The Missing

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
10. Februar 2004
Abgelegt unter:
CD

Score

(3/6)

Mit Ron Howards The Missing (deutscher Kinostart: 12. Februar 2004) kommt ein neues Spätwestern-Drama in die Kinos. Die Handlung spielt Mitte der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts in New Mexiko. Eine der beiden Töchter von Maggie Gilkesons (Cate Blanchett) wird bei einem Überfall von einer indianischen Bande entführt. Die verzweifelte Mutter erhält Hilfe von einem Mann, der lange Zeit bei den Apachen gelebt hat; delikat ist dabei allerdings, dass es sich um ihren (ungeliebten) Vater handelt, der vor Jahren, als Maggie noch klein war, die Familie im Stich ließ …

Die Entführungsstory scheint eine Mischung aus Pferde-Oper und Beziehungsdrama mit Thriller-Elementen und okkultem Einschlag zu sein.

Ron Howard bevorzugt als Komponisten seit geraumer Zeit James Horner – Apollo 13 und A Beautiful Mind. Dieser arbeitet bei The Missing mit groß besetztem Orchester, ethnischem Instrumentarium und teilweise verfremdeten Sounds. Seine Vertonung ist auch dieses Mal weder neuartig noch extrem fantasievoll, aber auch nicht derart schematisiert und fantasielos routiniert gefertigt, wie andere Arbeiten der jüngeren Vergangenheit (hierzu siehe auch The Four Feathers und House of Sand and Fog).

Insgesamt präsentiert sich dem Hörer eine überwiegend recht ruhige, gemäßigt pathetische Abenteuermusik mit stark atmosphärischen, zur Klang-Collage tendierenden ethnischen Einwürfen sowie Geräuschmontagen, synthetische Unterstützung inklusive. Das recht schöne Hauptthema erinnert im zweiten Teil etwas an Braveheart.

Eine wichtige Rolle spielen die Ethno-Einlagen und collageartigen Sounds zur Erzeugung einer unheimlichen, mitunter auch gespenstisch anmutenden Atmosphäre. Neben gedämpften (künstlichen) Choreinlagen finden sich männliche Vokalisen, die für ein gewisses indianisches Flair sorgen. Hinzu treten bei Bedarf Kena- und Panflöte sowie Horners Liebling, die Shakuhachi-Flöte, Rhythmusinstrumente und bassstarke synthetische Effekte. Restlos zu überzeugen vermag mich der Ethno-Ansatz allerdings nicht. Zu wenig typisch wirkt das Indianische, wobei hier besonders die Pan- und die fernöstliche Shakuhachiflöte unstimmig und verwässernd wirken. Erfreulich ist aber auch an dieser Stelle, dass die Shakuhachi behutsam verwendet wird und nicht penetrant kreischend erklingt. Die teilweise recht massiv beigemischte Klangsynthetik hätte m. E. ruhig etwas geräuschhafter (wie in Master und Commander) ausfallen dürfen. Die Synthie-Einsätze sind aber erfreulicherweise nicht vergleichbar antiquiert geraten wie das in Beyond Borders der Fall ist. Damit verspielt Horner hier zwar (wieder einmal) die Chance, eine markant-typische Lösung zu realisieren, aber einfach nur schlecht ist das von ihm hier Präsentierte nicht, sondern kann „nur“ kaum als originell bezeichnet werden. Auch fehlt besagten atmosphärischen Einlagen über die beachtliche Albumlänge von rund 78 Minuten doch eine Portion Vielseitigkeit, um den Hörer nicht zu ermüden. Im Zusammenwirken mit den Filmbildern sind derartige Längen nicht allein deutlich weniger auffällig, ich vermute sogar, dass die atmosphärischen Teile im Film beträchtliche Wirkung besitzen.

Die Musik zu The Missing ist insgesamt gewiss kein untypischer Horner-Abenteuer-Score, eher einer von der weniger ausladenden Sorte und ebenso einer, der die über alle Maßen bekannten Klangschemata weniger stumpf reproduziert. So bleiben die mittlerweile oftmals allein noch banalen Piano-Soli dem Hörer erfreulicherweise erspart. Dieses Mal ist das Klavier ausschließlich eine (dezent) eingesetzte Klangfarbe innerhalb des modernen Sinfonieorchesters. Ebenso werden Stabglocken nur sparsam, Snare Drums sogar überhaupt nicht und übrige Percussions nicht überzogen eingesetzt. Dafür gibt es einige Passagen mit ansprechenden Holzbläsersoli und auch die Harfe kommt gelegentlich schön zum Zuge. Der Score zeigt allerdings mehr Mystery- denn typischen Western-Touch. Wertungsmäßig sind drei Sterne vielleicht ein Hauch zu wenig. Für einen halben Stern Zuschlag habe ich mich dann aber doch nicht durchringen können. Insofern gibt’s hier eine „fette“ Drei, und das ist ja auch schon etwas.

Alles in allem ist The Missing sicher kein besonderer Wurf, aber nach den jüngsten Enttäuschungen zumindest wieder eine ordentliche Filmmusik, die besonders in verkürzter Form ein solides Höralbum und gutes Filmsouvenir abgibt. Mitunter reicht da vielleicht schon der 16-minütige Schlusstrack „The Long Ride Home“, der das thematische Material besonders schön zusammenfasst.

Komponist*in:
Horner, James

Erschienen:
2004
Gesamtspielzeit:
77:35 Minuten
Sampler:
Sony
Kennung:
SK 93093

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