That’s Entertainment: The Best of the M-G-M Musicals

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
10. April 2003
Abgelegt unter:
Sampler

Score

(4/6)

Als der Löwe brüllte: Klingende Schätze aus dem MGM-Archiv, Teil 2 (That’s Entertainment)

Unauslöschlicher Teil des Golden Age ist die Vielzahl der produzierten Film-Musicals. Oftmals – gerade durch ihre verschwenderische Ausstattung und üppigen Choreographien – Synonyme für die Traumfabrik. Die große Zeit dieser seit Ende der 60er Jahre weitgehend verschwundenen Filmgattung waren die 30er bis 50er Jahre (Basis-Infos hierzu auch bei The King and I).

MGM, das größte und opulenteste der Hollywood-Studios, produzierte nicht nur die meisten, sondern auch die aufwändigsten Film-Musicals: „More Stars Than in the Heavens“ war dabei eines der wichtigen Superlative in der Werbung um den Kinogänger. Neben den Namen berühmter Sänger und Tänzer stehen dafür aber auch Regisseure wie Vincente Minelli, Ernst Lubitsch, Rouben Mamoulian, Stanley Donen und Gene Kelly. Im Rahmen der im Oktober 2002 bei der (deutschen) Warner aufgelegten insgesamt 30 Mid-Price-CDs aus dem MGM-Turner-Katalog sind auch für den Musicalfreund eine Reihe von Leckerbissen dabei.

Die (auch international) sehr erfolgreiche Kino-Dokumentation That’s Entertainment (1974) rief noch zwei Fortsetzungen ins Leben: That’s Entertainment II (1976) und That’s Entertainment III (1994). Allein der erste der drei Filme präsentiert mehr als 70 Highlights der Gattung Filmmusical aus dem MGM-Archiv. Anders als in den oftmals bei derartigen Alben gebotenen Nachspielungen handelt es sich hier um die klangtechnisch sorgfältig aufbereiteten Originale. In manchen Fällen – der auf Lichtton realisierten Aufnahmen – lagen wohl die Einzelmaster der ursprünglich quasi-mehrkanalig angelegten Einspielungen noch in (hörbar) gutem Zustand vor, so dass auf echtes Stereo gemixt werden konnte – was ebenso für die anderen Alben (dieses Artikels) gilt.

Wie schon bei den im ersten Artikel vorgestellten CDs, so sind auch dieses Mal die liebevoll gemachten, informativen und vorzüglich ausgestatteten Begleithefte erwähnenswert. Neben den vielen Fotos (zum Teil in erstklassig reproduzierten typischen Technicolor-Farben) gibt’s zu jedem Track knappe aber solide Infos. Wer weiß schon, dass ursprünglich der Song „Over the Rainbow“ – als seinen Film zu sehr verlangsamend – entfernt werden sollte? Arthur Freed, Mitproduzent von The Wizard of Oz, gelang es, L. B. Mayer zu überzeugen: Ein (im Nachhinein) zu den größten Musical-Evergreens zählendes Lied und Markenzeichen für Judy Garland war gerettet.

Das CD-Album „That’s Entertainment: The Best of the M-G-M Musicals“ ist die abgespeckte Version der in den USA zusätzlich vorgelegten Deluxe-Box-Edition mit insgesamt 6 CDs. Die vorliegende Einzel-CD präsentiert ein gut fließendes Programm aus 16 musikalischen Highlights, vom titelgebenden Song aus The Band Wagon (1953) über das berühmte „Over the Rainbow“ aus Wizard of Oz (1939) bis zum vergleichbar bekannten Irving-Berlin-Song „There’s No Business Like Showbusiness“ – der nicht nur in Annie Get Your Gun (1950) gesungen wird. Natürlich fehlt auch so Berühmtes wie „The Trolley Song“ (Meet Me in St. Louis, 1944), „Ol’ Man River“ (Show Boat, 1951) und „Singin’ in the Rain“ nicht. Der Käufer erhält damit eine ordentliche, rund 66-minütige Best-of-Präsentation dieser Gattung.

Stellvertretend für die den Musical-Stars gewidmeten Alben seien hier zwei vorgestellt: das Doppel-CD-Album „Fred Astaire at M-G-M“ (mit 43-seitigem Booklet!) und „Lena Horne at Metro-Goldwyn-Mayer“.

Fred Astaire (1899-1987) – ursprünglich Frederick Austerlitz – war ein begnadeter und charmanter Tänzer mit besonderem Gefühl für Rhythmus, der seine Lieder in einer Art (markantem) Sprechgesang interpretierte. Insbesondere seine frühen, bei RKO im Team mit Ginger Rogers realisierten, Filme haben unverwechselbaren Zauber – z. B. Top Hat (1935). Eine unverwechselbare Ikone des Hollywood-Film-Musicals also, ein „King of the Movie Musical“, dessen erste Screen-Tests allerdings eher zurückhaltend beurteilt worden sind: „Kann nicht schauspielern, kann nicht singen, kann ein wenig tanzen.“ Die über 150 Minuten des Doppel-CD-Sets bieten ein repräsentatives Programm mit 39 Songs (und Musik) aus den „MGM-Years“, inklusive einer Kostprobe aus dem von David O. Selznick produzierten Dancing Lady (1933).

Lena Horne (∗ 1917) war die hellhäutigste Afroamerikanerin in Hollywood. Ursprünglich eine attraktive Nachtklubsängerin wurde sie die erste Schwarze, die einen mehrjährigen Vertrag im Hollywood-Business erhielt. Das rund 70-minütige Programm bietet Begegnungen mit zum Teil berühmten Songs ihrer Karriere, wie „Honeysuckle Rose“, „Jericho“ und „The Lady Is a Tramp“. Neben eingängigen Melodien tritt hier der Swing besonders deutlich hervor.

Jazz und Swing spielten in der Unterhaltungsmusik seit den Jahren der Welt-Wirtschaftskrise bis in die zweite Hälfte der 40er Jahre eine ganz besondere Rolle. Das neben dem Kino damals sogar noch mächtigere Medium Radio machte Big-Band-Formationen und deren Leader, wie Harry James, Tommy Dorsey, Benny Goodman und Artie Shaw, populär. Natürlich sah Hollywood nicht tatenlos zu, und bereits 1930 hatten Paul Whiteman und sein Orchester ihren Auftritt in Universals The King of Jazz, und Benny Goodman war in Warners Hollywood-Hotel (1937) dabei. Das CD-Album „Big Band Swingin’ at M-G-M“ bietet dazu mitreißend Klingendes aus den goldenen Jahren des Big-Band-Swings beim Rolls-Royce des Film-Musical-Business: Metro Goldwyn Mayer.

Lesen Sie auch: Als der Löwe brüllte: Klingende Schätze aus dem MGM-Archiv, Teil 1

Komponist*in:
Diverse

Erschienen:
2002
Gesamtspielzeit:
64:45 Minuten
Sampler:
Warner (wea)
Kennung:
8122-72463-2

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