CD

Veröffentlicht am 26.07.2000 | von Michael Boldhaus

Tora! Tora! Tora!

Tora! Tora! Tora! Michael Boldhaus
Bewertung

Die drei letzten FSM-Veröffentlichungen von Lukas Kendall präsentieren sogenannte Silver-Age-Classics, Musiken aus Filmen, die nach 1956 entstanden sind. Alle drei Titel, Tora! Tora! Tora! (1969), The Omega Man • Der Omega Mann (1971) und Beneath the Planet of the Apes • Rückkehr zum Planet der Affen (1969), sind nicht nur durch den engen Zeitrahmen ihrer Entstehung, sondern auch filmhistorisch interessant miteinander verknüpft. Es bot sich an, die 1997er Varèse-Edition der ersten vollständigen Musik-Fassung von Planet der Affen sowie FSMs Patton/Flight of the Phoenix in diesen Review-Artikel aufzunehmen, da diese Titel mit den vorgenannten in engem Zusammenhang stehen.

2056Tora! Tora! Tora! ist die filmische Rekonstruktion des politischen Vorspiels und des darauffolgenden fatalen japanischen Angriffs auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941, der zum Kriegseintritt der USA führte. Für Tora! Tora! Tora! schuf Goldsmith eine dissonant exotische Musik, die stilistisch seinem stark avantgardistisch geprägten Meisterwerk zu Planet of the Apes • Planet der Affen (1968) nahe steht. Der Komponist ließ die großangelegte, beeindruckende Pyrotechnik-Demonstration des zweiten Film-Teils ohne Musik; er stattete dafür das diplomatische Ränkespiel mit raffiniert gestalteten, scharf-dissonanten und durch die verwendeten japanischen Instrumente zugleich raffiniert exotischen Klängen aus. Als wichtiges Hauptmotiv dient ein kraftvolles japanisches Thema, das zuerst von einem Koto (ein Zither-ähnliches Saiteninstrument) gespielt und anschließend vom Orchester übernommen und faszinierend dramatisch gesteigert wird – wer von Goldsmith noch nicht begeistert war, dürfte es spätestens nach dem Hören dieses Tracks sein. Im Gegensatz zu den ausschließlich mit natürlichen Instrumenten erzeugten außergewöhnlichen Klangeffekten in Planet of the Apes, verwendete Goldsmith in Tora! Tora! Tora! auch (allerdings sehr subtil) elektronisch erzeugte Klänge. Insgesamt steuerte der Komponist für den Film nur rund 40 Minuten Musik bei und schuf hiermit ein herausragendes Beispiel für asiatisch inspirierte Musik im Kinofilm. Das ebenfalls auf der CD vertretene rund 17-minütige Programm mit für den Film arrangierter Hintergrund-Musik ist nicht etwa belangloses Füllmaterial, sondern gibt dem Ganzen zusätzlich eine reizvolle Atmosphäre. Der Film wirkt auch heutzutage noch weitgehend überzeugend. Neben dem komplexen, überwiegend gelungen inszenierten politischen Vorspiel haben die, selbst im Vergleich mit heutigen Computertricks, immer noch spektakulären und zugleich rasanten Actionszenen der Attacke auf Pearl Harbor kaum an Reiz eingebüßt. Besonders die in großer Zahl eingesetzten historisch akkuraten Flugzeuge wären heutzutage nicht mehr verfügbar.

Titel: Tora! Tora! Tora!
Erschienen: 2000

Laufzeit: 55:57 Minuten

Medium: CD
Label: FSM
Kennung: Vol. 3 No. 4

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CD

Veröffentlicht am 26.07.2000 | von Michael Boldhaus

Beneath the Planet of the Apes

Beneath the Planet of the Apes Michael Boldhaus
Bewertung

Der Erfolg des Films Planet of the Apes sorgte, wie immer in Hollywood, für einige Sequels; der 1969er Beneath the Planet of the Apes • Rückkehr zum Planet der Affen ist davon mit Abstand der beste. Hier tritt das Philosophische der Affenkultur und die insgesamt eher ruhige Handlung des ersten Films der Reihe ein Stück in den Hintergrund und macht solidem Action-Kino Platz. Leonard Rosenman schuf für diese „after the bomb story“, in der New York von Mutanten bewohnt wird, die die letzte Atombombe als Gottheit verehren, knapp vierzig Minuten Musik. Der atonale Ansatz ist mit dem von Jerry Goldsmith durchaus vergleichbar, allerdings wirkt die Klangschöpfung beim eingehenderen Hören stärker bruchstückhaft und ist wohl völlig unthematisch – keine ganz leichte Hörkost, aber trotzdem sehr zu empfehlen. Sehr originell sind der dissonante Marsch für die Affenarmee sowie das Chorstück für die rituelle Anbetung der Atombombe.

