Miracle on 34th Street (1994)

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
9. Dezember 2003
Abgelegt unter:
CD

Score

(5/6)

Bruce Broughtons Vertonung des 1994er Remakes ist erstmals seit der Intrada-Wiederveröffentlichung im Jahr 2002 von Tonträger angemessen zu genießen und einzuschätzen. Wie der Komponist hier in der Lage ist, die landläufige, fast schon etwas abgenutzt erscheinende Gattung Weihnachtsscore zu bereichern, ohne mit bewährten Traditionen brechen zu müssen, ist bemerkens- und natürlich ganz besonders hörenswert.

Bruce Broughton greift das auf, was nicht nur Cyril Mockridge und auch John Williams — in den Vertonungen zu den Home-Alone-Filmen — vorexerziert haben. Er erzeugt mit Hilfe von Glockenspiel, Chor und besonders durch die ausgiebig eingesetzte Celesta eine märchenhaft schwebende Feen-Atmosphäre und damit Weihnachtsstimmung, die klar von Peter Tschaikowskys Ballett „Der Nussknacker“ inspiriert ist. Das Originelle und zugleich Raffinierte in Broughtons Musik ist das ausgefeilte Spielen mit charakteristischen klanglichen Effekten, die klar auf bestimmte Stellen in Tschaikowskys Weihnachtsballett verweisen, ohne dass hier jedoch von Abschreiben die Rede sein kann. Im Gegenteil: der Komponist geht mit den dem Hörer so vertrauten Klangschemata so liebevoll um, dass man hier von augenzwinkernder Hommage sprechen kann. Und noch etwas hat bemerkenswerten Pfiff: Traditionelle Weihnachtslieder kommen hier praktisch nicht vor. Allein in der Schlusspassage des Finales klingt kurz „Santa Claus is comin’ to town“ an. Damit wird das mittlerweile allzu Gewohnte nicht überstrapaziert.

Hinzu kommen reizvolle Stücke mit barockem Einschlag, die im Concerto-Grosso-Stil gehalten sind und zusätzlich ein archaisierend festliches Flair beisteuern. Ebenso wirksam ist das schöne, prächtige Hauptthema, das in ausgefeilten Variationen verarbeitet wird und feierlichen Charakter besitzt. Und einigen Charme besitzt das Love Theme, das mit seinem dezent bluesigen Saxophonpart auf das moderne New York verweist.

Alles in allem ist Broughtons Miracle on 34th Street in der Intrada-Version nicht allein ein über die knapp 70 Minuten Laufzeit gekonnt weihnachtlich stimmendes Höralbum ohne Durchhänger. Die auch vom Komponisten sehr geschätzte Musik zählt zu den schönsten Weihnachtsscores überhaupt. Eine durchgängig sehr anmutige Filmkomposition, die, als stimmungsvolle und dabei eben nicht abgedroschen erscheinende Untermalung zur Weihnachtszeit eingesetzt, manchen, der ansonsten Filmmusik-Muffel ist, überraschen dürfte.


Mehrteilige Rezension:

Folgende Beiträge gehören ebenfalls dazu:


Komponist*in:
Broughton, Bruce

Erschienen:
2002
Gesamtspielzeit:
67:50 Minuten
Sampler:
Intrada Special Collection
Kennung:
Volume 8

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