Kommentar zum Film: Equalizer 3 – The final Chapter

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
12. März 2024
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Gekonntes Actionkino von Regisseur Antoine Fuqua: The Equalizer 3 – The Final Chapter.

Kommentar zum Film:

In den 1980ern war The Equalizer eine kurzlebige US-Fernsehserie die hierzulande wohl fast keiner kennt. Dies gilt auch für mich, der allerdings die beiden Vorläufer-Filme bislang ebenfalls noch nicht gesehen hat. Mit Denzel Washington, der in den Filmen den CIA-Veteranen Robert McCall verkörpert,  hat Regisseur Fuqua seit 2001 insgesamt fünf Filme produziert  (Training Day, The Magnificent Seven und alle drei Equalizer-Filme).

Robert McCall (Denzel Washington), ehemaliger Auftragskiller für die CIA, will sich nun endgültig zur Ruhe setzen. Er wird im italienischen Süden bei einer mörderischen Action gegen Drogenhändler angeschossen und anschließend im idyllischen Bergdorf Altamonte vom örtlichen Doktor wieder auf die Beine gebracht. Während er sich erstaunlich rasch erholt, beginnt er, sich dort in zunehmendem Maße heimisch zu fühlen. Als McCall erlebt wie lokale Mafia-Gangster die Dorfbewohner erpressen und terrorisieren, räumt er ein letztes Mal in Ein-Mann-sieht-rot-Manier unter den Bösewichten auf und lässt am Schluss die Leinwand in zwar nicht moralisch einwandfreiem, aber dennoch tadelloss sauberem Zustand zurück, denn alle Bösen sind tot! Das sorgt beim Zuschauer, der ja nun wieder in seine eigene Lebensrealität entlassen wird, insgesamt für eine Befriedigung, wie man sie in den goldenen Kinotagen häufiger erlebte als heutzutage.

Klar, Antoine Fuqua ist in seiner Inszenierung von Gewaltmomenten keineswegs zimperlich und zeigt dabei schon auch Details. Aber alles in allem, hält er dabei aber schon noch die Balance, indem er die Härte der Bildeindrücke dank recht rascher Schnitte zugleich wieder ein Stückchen zurücknimmt. Das Gezeigte zieht rasch vorüber, und damit wird in Brutalität nicht wirklich geschwelgt, so dass sich auch das Gros der Zuschauer kaum angewidert abwenden wird. Darüber hinaus schafft er zur Düsternis der Handlung und den harten Actioneinlagen auch einen ausgleichenden Kontrast in Form ausgewählt schöner Bilder, etwa indem er das geradezu paradiesisch anmutende Hafenstädtchen Altamonte verschiedentlich eingehender porträtiert. So wenn der genesende McCall, ausgerüstet mit Gehstock, angesichts der unzähligen Treppenstufen mitunter etwas quälend seine neue Heimat zu Fuß erkundet. Insbesondere die auf einem Hügel am Ende eines der für die Region charakteristischen steilen Treppenwege erbaute kleine Klosterkirche ist ein geradezu entrückt wirkender Ort, an dem die Zeit stillzustehen scheint. Dabei ist das, wo so mancher Kinogänger wohl gern einmal Urlaub machen möchte, frei erfunden. Für das fiktive Altamonte wurden Impressionen der an der Amalfiküste befindlichen Gemeinden Atrani und Minori geschickt miteinander kombiniert. Überhaupt geht es hier nicht, wie heutzutage oftmals sonst erlebt, in einem fort übertrieben „over the top“ actiongeladen zur Sache. Equalizer 3 ist vielmehr ein insgesamt eher ruhiges Filmdrama das auch Wert auf seine Erzählung und auf die Wirkung seiner stimmungsvollen Bilder legt. Und das verfehlt seine Wirkung nicht, eben weil dabei trotzdem keine Langeweile aufkommt. Denzel Washington spielt gut wie gewohnt, aber auch die Darsteller der Mafiosi, insbesondere der rücksichtslose Oberschurke Vincent (Andrea Scarduzio) und sein kleiner Bruder Marco (Andrea Dodero) als Babypate sind zwar eindimensional, sie kommen aber trotzdem äußerst eindringlich im Sinne von bedrohlich herüber.

Einen charmanten Kontrast bildet dazu zweifellos die Szene vor dem örtlichen Café, in der sich die CIA-Agentin Emma Collins (Dakota Fanning) und Roberto McCall erstmalig begegnen und einander so unvergesslich studieren. Dabei kommt natürlich Man on Fire  in Erinnerung, wo sich beide Schauspieler nebst Regisseur Fuqua vor nunmehr 19 Jahren zum ersten Mal beim Dreh begegneten. Fanning war damals noch ein Kinderstar und Denzel Washington zwangsläufig ebenfalls unübersehbar deutlich jünger.

Und wenn am Abend die Besucher auf der Piazza einem Film folgen, der auf eine Häuserfassade projiziert wird, dann kommt sogar für einen Moment ein romantischer Hauch von Cinema Paradiso ins Spiel. Als McCall dann schließlich das Rattennest der in einem edlen, alten Palazzo residierenden Mafiosi konsequent ausräuchert, greift Fuqua zum Mittel der Parallelmontage und zeigt dem Zuschauer als erhabenen Kontrast zur Auslöschung der Gangster eine religiöse Prozession der Bürger Altamontes. Wenn schließlich auch der Gangsterboss sein Leben ausgehaucht hat, wird durch ein großes Feuerwerk über dem Hafen der Sieg des Guten geradezu feierlich-erlösend begangen. Das ist schon eindrucksvoll gemacht. Auch wenn nicht alles 100%ig schlüssig ist, bekommt man hier alles in allem beachtliches Action-/Popcornkino geboten, das gut funktionierend unterhält und darüber hinaus auch zum wiederholten Anschauen taugt.

Zwar ist mit „The last chapter“ der vom mittlerweile längst im verdienten Rentenalter angekommenen Denzel Washington verkörperte Equalizer nun wohl Geschichte, aber er hat bereits einen spiegelbildlichen Nachfolger gefunden mit Jason Statham in The Beekeeper.

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