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Veröffentlicht am 08.11.2003 | von Michael Boldhaus

Gangs of New York

Gangs of New York Michael Boldhaus
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In Martin Scorseses umstrittenem Film Gangs of New York geht es um die so genannten „Five Points“. Dies war in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Bezeichnung für einen elenden Slumbezirk, in Lower Manhatten, zwischen dem New Yorker Hafen, dem wohlhabenden Geschäftsviertel der Wall Street und dem unteren Teil des Broadways. Der Regisseur will dem Zuschauer verdeutlichen, dass die Grundvoraussetzung für die Entstehung des modernen kapitalistischen Amerika die sich im 19. Jahrhundert entwickelnden frühen Formen organisierter Kriminalität waren, die schon damals mit korrupten Honoratioren gut zusammenwirkten. „Wir müssen den Anschein der Rechtmäßigkeit wahren, gerade wenn das Gesetz gebrochen wird“, äußert der pragmatische Tweed (dargestellt vom letztjährigen Oscarpreisträger Jim Broadbent). Tweed ist Boss in der Machtbasis der Demokratischen Partei, einer der Protagonisten der Filmhandlung und zugleich Symbol für korrupte Politiker schlechthin.

Die Geschichte des frühen New York war eine Abfolge äußerst gewalttätiger und rücksichtsloser Aktionen. Zuerst richteten sie sich gegen die im Film überhaupt nicht mehr erwähnten wahren „Natives“, die indianischen Ureinwohner – die bereits mehr als ein halbes Jahrhundert vor der einsetzenden Filmhandlung aus dieser Gegend vertrieben und dabei teilweise ausgerottet worden waren. Parallel dazu betraf dies meuternde Sklaven und Anfang des 19. Jahrhunderts erstmalig auch völlig verelendetes weißes Proletariat. Die auf die Aufstände und ihre Niederschlagung folgenden Aufräumarbeiten waren mit – für bestimmte Kreise profitablen – Verstädterungsprojekten verbunden, etwas, das über rund zwei Jahrhunderte den Werdegang der heutigen Metropole New York entscheidend mitgeprägt hat.

Den Schmelztiegel der Gewalt bildeten besagte „Five Points“. Dort, wo fünf Straßen zusammenliefen, entstand ein heute allein schwer rational begreifbarer Hexenkessel aus krasser sozialer Not und physischer Gewalt, ein Kampfplatz skurriler rivalisierender Gangs, die sich blutige Schlachten um die Vorherrschaft lieferten. Diese Gangs waren aber zugleich durch Politiker wie o. g. „Boss“ Tweed mit Kapital und Politik als treibender Kraft verbunden – heutzutage würde man diese Strukturen faschistoid nennen. Natürlich ging es dabei letztlich um Geld und Einfluss. Und um sich dies zu sichern, brauchten die Vertreter der „Demokratie“ die Stimmen des Volkes. So gibt Tweed für Wahlen das (geradezu aktuelle) Motto aus „Nicht die Stimmen zählen, sondern die Auszähler“.

Stimmvieh waren in zunehmendem Maße die infolge der katastrophalen Situation in ihrer Heimat in der zweiten Hälfte der 1840er Jahre in Massen hereindrängenden streng katholischen Iren, die noch nicht einmal englisch, sondern gälisch sprachen. Sie galten daher für die selbsternannten „Natives“ – die weißen Einwanderer der zweiten Generation – als rassisch minderwertig und bildeten die Masse des weißen Proletariats unterster Stufe. Im verlustreichen Bürgerkriegsjahr 1863 spitzte sich die Situation dramatisch zu. Die schon zuvor eingeführte allgemeine Wehrpflicht sollte mit Nachdruck durchgesetzt werden. Dass man sich davon mit (der damals hohen Summe) von 300 $ freikaufen konnte, ließ die Aktion zum Pulverfass werden, das bereits kurz darauf explodierte. Bei der zwangsweisen Aushebung von Truppen für die Union, wurden die „Five Points“ im Juli – kurz nach der Schlacht von Gettysburg (siehe auch das <a href=“../dvd2000/bkspecial.php3″>US-Bürgerkriegs-Special</a>) – zum Ausgangspunkt eines allgemeinen mehrtägigen Aufstandes.

