Harry Potter and the Order of the Phoenix

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
25. Juli 2007
Abgelegt unter:
CD

Score

(2.5/6)

Die Erfolgsstory vom Zauberlehrling Harry Potter hat seit dem 12. Juli 2007 die fünfte Kinorunde erreicht. Nach Chris Columbus, Alfonso Cuarón und Mike Newell ist nun ein hierzulande noch praktisch unbekannter Regisseur auf den Plan getreten: David Yates, 1963 geboren, Brite und bislang fast ausschließlich für britische TV-Produktionen verantwortlich. Harry Potter und der Orden des Phönix ist nun sein erster Blockbuster-Auftrag für die große Leinwand, wobei auch der sechste Film, Harry Potter und der Halbblutprinz, bereits in seinen Händen ruht, sich derzeit in der Preproduktionsphase befindet.

Für die Filmmusik hat Yates seinen Hauskomponisten gleich mitgebracht: Nicholas Hooper, mit dem er laut Begleithefttext bereits seit 15 Jahren zusammenarbeitet. Der Albumschnitt von Hoopers Filmmusik ist mit nur rund 52 Minuten auffällig kurz geraten: Harry Potter und der Orden des Phönix ist das bislang kürzeste Potter-CD-Album. Mitunter liegt in der Kürze zwar schon die Würze; was der im Kreis der Filmmusikfreunde ebenfalls praktisch unbekannte Hooper hier präsentiert, ist jedoch insgesamt eher durchwachsenes, etwas blasses und biederes (TV-)Handwerk. Mit dem groß besetzten (der Name ist irreführend) „Chamber Orchestra of London“, den RSVP Voices, den vorzüglichen Abbey-Road-Tonstudios sowie einem eingespielten Team von fünf Orchestratoren, Toningenieuren plus unterstützendem Dirigenten genoss Hooper zweifellos vorzügliche technische Voraussetzungen für Komposition und Ausführung einer innerhalb der Potter-Reihe würdigen neuen Filmmusik.

Und gerade in letztgenanntem Punkt liegt die Krux der von CD klangtechnisch vorzüglich herüberkommenden neuen Komposition. Im Score gibt es zwei passable, wenn auch nicht umwerfende Themen: zum einen das für „Professor (Dolores) Umbridge“ (Track 2) sowie das für die aus jugendlichen Streitern bestehende „Dumbledore’s Army“ (Track 5). Mit diesen jedoch wenig markante Eindrücke hinterlassenden musikalischen Einfällen geschieht allerdings im weiteren Verlauf des Albumschnitts im Sinne thematisch-motivischer Arbeit nichts Bemerkenswertes. Ähnlich blass gestaltet sich darüber hinaus das Anknüpfen an die filmmusikalischen Vorläufer. Allein der erste Teil des Hedwig-Themas scheint in insgesamt vier Stücken auf. Ansonsten wird weder Material von Williams noch von Doyle aufgegriffen. Was dem Score völlig abgeht, sind aus eher gepflegter (TV-)Langeweile merklich herausragende Einfälle. Für sich genommen bringt Hooper zwar hier und da einige recht ansprechende Passagen zustande, aber es ist insgesamt einfach nichts Mitreißendes darunter, was den Vorläufer-Musiken auch nur annähernd gleichkommt. So hat man die im Stil einer schottischen Jig beginnenden „Fireworks“ in ähnlicher Form aus Doyles Harry Potter und der Feuerkelch in „The Quidditch World Cup“ knackiger in Erinnerung. Ebensowenig vermag das Böse klanglich zu faszinieren, brodelt vielmehr düster und (leichen-)blass vor sich hin. Formtechnisch begegnet einem ebenso wenig etwas, das über eher schlichte Ostinato-Techniken hinausgeht. Das stellenweise zusätzliche Einbinden von Samples und Klangsynthetik mutet ebenfalls eher routiniert denn inspiriert an. Und auch instrumentatorisch agiert das hier zu Hörende weit ab von der Eleganz eines John Williams und rangiert auch merklich unterhalb der Standards eines Patrick Doyle. Selbst beim Betrachten abseits eines besonderen kompositorischen Anspruchs hat diese Musik leider kaum etwas im Gepäck, das als besonders unterhaltsam empfunden werden kann und zum häufigeren Hören ermuntert.

Etwas, das man mit pfiffig oder sonst wie als virtuos oder gar markant bezeichnen könnte, fehlt in den knapp 52 Albumminuten also schlichtweg völlig. Somit ist die Bilanz schon etwas dünn, ja darf besonders für eine derartige Sequel-Musik als recht enttäuschend bezeichnet werden. Insofern ist das aktuelle CD-Album derzeit eindeutig und mit Abstand das schwächste der Harry-Potter-Reihe.

Als Vertonung irgendeiner TV-Produktion könnte man für diese Musik bei größtem Wohlwollen knappe drei Sterne attestieren. Im Rahmen der musikalischen Potter-Erfolgstory allerdings passt die damit verbundene immerhin „kleine Empfehlung“ denn doch nicht wirklich ins Bild. Dieses CD-Album ist in erster Linie für diejenigen von Interesse, die um der Vollständigkeit willen ein klingendes Souvenir zum neuen Film des Potter-Franchises besitzen möchten.

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Komponist*in:
Hooper, Nicholas

Erschienen:
2007
Gesamtspielzeit:
51:56 Minuten
Sampler:
Warner Music
Kennung:
9362-49973-I

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