Il Grande Silenzio/Un Bellissimo Novembre

Il Grande Silenzio/Un Bellissimo Novembre
Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
18. Dezember 2004
Abgelegt unter:
CD

Score

(4.5/6)

Il Grande Silenzio/Un Bellisimo Novembre

Zum Film Il Grande Silenzio • Leichen pflastern seinen Weg verweise ich auf die Kritik zur sehr empfehlenswerten Kinowelt-DVD. Morricones Filmmusik besitzt im Hauptthema einen unmittelbaren Ohrwurm, der im Score auch verschiedentlich in variierter Form auftaucht. Er dient damit der Gestaltung und dem Zusammenhalt der Komposition. Besonders bemerkenswert ist dabei das für gemischten Chor a capella gesetzte „Voci Nel Deserto“. Entsprechendes gilt für einen der wenigen (dezent) romantisch angehauchten Ruhepunkte der Filmhandlung, in „Invito All’Amore“. Hier kommt sogar ein Cembalo mit zugleich ungewöhnlicher wie delikater Wirkung zum Einsatz.

Die ausgiebigen, stark atmosphärisch gehaltenen, eher klang-, denn themenbezogen konzipierten Teile der Musik sind zwar ohne Bild mitunter etwas langatmig. Nach etwas Eingewöhnen vermögen aber auch diese einige Reize zu entfalten, verraten doch die mit zum Teil ungewöhnlichen Instrumentenkombinationen erzeugten Klangmixturen beträchtliches Geschick und Einfallsreichtum. Überhaupt erscheint Morricone in derartigen Passagen ein wenig wie ein Wegbereiter für die klanglichen Collagen Thomas Newmans.

Zweifellos erreichen die sowohl elegischen als auch kühl anmutenden Klänge – kalt wie die Winterlandschaften und kalt(blütig) wie der brutale (Anti-)Held des Films – besonders im Zusammenwirken mit dem Film eine besonders starke Wirkung. Aber auch vom Bild gelöst, vermag die Musik den Hörer zu überzeugen. Somit handelt es sich bei Leichen pflastern seinen Weg um eine Filmmusik des italienischen Klangzauberers, die in der Spaghetti-Westernkollektion keinesfalls fehlen sollte.

Die rund 14 Minuten zur Romanverfilmung Un Bellisimo Novembre • Ein heißer November (1968) besitzen den Charakter einer netten Zugabe. Neben dem sowohl instrumentalen als auch vokalen vorgetragenen romantisch-lyrischen Hauptthema gibt es einen dezent poppig, im Stile der ausgehenden 1960er Jahre angehauchten Track, der in seiner Beiläufigkeit wie ein Source-Cue klingt. Die beiden verbleibenden Stücke sind wiederum stark klangcollagenhaft und von entsprechend betont atmosphärischer Wirkung. Hier kann ich den bereits oben angemerkten Eindruck bzgl. Thomas Newman nur wiederholen.

Klanglich gibt’s bei dem in gleicher Zusammenstellung erstmalig 1995 (mit anderem Cover) auf CD erschienenen Album des italienischen Labels BEAT Records nichts zu beanstanden. Im ordentlichen Begleitheft sind kleine Infotexte zu den beiden Filmen enthalten, die erfreulicherweise sogar zweisprachig, neben Italienisch auch in Englisch, vertreten sind.
Interessenten aufgepasst! BEAT Records wird hierzulande exklusiv von der Stuttgarter Firma All Score Media vertrieben – siehe auch „Western: Made in Germany and DDR“ und „Märchenland“. Der nachfolgende Link führt zum dortigen so genannten „BEAT Records Mailorder“, wo neben sämtlichen Filmmusik-CDs auch einige Restposten der Original-LP-Ausgaben des Labels aus den 1960er bis 1980er Jahren gelistet sind: www.allscore.de/sites/BEAT_CATALOG_1_DE.HTM

Dieser Artikel ist Teil unseres umfangreichen Programms zum Jahresausklang 2004.

Komponist*in:
Morricone, Ennio

Erschienen:
2001
Gesamtspielzeit:
48:43 Minuten
Sampler:
BEAT Records
Kennung:
CDCR 27

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