Dies bildet den Hintergrund und Höhepunkt für eine eher konventionelle Rachegeschichte im Rahmen der Auseinandersetzung zwischen den Natives und denen durch ihre Zahl zunehmend einflussreicher werdenden irischen Einwanderern. Der von Daniel Day-Lewis verkörperte William Cutting alias „Bill the Butcher“, Anführer besagter „Natives“, besiegt mit seiner Gang zu Beginn des Films (im Jahr 1846) die Bande der irischen „Dead Rabbits“. Deren Anführer (Liam Neeson in einer Mini-Rolle) wird brutal getötet, sein kleiner Sohn kommt für 16 Jahre ins Waisenhaus. Er kennt fortan nur ein Ziel: Rache.

Kurios, dass den Figuren der Eingangssequenz die 16 Jahre alterungsmäßig offenbar absolut nichts anhaben konnten, allein der Junge (jetzt verkörpert von Leonardo Di-Caprio) ist zum Manne gereift – derartiges grenzt schon an Regieschlamperei. Aber nicht nur das! Scorseses Gangs of New York ist in vielem mit komplexer Symbolik allzu überladen und nimmt sich nicht nur historisch kräftige Freiheiten. So ist die Figur von „Bill the Butcher“ zwar geschichtlich belegt, er verstarb allerdings bereits 1855 und wird hier zur geradezu leibhaftigen Inkarnation des Bösen überzeichnet. Bill präsentiert sich als ein schillernder, charismatischer Oberbösewicht mit Glasauge, an dem dieser in einer fröstelnden Szene sogar mit dem Butcher-Messer kratzt …

Die rund 166 Film-Minuten sind in vielem eine Abfolge handlungsmäßig nicht immer stimmiger, dafür visuell in jedem Fall umso krasser ausgestalteter Gewaltmomente, die dem Zuschauer fortlaufend geradezu sadistisch-genüsslich präsentiert werden. Daran ändert m. E. die Tatsache letztlich wenig, dass Details mehr angedeutet als gezeigt werden. Sicherlich ist auch in diesen Szenen das Handwerkliche tadellos. Es stellt sich aber die Frage, wozu derart viel rüde Gewaltdarstellung überhaupt noch Sinn machen soll. Schließlich hat der Zuschauer Derartiges – inklusive der Abfolgen in Zeitlupe – bereits x-fach vergleichbar gut geboten bekommen. Der Reiz des Neuartigen ist also schon lange dahin und „wieder gesehen, gern gesehen“ dürfte hier wohl kaum in Frage kommen.

Gegen Ende des Films wird die von DiCaprio verkörperte Figur vom Mörder seines Vaters auf das Brutalste zugerichtet und anschließend allein durch liebevolle Pflege so aufgepäppelt, dass keine Spuren sichtbar zurückbleiben. Dies grenzt in meinen Augen schon an Gewaltverharmlosung! Gerade im oftmals äußerst zwiespältigen Umgang des Regisseurs mit Gewalt sehe ich die größten Probleme.

In Gangs of New York erscheint dazu das Dasein der armen Teufel als ausschließlich von Gewalt und Schurken geprägt. Dass es auch damals Lebensfreude und positive zwischenmenschliche Erfahrungen gab, kommt hier praktisch überhaupt nicht vor. Alles präsentiert sich als einziger Moloch aus Gewalt, Habgier, Niedertracht und Korruption, und das macht die Schlussvision – ein sich im Zeitraffer aufbauendes Bild des faszinierenden, modernen Manhattan (inkl. der Twin-Towers) – nicht gerade glaubwürdiger. Auch die brutale Ermordung des immerhin zur offiziellen Amtsperson (Sheriff) gewählten Monk McGinn auf offener Straße am helllichten Tage und ist unglaubwürdig.

