Special

Veröffentlicht am 29.05.2004 | von Michael Boldhaus

Kleine Klassikwanderung 12: Preiswerte musikalische Schätze entdecken bei NAXOS

Die Naxos-Story begann im Jahr 1988. Der preiswerte Bruder des Hochpreislabels Marco Polo hatte mit der Präsentation großer Interpreten von Anfang an nichts im Sinn. Ebenso wenig beabsichtigte man den Major-Companies Konkurrenz in der Reproduktion des immer gleichen Repertoires zu machen. Neben —preiswerten Einspielungen der Standardwerke hat man sich (analog Marco Polo) in den letzten rund 10 Jahren vermehrt der Erweiterung des musikalischen Repertoires verschrieben. Dies ermöglicht dem interessierten und aufgeschlossenen Musikfreund ohne großes finanzielles Risiko abseits der ausgetretenen Repertoirepfade auf Entdeckungsreise zu gehen.

Mittlerweile ist der Produktkatalog äußerst vielseitig (umfasst zurzeit über 2500 Alben) und zunehmend werden interessante Nischenplätze belegt; ist das Label „Naxos“ (www.naxos.de und www.naxos.com) vermehrt für editorische Überraschungen gut. Dieser Artikel nennt nur einige Beispiele, wobei aus Platzgründen nicht von sämtlichen der angesprochenen CDs einer Reihe Cover abgebildet sind. Interpretatorische und spieltechnische Ausrutscher infolge der finanziell engen Rahmenbedingungen der Produktionen bleibt wenig Zeit für Proben — halten sich in recht engen Grenzen. Außerdem sind die jeweiligen Begleithefte in den letzten Jahren spürbar verbessert worden. Die mitgelieferten Infos zu den eingespielten Werken und Komponisten sind nicht allein ein Stück breiter angelegt, von wenigen Ausnahmen abgesehen ist inzwischen neben einer englisch- und französischsprachigen auch eine solide ins Deutsche übertragene Version vertreten.

Wer den Naxos-Katalog durchstöbert, stellt allerdings fest, dass die Übersichtlichkeit doch noch etwas zu wünschen übrig lässt. So taucht jede CD-Nummer so häufig gelistet auf, wie Stücke desselben Komponisten vertreten sind, ohne (!) dass man dabei leicht erkennt, was zum selben Album gehört und was nicht. Die numerische Reihenfolge der CD-Alben eines Zyklus wirkt nicht unbedingt sehr logisch und ist dazu auch nicht immer konsequent aufgelistet. Hinzu kommt: die Angabe der Volume-Number ist auf den Covern leider nicht immer einheitlich platziert, was zusätzlich verwirrt. Außerdem sind beispielsweise beim Penderecki-Zyklus allein die Alben mit reinen Orchesterwerken (nicht die Solokonzerte und Chorwerke) beziffert, beim Glasunow-Zyklus hingegen ist alles komplett, beim Elgar-Zyklus wiederum wird überhaupt nicht durchnummeriert. Es ist ebenso kaum einschätzbar, bis wann ein Serien-Projekt jeweils abgeschlossen sein wird.

Im Anschluss an diesen Artikel sind zu den hier angerissenen Veröffentlichungsprojekten sämtliche zurzeit erschienenen Titel (abseits von Kammermusik) aufgelistet, um dem neugierig gewordenen Leser eine kleine zusätzliche Hilfestellung zu geben.


CD

Veröffentlicht am 29.05.2004 | von Michael Boldhaus

Hamlet

Dmitri Schostakowitsch

Der 100. Geburtstag des russischen Meisters im Jahr 2006 wirft seine Schatten voraus: Noch presswarm ist auf dem Naxos-Label eine hervorragende Bereicherung des filmmusikalischen Repertoires dieses russischen Komponisten erschienen: Erstmalig ist auf dem Markt nun die vollständige Musik zu Grigori Kosinzews Shakespeare-Verfilmung Hamlet (1964) zugänglich. Über den Komponisten Schostakowitsch muss an dieser Stelle nichts Grundlegendes geschrieben werden. Hierzu verweise ich auf den in die Thematik einführenden Artikel: „Zwischen staatlicher Gängelung und praktizierter Kunst: Der (Film-)Komponist Dmitri Schostakowitsch“.

