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Veröffentlicht am 23.03.2003 | von Michael Boldhaus

Schlachten der Weltgeschichte auf Kinoleinwand und Fernsehbildschirm

Historische Stoffe sind zurzeit offenbar „en vogue“. Das TV-Festtagsprogramm 2002 legt dafür Zeugnis ab: Die Lebensgeschichten berühmter historischer Figuren, wie Julius Cäsar, Napoleon I. und des Freiheitskämpfers Andreas Hofer, flimmerten in meist üppig ausgestatteten TV-Adaptationen über die deutschen Bildschirme.

Natürlich sollen derartige Verfilmungen in erster Linie ein möglichst breites Publikum ansprechen und unterhalten. Etwas, das natürlich zu mehr oder weniger starken Vereinfachungen und damit zwangsläufig auch zu deutlichen Verfälschungen der den Hintergrund bildenden historischen Ereignisse führt.

Im Rahmen einer kleinen Artikel-Reihe möchte ich daher einige Bücher vorstellen, die es nicht allein dem Konsumenten der o. g. TV-Produktionen erleichtern, sich mit den Fakten auseinander zusetzen. Bücher, die sich abseits der oftmals trockenen und gefürchteten Schulstunden im Fach Geschichte bewegen, die den Stoff in sachlich präziser und dazu in flüssig lesbarer Form vermitteln. Eine Auswahl besonders interessanter Spielfilme, die zumindest zum Teil auf die in den Büchern abgehandelten Schlachten eingehen, ist jeweils angegeben. Gerade dem sinnentleerten Runterbeten von Daten zu diversen Schlachten der Weltgeschichte wird eine geradezu köstliche satirische Brechung in der Schulsequenz von Der Untertan (Regie: Wolfgang Staudte, Musik: Horst Hanns Sieber, 1951) zuteil.

„Die größten Fehlschläge der Militärgeschichte“ und „Schlachten der Weltgeschichte“

Beide Bücher beschreiten parallele Wege und ergänzen sich – bei nur geringfügigen Überschneidungen – in erstklassiger Weise. Saul Davids Buch „Die größten Fehlschläge der Militärgeschichte“ ordnet seine 30 behandelten Schlachten nicht zeitlich chronologisch, sondern nach den ihrem Ausgang zugrunde liegenden taktischen und strategischen Fehlern. Bezeichnend hierfür sind Kapitel-Überschriften wie „Unfähige Kommandeure“ oder „Einmischung von Politikern“. Diese beleuchten die Quintessenz der Aussage dieser Publikation, nämlich, dass die Hauptursachen der militärischen Katastrophen stets in menschlichem Versagen und politischem Kalkül zu finden sind.

In jeder Veröffentlichung sind die Ausführungen oftmals durch Landkarten oder Aufmarschpläne ergänzt. Im Anhang von Saul Davids Buch findet der Leser Angaben zu weiterführenden Quellen; „Schlachten der Weltgeschichte“ schließt mit ausführlichen Anmerkungen und Literaturhinweisen.


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Veröffentlicht am 23.03.2003 | von Michael Boldhaus

Die größten Fehlschläge der Militärgeschichte

Hier findet der Kino-Schlachtenbummler eine besondere Fülle von Hintergrundinformationen zu weniger bekannten und damit schwierig nachschlagbaren Ereignissen der Militärgeschichte, die in Filmen ihren Niederschlag gefunden haben. So beispielsweise zum (im angelsächsischen Raum) berühmten desaströsen Angriff der leichten (Kavallerie-)Brigade im Krimkrieg im Jahre 1854 – ein derart „unvergessliches“ Gefecht, dass Alfred Lord Tennyson es in seinem berühmten Gedicht verklärte. Dieses, die historischen Ereignisse stark entstellende Gedicht, inspirierte das Finale von The Charge of the Light Brigade (Regie: Raoul Walsh, Musik: Max Steiner, 1936). Während dieser Film das Event im Korsett eines aufwändig inszenierten klassisch-romantischen Abenteuerfilms in bester Erzählkino-Tradition behandelt, hat die Neuverfilmung (Regisseur: Tony Richardson, Musik: Richard Addison, 1968) mit der 36er Version fast nur den Titel gemein. In Richardsons Film wird die verlustreiche Attacke – recht nah am tatsächlichen Geschehen inszeniert – zum bitteren Höhepunkt einer sartirisch-sarkastischen Abrechnung mit der Verlogenheit der Victorianischen Epoche. Angeprangert wird aber nicht allein die menschenverachtende, auf strikte Klassentrennung bedachte, rückständig und dilettantische britische Militärorganisation jener Zeit. Kritisiert wird zugleich das Verhalten einer in überkommenen Traditionen verhafteten Oberschicht. Tony Richardsons – hierzulande bislang nur wenig bekannt gewordener – Film verdient einige Beachtung. Er demonstriert das gewandelte Bewusstsein im „Free (British) Cinema“ der zweiten Hälfte der 60er Jahre, im Vorfeld von 68er-Revolte und Anti-Vietnamkrieg-Protesten und hat auch rund 35 Jahre danach nichts von seinem Biss verloren.

Ebenso findet der Leser etwas zu den Ereignissen des Jahres 1876 im afrikanischen Isandhlwana, wo eine modern ausgerüstete britische Armee eine vernichtende Niederlage gegen nicht mit Schusswaffen ausgestattete kriegerische Zulus hinnehmen musste (Zulu Dawn, Regie: Douglas Hickox, Musik: Elmer Bernstein, 1979). Die im Buch nicht geschilderten Folgeereignisse kommen in Zulu – Regie: Stanley Baker, Musik: John Barry, 1964 – auf die Kinoleinwand.