Sind die Gangs of New York trotz dieser Einwände ein Opus Magnum? Visuell zweifellos. Für seine kinematografische Umsetzung des von Herbert Asbury 1928 publizierten gleichnamigen Buches wollte Scorsese wirklich alles (!), und die rund 100 Millionen Dollar Produktionskosten sieht man dem fertigen Film auch an. Sowohl die in den römischen Cinecitta-Studios erbauten aufwändigen dreidimensionalen Sets – z. B. der Hafen von New York – als auch die Kameraarbeit von Michael Ballhaus mit ihrem überaus reizvollen Einsatz von Farbe und Licht müssen als vorzüglich bezeichnet werden. Ein bildgewaltiger Film von opernhafter Dramatik: Das ist Gangs of New York also zweifellos. Manches ist geschickt und auch brillant in Szene gesetzt: Beispielsweise, wenn ein bei einem Raubzug getöteter Seemann „geschäftstüchtig“ an die Anatomie verkauft wird oder wenn gezeigt wird, dass die Gangs auch als „freiwillige Feuerwehren“ fungierten, die miteinander handgreiflich um die Löscharbeiten rivalisierten. Der von den „Natives“ zelebrierte Patriotismus wird gekonnt als bizarrer Kult entlarvt, wobei der in Bill the Butchers Glasauge abgebildete „American Eagle“ allerdings etwas arg die Grenze zum skurrilen streift.

Beeindruckend ist, wenn die als Soldaten der Union angeworbenen irischen Einwanderer als „Frischfleisch“ für die Front an Bord eines Schiffes gehen, von dem parallel die sich stapelnden Särge Gefallener ausgeladen werden – der Hafen New Yorks also als höllischer Menschenumschlagplatz gezeigt wird. Entsprechendes gilt für die dynamischen Kamerafahrten in der berüchtigten „Alten Brauerei“ und ebenso für die geradezu opernhaften, grellbunten Szenen in „Sparrows Chinese Pagoda“, die zugleich als chinesischer Nachtclub, Restaurant, Saloon, Hurenhaus, Opiumhölle und als Theater diente. Und nach dem Banden-Gemetzel, das den Film eröffnet, fährt die Kamera in eine gigantisch wirkende Totale, bei der man schließlich (gut getrickst) das alte New York (das heutige Manhattan) und den Hudson River aus der Vogelperspektive betrachtet.

Handelt es sich deswegen aber zugleich um ein mitreißendes Meister- und gar Lebenswerk? Nur sehr bedingt. Gangs of New York ist jedoch keineswegs einfach ein schlechter Film, dafür ist sein Schöpfer Scorsese (spürbar) einfach zu gut. Es ist ein in Teilen bruchstückhaftes und daher unvollkommenes Monument, auch der Gigantomanie – bislang immerhin der teuerste „Scorsese“. Ein Streifen, der auch von Seiten der Charaktere überwiegend eher blass bleibt, was auch für den nicht untalentierten Leonardo DiCaprio und erst recht für Cameron Diaz (3 Engel für Charlie) gilt. Daniel Day-Lewis spielt „Bill the Butcher“ zwar sehr ambitioniert, aber sein schauspielerisches Können vermag dem allzu überzogen stilisiert wirkenden Charakter nur wenig Glaubwürdigkeit zu verleihen. Eine weitere klare Schwäche ist, dass der Film zuwenig erklärt, die für einen solch komplexen Stoff einfach notwendige (wenigstens kleine) Geschichtsstunde so gut wie nicht stattfindet. Vieles des Gezeigten gerät so zum eher skurril erscheinenden Panoptikum, da der Film den Zuschauer auf die aus heutiger Sicht in vielem allein bizarre Welt der Gangs alter Prägung zuwenig vorbereitet loslässt – hier vermisse ich erklärende Schlüsselszenen. Auch die Handlung ist insgesamt eher dürftig, es fehlt dem aus einer Reihe großartiger einzelner Momente bestehenden Epos die dazugehörige stimmige Geschichte – darüber hilft auch ein netter kleiner Cameo-Auftritt seines Regisseurs nicht hinweg. Der Film wird so insgesamt allzu sehr zum zwar ausladend gestalteten, aber letztlich verwirrenden und überstilisierten Bilderbogen.

In den finalen Szenen, wenn der große Aufstand von 1863 vom Militär niedergeschlagen wird, läuft denn auch die visuelle Umsetzung kräftig aus dem Ruder: Feuer aus bescheidenen kleinen Schiffsgeschützen zeigt Wirkung wie die schwere Feldartillerie im ersten Weltkrieg. Dabei wird sogar derart präzise geschossen, dass die Soldaten kurz hinter den einschlagenden Granaten vorrücken können. Das ist allein effekthascherischer Unsinn, der die Glaubwürdigkeit des Gezeigten nur noch weiter ramponiert.