Die bereits verschiedentlich eingespielte Orchestersuite aus Hamlet vereint zweifellos das am leichtesten zugängliche Material dieser — besonders in den jetzt hinzugekommenen Teilen — stark atmosphärisch-grüblerischen und überhaupt düsteren Musik. Schostakowitsch verwirklichte sein Vertonungskonzept bei ausgeprägter Reduktion der eingesetzten Mittel. Nur in einzelnen Höhepunkten tritt das volle Orchester auf den Plan. Überwiegend ist die Besetzung stark aufgelichtet, eher neoklassizistisch und kammermusikalisch durchsichtig und dabei fast ausnahmslos in kühlen, modern anmutenden Klangfarben gehalten. Der Komponist arbeitet nicht mit breit angelegten Melodien, sondern mit zum Teil längeren eher motivischen Tonfolgen, wobei in der Verarbeitung eine minimalistische Tendenz spürbar wird. Die Klangschöpfung zeigt anfänglich beträchtliche Sprödigkeit — sticht scharf von anderen Filmmusiken Schostakowitschs ab, z. B. The Gadfly — und erzeugt durch ihre oftmals statischen Klänge eine Atmosphäre schicksalhafter Unerbittlichkeit. In der im Ausdruck klar spürbaren Modernität ist Verwandtschaft zu Herrmann und Waxman spürbar.

Die Musik zu Hamlet benötigt gewisse Zeit zum Eingewöhnen. Dann erweist sie sich aber auch in den anfänglich etwas unscheinbar erscheinenden Musikteilen als hochdramatische, insgesamt stimmige und auch kraft- und effektvolle Filmmusik. Schostakowitsch erweist sich hier wieder einmal als Meister der Instrumentierung. Hamlets Thema erscheint im den Film eröffnenden Stück, das auf dem Album (etwas irreführend) als „Ouvertüre“ bezeichnet wird. Die ernsten Klänge funktionieren im Film als wuchtiger (moderner) Trauermarsch für Hamlets Vater, dessen Geist späterhin eine auch musikalisch wichtige Rolle spielen wird. Einzig der weiblichen Hauptfigur, Ophelia, ist lyrisch-anmutige tänzerische Musik zugeordnet. Das hierbei häufig eingesetzte Cembalo setzt dabei nur ansatzweise einen archaisierenden Zeitbezug zur Filmhandlung, häufiger wirkt sein Einsatz eher modern. Selbst da, wo erkennbar Formen alter Tanzmusik zugrunde liegen, handelt es sich weniger um elegante Stilkopien, sondern vielmehr um spiegelbildliche Reflexionen alter Stile aus moderner Sichtweise — etwas, das zweifellos kalkulierter Effekt ist, um das Zeitlose des Shakespeare-Dramas zu betonen.

Der besonders leicht zugängliche „Palace Ball“ wirkt dabei ein wenig wie eine modern gestaltete Reminiszenz an den Walzer aus der Streicherserenade Tschaikowskys und weist im Mittelteil geschickt kontrastierende Einsätze der Bläser auf. Auch das jetzt erstmalig zur Verfügung stehende Musikmaterial ist eine Bereicherung. Die „Story of Horatio and the Ghost“ ist ein atmosphärisch dichtes Vorspiel zur Geistererscheinung. Im (aus der Orchestersuite bekannten) „The Ghost“ verleiht ein Crescendo des Orchesters mit wuchtigem Schlagwerkeinsatz besagtem Gespensterauftritt machtvollen Ausdruck. „Hamlet at Ophelia’s Grave“ greift auf das thematische Material der mit prägnanten Schlägen des vollen Orchesters beginnenden „Ouverture“ zurück. Es erweist sich als geschickt auskomponierter, bohrend steigernder Dialog zwischen Cembalo und Orchester.

Das Russian Philharmonic Orchestra unter Dmitry Yablonsky lässt es in den pathetisch-wuchtigen Momenten („The Ghost“, „The Duel“) nicht an dynamisch-kraftvollem Vortrag fehlen und überzeugt ebenso in den eher zurückhaltenden, oftmals kammermusikalischen Teilen durch fein akzentuiertes, präzises und ausdrucksstarkes Spiel. So wird ein insgesamt eindrucksvoller Spannungsbogen geschaffen, der den Hörer jetzt über etwas mehr als eine Stunde und damit rund eine halbe Stunde länger als bisher zu fesseln vermag.

Neben der üblichen CD-Version (NX 8.557446) ist die Hamlet-Filmmusik auch als preiswerter High-Tech-Tonträger, SACD, erschienen, der vielseitiger einsetzbar ist. Die SACD enthält nämlich drei separate Versionen des aufgenommenen Programms. Neben der klassischen CD-Version (abspielbar auf allen CD-Spielern) sind — mit speziellem Abspielgerät — sowohl ein aus einem hochauflösenden Digitalsignal dekodiertes 2-kanaliges Stereo-Signal und alternativ ein mehrkanaliges Surround-Klangfeld wählbar. Bereits die CD-Version überzeugt durch ein überaus klares und hervorragend gestaffeltes Klangbild, das kaum Wünsche offen lässt. Das Surround-Klangfeld ist qualitativ dem Dolby-Surround-kodierter CDs eindeutig überlegen, es bleibt allerdings Geschmacksache — siehe auch Robin Hood.

