CD

Veröffentlicht am 06.04.2000 | von Marko Ikonić

First Knight

First Knight Marko Ikonić
Bewertung

Die Erfahrung hat gezeigt, dass Filmprojekte wie First Knight • Der 1. Ritter, die verzweifelt versuchen, ein klassisches Genre des so genannten „Golden Age“ wieder aufzugreifen, ihre Aufgabe eher schlecht als recht erfüllen. Im Mindesten muss man ihnen aber zu Gute halten, dass sie oft eine solide Grundlage für symphonische Filmmusik im traditionellen Sinne bieten.

Wie man hier hören kann, macht Jerry Goldsmith, der sich nach eigenen Angaben heute keinen völlig Synthesizer-freien Score mehr vorstellen kann, von Zeit zu Zeit auch Ausnahmen. Neben King Solomon’s Mines aus dem Jahre 1985 ist seine in jeder Hinsicht üppige Komposition für First Knight • Der 1. Ritter eine seiner wenigen aktuelleren Partituren, die sich voll und ganz mit einem großen Orchester, und allem was so dazu gehört, begnügt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Man findet einige Kernelemente vor, die bei so manchem/r wahrscheinlich der Auslöser seiner/ihrer Liebe zur Filmmusik gewesen ist: Ein ritterlich-erhabener Main Title, ein bittersüßes Liebesthema, verschiedene Action- bzw. Bösewichtsmotive, ein dick auftragendes Heldenthema für Lancelot, eine eingängige Fanfare für Artus und zwei ansehnliche chorale Abschlusstracks, die einmal mehr Goldsmiths Talent (und persönliche Schwäche) für breit angelegten Choralsatz veranschaulichen.

Bei einer Score-Gesamtlänge von ungefähr 90 Minuten sollte man annehmen, dass das mit nur knapp 40 Minuten bestückte offizielle CD-Album aus dem Hause Epic die Musik arg beschnitten vorstellt. Besitzer der erweiterten Fassung, erschienen bei Camelot Records, werden feststellen, dass dem nicht unbedingt so ist. Rein mengenmäßig ist die offizielle CD der überteuerten Privatveröffentlichung zwar stark unterlegen, vom Gesichtspunkt des musikalischen bzw. thematischen Inhalts jedoch bietet die mittlerweile überall als „Nice Price“-CD angebotene Epic-Fassung einen wirklich annehmbaren Querschnitt. Der einzige schwerwiegende Nachteil der Epic-CD ist das vollständige Fehlen von „Lancelot’s Theme“, einer heroischen Blechbläserfigur, die beinahe schon ins Parodiehafte hinüberspielt. Der Cue „Abduction of Guinevere“ (Track 17 auf Camelot Records) hätte der offiziellen CD gewiss auch nicht geschadet. Selbst im Film von Soundeffekten übertüncht, tönt hier das Liebesthema in einer besonders rasanten, mitreißenden Variation.

Titel: First Knight
Erschienen: 1995

Laufzeit: 40:10 Minuten

Medium: CD
Label: Epic
Kennung: EPC 480937

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 06.04.2000 | von Marko Ikonić

First Knight (Expanded)

First Knight (Expanded) Marko Ikonić
Bewertung

Für Bewunderer des Komponisten, die eine ausführlichere Präsentation der Musik zu schätzen wissen, lohnt sich die Expanded-CD also durchaus. Vollständigkeits-Fetischisten könnten darauf hinweisen, dass bei einer Wiedergabedauer von 78 Minuten immer noch etwa 12 Minuten fehlen. Das mag schon stimmen, doch alles, was an dieser Komposition auch nur im Entferntesten von Bedeutung ist, bekommt man auf der Camelot-CD in bestechender Klangqualität serviert. Am Ende des Tonträgers gibt es sogar eine Konzertsuite mit den 3 zentralen Themen zu hören (Main Title, Liebesthema und „Arthur’s Farewell“). Wer danach noch immer nicht genug hat, findet am Ende des selben Tracks auch noch eine verlängerte Fassung der lautstarken Perkussionsexperimente, die im Film Lancelots Durchquerung des Teufelswerks untermalen.

Man muss der Einfallslosigkeit der Produzenten wirklich danken, denn hätten sie den finalen Kampf zwischen Gut und Böse („Never Surrender“ bzw. „Fight for Camelot“) nicht, dem gängigen Klischee entsprechend, probeweise mit Teilen aus Orffs „Carmina Burana“ unterlegt, wäre Goldsmith wahrscheinlich nicht auf die Idee gekommen, an dieser Stelle einen Chor einzusetzen. Das Resultat dieser Entscheidung ist sowohl in der Filmwirkung als auch auf sich alleine gestellt in hohem Maße überzeugend. Diesmal haben wir es erfreulicherweise mit einwandfreien lateinischen Konstruktionen zu tun: Hoc regnum meum est, adorate me, dominus deus noster, dominus solus est, deus solus est, dominus est solus, dominus noster est in caelo, deus in caelo …

Fazit: Alles in allem liefert Jerry Goldsmith mit First Knight einen gut durchdachten, episch angelegten Score, der einmal mehr sein herausragendes handwerkliches Können unter Beweis stellt. Mitunter werden jene Pessimisten gehörig Lügen gestraft, die den Maestro nach seiner Flaute der späten 80er und frühen 90er Jahre schon abgeschrieben hatten. Ein Hörvergnügen ohne nennenswerte Schwächen.

Titel: First Knight (Expanded)
Erschienen: 1999

Laufzeit: 77:53 Minuten

Medium: CD
Label: Camelot
Kennung: CT-CD 95462

Komponist(en):

Schlagworte:


Nach oben ↑

Pin It on Pinterest