CD

Veröffentlicht am 30.04.2003 | von Michael Boldhaus

The Man from U.N.C.L.E.

The Man from U.N.C.L.E. Michael Boldhaus
Bewertung

The Man from U.N.C.L.E. • Solo für O.N.K.E.L. und I Spy • Tennis-Schläger und Kanonen zählen zu den TV-Serien, die den erfolgreichen James-Bond-Filmen nacheifern, in der ersten Hälfte der 60er Jahre an den Start gingen und in vielen Ländern sehr erfolgreich waren, ja geradezu Kultstatus erreichten. (Übrigens, bei der Erstausstrahlung im ZDF hieß es noch SOLO FÜR O.N.C.E.L. mit „C“ statt „K“.)

Der Einsatz des populären Big-Band-Swings mancher US-Film-Musicals der 40er Jahre für andere Filmgenres wurde wohl im Wesentlichen von Henry Mancini begründet. Er betreute als Arrangeur The Glenn Miller Story (1953) und The Benny Goodman Story (1955) und komponierte 1959 die jazzig angehauchte TV-Musik zur Detektiv-Serie Peter Gunn, die in besonderem Maße Vorbildfunktion für von Jazz und Pop inspirierte Filmkompositionen der 60er gehabt haben dürfte. (Es folgten die ähnlich angelegten Vertonungen zur Filmserie um Inspektor Clouseau, deren erster Film The Pink Panther • Der rosarote Panther aus dem Jahr 1963 stammt.)

Den sinfonischen Jazz hingegen machte Alex North mit A Streetcar Named Desire (1951) in Hollywood salonfähig. In Folge entstanden von Komponisten wie Elmer Bernstein (The Man with the Golden Arm, 1955) und Franz Waxman (Crime in the Streets, 1956) vergleichbar angelegte Filmmusiken.

Solo für O.N.K.E.L.

In The Man from U.N.C.L.E. verkörpern die Schauspieler Robert Vaughn und David McCallum das Agentenduo Napoleon Solo und Illya Kuryakin; Leo G. Carroll spielt Alexander Waverly, den Chef von U.N.C.L.E., einer weltweit operierenden Organisation, deren Kürzel für United Network Command for Law and Enforcement steht. Untypisch für die Zeit des kalten Krieges kämpfen hier Amerikaner und Russen gegen einen gemeinsamen Feind, das internationale Syndicat der D.R.O.S.S.E.L. (McCallums Rollkragenpullover und seine gemäßigte Beatle-Frisur beeinflussten übrigens die Moden ihrer Zeit.) Musikalisch betreuten die Serie Jerry Goldsmith, Morton Stevens, Walter Scharf, Lalo Schifrin, Gerald Fried, Robert Drasnin und Richard Shores.

Die beiden randvollen FSM-CDs enthalten ausgewähltes Musikmaterial aus den vier Staffeln der Serie im Stil einer „Best-of-Präsentation“. Es präsentiert sich Melodisch-Jazziges im Big-Band-Stil, das oftmals noch mit Popelementen angereichert ist. Jerry Goldsmith spendierte nicht allein ein markantes Titelthema, er schrieb auch die Musik zum Pilotfilm sowie für drei Folgen der ersten Staffel und beeinflusste maßgeblich den musikalischen Stil der gesamten Serie. Die auf sein Konto gehenden rund 40 Minuten auf CD 1 repräsentieren zugleich die stärksten Teile des Doppelalbums. Goldsmiths U.N.C.L.E.-Musiken zeichnen sich durch besonders versierten Umgang mit dem thematischen Material und durch besonders raffinierte Klangkombinationen aus, wobei in den Spannungs- und Actionmomenten immer wieder Bernard Herrmann spürbar wird, ohne dass von einfallslosem Plagiieren gesprochen werden kann (siehe hierzu auch The Prize).

Ein Ensemble aus 27 Musikern stand Goldsmith für den Pilotfilm zur Verfügung. Spätere Kompositionen mussten aus Budget-Gründen mit deutlich kleineren Besetzungen auskommen, konnten nur auf 16 oder noch weniger Musiker zurückgreifen. Aber trotz der mitunter außerordentlich kleinen Besetzungen gelingt Hörenswertes. Durchaus nett ist z. B. „Roulette Rhumba“ von Lalo Schifrin, der immer wieder gern eingesetzt wurde, wenn lateinamerikanische Musik gebraucht wurde; ebenso originell sind Gerald Frieds Einwürfe des Cembalos in „The Discotheque Affair“ und auch die recht vielfältigen Suspense- und Actionmusiken von Richard Shores in „The J for Judas Affair“.
Der Hauptteil der Musikausschnitte ist in sehr sauberen, klaren Mono-Aufnahmen vertreten, die gegenüber den stereophonen Einspielungen der 4. Staffel qualitativ kaum abfallen. Wertungsmäßig schwankt das Gebotene zwischen 2,5 und 3,5 Sternen. Das mit kompetenten Texten von Jon Burlingame versehene und sehr ansprechend illustrierte Begleitheft lässt kaum Wünsche offen. Und da die zweite CD nur ganze 5 $ Aufschlag zum FSM-Standard-Preis von 19.95 $ kostet, ist das interessante Doppel-CD-Set auch für nicht TV-Serien-Freaks eine günstige Anschaffung.

