CD

Veröffentlicht am 19.06.2003 | von Michael Boldhaus

Plymouth Adventure

Plymouth Adventure Michael Boldhaus
Bewertung

1011Plymouth Adventure • Schiff ohne Heimat (1952) schildert die legendäre Auswanderung der ersten 102 britischen Puritaner (Pilgerväter) und die Begründung ihrer ersten Ansiedlung in Plymouth im heutigen US-Staat Massachusetts im Jahre 1620. Ein Kostüm-Epos, das die historischen Ereignisse stark vereinfacht, zu sehr idealisiert und – gemessen am typischen tristen Quäkeroutfit – in deutlich zu üppigem (wenn auch reizvollem) Technicolor inszeniert. Gewisse Einschränkungen in der Dramaturgie werden durch die üppige Ausstattung teilweise wettgemacht: Bemerkenswert sind z. B. die brillante Rekonstruktion des Dreimasters Mayflower und stimmige Sets, wie das vom Hafen von Southampton. Und natürlich trägt auch Miklós Rózsas exzellente Musikuntermalung ihren Teil zur guten Gesamtwirkung bei. Unterm Strich bleibt eine Begegnung mit dem Film auch heutzutage nicht ohne Charme.

Für Miklós Rózsa war es der dritte historisierend angelegte Epic-Score nach Quo Vadis (1951) und Ivanhoe (1952). Er entwarf eine hervorragend durchkomponierte, abwechslungs- und themenreiche Partitur. Neben dem historisch stimmigen 136. Psalm baut der Score auf sieben weiteren Themen auf, mit deren wichtigsten der Komponist den Score handwerklich äußerst geschickt und vielseitig gestaltet. Die Musik zu Plymouth Adventure ist außerdem eine faszinierende Verbindung von Rózsas typisch magyarischem Klangidiom mit dem des 17. Jahrhunderts, der Zeit der Filmhandlung. In ihrer hervorragenden Machart zählt sie überhaupt zum Besten, was der Komponist geschrieben hat.

Die Filmmusik zum Pilgerväter-Epos erschien bereits 1999 auf dem Label ticker-tape. Die aktuelle FSM-Ausgabe ist um rund 6 Minuten länger als die 1999er Edition. Klanglich liegen beide Alben dicht beieinander: Der Mono-Klang der ticker-tape-CD rauscht deutlich weniger (dank Cedar-Rauschverminderung) als die FSM-Ausgabe, welche dafür allerdings besonders in den Höhen etwas präsenter und in den Bässen ein wenig präziser klingt. Alles in allem handelt es sich hierbei jedoch um eher geringfügige Unterschiede, die für eine Neuanschaffung wenig ausschlaggebend sind.

Die auf der FSM-CD erstmals vertretene, von Rózsa gewollte Version des Film-Finales (mit Chor) ist eine willkommene Ergänzung, aber ebenfalls nicht der wesentliche Punkt, der diese Ausgabe besonders wertvoll macht. Das Entscheidende ist hier das vorzügliche Booklet, in dem – neben dem schönen Bildmaterial – jedes Stück der CD hervorragend und detailliert dokumentiert ist. Die im Anhang untergebrachten alternativen (zum Großteil nicht im Film verwendeten) Bonustracks geben wertvolle Hinweise auf die ursprüngliche Konzeption des Komponisten. Dank ihres hohen Informationsgehaltes ist die neue FSM-Ausgabe von Plymouth Adventure in jedem Fall die definitive Edition dieser hervorragenden Filmmusik.

Es ist schon schade, dass die ursprünglichen 3-kanaligen Stereomaster der Aufnahme-Sitzungen allein noch in Form des (immerhin) sauberen Mono-Mix-Downs existieren. Für den noch im Normalformat und dementsprechend mit Mono-Lichtton in die Kinos gebrachten Film schienen die seinerzeit in der Erprobungsphase stehenden frühen Stereo-Aufnahmen nicht erhaltenswert: Wer hätte sich damals auch vom großen Interesse späterer Generationen an dieser Art von Musik träumen lassen …

Titel: Plymouth Adventure (Schiff ohne Heimat)
Erschienen: 2003

Laufzeit: 79:35 Minuten

Medium: CD
Label: FSM
Kennung: Vol. 6 No. 1

Komponist(en):

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CD

Veröffentlicht am 19.06.2003 | von Michael Boldhaus

Green Fire / Bhowani Junction

Green Fire / Bhowani Junction Michael Boldhaus
Bewertung

In Green Fire • Grünes Feuer (1954) geht es um die abenteuerliche Suche nach einer Smaragdmine in Kolumbien. Typisches 50er-Jahre-Kino für und mit dem Londoner Stewart Granger, dessen echter Name „James Stewart“ natürlich zwangsläufig geändert werden musste.