Hamlet Michael Boldhaus
Bewertung

Titel: Hamlet
Erschienen: 2004

Zusatzinformationen: Russian PO, D. Yablonsky
Laufzeit: 62:28 Minuten

Medium: CD
Label: Naxos
Kennung: NX 6.110062

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Klassik

Veröffentlicht am 29.05.2004 | von Michael Boldhaus

Imperial Fanfares

Fanfaren haben nicht allein eine lange Tradition im Bereich des militärischen wie höfischen Zeremoniells, sondern haben bis auf den heutigen Tag Bedeutung zur Signalwirkung bei festlichen Anlässen behalten. Und auch so mancher Filmmusikfreund gerät bei den entsprechenden Piècen — beispielsweise eines Miklós Rózsa — ins Schwärmen.

Die vorliegende CD ist nur ein Beispiel für die vom Naxos-Label mittlerweile verstärkt besetzten Nischenplätze des Repertoires, wobei es so manch reizvolle Kuriosität zu entdecken gibt. Das aus Nachwuchsmusikern zusammengesetzte, 1994 von Leonhard Leeb gegründete Wiener Trompeten-Ensemble „The Art of Trumpet“ stellt insgesamt 76 Beispiele für Fanfaren vor, ausgehend vom 17. Jahrhundert bis in unsere Zeit: Das knapp 3-minütige „Wrapped in Mystery“ von Leon Bolten ist den Opfern des Terroranschlags vom 11. September 2001 gewidmet. Der Interessierte bekommt hier das Fanfaren-Genre in Breite und Vielschichtigkeit angemessen interpretiert und oftmals klangprächtig vor Ohren geführt — obwohl filmmusikrelevante Komponisten nicht vertreten sind.

Titel: Imperial Fanfares
Erschienen: 2003

Zusatzinformationen: The Art of Trumpet, Wien
Laufzeit: 68:28 Minuten

Medium: CD (Klassik)
Label: Naxos
Kennung: NX 8.555879

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Klassik

Veröffentlicht am 29.05.2004 | von Michael Boldhaus

Penderecki: Threnody, Symphony No. 3

Krzysztof Penderecki (∗ 1933)

Der Name dieses für die Musik des 20. Jahrhunderts bedeutenden Polen steht bei vielen für kompromissloses (und damit abschreckendes) Neutönertum. Davon liefern seine frühen, avantgardistischen, klangexperimentellen Werke (auf Vol. 1) einen Eindruck, so das kraftvolle und wahrhaft „spannende“, nachträglich den Opfern von Hiroshima gewidmete, berühmte Streicherstück „Threnody“ und ebenso die bis zur Geräuschgrenze vorstoßenden „Fluorescences“, die für eine außerordentlich große Besetzung geschrieben sind — eine, die selbst singende Säge und Schreibmaschine einschließt.

Allerdings hat sich der Komponist bereits seit 1962 gemäßigt, sucht seitdem in der Verbindung von Tradition und Avantgarde eine ihm zeitgemäß erscheinende Lösung. Penderecki kommentierte diese Wandlung Anfang der 90er Jahre: „Das erkundete Material ist erschöpft. Man hat alles zur Verfügung — kann also aus dem Vollen schöpfen. Das ist das Faszinierende von heute: Wir können auswählen, Mittel finden, die nicht mehr (nur) neue, nie vorhandene Effekte darstellen, da in diesem Sinne Neues nicht mehr vorstellbar ist. Wir können aber beginnen, anstelle neuer Erfindungen von Klang-Gags wieder Musik zu machen.“ Nicht überall ist dieses Bekenntnis des Künstlers auf Verständnis gestoßen: Ob man den Bruch mit den Dogmen der Avantgarde nun als reaktionär, als “Verrat” oder eher notwendigen Schritt ansehen mag, sei dahingestellt. Tatsache ist allerdings, dass Penderecki kein Einzelfall ist: Zu denen, die nach zum Teil heftigen modernistischen Experimenten wieder ihren Frieden mit der Tradition machten, zählen Komponisten wie Richard Strauss, Sergej Prokofjew und auch Hans-Werner-Henze. Naxos’ Penderecki-Zyklus vereint die derzeit umfassendste Werkkollektion dieses wichtigen zeitgenössischen Komponisten unter einem Dach. Allein schon um vernünftig mitreden zu können, sollte jeder ernsthafte Musikfreund sich zumindest mit einigen CDs dieser Reihe auseinander setzen.