Alles in allem ist Gangs of New York ein Film, der im später zu erwartenden verlängerten Director’s Cut möglicherweise in Teilen überzeugender, insgesamt aber kaum zum wahren Meister- und grandiosen Lebenswerk geraten dürfte.

Regisseur Martin Scorsese zählt in Hollywood zweifellos zu den großen zeitgenössischen Regisseuren. Seine Bedeutung liegt m. E. aber nicht einfach nur im Interessanten seiner Filme begründet. Scorsese ist nämlich jemand, bei dem sich ein großes Wissen um die Tradition und der ausgeprägte Wunsch sie zu bewahren vereinen. Seine Verehrung und Liebe für das klassische Kino spiegelt sich nicht allein im verdienstvollen Engagement um die Restauration älterer Filme wie Lawrence of Arabia und Spartacus. Die Errungenschaften des klassischen Hollywood-Kinos werden vielmehr immer wieder in seinen Filmen sichtbar: Das gilt auch in hohem Maße für Gangs of New York. Letztgenanntem scheint der Regisseur übrigens selbst eher skeptisch gegenüberzustehen. So kommentierte er die Frage nach den Chancen bei der Oscar-Verleihung eher sarkastisch mit „Wenn ich je einen verdient haben sollte, dann wohl in den 70ern!“

Der Film auf DVD:

Der Film wird als Standardausgabe auf einer Einzel-DVD und auch als Special Edition mit zwei DVDs angeboten – Vertrieb über Splendid-Entertainment.

Beide Ausgaben bieten den Film in gleich hervorragender Bild- und Tonqualität und im korrekten Scope-Format. Was hier an Kontrast, Durchzeichnung, Schärfe und Farbe geboten wird, ist brillant. Dahinter steht auch der Ton nicht zurück. Das sämtliche 5 Tonkanäle effektvoll ausnutzende, breite Klang-Panorama ist jeweils in Deutsch, wie auch in Englisch in AC3-5.1 und allein bei der Special Edition obendrauf (allein in Deutsch) auch in dts wählbar.

Ich würde jedem potentiellen Interessenten zur Special Edition raten. Hier wird der problematische Film nämlich durch das umfangreiche Zusatzmaterial, das wertvolle Hintergründe zur Produktion und auch zum wenig bekannten historischen Hintergrund gibt, zum interessanten Studienobjekt und damit zumindest als Video-Edition merklich aufgewertet.

Nur besagte Special Edition bietet zum Film einen Audiokommentar von Regisseur Martin Scorsese. Hierbei berichtet dieser auch von der Vielzahl der verschiedenen Schnittfassungen des Films, deren erste wohl 3 Stunden und 38 Minuten lang war. Folgt man Scorsese, sieht es mit einem verlängerten „Director’s Cut“ nicht gut aus, die vorliegende Fassung scheint vielmehr den Intentionen des Regisseurs zu entsprechen …

Des Weiteren findet sich eine weitgehend gelungene Mischung aus Information und zusätzlicher Filmwerbung: Infos von Production Designer Dante Ferretti über das Design und die Entstehung der Kulissen, Martin Scorsese führt durch die prächtigen Originalkulissen, Infos zum Kostüm-Design, und für Spielfreudige ist auch eine 360-Grad-Virtual-Set-Tour durch die Originalkulissen enthalten. Besonders sehenswert sind die beiden ausführlichen Dokus zum geschichtlichen Hintergrund: „Die Geschichte der Five Points“ sowie „Die wahren Gangs of New York“. Das Musikvideo von U2 „The Hands That Built America“ gehört hingegen wie die übliche „DVD-Programmvorschau“ ausschließlich in die Kategorie „Werbung“.