Titel: The Man from U.N.C.L.E.
Erschienen: 2002

Laufzeit: CD-1: 77:05 Min., CD-2: 76:08 Minuten

Medium: CD
Label: FSM
Kennung: Vol. 5 No. 18 (2 CDs)

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CD

Veröffentlicht am 30.04.2003 | von Michael Boldhaus

I Spy

I Spy Michael Boldhaus
Bewertung

Tennisschläger und Kanonen

I Spy • Tennisschläger und Kanonen ist eine TV-Serie der NBC, die zwischen 1965 und 1968 in den USA ausgestrahlt worden ist. Robert Culp als Profi-Tennisspieler Kelly Robinson und sein dunkelhäutiger Trainer und Teamkollege Bill Cosby als Alexander Scott agierten – damals ein Novum – als gleichberechtigte Partner. Insbesondere die humorvolle deutsche Synchronisation machte die Serie hierzulande zu einem Publikumserfolg.

Die Musik komponierte zum Großteil der 1919 geborene Earle Hagen, ein versierter Posaunist, der in berühmten amerikanischen Big Bands, wie der von Benny Goodman und Tommy Dorsey, mitgewirkt hat. Zwischen 1946 und 1953 arbeitete Hagen als Arrangeur bei 20th Century Fox unter Alfred Newman. 1953 verließ er Fox zusammen mit Herbert Spencer (dem späteren Orchestrator von John Williams), und sie gründeten ihr eigenes Musikunternehmen für TV-Vertonungen.

Üblicherweise wurden Fernsehserien und -Shows größtenteils mit in Europa eingespielter Archivmusik (so genannten stock music libraries) unterlegt – eine Vertonungspraxis, die aus der Stummfilmära stammt. Erstaunlicherweise sind für sämtliche 82 Folgen von I Spy nur speziell komponierte Filmmusiken verwendet worden. Für 53 Folgen zeichnet Earl Hagen verantwortlich und immerhin 26 vertonte Hugo Friedhofer (siehe Friedhofer-Special). Friedhofer unterstützte Hagen auch bei den Orchestrierungen der Scores für die erste Serienstaffel.

Hagens auf Big-Band-Standards (Blechbläser, Schlagzeug und Holzbläser) basierende Vertonungen erweisen sich als erstaunlich vielseitig und auch experimentell. Hagen bezeichnete sein Ausgangs-Idiom als „Semi-Jazz“, erweiterte sein Ensemble aber z. B. durch eine Streichersektion und näherte seine Kompositionsweise stärker einem traditionell sinfonischen Stil an, wenn es der Stoff erforderte.

Die vorliegende CD präsentiert Musik aus den beiden ersten Staffeln und stellt die sorgfältige Arbeitsweise für diese „nur“ Fernsehmusiken klar hörbar unter Beweis. Neben eher leichtgewichtigeren jazzigen Big-Band-Sounds (gelegentlich eingestreute Popelemente inklusive) findet sich bemerkenswerte Vielseitigkeit im folkloristischen Klangkolorit für die über den Globus weitverstreuten Schauplätze – anders als bei The Man from U.N.C.L.E. wurden die Außenaufnahmen der exotischen Schauplätze dagegen ausschließlich im Studio realisiert.

Die den Serienfolgen zugeordneten Schauplätze (auf der vorliegenden CD: Hong Kong, Japan, Mexico, Burma und Spanien) spiegeln sich in jeweils sehr individuell zugeschnittenem und charakteristisch klingendem ethnischen Kolorit wider. Die in Burma spielende Folge „The Warlord“ hat ein wenig das exotischen Flair von Herrmanns [url id=1016]Anna and the King of Siam[/url], und in der in Hong Kong spielenden Folge „So Long Patrick Henry“ fehlt auch ein originelles Zitat des James-Bond-Themas nicht. Und in „Mainly on the Plains“ klingt es nicht allein überzeugend spanisch. Die einprägsamen von Streichern getragenen Melodien werden mitunter im gleichen Track mit schickem Swing kombiniert. Der Klang ist vorzüglich und das meiste Musikmaterial liegt sogar in erstklassigen 3-Kanal-Stereo-Aufnahmen vor.

Keinesfalls kann hier also von eher simpler fernsehtypischer musikalischer Einheitssoße gesprochen werden. Wie die Musiken zu The Man from U.N.C.L.E. oder auch zu den beiden Derek-Flint-Filmen Our Man Flint und In Like Flint bleibt auch das für I Spy Komponierte einer primär jazzigen Big-Band-Unterhaltung verpflichtet. Oder entpuppt sich in Teilen als mit Jazzigem angereicherte pop-sinfonische leichte Unterhaltungsmusik. Unterm Strich zeigt dabei dieses erste CD-Album zu I Spy – gerade durch die liebevoll eingearbeiteten Exotismen – ein Stück größere Vielseitigkeit und auch größere Eingängigkeit. Die CD dürfte daher bei manchem bevorzugt im CD-Spieler landen.

Wertungsmäßig 3,5 Sterne mit der Tendenz zu 4 Sternen. Den Ausschlag nach oben liefert hier das – in meinen Augen – besonders reizvolle und informative Booklet. Auch das mit kompetenten Texten von Jon Burlingame versehene Begleitheft zur Doppel-CD The Man from U.N.C.L.E. ist keinesfalls zu verachten, der Charme und die Informationsdichte des Beiheftes zur I-Spy-CD werden aber doch nicht ganz erreicht.

Unterm Strich sind diese CD-Editionen für die wohl recht zahlreichen Serien-Fans natürlich Schmuckstücke und ein absolutes Muss. Abseits vom Nostalgischen bieten sie aber auch interessante (Hör-)Einblicke in den musikalischen Zeitgeist der 60er Jahre.

siehe auch Jerry Goldsmith: Studs Lonigan, Our Man Flint/In Like Flint und The Prize

Titel: I Spy
Erschienen: 2002

Laufzeit: 77:57 Minuten

Medium: CD
Label: FSM
Kennung: FSM Vol. 5 No. 10

Komponist(en):

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