Für die in Pendereckis gemäßigten Werken aufscheinenden, an Mahler und Bruckner erinnernden Romantizismen steht nicht nur die so genannte „Weihnachtssinfonie“ (Sinfonie Nr. 2, auf Vol. 3). Deren eher irreführender Name rührt von der dreimal zitierten Eröffnungsphrase des Liedes „Stille Nacht“ her. Dieses bringt allerdings keinerlei Weihnachtsstimmung mit sich, sondern ist vielmehr nur Teil des verwendeten Themenmaterials — Penderecki beendete das Konzept zufällig Heiligabend (!) 1979. Musikalisch handelt es sich um ein ernstes, von seelischen und politischen Konflikten zerrissenes Werk. Zu den sehr lyrisch anmutenden Kompositionen zählen die beiden Violinkonzerte, die für den vorsichtigen, romantisch geprägten Entdeckungsreisenden vielleicht gar einen besonders einfachen Einstieg markieren.

Titel: Penderecki: Threnody, Symphony No. 3
Erschienen: 2000

Zusatzinformationen: National Polish RSO, A. Wit
Laufzeit: 77:25 Minuten

Medium: CD (Klassik)
Label: Naxos
Kennung: NX 8.554491

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Klassik Penderecki - St Lukes Passion

Veröffentlicht am 29.05.2004 | von Michael Boldhaus

Penderecki: St. Luke Passion

Ein Highlight dieses überaus beachtlichen Penderecki-Zyklus auf Tonträger bildet die aktuelle Veröffentlichung der „Lukas-Passion“; ein Werk, das im Auftrag des WDR entstand — anlässlich des 700. Jahrestages der Weihe des Doms im westfälischen Münster, uraufgeführt am 30. März 1966. Diese Tonschöpfung belegt auf besonders faszinierende Weise das Credo ihres Schöpfers „Wir können noch immer alte Formen verwenden, um neue Musik zu machen“. Das groß angelegte Chorwerk steht formal in der Tradition der Passionen Johann Sebastian Bachs. Die klassischen Formen, wie Chöre, Arien und die Erzählungen des Evangelisten, werden mit modernen, aber keineswegs übertriebenen, auf rein provozierende Klang-Gags abzielenden avantgardistischen Mitteln gelungen zu neuem Leben erweckt. Dabei stehen sowohl feierliche wie flehende, aber ebenso unerbittlich schneidende Klänge auf dem Programm. Den ergreifenden Höhepunkt bietet die ausgedehnte Passacaglia des „Popule meus“.

Das Resultat ist ein zweifellos ungewöhnliches, aber nach Einhören, auch unabhängig vom religiösen Bekenntnis emotional tief beeindruckendes wie überhaupt sehr eindringliches und damit packendes — vielleicht zeitloses — Werk eines Meisters des 20. Jahrhunderts, das den aufgeschlossenen Hörer in seinen Bann zu ziehen vermag.

Die zur Realisierung eingesetzten Orchester sind dem Anspruch der Kompositionen zweifellos adäquat, was ebenso für die hervorragenden Chöre und Solisten der „Lukas-Passion“ gilt — nicht umsonst werden die Einspielungen vom polnischen Staat gefördert. Beim Dirigenten Antoni Wit, einem Studienkollegen Pendereckis, ist der Werkzyklus in besten Händen und auch aufnahmetechnisch gibt es nichts zu bemängeln. Die raffinierten, ein wenig an Brittens [url=rezension.htm?rid=1612]„War Requiem“[/url] erinnernden Klangschichtungen der „Lukas-Passion“ sind dabei besonders vorzüglich eingefangen worden. Das fein und tief gestaffelte sowie exzellent durchhörbare Klangbild ist derart mustergültig geraten, dass es auch von der Hochpreiskonkurrenz wohl kaum noch getoppt werden kann.

Titel: Penderecki: St. Luke Passion
Erschienen: 2003

Zusatzinformationen: Warsaw NPO, A. Wit
Laufzeit: 76:24 Minuten

Medium: CD (Klassik)
Label: Naxos
Kennung: NX 8.557149

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Klassik Elgar: The Dream of Gerontius

Veröffentlicht am 29.05.2004 | von Michael Boldhaus

Elgar: The Dream of Gerontius

Edward Elgar (1857-1934)

Der berühmte Brite gilt als der Begründer eines eigenständigen englischen Nationalstils. Seine hochromantische Musik vereint die Errungenschaften von Brahms und Wagner. Vielen Filmmusikfreunden ist zumindest ein Teilaspekt der Musik Elgars unterschwellig geläufig, und zwar seine typisch pompös-britischen „Pomp and Circumstance“-Märsche, die Stilvorbild für unzählige Filmsituationen waren und sind — z. B. in Star Wars (im Finale, „The Throne Room“) und in Khartoum (Gordons Thema). Die Naxos-Reihe wartet natürlich auch mit den besagten Märschen auf, aber ebenso ist eine Rarität, die unvollendet gebliebene 3. Sinfonie des Komponisten in der ergänzten Fassung von Anthony Payne, im Angebot. Darüber hinaus findet sich eine erstklassige Aufnahme des poesievoll-mystischen Oratoriums „Der Traum des Gerontius“ mit dem Bournemouth Symphony Orchestra unter David Hill: eines der Top-Beispiele des Naxos-Labels für große Musik in überzeugender Interpretation zu kleinem Preis.

