CD

Veröffentlicht am 20.07.2000 | von Michael Boldhaus

The Perfect Storm

The Perfect Storm Michael Boldhaus
Bewertung

Ein neuer Blockbuster im Sommer 2000: Die Verfilmung nach Sebastian Jungers Buch Perfect Storm • Der Sturm ist heute, am 20. Juli, angelaufen. Der Regisseur des Films, Wolfgang Petersen, beeindruckte schon 1981 mit Das Boot, einem einfühlsamen Drama um eine U-Boot-Besatzung im 2. Weltkrieg. Die für diesen Film erhaltene Oskar-Nominierung war übrigens die erste, die einem Regisseur für einen deutschsprachigen Film verliehen worden ist. Für Petersen wurde sie die Fahrkarte nach Hollywood.

Die zentrale Story des Films ist die letzte Fahrt des Fischerbootes „Andrea Gail“, das 1991 in einem Jahrhundertsturm vor Neufundland sank. Im Gegensatz zum weitgehend dokumentarischen Charakter des gleichnamigen Buches von Sebastian Junger (siehe hierzu auch das Buch-Special), setzt Wolfgang Petersens Film zwangsläufig überwiegend auf erzählendes Action-Kino. Nun, Raum für rasante Action-Aufnahmen und tolle Tricks aus dem Computer bietet der Stoff zweifellos genug. So wird die Rettung der Besatzung eines Segelbootes schon toll inszeniert. Besonders spannend wird es allerdings, wenn ein HH-60-Rettungshelikopter nach misslungenem Betankungsversuch aus der Luft in sturmgepeitschter See notwassern muss und die Männer um ihr Überleben kämpfen. Niemals waren bislang derartig eindrucksvolle Aufnahmen von extrem stürmischer See im Rahmen eines Spielfilms zu sehen. Die außergewöhnlichen Hurricane-Effekte sind zweifellos eine tricktechnische Meisterleistung im Bereich der computergenerierten Tricks. Die auch überzeugend choreographierten Szenen verdeutlichen eindrucksvoll und packend das Motto derartiger Rettungsteams: „…damit andere überleben können“.

Keine vergleichbar glückliche Hand zeigt Petersen allerdings, wenn es um das tragische Finale des Fischkutters „Andrea Gail“ und seiner Mannschaft geht. Auch hier sind die Szenen im Jahrhundert-Sturm-Chaos technisch durchaus erstklassig und die Begegnung mit der an die Abyss-Langfassung erinnernde Riesenwelle tricktechnisch herausragend realisiert. Wenn es aber ans Sterben geht, darf offenbar ein gehöriger Schuss triefendstes Pathos nicht fehlen! Davon abgesehen, ist der Film aber durchaus ansehbar und besonders optisch beeindruckend gelungen – er erreicht natürlich nicht die Informationsdichte des Buches. Wer einen Draht zu diesem Stoff gefunden hat, sollte sich das Heyne-Taschenbuch daher außerdem gönnen.

Knapp 80 Minuten Spieldauer hat die Sony-CD mit James Horners Filmmusik. Dass Horner bevorzugt lange CDs produziert ist zwar für den potentiellen Käufer erfreulich, aber noch kein Garant für Klasse. Nun, etwas Neuartiges, geschweige denn eine Meisterleistung hat der gute James auch mit Perfect Storm nicht zuwege gebracht, aber auch keinen musikalischen Flop gelandet. Wer bereit ist, mit einem handwerklich solide gemachten „Déjà-vu“ zu leben, mag sich die CD durchaus wiederholt anhören, ein Muss ist sie hingegen sicher nicht. Etwas störend empfand ich anfänglich die Rock-Musik-Anklänge durch die verwendeten Elektrogitarren – da beim Auslaufen der „Andrea Gail“ Rockmusik vom Kassettenrecorder ertönt, sind diese aber durch den Film motiviert. Ansprechend sind James Horner die sich nachhaltig steigernden Seestimmungen (exemplarisch in Track 6) gelungen – auch wenn ein wichtiges Vorbild unüberhörbar ist: Herrmanns Main-Title zu Ray-Harryhausens Mysterious Island • Die geheimnisvolle Insel (1960). Zweifellos wiederholt sich auch das eingängige pathetische Hauptthema im Verlauf der rund 80 Minuten Laufzeit etwas zu oft, aber was soll’s, wem es zuviel wird, der kann ja durch Wegprogrammieren kürzen, oder?