Als Zugabe gibt es den alten Plattenschnitt der Musik. Neben einigen interessanten Film-Dialogen enthält dieser einen Großteil der originalen Musik in speziell bearbeiteter Form für eine deutlich reduzierte Orchesterbesetzung. Aus kommerziellen Erwägungen musste Leonard Rosenman der Musik das Flair der Rock-Ära geben, was er durch Einarbeiten entsprechender Rhythmen erreichte! Wenn auch die LP-Fassung eher kurios wirkt, ist der Vergleich beider Fassungen als „Kinder ihrer Zeit“ eine überaus interessante und auch filmhistorisch wichtige Angelegenheit. Dass diese CD-Produktion dem Hörer diese Möglichkeit überhaupt bietet, ist eine editorische Bestleistung.

Titel: Beneath the Planet of the Apes
Erschienen: 2000

Laufzeit: 72:03 Minuten

Medium: CD
Label: FSM
Kennung: Vol. 3 No. 3

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 26.07.2000 | von Michael Boldhaus

The Omega Man

The Omega Man Michael Boldhaus
Bewertung

Warners The Omega Man aus dem Jahr 1971 zeigt eine Reihe interessanter Parallelen zu Beneath the Planet of the Apes. Die Handlung dieser Endzeit-Story spielt in einem ebenfalls menschenleeren New York, dessen Bewohner dieses Mal nicht durch Nuklear-Explosion, sondern durch biologische Kriegsführung hingerafft worden sind. Charlton Heston, in den ersten beiden Affenfilmen der überlebende Raumfahrer, spielt hier einen Wissenschaftler, den Omega-Mann, der sich scheinbar als einziger Mensch immunisieren und überleben konnte. Er muss sich allerdings gegen eine Gruppe fanatischer lichtempfindlicher, vampir-ähnlicher Mutanten zur Wehr setzen, die ihn allnächtlich bedrohen. So deutlich die Parallelen der Filmstories sind, so groß ist der Kontrast bei den eingesetzten Filmmusiken. Für The Omega Man wurde der Brite Ron Grainer verpflichtet, der überwiegend für das Fernsehen gearbeitet hat. Grainer schuf für die harsche Story einen von den Produzenten gewollten musikalischen Kontrapunkt in Form einer tonalen Melodie- und Pop-orientierten Musik. Ausschließlich kommerzielle Gründe dürften für diese Wahl der Produzenten wahrscheinlich weniger entscheidend gewesen sein, denn Grainers Klangschöpfung ist jetzt zum ersten Mal überhaupt auf Tonträger erhältlich. Die Aufnahme der verwendeten Solo-Instrumente und Orchester-Gruppen erfolgte zeittypisch „on mike“, also mit einer Vielzahl direkt platzierter Mikrofone, wobei das endgültige Klangbild am Mischpult entsteht. Der resultierende, eher artifizielle Sound, gibt der Musik eine gewollte Künstlichkeit. In seiner Komposition verschmolz Grainer gekonnt verschiedene Musikstile und kombiniert Poppiges im Stil der Zeit mit ungewöhnlichen Klang- und frühen Synthesizer-Effekten. Das Resultat ist sicher kein Meisterwerk, aber ebenfalls eine interessante Begegnung mit einem typischen Kind seiner Zeit. Manches in dieser weitgehend leichtgewichtigen Musik wirkt heute schon ein wenig antiquiert und in seiner Art auch fernseh-like, analog Grainers Schöpfungen zu Dr. Who und Tales of the Unexpected. Der Titel ist für Fans des Films und Liebhaber der Grainer-Musik wohl ein Muss, für den Sammler sinfonischer Scores dagegen mehr ein interessantes Kuriosum, aber filmhistorisch nicht unbedeutend. Der gute Klang und die gewohnt liebevolle Ausstattung dieser und auch der anderen besprochenen FSM-CDs werten das Ganze zusätzlich auf.

