L’avion

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
28. Dezember 2005
Abgelegt unter:
CD

Score

(3.5/6)

Magisches im Doppelpack!

L’avion

L’avion • Das Zauberflugzeug ist eine deutsch-französische Koproduktion märchenhaften Zuschnitts. Im Zentrum steht ein Spielzeug des kleinen Charly, das besagte Zauberflugzeug, welches magische Kräfte besitzt.

Der Score ist streicherbetont und über weite Strecken eher zurückhaltend von Instrumentalsoli bestimmt. Der Komponist Gabriel Yared (Cold Mountain, Der talentierte Mr. Ripley) bestreitet selbst die Klavierparts, und ebenso sind Flöte, Klarinette, Fagott, Oboe und Englischhorn mit von der Partie. Auch Synthetisches kommt zum Zuge, wird allerdings sehr unaufdringlich eingesetzt. Die Musik besteht aus recht geschickt gearbeiteten Variationen zweier schön angelegter und breit ausschwingender Melodien, die als Hauptthemen den Ablauf und die wechselnden Stimmungen der Handlung begleiten.

Da ist das zweiteilige, etwas geheimnisvoll und schwebend anmutende Thema für das Zauberflugzeug, das infolge seiner häufig impressionistischen Aura besonders ansprechende Klangmagie verströmt. Hinzu tritt noch eine lyrische Klaviermelodie („Le printemps“), die an ein Kinderlied erinnert und in „Le piano“ als Piano-Solo erklingt. Zur Gestaltung der mysteriösen und gefahrvollen Momente dienen mitunter von minimalistischen (an Vertigo erinnernde) Figuren der Harfe umrahmte Mysterioso-Passagen. In diese werden die beiden Hauptthemen in gekonnt variierter Form eingebettet, z. B. in „Charly“.

Yareds Musik zu L’avion ist eine sehr charmante Hörangelegenheit, die ohne orchestralen Bombast daherkommt. Besonders die Varianten des (Zauber-)Flugzeugthemas, das erstmals in der „Ouvertüre“ erklingt, wirken bezaubernd. Im schwelgerische Gestus erinnert es ein wenig an die für den finalen Garten der Feen in Ravels „Ma mère l’oye“ erklingende Musik. Alles in allem erhält der Käufer ein recht abwechslungsreiches Höralbum mit einer handwerklich mehr als „nur“ solide gestalteten Komposition, die wahrlich zauberhaften Charme entfaltet. Es handelt sich um eines der schönsten Höralben Gabriel Yareds, das zum stilistisch ähnlichen Finding Neverland (mindestens) ein würdiges Pendant darstellt. Dergleichen verdient satte dreieinhalb Sterne.

Komponist*in:
Yared, Gabriel

Erschienen:
2005
Gesamtspielzeit:
47:31 Minuten
Sampler:
Colosseum
Kennung:
CST 8101.2

Weitere interessante Beiträge:

Tribute to a Bad Man

Tribute to a Bad Man

Sinbad: Legend of the Seven Seas

Sinbad: Legend of the Seven Seas

Who Is Afraid of 20th Century Music?

Who Is Afraid of 20th Century Music?

The Silver Chalice

The Silver Chalice