiligt, etwa den David-Lean-Filmen Blithe Spirit * Geisterkomödie (1944), Brief Encounter * Begegnung (1945), Great Expectations * Geheimnisvolle Erbschaft (1946) und Oliver Twist (1948).  Späterhin entstanden u.a. das Katastrophenszenario The Poseidon Adventure * Die Höllenfahrt der Poseidon (1972), der Thriller zur deutschen NS-Vergangenheit The Odessa File * Die Akte Odessa (1974) und der Armageddon-Vorläufer Meteor (1979).

Mister Moses ist bislang nicht auf Video aufgetaucht und scheint im deutschen Fernsehen bisher auch nur einmal, im Dezember 1980, gezeigt worden zu sein. Die Titelfigur, verkörpert von Robert Mitchum, ist ein im Lastwagen durch Afrika reisender Scharlatan, der schließlich den Part des biblischen Vorbildes bei der Umsiedlung eines Eingeborenenstammes übernimmt, dessen ursprünglicher Lebensraum infolge eines Staudammbaus langsam überflutet werden wird. Das Lexikon des internationalen Films vermerkt dazu immerhin: „Mittelmäßig inszenierter Abenteuerfilm mit Humor und einigen Schauwerten.“

Zum Score sind weder das Notenmaterial noch die Musikaufzeichnungen erhalten. Nic Raine, Dirigent der Prager Philharmoniker auf der vorliegenden Einspielung, der seit Mitte der 1980er verschiedentlich für John Barry (1933–2011)  als Orchestrator tätig gewesen ist, hat sich die Mühe gemacht, die vollständige Musik allein anhand einer älteren Videoaufzeichnung zu rekonstruieren.

Das vorliegende Album wartet entsprechend mit der kompletten Filmmusik auf, deren kurze Spieldauer von rund 33 Minuten durch die neu eingespielte, knapp achtminütige Konzertsuite ergänzt wird, welche bereits auf dem 1999er Silva-Doppel-CD-Album Zulu vertreten ist. Diese wird hier allerdings nicht nur noch spritziger vorgetragen, sie klingt auch merklich besser – was die fortwährenden Verbesserungen der Prager Aufnahmetechnik  (insbesondere seit dem 2007er Tadlow-Debüt) nett unterstreicht. Ein weiteres Auffüllen der Spielzeit mit weiteren Barry-Kurzsuiten auf ca. 60 oder 70 Minuten wäre zwar wünschenswert gewesen, es hätte aber die Produktion erheblich verteuert. Nun, dafür gibt’s das Album um ein paar £ preiswerter als normal.

Die komplette Filmmusik erweist sich über die gesamte Laufzeit als hier und da zwar etwas repetitive, aber zugleich auch als unterhaltsame Komposition aus der Frühphase John Barrys als Filmkomponist. Es sind ja gerade die urwüchsigeren und unverbrauchten Barrys der ersten rund zwei Dekaden (gerechnet ab Liebesgrüße aus Moskau, 1963), welche in aller Regel mehr Biss und Charme besitzen als die in zunehmendem Maße weichgespülten der späteren Jahre. Auch wenn Barry in der Gestaltung nie wirklich durch Komplexität zu beeindrucken vermag. So ist es eben doch die unüberhörbare Frische seines der Unterhaltungsmusik verpflichteten Stils, welche den Hörspaß ausmacht. Wie er Elemente des Pop, des Jazz und der klassischen Sinfonik auf so gefällige wie geschickte Art und Weise miteinander verbindet und diese Synthese mit gut platzierten originellen Einfällen garniert, das macht den unverwechselbaren Charme der Filmkompositionen seiner Glanzzeit aus. Eines ihrer hervorstechenden Markenzeichen sind unmittelbar einprägsame, süffige Themen, die nicht selten Hitcharakter besitzen.

Barry gestaltete Mr. Moses dagegen recht ungewöhnlich, nämlich deutlich weniger ausgeprägt melodisch als von ihm gewohnt. Ein breit melodisches Thema kommt sogar überhaupt nicht vor. Stattdessen präsentiert er eher perkussiv gefärbte motivische Klangtupfer in Serie.

Aber trotz des nur aus zwei Motiven bestehenden thematischen Materials wie auch der recht simplen Machart der Komposition, deren Klangschichtungen Varianten der beiden Motive primär in Holz und Blech, aber auch im Schlagwerk aufscheinen lässt und nur mit einfachen rhythmischen Ostinatofiguren sowie mit Veränderungen der Dynamik arbeitet, fließt das Album insgesamt recht gut. Mr. Moses ist nun sicher kein besonderer Wurf, sondern rangiert mit gebührendem Abstand hinter dem deutlich pfiffigeren, zeitnah entstandenen Goldfinger.  Aber trotz einiger Redundanzen bereitet das Anhören einigen Spaß.

Die Prager Philharmoniker unter der Leitung von Nic Raine liefern ein weiteres Mal eine sehr engagierte Einspielung, die sich in druckvollem, tadellos aufgefächertem, luftigem Klang präsentiert. Hinzu kommt das ansprechende Begleitheft, versehen mit einem informativen Text von Frank K. DeWald zu Film und Filmmusik sowie von James Fitzpatrick zu den technischen Aspekten der Albenproduktion.

Fazit: In Gänze ist Mr. Moses sicher kein absolutes must-have: Die auf dem Album zusätzlich vertretene, neueingespielte Konzertsuite repräsentiert nämlich schon das Wesentliche dieser Filmmusik. Aber trotz ihrer unüberhörbaren Simplizität, inklusive der repetitiven Ansätze, bereitet die sehr spritzig interpretierte Musik dank ihrer Frische auch über die Gesamtspieldauer durchaus Spaß. Insbesondere für den John-Barry-Liebhaber ist das brandneue Tadlow-Prometheus-Produkt daher dank der liebevollen Machart und des sehr guten Sounds sicher eine willkommene Ergänzung der Kollektion. Dem entsprechen die im Rahmen des traditionell ja eher etwas „restriktiveren“ Cinemusic.de-Wertungssystems – im Sinne einer wohlwollenden Albumgesamtwertung – vergebenen dreieinhalb Sterne.

Hier finden Sie einen Überblick über alle bei Cinemusic.de besprochenen CDs des Labels Tadlow Music.

Titel: Mister Moses
Erschienen: 2014

Zusatzinformationen: City of Prague Philharmonic Orchestra, Nic Raine

Medium: CD
Label: Prometheus
Kennung: XPCD 176 (Vertrieb Tadlow/Silva Screen Records)

Komponist(en):


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