Fazit: Von den drei letzten Film-Score-Monthly-CD-Veröffentlichungen dürfte Goldsmiths meisterhafte, asiatisch inspirierte und sehr gut klingende Original-Musik-Einspielung zum Weltkriegsepos Tora! Tora! Tora! (1969) der Renner sein. Auch wer die im selben Jahr komponierte Musik zu Patton schon hat, sollte sich die FSM-CD mit der Originaleinspielung zusätzlich zulegen. Bei den veröffentlichten Ausgaben der alten LP-Fassung handelt es sich nämlich um eine in Teilen deutlich geglättete Nachspielung. Wem das als Argument nicht ausreicht, der sollte allein wegen der raren „Zugabe“ zugreifen, der sehr schönen und unmittelbar ansprechenden Musik von Frank de Vol zu The Flight of the Phoenix. Leonard Rosenmans Beneath the Planet of the Apes und Ron Grainers The Omega Man sind auch filmhistorisch wichtige und interessante Filmmusik-Veröffentlichungen.

Dass die schon verschiedentlich gerühmten FSM-Editionen immer gleich gut gemacht sind, kann ich auch hier nur nochmals unterstreichen – dies erhöht auch den Wert des jeweiligen Titels über den reinen filmmusikalischen Wert hinaus deutlich. Bestmöglicher Klang der CDs wird ergänzt durch Booklets, die neben sehr informativen Texten häufig auch seltene Fotos enthalten. Hier zeichnet sich Tora! Tora! Tora! durch ein zusätzliches Schmankerl aus: Nimmt man den Silberling heraus, sieht man das große „Planschbecken“ mit den Schiffsmodellen und davor die das Set betreuenden Taucher – das ist mit einem Wort: Klasse!

Auch Varèses Planet of the Apes braucht sich nicht zu verstecken. Erstklassiger Klang und – wie (leider nur) bei den speziellen Editionen des Labels üblich – ein ordentlich ausgestattetes Booklet runden auch hier den überaus positiven Eindruck ab.

Titel: The Omega Man
Erschienen: 2000

Laufzeit: 65:41 Minuten

Medium: CD
Label: FSM
Kennung: Vol. 3 No. 2

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 26.07.2000 | von Michael Boldhaus

Planet of the Apes

Planet of the Apes Michael Boldhaus
Bewertung

1967 schuf Jerry Goldsmith für den Film Planet of the Apes • Planet der Affen eines seiner unumstrittenen Meisterwerke. Die völlig atonal und außergewöhnlich effektvoll komponierte Musik wirkt beim ersten Hören in der Regel sehr schwierig. Das Einhören in die komplexe Tonsprache lohnt sich aber in jedem Fall. Der Komponist realisierte sämtliche der teilweise faszinierenden Klänge rein orchestral, also ohne Elektronik-Unterstützung, und bewies damit einen selten zu beobachtenden Einfallsreichtum. Dreißig Jahre mussten vergehen, bis man dieses Meisterwerk erstmals vollständig daheim zu Gehör bringen kann! Die herausragende 1997er Varèse-Edition enthält die Musik in gegenüber den früheren verstümmelten LP- und CD-Fassungen geradezu dramatisch verbesserter Klangqualität. Die rund 16-minütige Suite aus dem 3. Affenfilm Return to the Planet of the Apes • Rückkehr zum Planet der Affen (1971) ist eine originelle Zugabe, welche die CD endgültig zum Muss für den Sammler macht. Die hier weitgehend tonal angelegte Musik ist humoristisch und melancholisch zugleich.

Titel: Planet of the Apes
Erschienen: 1997

Laufzeit: 67:40 Minuten

Medium: CD
Label: Varèse Sarabande
Kennung: VSD-5848

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 26.07.2000 | von Michael Boldhaus

Patton / The Flight of the Phoenix

Patton / The Flight of the Phoenix Michael Boldhaus
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Im selben Jahr wie Tora! Tora! Tora! entstand auch die deutlich anders gelagerte Musik zu Patton. Die FSM-CD aus dem Vorjahr präsentiert erstmals die Film-Originaleinspielung, die in vielen Passagen deutlich herber und kühler klingt als die für die LP-Veröffentlichung neu eingespielte, aus kommerziellen Gründen deutlich geglättete Version. Als „Zugabe“ gibt es noch eine Rarität, die mehr als nur hörenswerte Musik zu The Flight of the Phoenix • Der Flug des Phönix (1965) von Frank de Vol. Frank de Vol gehört zu den Tonschöpfern Hollywoods, dessen Name speziell jüngeren Filmmusik-Interessierten kaum bekannt sein dürfte. Seine vitale, üppig romantische, breitorchestral angelegte Musik für diesen Film ist ein wahrer Geheimtipp für alle Liebhaber sinfonischer Action-Scores.

Titel: Patton / The Flight of the Phoenix
Erschienen: 1999

Laufzeit: 76:29 Minuten

Medium: CD
Label: FSM
Kennung: Vol. 2 No. 2

Komponist(en):

Schlagworte:


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