Der Film ist sicher nicht mehr als eine sehr solide, mit handwerklicher Präzision gefertigte Leinwandunterhaltung, die mit einigen guten Action-Passagen aufwartet. Ebenso für Miklós Rózsa eher ein Routine-Projekt, allerdings keinesfalls eines, das uninspiriert genannt werden kann. Das handwerkliche Niveau kann durchweg als prima bezeichnet werden. Der ungarische Maestro lieferte als Hauptthema einen mitreißenden melodischen Ohrwurm, der (eine Seltenheit im Œuvre) einem Trend der Zeit entsprechend, zum Song gestaltet worden ist. Diesem musikalischen (Halb-)Edelstein gewinnt er im Verlaufe des Scores (wie immer) einiges ab. Und in den Action-Momenten wird ebenso keineswegs auf Autopilot geschaltet, vielmehr gibt es pfiffig Auskomponiertes zu hören, das nicht allein die Handlung geschickt vorantreibt, sondern auch abseits der Filmbilder gute Wirkung entfaltet.

Unterm Strich ist Green Fire eine lyrische, aber zugleich kraftvolle Abenteuerfilmmusik, außerdem mit lateinamerikanischem Klangkolorit charmant angereichert. Das FSM-Album präsentiert den vollständigen Score, einen Anhang mit Bonus Tracks inklusive. Hier stechen zwar insbesondere die rein instrumental gehaltenen Alternativversionen des Main und End Titles hervor, aber auch die liebevoll im lateinamerikanischem Stil gehaltenen Source-Cues – ebenfalls aus Rózsas Feder stammend (siehe auch The Seventh Sin) – sind nicht zu verachten.

Bhowani Junction • Knotenpunkt Bhowani (1956) bietet ausschließlich – knapp 30 Minuten lang – einen Ausflug in speziell komponierte „Source-Music-Cues“, die der Komponist für ein auf ethnischen Instrumenten spielendes Ensemble komponiert hat. Eine Rózsa-typische dramatisch-sinfonisch gehaltene Untermalung fehlt also völlig. Wer mit den vergleichbar charmanten Stücken zu The Seventh Sin (1957) etwas anfangen kann, der dürfte auch hier angetan sein.

Während der aufwändig produzierte Film über ein insgesamt ordentliches Melodram, angesiedelt am Vorabend der indischen Unabhängigkeit, nicht hinauswächst, ist der Vertonungsansatz als recht modern zu bezeichnen. Der als reine Hintergrundmusik fungierende und damit auf authentische Atmosphäre abzielende Beitrag verleiht der Filmhandlung einen eher realistisch-dokumentarischen Touch. (Rózsa wird dem entsprechend in den Credits auch als Musical Supervisor und nicht als Composer bezeichnet.) Des Weiteren gibt es einige Swing-Stücke und auch das britische Traditional „Loch Lomond“, die sämtlich nicht von Rózsa betreut worden und deswegen auf der CD auch nicht vertreten sind.

Im Film ist die Musik allerdings nur in Teilen verwendet und außerdem im Kontext mit Geräuschen und Dialogen eher unauffällig abgemischt worden. Sie dürfte damit selbst den meisten, die den Film gesehen haben, kaum im Gedächtnis geblieben sein. Wie der Booklet-Text vermerkt, ist Bhowani Junction natürlich kein Ben-Hur, und wäre außer als Füller wohl kaum eigenständig auf Tonträger veröffentlichbar. Zusammen mit dem in Teilen von lateinamerikanischem Klangkolorit beeinflussten Green Fire ist es jedoch eine überaus reizvolle Zugabe. Überhaupt ist dies eine vorzüglich editierte und sehr sauber klingende Rózsa-CD – überwiegend in sehr sauberem Stereo-Sound. Sie überzeugt neben den musikalischen Qualitäten sowohl durch ein schön ausgestattetes und wie immer sehr informatives Booklet als auch durch eine Spieldauer von fast 80 Minuten. Eine wahrlich runde Angelegenheit, die in der Bewertung in erster Linie auf Green Fire fokussiert.

siehe auch Miklós Rózsa:

Tribute to a Bad Man und The World, the Flesh and the Devil
The Seventh Sin und The Green Berets

Titel: Green Fire / Bhowani Junction (Grünes Feuer / Knotenpunkt Bhowani)
Erschienen: 2003

Laufzeit: 79:20 Minuten

Medium: CD
Label: FSM
Kennung: Vol. 6 No. 5

Komponist(en):

Schlagworte:


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