Ich empfinde die Musik zu Perfect Storm (wie auch die zu The Bicentennial Man) nicht als so schwach, wie man verschiedentlich in Internetforen lesen kann. Zwar ist auch Horners aktuelle Tonschöpfung sicher nicht innovativ, aber handwerklich in weiten Teilen seinem „Renner“, der Titanic-Musik – abgesehen vom dort sehr gelungenen Song – deutlich überlegen. Für mich erfüllt die CD zu Perfect Storm daher mehr als nur eine reine Souvenirfunktion, zumal sie auch wiederholt gut ins Ohr geht.

Titel: The Perfect Storm (Der Sturm)
Erschienen: 2000

Laufzeit: 79:08 Minuten

Medium: CD
Label: Sony Classical
Kennung: SK 89282

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 20.07.2000 | von Michael Boldhaus

East-West (Est-Ouest)

East-West (Est-Ouest) Michael Boldhaus
Bewertung

Ein tragisches Heimkehrerschicksal schildert der Film East-West/Est-Ouest • Est-Ouest – Eine Liebe in Russland. Zu den, infolge eines „Amnestie-Angebots“, in die stalinistische Nachkriegs-Sowjetunion Zurückkehrenden, gehören auch der Emigrant Alexej (Oleg Menshikow) und seine französische Frau Marie (Sandrine Bonnaire). Statt der erwarteten Aufbruchstimmung finden sie jedoch bedrückende Armut und Terror vor. Während Alexej bereit ist, sich mit den Verhältnissen zu arrangieren, plant Marie die Flucht zurück in den Westen…

Patrick Doyles Musikbeitrag ist hier bemüht, einen slawischen Tonfall zu treffen. Seine überwiegend schwermütige Tonschöpfung ist handwerklich sicher gut gemacht, hat mich aber auch nach mehrmaligem Hören nicht voll überzeugen können. Es wollte einfach kein Funke überspringen – ein Problem, das ich übrigens bei Doyle-Musiken schon einige Male hatte. Über weite Strecken hatte ich beim Hören der CD das Gefühl, es fehle irgend etwas: das Bild vielleicht? In jedem Fall ist die elegische Musik für das kalte Kriegs-Drama unplakativ und insgesamt eher zurückhaltend, ja kühl angelegt. Große gefühlsmäßige orchestrale Ausbrüche kommen nicht vor. Im Gegenteil, die offensichtliche Love-Music von „Alexei und Olga“ ist eher melancholisch als leidenschaftlich geraten. Trotzdem gehört diese Musik zu den Passagen, mit denen man sich schnell anfreunden kann. Sehr schön ist auch das finale Lied „The Land“.

Fazit: Wolfgang Petersen ist mit dem Naturdrama Der Sturm zweifelsohne ein tricktechnisch perfekter und auch darüber hinaus ansehbarer Film gelungen. James Horners Musikuntermalung ist kein Meisterwerk, aber sie erfüllt im Film ihr Anliegen durchaus und ist auch vom Bild gelöst gut wiederholt anhörbar – eine CD, die man sicher nicht unbedingt haben muss, aber die man sich sehr wohl zulegen kann.

Patrick Doyles verhaltene Tonschöpfung zu Est-Ouest • Eine Liebe in Russland ist zweifellos handwerklich gut gemacht, vermochte mich aber abgesehen von einigen sehr angenehmen Passagen nur bedingt zu beeindrucken. Für beide CDs gibt es sehr solide 3 ½ Sterne und damit ein Stückchen mehr, als nur die kleine Empfehlung.

Titel: East-West (Est-Ouest)
Erschienen: 2000

Laufzeit: 53:37 Minuten

Medium: CD
Label: Sony Classical
Kennung: SK 64429

Komponist(en):

Schlagworte:


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