Hulk

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
17. Juli 2003
Abgelegt unter:
CD

Score

(3.5/6)

Danny Elfman ist nicht erst seit Spider-Man und den beiden Vertonungen für die Men in Black ein bekannter und gefragter Komponist im Comic-Genre. In dieselbe Kategorie gehört neben Dick Tracy (1990) und Darkman (1990) sein Durchbruch mit der Komposition zu Batman (1989).

„The Hulk“, das grüne, übergroße Monster stammt wie auch die berühmten Figuren Spider-Man und Daredevil aus der Küche von Marvel Comics (hierzu siehe auch Spider-Man). Das grüne Comic-Monster (erschaffen von Stan Lee) entstand bereits einige Monate vor Spider-Man. Der wild und bedrohlich wirkende Hulk ist (ähnlich wie beim Spinnen-Mann) das Alter Ego des eher sanften Bruce Banner, im Film verkörpert von Eric Bana. Dr. Banner ist Molekulargenetiker und Strahlenbiologe und wird durch einen Strahlenunfall im Forschungslabor zur gespaltenen Persönlichkeit – ein wenig wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Immer wenn er gereizt wird, verwandelt er sich nun in besagte tobende Bestie.

Regisseur Ang Lee (Sense and Sensibility, The Ice Storm, Tiger & Dragon) ist ja dafür bekannt, dass er stets sein eigenes Spiel macht und dabei keineswegs simpel nach den üblichen Hollywood Regeln spielt (siehe hierzu auch Ride with the Devil). Hulk ist seit dem 3. Juli 2003 auch in der Bundesrepublik zu bestaunen.

Danny Elfman stieg in das Projekt erst in der Postproduktionsphase ein, als für die bereits fertig gestellte Komposition Mychael Dannas Ersatz gesucht wurde. Elfman betont im Artikel von Jeff Bond (in FSM Vol. 8 No. 5) seinen Respekt vor Dannas Arbeit zu Hulk und hat offenbar sogar einen Track Dannas im Film zu belassen.

Hört man die Musik von der CD, legt der in Teilen der Komposition stark verankerte fernöstliche Ethno-Touch eh die Vermutung nahe, dass zumindest Teile von Dannas Vertonungskonzept übernommen worden sind. Vokalisen von Natascha Atlas, exotische Instrumente und entsprechendes Schlagwerk geben sich kombiniert mit Synthesizer-Sounds ein Stelldichein. Dabei kommt auch der Duduk zu Gehör und ebenso ist die Glasharfe vertreten. In „Captured“ mag die Kombination der ethnischen Vokalisen und der von den Streichern ausgeführten Rhythmik manchen Hörer etwas an Hans Zimmer erinnern, was die Duduk-Einlagen (Gladiator) belegen mögen. Insgesamt überwiegt m. E. der Einfluss Mychael Dannas aber deutlich, wofür nicht allein die sparsamen aber delikaten Einsätze der Glasharfe (Hearts in Atlantis) Zeugnis ablegen. Und überhaupt zeigt der überwiegende Teil der fulminanten Actionmusik-Passagen klar Elfmans Handschrift. Diese zeichnen sich durch viel Dynamik aus. Die auch in Hulk sehr überzeugend mit synthetischen Klangeffekten und entsprechender Rhythmik durchsetzen Action-Passagen („Hulk Out“, „… Making Me Angry“, „Hounds of Hell“ und das finale „The Lake Battle“) erinnern eindeutig sowohl an Planet of the Apes als auch an Spider-Man.

Dass man hierbei auch von einer Mixtur aus den genannten Stil-Schemata sprechen kann, dürfte an der geringen zur Verfügung gestandenen Zeit liegen – die Album-Credits vermerken als Helfer immerhin 8 Orchestratoren und ebenfalls 8 Synthesizer-Programmierer. Elfman hat nach eigener Aussage (FSM, s.o.) bei der Arbeit am Hulk-Score sämtliche bisherigen eigenen Rekorde gebrochen. Zur Entwicklung seiner musikalischen Gedanken blieben ihm anstatt der üblichen drei bis vier Wochen nur drei Tage, und in rund 7 Wochen (davon rund zwei Wochen für Aufnahmesitzungen und Abmischung) wurde diese Filmkomposition komplett fertiggestellt.

Den ausgiebigen Action-Teilen stehen aber auch ruhige, dezent lyrische Momente von einigem Charme gegenüber, so beispielsweise in „Gentle Giant“ und „The Truth Revealed“.

Thematisch und motivisch zeigt Hulk die insbesondere aus den jüngeren Arbeiten des Komponisten geläufigen Merkmale. Die Themen sind beim ersten Hören eher unscheinbar, machen ein Entdecken durch mehrere Hördurchgänge erforderlich. Eine im „Main Title“ erstmals in den Flöten erklingende, absteigende 6-nötige Tonfolge bildet den wichtigsten musikalischen Grundgedanken der Komposition und ist dem titelgebenden Charakter zugeordnet. Darüberhinaus lassen sich mit etwas Geduld ein dezentes Liebesthema für Bruce und Betty und ein dunkles Motiv für den Vater von Bruce ausmachen.

Nicht allein das Erfassen der musikalischen Grundideen des Scores erfordern etwas Zeit, auch die massig eingesetzten ethnischen Sounds wirken anfänglich etwas seltsam (da unerwartet), sind Teil eines überraschenden Gesamtkonzepts, dem man etwas Zeit zum Einhören geben sollte. Auch wenn das Gesamtresultat nicht voll an Spider-Man und Planet of the Apes heranreicht, dürften die hier vergebenen 3,5 Sterne in jedem Fall eine in sich stimmige Angelegenheit sein – man kann sogar eine Tendenz zu 4 Sternen attestieren. Unterm Strich erweist sich das mit einem Score-Anteil von rund 60 Minuten sehr gut bestückte Album als eine gute Hörangelegenheit, allein der finale Song „Set Me Free“ ist etwas gewöhnungsbedürftiger.

Komponist*in:
Elfman, Danny

Erschienen:
2003
Gesamtspielzeit:
63:50 Minuten
Sampler:
Universal Decca
Kennung:
475 098-2

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