Eine besonders charmant klingende Veröffentlichung und damit auch unbedingte Einsteigerempfehlung bildet die erst kürzlich erschienene Kopplung aus den beiden Suiten „Wand of Youth“, die „Nursery Suites“ und „Dream Children“. In „Wand of Youth“ bearbeitete der Komponist frühe Kompositionen seiner Kindheits- und Jugendjahre und kleidete diese in ein feinsinnig erdachtes orchestrales Gewand. So entstand eine facettenreiche Folge warmherzig melodischer, von vielfältigen nostalgisch anmutenden Stimmungen getragener Miniaturen. Die beiden wahrhaft träumerisch-idyllischen Piècen der „Dream Children“ beruhen vermutlich ebenfalls auf frühen Kompositionen, und mit der 1930 komponierten „Nursery Suite“ knüpfte der Brite stilistisch nochmals an die reizenden musikalischen Kindheitserinnerungen von „Wand of Youth“ an. Das australische Queensland Orchestra unter James Judd bringt die Musik engagiert und gut disponiert zum Erklingen.

Edward Elgars oftmals üppige und schwelgerische, mitunter auch bombastische Musik lässt auch den aufgeschlossenen Filmmusikfreund nicht kalt. Hier kann man mit geringem finanziellem Aufwand den Elgar-Horizont erweitern.

Titel: Elgar: The Dream of Gerontius
Erschienen: 1997

Zusatzinformationen: Bournemouth SO, D. Hill
Laufzeit: 93:52 Minuten

Medium: CD (Klassik)
Label: Naxos
Kennung: NX 8.553885-86 (2 CDs)

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Klassik Elgar: The Wand of Youth

Veröffentlicht am 29.05.2004 | von Michael Boldhaus

Elgar: The Wand of Youth

Titel: Elgar: The Wand of Youth
Erschienen: 2004

Zusatzinformationen: New Zealand SO, J. Judd
Laufzeit: 66:47 Minuten

Medium: CD (Klassik)
Label: Naxos
Kennung: NX 8.557166

Komponist(en):

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Klassik Glasunow: Triumph March - Chopiniana

Veröffentlicht am 29.05.2004 | von Michael Boldhaus

Glasunow: Triumph March, Chopiniana

Alexander Konstantinowitsch Glasunow (1865-1936)

Der hochbegabte russische Komponist, zuerst ein Wunderkind, später Lehrer des jungen Schostakowitsch, war ein hervorragender Sinfoniker. Seine sehr melodische, sowohl klangsinnliche als auch effektvoll instrumentierte und ebenso formtechnisch exzellente Musik steht im Ausdruck Rimskij-Korsakow und auch Tschaikowsky nahe — wirkt oftmals geradezu wie ein auf Hochglanz polierter Tschaikowsky. Naxos begann seinen Glasunow-Zyklus bereits 1995 und dieser ist mittlerweile auf 17 Alben angewachsen.

Von diesem brillanten Komponisten ist hierzulande eher selten und wenn, dann in erster Linie im Rundfunk zu hören. Auf unseren Konzertspielplänen ist Glasunows blendend klingende Musik einfach völlig unterrepräsentiert. Dem Filmmusikfreund dürfte neben der ansprechenden Melodik das häufig Tonmalerische in den elegant-stimmungsvollen, programmatischen Tondichtungen begeistern (beispielsweise in „Der Kreml“ und „Aus dem Mittelalter“). Keineswegs zu verachten ist auch das exotische Kolorit in den beiden „Ouvertüren über drei griechische Themen“: hier gehörte der Komponist zu denen, die (wie auch Emmanuel Chabrier mit dem berühmten „España“) einen lang anhaltenden Trend begründeten, den man heutzutage „Weltmusik“ nennt. Wie auch bei den beiden kleinen charmanten Serenaden handelt es sich hierbei übrigens um Frühwerke, die sämtlich im Alter von nicht einmal 20 Jahren entstanden. Der für die Weltausstellung in Chicago 1893 komponierte „Triumphmarsch“ verarbeitet schmissig und elegant zugleich das berühmte Traditional „John Brown’s Body“. Und die klangprächtigen Adaptionen Chopinscher Klavierstücke wurden auch hierzulande als Ballettmusik „Chopiniana“ und ebenso unter dem Alternativtitel „Les Sylphides“ bekannt. Wer beim Tänzerischen auf den Geschmack gekommen ist, sollte sich auch die opulente Ballettmusik zu „Raymonda“ (Vol. 1) keinesfalls entgehen lassen. Neben vielfältigen Tanzformen erweist Glasunow sowohl Wagner als auch der französischen Musik des 18. Jahrhunderts geschickt und klangschön Referenz.

