Horton Hears a Who!

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
12. April 2008
Abgelegt unter:
CD

Score

(3.5/6)

Von den Machern von Ice Age stammt auch die aktuelle Animationskomödie um den etwas einfältigen, aber hilfsbereiten Elefanten Horton. Im wahrlich malerischen Dschungel von Nümpels passiert es: Horton hört ein Hu! Und damit beginnt ein unglaubliches, geradezu mikroskopisches Abenteuer, in dem die auf einem Staubkorn lebenden Hus Auslöser für turbulente Verwicklungen sind. Der von den Regisseuren Jimmy Hayward und Steve Martino stammende Animationsfilm entstand nach der Horton-Reihe des Dr. Seuss, eines in den USA sehr erfolgreichen Kinderbuchautoren. Aus der Feder von Seuss stammen übrigens ebenfalls die Vorlagen für Der Grinch (2000) und Ein Kater macht Theater (2003).

Die Castingband beFour steuerte mit „Live your dream“ den Titelsong zum Film bei. Dieser findet sich jedoch nicht auf dem Varèse-Album, das sich erfreulicherweise über fast eine volle Stunde ausschließlich der Musik von John Powell widmet. In immerhin 34 Einzeltracks gliedert sich dieses Mal der musikalische Ausflug in die Welt der Computeranimation. Powell besitzt ja seit Antz (1998) mittlerweile beträchtliche Erfahrungen im Erstellen adäquater Musikbegleitungen für derartige Leinwandevents.

Das direkt zu Beginn in verführerisch glitzerndem, impressionistischem Klanggewand erscheinende Hauptthema besitzt sowohl ein pastorales als auch kindlich anmutendes Flair für die Welt Hortons und natürlich auch die der „Hus“. Drollig und skurril zugleich ist der durch Einsätze des Cembalos vermittelte etwas altertümelnde Touch in der Musik. Das kontrastiert, ja kollidiert lustig mit den durchweg mehr oder weniger modern jazzig und bluesig gefärbten Unterhaltungs- und Cartoonmusikstandards und lässt bereits schmunzeln. Dabei klingt es zwischendurch häufiger ein wenig gesetzter, wie in den „Suiten für Jazz-Orchester“ des Dmitri Schostakowitsch. Auch Coplands „Fanfare für Jedermann“ ist als Vorbild auszumachen. Zusätzlich humorig mutet der Einsatz einer ganzen Batterie im Kinderzimmer beheimateter Spielzeug-Instrumente an: auch deswegen, da es sich John Powell offenbar nicht hat nehmen lassen, diese sämtlich selbst zu interpretieren. Und natürlich sind im bunten Stilmix slapstickhafte Orchesterscherzi, Mickey-Mousing, einzelne temperamentvolle Actioneinlagen, mitunter garniert mit Chorsätzen, zu finden. Ebenfalls mit im Angebot: eine drollige Morricone-Leone-Italo-Western-Persiflage sowie ein überschäumendes Jubel-Finale.

So ist das, was es hier zu hören gibt, auch dieses Mal versiert, liebevoll und nicht ohne Pfiff gemacht. Stilistisch lassen vergleichbare Powell-Scores wie Chicken RunShrek und besonders die Robots grüßen, auch wenn der ausgeprägte Hör-Charme Letzterer denn doch nicht voll erreicht wird. Das ist wohl primär darin begründet, dass die Musik weniger thematische Durchschlagskraft besitzt. Möglicherweise haben auch einige etwas stärker klangbezogene, teilweise synthetische Passagen à la Thomas Newman daran Anteil. Wie ausdrücklich vom Komponisten im Presseheft angemerkt, ist die Konzeption so angelegt, dass die Filmmusik als integrierter Teil der kompletten Filmtonspur, des „wahren“ Soundtracks, perfekt funktioniert.

Fazit: John Powell hat auch mit Horton hört ein Hu! eine durchaus unterhaltsame Filmmusik vorgelegt, wenn diese auch die Spritzigkeit von z. B. Robots nicht erreicht. Ebenso gilt: Das zu Hörende ist keineswegs ungewöhnlich oder gar neuartig. Wer davon und/oder von den zehn gelisteten Orchestratoren nicht abgeschreckt wird, und außerdem vielleicht noch bereit ist, dem Ganzen ein paar mehr Durchgänge Zeit zu geben, um sich zu entfalten, der dürfte auch an Horton Gefallen finden. Einen soliden Knusperriegel für den kleinen Hunger zwischendurch — in jedem Fall tauglich, bis die nächste Eiszeit beginnt — erhält der Käufer allemal. Wertungsmäßig erscheinen mir dreieinhalb Sterne als gerechtfertigt.

© aller Logos und Abbildungen bei den Rechteinhabern (All pictures, trademarks and logos are protected).

Komponist*in:
Powell, John

Erschienen:
2008
Gesamtspielzeit:
59:54 Minuten
Sampler:
Varèse Sarabande
Kennung:
VSD-6888

Weitere interessante Beiträge:

Schostakowitsch: Lieder, Lady Macbeth von Mzensk

Schostakowitsch: Lieder, Lady Macbeth von Mzensk

Miklós Rózsa at M-G-M

Miklós Rózsa at M-G-M

Steamboy

Steamboy

Trinity and Beyond

Trinity and Beyond