Natürlich fehlt auch so Legendäres nicht wie General Custers letzte Schlacht, welche in einer ganzen Reihe von Western thematisiert wird – z. B. in They Died with Their Boots On, Regie: Raoul Walsh, Musik: Max Steiner (1942), Fort Apache, Regie: John Ford, Musik: Richard Hageman (1948), Little Big Man, Regie: Arthur Penn, Musik: John Hammond (1970) und die TV-Produktion Son of the Morning Star, Regie: Mike Robe, Musik: Craig Safan, 1992. Letztgenannter Film rekonstruiert die Custers-Schlacht detailliert und sehr überzeugend anhand der lange unzugänglichen Protokolle der seinerzeit beauftragten militärischen Untersuchungskommission. Diese Darstellung dürfte der historischen Wahrheit wohl sehr nahe kommen.

Und natürlich ist auch der Zweite Weltkrieg vertreten. Hier ist besonders Rommels letzter Erfolg am Kasserin-Pass (1943) eine willkommene Rarität. Dessen Nachwirkungen bilden den Hintergrund für die Eröffnungsszene von Patton, Regie: Franklin J. Schaffner, Musik: Jerry Goldsmith (1970).

Titel: Die größten Fehlschläge der Militärgeschichte
Erschienen: 2001

Zusatzinformationen: € 21,00 (D)
Laufzeit: 440 Seiten

Medium: Buch
Verlag: Wilhelm Heyne
Kennung: ISBN 3-453-19073-4

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Veröffentlicht am 23.03.2003 | von Michael Boldhaus

Schlachten der Weltgeschichte

In „Schlachten der Weltgeschichte“ finden sich in vergleichbarer Form aufbereitete Informationen zu 24 weiteren Ereignissen der Militärgeschichte, wobei es nur in zwei Fällen (Diên Biên Phu und Stalingrad) zu Überschneidungen mit Saul Davids Buch kommt.

Kinomäßig relevant sind hierbei in erster Linie Schilderungen zu: Waterloo 1815 (Waterloo, Regie: Sergej Bondartschuk, Musik: Nino Rota, 1969), Königgrätz 1866 (Bismarck, Regie: Wolfgang Liebeneiner, Musik: Norbert Schultze, 1940) und Luftschlacht um England 1940 (Battle of Britain, Regie: Guy Hamilton, Musik: Ron Goodwin, William Walton und Malcolm Arnold, 1967).

Die vermehrten Filmzitate zu den in Saul Davids Buch erfassten Schlachten sollten keinesfalls dazu verleiten, „Schlachten der Weltgeschichte“ als für den geschichtsinteressierten Kinogänger weniger wichtig einzustufen.

Titel: Schlachten der Weltgeschichte
Erschienen: 2002

Zusatzinformationen: € 24,90 (D)
Laufzeit: 416 Seiten

Medium: Buch

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Veröffentlicht am 23.03.2003 | von Michael Boldhaus

Das Antlitz des Krieges

Dieses Buch des Militärhistorikers John Keegan erschien bereits 1975 in der englischen Originalausgabe, 1978 in deutscher Übersetzung und 1981 erstmals als deutsche Taschenbuchausgabe unter dem Titel „Die Schlacht“.

Das Buch beschäftigt sich ausführlich mit drei bedeutenden Schlachten, die für das Wesen der Kriegführung ihrer Zeit exemplarisch gewesen sind. Es geht um die Niederlage der französischen Ritter bei Azincourt 1415 (Henry V, Regie: Laurence Olivier, Musik: William Walton, 1944 und Henry V, Regie: Kenneth Branagh, Musik: Patrick Doyle, 1989), Waterloo 1815 und die Schlacht an der Somme 1916 (All Quiet on the Western Front, Regie: Lewis Milestone 1933). Der Autor betrachtet die Geschichte der Schlacht als bittere menschliche Erfahrung und menschliche Not in ihrer jeweiligen Epoche. Eindrucksvoll verdeutlicht das Buch die in den 500 Jahren seit Azincourt exponentiell gesteigerte Vernichtungskraft der Waffentechnik und den für die Beteiligten entsprechend verstärkten Kriegs-Gräuel.

Mittlerweile werden dem ehedem hochgelobten Ansatz allerdings auch Schwächen attestiert. So, dass für Waterloo ausschließlich britische Quellen zu Rate gezogen worden sind und Teile von Keegans Schlussfolgerungen über Motivation oder die Empfindungen des Gegners nicht durch Quellenangaben nachvollziehbar belegt sind, also eher Vermutungen zu sein scheinen. Mag das Buch also auch keine wissenschaftlich exakte Analyse liefern, so bietet es doch interessante Einblicke in die Materie – bleibt in jedem Falle für den interessierten Laien eindrucksstark und damit lesenswert. Dies trifft auch auf die beiden theoretischen Kapitel zu, welche die drei Schlachtenschilderungen einrahmen: das eröffnende „Grauenvolle Dinge, alt und fern“ und das beschließende „Die Schlacht der Zukunft“.

Titel: Das Antlitz des Krieges
Erschienen: 1991

Zusatzinformationen: € 15,90 (D)
Laufzeit: 422 Seiten

Medium: Buch
Verlag: Campus
Kennung: ISBN 3-593-34513-7

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