Kosmos

Geschrieben von:
Cinemusic.de - Team
Veröffentlicht am:
18. September 2002
Abgelegt unter:
Sampler

Die Erde dreht sich linksherum

Das kleine aber feine Stuttgarter Label „all score media“ hat in den letzten Jahren in Sachen Deutsch-Deutscher Filmmusikaufarbeitung einiges geleistet. Das Westerngenre des „Wilden Ostens“ wurde mit der Wigwam-Dreierkollektion abgedeckt.

Die im Jahr 2001 erschienene CD „Kosmos“ bietet Einblick in die musikalischen Beiträge von DEFA-Science-Fiction-Filmen, im ostalgischen Fachjargon „Weltraumfilme“ genannt, um etwaige Anglizismen zu umgehen. Astronauten waren Kosmonauten und der Inhalt der Filme unterschied sich doch sehr von den eher action- und alienbetonten US-Produktionen. Es ging in erster Linie um die Meisterung des sozialistischen Alltags und der Verwirklichung sozialistischer Utopien in den weiten Gefilden des Kosmos.Die Kompilation vereint Ausschnitte verschiedenster musikalischer Qualität und Bandbreite aus verschiedenen Filmen, namentlich: Der Schweigende Stern (1960), Signale – Ein Weltraumabenteuer (1970), Eolomea (1973) und Im Staub der Sterne (1976).

Die Musik zum erstgenannten Film Der Schweigende Stern ist noch stark von elektronischen Klangspielereien des polnischen Komponisten Andrzej Markowski geprägt. Diese Einflüsse wurden in dem zweiten Film Signale – Ein Weltraumabenteuer von Komponist Ernst Sasse in ähnlicher Art und Weise übernommen. In den beiden letztgenannten Eolomea und Im Staub der Sterne konnten die beiden erfolgreichsten Komponisten ihrer Zeit, Karl-Ernst Sasse und Günther Fischer alle Register der popmusikinspirierten Filmvertonung ziehen. Ihre Beiträge sind auch die einzigen leicht orchestral angelegten Beiträge, das allerdings auch nur in 2-3 Titeln.

Auf der CD sind auch avantgardistische, nicht zuletzt futuristisch klingende „weltraumtypische“ elektronische Töne und Geräusche vertreten. Diese sind qualitativ jedoch nicht mit experimentellen orchestralen Science-Fiction-Kompositionen der 60er und 70er Jahre, wie sie beispielsweise Goldsmith zu Planet of the Apes oder The Illustrated Man oder Rosenman zu Fantastic Voyage[ schufen, vergleichbar.

Einen wichtigen, wenn auch eher geringen Teil der CD nehmen skurrile Vocalsamples aus den Filmen ein, auch Ex-Tatort-Kommissar Manfred Krug darf ein paar Sätze beisteuern. Der Rest der Titel orientiert sich vorrangig an den Spacesounds eines Peter Thomas (Raumpatrouille Orion) und überhaupt an Beat- und Tanzmusik der Ära. Des weiteren befinden sich an Anfang und Ende der CD Songs, die mit Science-Fiction eher wenig zu tun haben, deren textliche und musikalische Aussagen allerdings dazu prädestiniert sind, den Weg auf diesen Tonträger zu finden. Beschwingte, zum Tanzen angelegte Beat-, Rock- und Discoklänge, die ihre Propagandabotschaft unverblümt und kunterbunt verpackt zum Besten geben.

Wie Michael Boldhaus in seinen Rezensionen der DEFA-Western bereits verdeutlichte, können bei Kompilationen dieser Art die Bewertungsmaßstäbe nicht angelegt werden. So entfällt eine Bewertung auch in diesem Fall.

Mit einer reichen Ausstattung an trashig-charmanten Fotos fällt das Booklet aus der Reihe sonstiger Filmmusikveröffentlichungen. Die Liner Notes sind sehr kompetent verfasst, international orientiert in Deutsch und Englisch gehalten, ganz im Gegenteil zu den streng sozialistisch-nationalen Themen der Filme.

Fazit: Für Anhänger leicht trashiger Musikdokumente ein Volltreffer. Aber auch kulturhistorisch sind interessante Einzelheiten zu entdecken, sicherlich jedoch eher in den Filmen als in deren Musik. Dieser dürfte filmmusikhistorisch ob ihrer Banalität nahezu ausschließlich nostalgische Bedeutung zukommen.

Originaltitel:
Soundtracks of Eastern Germany's Adventures in Space
Erschienen:
2001
Gesamtspielzeit:
56:04 Minuten
Sampler:
all score media
Kennung:
ASM 010

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