Es ist lohnend, sich eingehender mit dem Werk Glasunows zu befassen. Der im Aufbau befindliche Naxos-Zyklus lädt dazu ein und bringt dabei auch manch herrliches Werk zum Erklingen, das auf dem Tonträgermarkt zurzeit wenig oder gar keine Konkurrenz hat.

Titel: Glasunow: Triumph March, Chopiniana
Erschienen: 2003

Zusatzinformationen: Moscow SO, V. Ziva
Laufzeit: 70:33 Minuten

Medium: CD (Klassik)
Label: Naxos
Kennung: NX 8.555048

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Klassik Glasunow: The Kremlin / From the Middle Ages

Veröffentlicht am 29.05.2004 | von Michael Boldhaus

Glasunow: The Kremlin / From the Middle Ages

Titel: Glasunow: The Kremlin / From the Middle Ages
Erschienen: 1996

Zusatzinformationen: Moscow SO, K. Krimets
Laufzeit: 79:26 Minuten

Medium: CD (Klassik)
Label: Naxos
Kennung: NX 8.553537

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Klassik

Veröffentlicht am 29.05.2004 | von Michael Boldhaus

Rodrigo: Soleriana

Joaquín Rodrigo (1901-1999)

Von den Werken dieses spanischen Komponisten sind zwei oftmals selbst denen geläufig, die über eine klassische Basiskollektion bislang nicht hinausgekommen sind: Das „Concierto de Anranjuez“ und die „Fantasía para un gentilhombre“, beide für Gitarre und Orchester. Dank ihrer Virtuosität sowie der besonders sinnfälligen Melodik avancierten diese Kompositionen zu Gassenhauern und unverzichtbaren Repertoirestücken von Gitarristen. Abseits dieser beiden Kompositionen war von Rodrigos Werken auf dem internationalen CD-Markt bislang aber nur wenig greifbar. Die aus Anlass des 100. Geburtstag des Komponisten produzierte, mittlerweile auf sieben CDs angewachsene Reihe einer Gesamteinspielung seiner Orchesterwerke ist eine begrüßenswerte editorische Leistung. Eine, die zwar keine für die Musikgeschichte fundamentalen Funde enthält, aber sehr wohl mehr als nur einmal hörenswerte Musik. Da ist die für ein Ballett entstandene Suite „Soleriana“, die barocke Cembalo-Sonaten Antonio Solers dank geschickter Instrumentierung reizvoll und klangschön auf das moderne Sinfonieorchester überträgt. Witz, Frische und vitale Experimentierfreude spricht aus den impressionistisch gefärbten „Kinderstücken“ („Cinco piezas infantiles“). Auch die hier nicht eingehend vorgestellten CDs bieten Reizvolles: so in Vol. 4 das imposante Klavierkonzert, „Concierto para piano y orchestra“. Dazu bietet die wiederum impressionistisch angehauchte „Mùsica para un jardin“ einen lyrisch-intimen Kontrast. Das für kleine Besetzung geschriebene Werk spiegelt auf luftig-elegante Art und Weise (herrliche Soli von Oboe und Englischhorn) den Wechsel der Jahreszeiten in einem (spanischen) Garten wider. Vol. 6 enthält neben Tänzerischem reizvolle sinfonische Dichtungen des Spaniers: so die 1976 der NASA gewidmete mystisch anmutende – etwas an „Neptun“ aus G. Holsts „Die Planeten“ erinnernde — „A la busca del más allá“, sowie das mit seinen machtvollen Bläserfanfaren Miklós Rózsas El Cid in Erinnerung rufende „Per la flor del lliri blau“, dem eine mittelalterliche valenzianische Legende zugrunde liegt. Und Vol. 8 besticht nicht allein durch das für James Galway komponierte, Naturstimmungen assoziierende Flötenkonzert „Concierto Pastoral“, sondern ebenfalls durch die von Galway für Flöte und Orchester umarrangierte „Fantasia para un gentilhombre“.

Die hier zum Zuge kommenden spanischen Klangkörper, wie das Asturias Symphony Orchestra, sind wie die Solisten trotz Niedrigpreiskategorie des Tonträgers keineswegs zu verachten und auch aufnahmetechnisch können sich die Alben mehr als nur hören lassen. Wer vom spanischen Kolorit und eingängiger, schöner Melodie durchsetzte Werke kennen lernen und sich damit auf festem romantischem Terrain — gefahr- aber keineswegs reizlos — auf musikalische Entdeckungsreise begeben möchte, dem sei der Naxos-Rodrigo-CD-Zyklus ganz besonders empfohlen.