Titel: Gangs of New York (Special Edition (2-DVDs))
Erschienen: 2003

Zusatzinformationen: USA, 2002

Medium: DVD
Verleih: Splendid Entertainment DVD
Kennung: 40 13549 57032 9

Regisseur(e):

Schlagworte:


Lesen

Veröffentlicht am 08.11.2003 | von Michael Boldhaus

Gangs of New York (Buch)

Das Buch zum Film: Herbert Asburys „Gangs of New York“

Der Interessierte sollte sich auch noch die bei Heyne als preiswerte Taschenbuch-Ausgabe erhältliche deutsche Übersetzung von Herbert Asburys gleichnamigem Buch (aus dem Jahr 1928) gönnen. Asbury (1889-1963) ist der wichtigste Kriminalhistoriker der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine Publikation über das New Yorker Bandenwesen ist eine spannende, wie ein Krimi lesbare Chronik. Allerdings handelt es sich dabei nicht um eine exakte Geschichtsstunde. Dem Autor standen nämlich nur wenige (wenigstens einigermaßen) zuverlässige Quellen in Form von Gerichtsakten zur Verfügung. Er blieb in vielem darauf angewiesen, möglichst viel Wahres Zeitungsberichten zu entnehmen, die vom blumig-ausschweifenden Sensationsjournalismus der Zeit geprägt sind.

Asburys Buch berichtet von den Anfängen des Bandenunwesens in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts und reicht bis zum letzten Aufflackern in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Der Leser erfährt beispielsweise, wie rigoros die Polizei schließlich aufräumte. Hierfür steht die Äußerung von Inspektor Alexander S. Williams’: „Im Schlagstock eines Polizisten steckt mehr Recht als in einem Beschluss des Obersten Gerichts“. Martin Scorsese stieß (nach eigenen Angaben) im Jahr 1970 eher zufällig auf das Buch und war von dieser düsteren und zugleich fesselnden Geschichte der New Yorker Unterwelt fasziniert.

Titel: Gangs of New York (Buch)
Erschienen: 2003

Zusatzinformationen: 8,95 € (D)
Laufzeit: 448 Seiten

Medium: Buch
Verlag: TB; Heyne
Kennung: 3-453-18582-X

Autor(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 08.11.2003 | von Michael Boldhaus

Gangs of New York (CD)

Das Filmmusik-Album:

Scorsese hatte ursprünglich einen sinfonischen Score von Elmer Bernstein vorgesehen, mit dem er bereits bei Zeit der Unschuld und Bringing Out the Dead zusammengearbeitet hatte. Die bereits fertig eingespielte Musik verwarf er allerdings und beauftragte den Produzenten Robbie Robertson eine Mixtur aus Archivstücken zusammenzustellen. (Dafür sollen sowohl Robertson als auch der Regisseur ihre jeweilige Platten- und CD-Sammlung durchforstet haben.) Dabei sind zeitgenössische Märsche, Ethnisches und ebenso einige Pop-Stücke zu Tage gefördert worden. Im Bereich Ethno finden sich viel keltische Musik und die Gesänge schwarzer Plantagenarbeiter, aber ebenso auch traditionell Chinesisches in der „Beijing Opera Suite“. Zur Kategorie Pop gehören das elektronische „Signal to Noise“ von Peter Gabriel und auch der im Finale erklingende Song der irischen Band U2, „The Hands That Built America“. Außerdem ist eine sinfonische Zugabe enthalten: Drei eher kurze Auszüge aus einem bislang unveröffentlichten Orchesterwerk von Howard Shore, „Brooklyn Heights“. Das erste Stück ist das markanteste, eine düstere Streichermusik mit wuchtigen Ausbrüchen des Schlagwerks.

Diesem fast schon extremen Stilmix ist wertungsmäßig nach den Cinemusic.de-üblichen Kriterien kaum beizukommen. Der „Wert“ dieses Albums liegt einzig in der Eigenschaft jeder filmmusikalischen CD-Veröffentlichung als Film-Souvenir. Darüber kann aber nur völlig individuell entschieden werden. Vermutlich soll das in Richtung Charts schielende „The Hands That Built America“ dabei helfen, die Käuferlust zu beflügeln.

1644In wieweit diese – im vorliegenden Fall in meinen Ohren eher zweifelhafte – Art von „Patch-Work“ Elmer Bernsteins Originalmusik nun überlegen ist oder auch nicht lässt sich nicht sagen. In jedem Fall dürfte eine eventuelle Veröffentlichung des Original-Scores die Diskussion um Gangs of New York um eine weitere interessante Facette bereichern.

Weiterführende Links:

US-Bürgerkriegs-Special
Buchrezension film 6: Martin Scorsese

Titel: Gangs of New York (CD)
Erschienen: 2003

Laufzeit: 57:00 Minuten

Medium: CD
Label: Interscope (Universal)
Kennung: 493565-2

Komponist(en):

Schlagworte:


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