DVD

Veröffentlicht am 12.12.2000 | von Michael Boldhaus

Der talentierte Mr. Ripley

Der talentierte Mr. Ripley Michael Boldhaus
Film
Bild
Ton
Extras

Dickey Greenleaf (Jude Law), Sohn eines wohlhabenden amerikanischen Industriellen, führt in Süditalien ein verschwenderisches Leben. Der eher unscheinbare, nicht unsympathisch wirkende Tom Ripley erhält von Dickeys Vater den gut dotierten Auftrag, den Nichtsnutz zur Heimkehr in die Staaten zu überreden. Es gelingt ihm nach und nach das Vertrauen von Dickey zu gewinnen. Tom ist ein Mensch, der sich darauf versteift hat, vom Schicksal ungerecht behandelt und benachteiligt zu sein. Im Handlungsverlauf nutzt er die eher versehentliche Tötung seines neuen Freundes aus, um dessen Identität anzunehmen. Zuerst noch gehemmt und zögernd steigert sich Tom Ripley immer mehr in seine neue Identität hinein. Es gelingt ihm nach und nach immer überzeugender seine Umgebung zu täuschen, wobei er alle, die Gefahr laufen sein Geheimnis zu entdecken, zunehmend skrupelloser aus dem Wege räumt…

In Anthony Minghellas ungewöhnlichem Thriller verkörpert Matt Demon diese interessante Figur. In weiteren Rollen überzeugen besonders Marge Sherwood, Gwyneth Paltrow und Cate Blanchett. Es ist schon eindrucksvoll eingefangen, wie sich der anfangs eher harmlos und unsicher wirkende Tom Ripley nach und nach zum eiskalt berechnenden Killer wandelt. Ein wichtiges Element des Films sind aber auch die in zum Teil berückend schönen Bildern festgehaltenen pittoresken Schauplätze im Italien der ausgehenden fünfziger Jahre; einer Zeit des Umbruches, wobei Venedig, die Toskana und Rom als Hauptschauplätze fungieren. Die Story ist in dieser Ära verwurzelt: Jugend und Müßiggang, mediterrane Leichtlebigkeit, gewürzt mit ein bisschen Kunst-Sinn spiegeln sich schon in einem der berühmten Filme aus dieser Zeit: I Vitelloni • Die Müßiggänger (1953) von Federico Fellini.

Patricia Highsmiths vier Tom-Ripley-Romane bewundert Anthony Minghella, der Regisseur von Der talentierte Mr. Ripley und Der englische Patient, ausdrücklich. Kameramann John Seale hat die Geschichte um Tom Ripley in eher romantischen, lichtdurchfluteten und überhaupt sehr stimmungsvollen Bildern eingefangen und dabei auch Weichzeichner und Filter verwendet. Dramaturgie und Bildgestaltung der im Teatro San Carlo in Neapel realisierten Duellszene aus Peter Tschaikowskys Oper „Eugen Onegin“ haben mich besonders beeindruckt. Nachdem Onegin seinen Freund niedergestreckt hat, wird die sich auf der Bühne ausbreitende Blutlache, gleißend rot angestrahlt. In Toms Gesicht spiegelt sich die unheilvolle Erinnerung an die eigene vergleichbare Bluttat wider. Hier spielt auch der sehr gute Surround-Ton eine wichtige Rolle, indem er den Heimkino-Zuschauer voll mit der Musik umgibt. In Palermo wurde die schöne Szene gefilmt, in der Dirigent Peter Smith-Kingsley Vivaldis Stabat Mater dirigiert; in der mit Mosaikwänden versehenen Chiesa Martorana – einer im 14. Jahrhundert erbauten Kirche. Einen starken Kontrast hierzu bildet die völlig andere Atmosphäre des als Nachtclub und Jazzkeller fungierenden römischen Cafes Latino.

Der Film auf DVD

Die Kinowelt DVD präsentiert den Film in herrlichen Farben und in sehr guter, nahezu makelloser Qualität. Hier und da fehlt dem Ganzen ein Quäntchen Schärfe, aber Farbe und Detailliertheit können als sehr gut bezeichnet werden und Bildrauschen ist praktisch nicht vorhanden.

Der AC-3-Ton-Mix (in Deutsch und Englisch) verfügt hier zwangsläufig nicht über die brachialen Effekte mancher Action-Blockbuster, spielt aber mehr als einmal durch seine behutsam und eindrucksvoll erzeugte Atmosphäre Trümpfe aus, z.B. in der genannten Opernszene oder in den Szenen im Jazz-Keller. Auch im klassischen Surround-Downmix ist die Wirkung immer noch beachtlich.

An Zusatz-Material gibt es den Kino-Trailer, Starinfos, ein Making-Of und ein Making the Soundtrack, sowie zwei Musik-Videos (My Funny Valentine und Tu vuo’ fa l’Americano). Zusätzlich kann zum Film auch ein Audio-Kommentar des Regisseurs gewählt werden.

Titel: Der talentierte Mr. Ripley
Erschienen: 2000

Zusatzinformationen: USA 1999

Medium: DVD
Verleih: Kinowelt
Kennung: DVD 500099

Regisseur(e):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 12.12.2000 | von Michael Boldhaus

The talented Mr. Ripley

The talented Mr. Ripley Michael Boldhaus
Bewertung

Die Filmmusik

Im Film wird im Unterschied zur Romanvorlage der Gegensatz zwischen Tom und Dickey auch über die musikalische Neigung der Protagonisten thematisiert. Tom Ripley ist hier Pianist und Freund klassischer Musik, Dickey Greenleaf spielt hobbymäßig Saxophon und liebt Jazz. Tom Ripley hasst Jazz und Dickey verachtet Klassik. Ripley besitzt jedoch ein geradezu pathologisch übersteigertes Talent zum Improvisieren und nähert sich so auch dem ihm ungewohnten Swing mit Perfektion. Dies gipfelt im Vokal Solo des Rodgers & Hart Song „My Funny Valentine“, das er im Stile von Chet Baker, einer Jazz-Ikone der fünfziger Jahre zum Besten gibt.