Titel: Rodrigo: Soleriana
Erschienen: 2002

Zusatzinformationen: Asturias SO, M. Valdés
Laufzeit: 60:56 Minuten

Medium: CD (Klassik)
Label: Naxos
Kennung: NX 8.555844

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Klassik Rodrigo: Concerto de Aranjuez

Veröffentlicht am 29.05.2004 | von Michael Boldhaus

Rodrigo: Concierto di Aranjuez / Concierto Andaluz

Titel: Rodrigo: Concierto di Aranjuez / Concierto Andaluz
Erschienen: 2002

Zusatzinformationen: Asturias SO, M. Valdés
Laufzeit: 68:14 Minuten

Medium: CD (Klassik)
Label: Naxos
Kennung: NX 8.555841

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Klassik Orbón: Symphonic Dances

Veröffentlicht am 29.05.2004 | von Michael Boldhaus

Orbón: Symphonic Dances

Julián Orbón (1925-1991)

Der aus Asturien stammende Julián Orbón lebte von 1940 bis 1960 in Kuba. Nach der kubanischen Revolution ging er zwar ins Exil und ließ sich schließlich in New York nieder. Trotzdem verstand er sich als multikultureller Musikschöpfer, als Asturier, Spanier und Kubaner, behielt zeitlebens seine spanische Staatsbürgerschaft. 1954 erhielt er im Rahmen eines Stipendiums für Tanglewood Unterricht bei Aaron Copland.

Breit gefächerte Einflüsse finden sich in Orbóns Ibero-lateinmerikanischer Musik. Neben den „Tres versiones sinfónicas“ und den „Danzas sinfónicas“ hinterlässt das „Concerto Grosso für Streichquartett und Orchester“ den wohl nachhaltigsten Eindruck von der markanten, auch handwerklich vielseitigen Musik eines hierzulande kaum geläufigen Tonsetzers. Ein oder auch zwei weitere Alben mit einer Auswahl prägnanter Werke hätten zweifellos ebenfalls das Zeug zur willkommenen Ergänzung und vielschichtigen Bereicherung des Musik-Repertoires auf Tonträger.

Titel: Orbón: Symphonic Dances
Erschienen: 2004

Zusatzinformationen: Asturias SO, M. Valdés
Laufzeit: 66:17 Minuten

Medium: CD (Klassik)
Label: Naxos
Kennung: NX 8.557368

Komponist(en):

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Klassik Klassik kennen lernen - Beethoven

Veröffentlicht am 29.05.2004 | von Michael Boldhaus

Klassik kennen lernen – Beethoven

Klassik Kennen Lernen — Beethoven: Die „Revolution“ in seinen Sinfonien

Wussten Sie, dass das berühmte Motiv des Kopfsatzes der Fünften von Cherubini abgekupfert ist, dass besagte Sinfonie einmal die Bezeichnung „Die Französische“ trug? Dass die Pastorale ihr Vorbild in einer Komposition eines Franzosen namens Lefèvre, „Hymne an die Landwirtschaft“, besitzt?

Der Musikwissenschaftler Stefan Schaub verdeutlicht nicht nur dies, sondern auch, wie interessant und aufschlussreich eine „französische Denkweise“ in der Betrachtung der zentralen Werke im Schaffen dieses berühmten „deutschen“ Komponisten ist. Seine jetzt auch in Form einer CD-Reihe zugänglichen lehrreichen „Seminare für Klassische Musik“ vermeiden erfreulicherweise übertriebene Spekulationen, die allzu leicht ins Abseits führen können. Vielmehr geht der hörbare Überzeugungstäter primär vom Werk, also der Musik aus und stellt mit einwandfrei Belegbarem spannend und leicht verständlich Zusammenhänge her, die es erlauben, diese ach so bekannte Musik mit anderen Ohren neu zu hören und dabei das wahrlich Revolutionäre in ihr wieder zu entdecken.

Im Falle des aus Bonn stammenden Ludwig van B. verdeutlicht der Musikologe, wie bedeutungsvoll gerade die frühen Bonner Jahre für den so markanten, typischen Tonfall im Werk des reiferen Komponisten gewesen sind. Er zeigt auf, wie stark sich die Ideale der Französischen Revolution und zugleich die musikalischen Traditionen des revolutionären Frankreich in der Sinfonik Beethovens widerspiegeln. Das von den meisten Beethoven-Biografien gezeichnete Bild des großen Komponisten ist nicht nur romantisiert, sondern zugleich von nationaler Vereinnahmung geprägt — infolge der (zweiten) Reichsgründung von 1871. Indem verdeckte Zusammenhänge frei gelegt werden, gewinnt man wichtige Erkenntnisse hinzu, die es gestatten, auch bereits bekannte Musik „neu“ zu hören. Den „Geist der Aufklärung“ zu verspüren, genau dafür sorgt das vorliegende Album.

Krzysztof Penderecki:

PENDERECKI: Symphony No. 3 / Threnody 8.554491 (Vol. 1)
PENDERECKI: Symphonies Nos. 1 and 5 8.554567 (Vol. 2)
PENDERECKI: Symphonies Nos. 2 and 4 8.554492 (Vol. 3)
PENDERECKI: Violin Concertos Nos. 1 and 2 8.555265
PENDERECKI: St. Luke Passion 8.557149

Edward Elgar:

ELGAR: Symphony No. 1 / Imperial March 8.550634
ELGAR: Symphony No. 2, Op. 63 8.550635
ELGAR-PAYNE: Symphony No. 3 8.554719
ELGAR-PAYNE: Symphony No. 3 5.110003 (DVD-Audio-Version von 8.554719)
ELGAR: Enigma Variations / In the South / Coronation March 8.553564
ELGAR: Falstaff / The Sanguine Fan 8.553879
ELGAR: Enigma Variations / Pomp and Circumstance Marches 8.554161
ELGAR: Cello Concerto / Introduction and Allegro / Serenade for Strings 8.554409
ELGAR: Violin Concerto / Cockaigne Overture 8.550489
ELGAR: Wand of Youth / Nursery Suite 8.557166
ELGAR: The Dream of Gerontius, Op. 38 8.553885-86

Alexander Glasunow:

Hier haben wir nach aufsteigenden Vol.-Nummern gelistet, wodurch allerdings die Einspielungen der Sinfonien nicht mehr untereinander stehen:

GLAZUNOV: Raymonda (Complete Ballet, 2-CDs) 8.553503-4 (Vol. 1)
GLAZUNOV: The Kremlin / From the Middle Ages / Poeme Lirique 8.553537 (Vol. 2)
GLAZUNOV: The King of the Jews 8.553575 (Vol. 3)
GLAZUNOV: Stenka Razin / Une fete slave / Cortege solennel 8.553538 (Vol. 4)
GLAZUNOV: Symphonies Nos. 2 and 7 8.553769 (Vol. 5)
GLAZUNOV: Carnaval / Spring / Salome / Waltzes 8.553838 (Vol. 6)
GLAZUNOV: Symphonies Nos. 1 and 4 8.553561 (Vol. 7)
GLAZUNOV: Seasons (The) / Scenes de Ballet 8.553915 (Vol. 8)
GLAZUNOV: Finnish Fantasy / Finnish Sketches 8.553839 (Vol. 9)
GLAZUNOV: Suite Caractéristique / Le Chant du Destin 8.553857 (Vol. 10)
GLAZUNOV: Works for Cello and Orchestra 8.553932 (Vol. 11)
GLAZUNOV: Symphonies Nos. 3 and 9 8.554253 (Vol. 12)
GLAZUNOV: Symphony No. 6 / The Forest 8.554293 (Vol. 13)
GLAZUNOV: Piano Concertos 1 & 2 8.553928 (Vol. 14)
GLAZUNOV: Symphonies Nos. 5 and 8 8.553660 (Vol. 15)
GLAZUNOV: The Sea / Oriental Rhapsody / Ballade 8.553512 (Vol. 16)
GLAZUNOV: Chopiniana / Overtures on Greek Themes 8.555048 (Vol. 17)

Joaquín Rodrigo:

(Vol. 7 ist noch nicht erschienen.)

RODRIGO: Soleriana / Zarabanda lejana y Villancico 8.555844 (Vol. 1)
RODRIGO: Concierto de Aranjuez / Concierto Andaluz 8.555841 (Vol. 2)
RODRIGO: Concierto in Modo Galante / Concierto de Estio 8.555840 (Vol. 3)
RODRIGO: Piano Concerto / Musica para un Jardin 8.557101 (Vol. 4)
RODRIGO: Concierto Madrigal / Concierto para una Fiesta 8.555842 (Vol. 5)
RODRIGO: The Flower of the Blue Lily 8.555962 (Vol. 6)
RODRIGO: Concierto Pastorale / Fantasia para un Gentilhombre 8.557801 (Vol. 8)

Dieser Artikel ist Teil unseres umfangreichen Programms zu Pfingsten 2004.

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Titel: Klassik kennen lernen – Beethoven
Erschienen: 2004

Zusatzinformationen: Dr. Stefan Schaub
Laufzeit: 72:54 Minuten

Medium: CD (Klassik)
Label: Naxos
Kennung: NX 8.520042

Komponist(en):

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