Gabriel Yared (Der englische Patient) schrieb die Filmmusik. Neben Yareds Originalkompositionen (etwa 25 der knapp 64 Minuten Spieldauer) findet sich auf der CD auch klassisches (Vivaldis Stabat Mater) und eine Reihe von Jazz Tracks. Außerdem gibt es Matt Demons Interpretation von „My Funny Valentine“ und den Schlager „Tu vuo´fa l´Americano“. Gabriel Yared komponierte für den Charakter des Tom Ripley eine Art Leitmotiv, in Form eines Themas in barockem Stil, das den verschiedensten Situationen und Stimmungen elegant angepasst wird. Aus dem Motiv entwickelt sich schließlich der Song „Lullaby for Cain“, der von Sinéad O’Connor während des Abspanns gesungen wird.

Die Filmmusik ist hier wohl das Resultat einer innig durchdachten Zusammenarbeit von Regisseur und Komponist. Wer den Film gesehen hat, ihn mag, für den kann die CD durchaus ein willkommenes Souvenir sein, hingegen ohne den Film zu kennen, erweckt sie doch schnell ein wenig den Eindruck eines allzu bunt geratenen musikalischen Flickenteppichs.

Titel: The talented Mr. Ripley
Erschienen: 2000

Laufzeit: 63:52 Minuten

Medium: CD
Label: Sony Classical
Kennung: SK 51337

Komponist(en):

Schlagworte:


DVD

Veröffentlicht am 12.12.2000 | von Michael Boldhaus

Nur die Sonne war Zeuge

Nur die Sonne war Zeuge Michael Boldhaus
Film
Bild
Ton
Extras

In Plein Soleil • Nur die Sonne war Zeuge (1959) verfilmte Regisseur René Clemént die Story zum ersten Mal; die Hauptrolle spielt hier Alan Delon – Wim Wenders widmete sich ebenfalls dem Ripley Stoff in „Der amerikanische Freund“ (1976). Bei Cleménts Erst-Film-Version der Story handelt es sich um einen raffinierten Psycho-Thriller, der sich vom Remake in manchem deutlich unterscheidet. Die homoerotischen Aspekte der Story lässt Clemént unberücksichtigt, dafür erweist sich Dickey (der hier Phillip heißt) als sadistischer Quäler, dem es Spaß macht, von ihm Abhängige zu erniedrigen. Ausgefeilter ist hier das der Ermordung Dickeys vorausgehende, sich steigernde „Katz und Maus“- Spiel der Kontrahenten, in dem Tom raffiniert die todbringende Initiative an sich reißt. Der ruhig beginnende Film gewinnt, nachdem Tom Ripley die Identität des Toten angenommen hat an Tempo und wird zum ausgefeilten raffinierten Kriminalspiel. Der seinerzeit erforderliche „moralisch saubere“ Schluss – in dem Tom Ripleys Verbrechen schließlich doch entdeckt wird – wirkt heutzutage zwar konventionell, ist allerdings in seiner Machart nicht unintelligent und daher durchaus überzeugend. Alles in allem ist René Cleménts Film ein interessantes und gleichwertiges Pendant zur Neuverfilmung des Stoffes von Regisseur Anthony Minghella. Die adäquate musikalische Untermalung für die Erstverfilmung schuf der italienische Komponist Nino Rota.

Der Film auf DVD

Kinowelt präsentiert den Film auf DVD in sehr ansprechender Bild-Qualität. Schärfe und Farbe können durchweg als sehr gut bezeichnet werden, nur ganz vereinzelt ist leichtes Bildrauschen erkennbar. Das zum Videotransfer eingesetzte Filmmaterial war in sehr gutem Zustand: merkliche Bildschäden sind nicht vorhanden.

Den Ton gibt es Deutsch und Französisch in passablem Mono auf gutem Lichtton-Niveau. Allerdings ist dem deutschen Ton zeitweilig ein (recht dezentes) periodisch wiederkehrendes Störgeräusch überlagert – ein Schönheitsfehler, der speziell auf DVD nicht vorkommen sollte.

An Zusatz-Material gibt es neben einem Original-Trailer in Französisch und einem Wiederaufführungs-Trailer in englischer Sprache, Starinfos, eine Fotogalerie (in der man sich auch eine Kollektion internationaler Filmplakate ansehen kann) sowie ein rund 25minütiges informatives Interview mit Regisseur René Clemént.

Trotz kleiner Mängel beim Ton verbleibt eine Empfehlung für die ansonsten ansprechende DVD, besonders als Doppel-Pack zusammen mit der Neuverfilmung, aber auch solo.

Fazit: Patricia Highsmiths Mr.-Ripley-Stoff in zwei Verfilmungen: Das im Frühjahr in den Kinos gezeigte Remake von Regisseur Anthony Minghella, Der talentierte Mr. Ripley, sowie der Erstling, Regisseur René Cleménts Plein Soleil • Nur die Sonne war Zeuge (1959). Beide Versionen haben ihre Reize und sind auch im Vergleich interessant, da sie ihre Geschichte und Charaktere differenziert behandeln. Die beiden Kinowelt-DVDs sind sehr ansprechend geraten und seien dem Interessierten daher klar empfohlen.

Titel: Nur die Sonne war Zeuge
Erschienen: 2000

Zusatzinformationen: F 1959

Medium: DVD
Verleih: Kinowelt
Kennung: DVD 500172

Schlagworte:


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