Der Schatz der weißen Falken

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
25. November 2005
Abgelegt unter:
CD

Score

(3.5/6)

Der Schatz der weißen Falken

Am 20. Oktober 2005 startete Der Schatz der weißen Falken von Regisseur Christian Zübert, der 2000 mit Lammbock – Shit Happens sein Kinodebüt ablieferte. Sein aktueller Film spielt zu Beginn der Sommerferien 1981 in einem Dorf der fränkischen Schweiz. Der elfjährige Jan steht an einem Wendepunkt: es bleiben ihm nur noch wenige Wochen, bevor er sein jetziges soziales Umfeld und damit seine Freunde Stevie und Basti verlassen muss, um mit seinen Eltern ins rheinische Düsseldorf überzusiedeln. Dieses Triumvirat bildet eine Jugendbande, die mit einer ebensolchen, den von der resoluten und schlagkräftigen Marie angeführten „Altortlern“ rivalisiert. Jan und seine Freunde dringen in eine leerstehende, geheimnisvolle Villa ein, welche die Altortler für sich beanspruchen. Sie entdecken eine Schatzkarte der „Weißen Falken“, eine Kinderbande der 70er, deren Anführer vor 10 Jahren unter mysteriösen Umständen verschwand. Und so stürzen sich die drei in ihr letztes gemeinsames Bandenabenteuer, das für fast alle Beteiligten zum prägenden, die eigene Persönlichkeit reifen lassenden Erlebnis werden wird.

In Züberts Film geht es um Kinder an der Schwelle zur Pubertät, die vom Abenteuerspielplatz Kindheit Abschied nehmen müssen, um sich neuen Herausforderungen zu stellen. Zwar ist die Geschichte in den frühen 80er Jahren angesiedelt, aber der Regisseur reflektiert kaum zeitbezogen, eher allegorisch auf sein Thema. Und so soll Der Schatz der weißen Falken zum zugleich nostalgischen, wie mythisch-märchenhaften Rückblick auf die Kindheit werden – was dem Film jedoch trotz einer guten Ausgangsidee und guter Ansätze nicht so recht gelingen will. Dafür weist die Story leider einige zu eklatante Unwahrscheinlichkeiten auf, was den Film zwar ansehbar bleiben lässt, ihn aber nicht allzu ansehnlich macht. Zu den Pluspunkten zählen die überzeugenden, bislang praktisch unbekannten jungen Darsteller sowie die ruhige, dem klassischen Erzählkinostil verbundene Art und Weise, wie die Geschichte erzählt (und dabei schön fotografiert) ist, und ebenso die Musik Marcel Basottis (Das Wunder von Bern).

Im Tonfall ist auch die Musik zu Der Schatz der weißen Falken denselben Vorbildern verpflichtet, erinnert nicht nur in den folkigen Einlagen an die von Holzbläsersoli dominierten Scherzi von Goldsmith, und stellenweise fühlt man sich auch etwas an Musiken Rachel Portmans erinnert. In den Momenten, wo Basti und seine Freunde dem Geheimnis auf die Spur kommen, wird die Musik stärker klangbezogen und klingt besonders deutlich nach Thomas Newman. Barsottis Score basiert auf zwei Themen: einem etwas geheimnisvollen Falkenthema (Track 2) und dem in allerlei Varianten den roten Faden bildenden liedhaften Hauptthema.

Wie Marcel Barsotti auf Anfrage erklärte, sollen die zum Schauplatz der Handlung eher anachronistisch anmutenden, zum Teil auf die britischen Highlands und Nordamerika verweisenden Folkeinlagen (mit Dudelsack und der gitarreähnlichen Irish Bouzouki) der Rivalität der sich eine Verfolgungsjagd liefernden Jugendbanden mehr Drive und den Landschaftspanoramen ein mystisches Flair verleihen. Ob man dieser Konzeption nun zustimmt oder sie als etwas gewöhnungsbedürftig empfindet, bleibt Geschmacksache. Unabhängig davon funktioniert die gut instrumentierte Musik im Film durchaus. Und auch ohne den Film zu kennen, bildet die CD ein sehr unterhaltsames und dazu sehr gut klingendes Höralbum – das erste übrigens, das auf dem jüngst von Marcel Barsotti und Stefan Broedner gegründeten hauseigenen Label, „The Score Record Company“, erschienen ist.

Dieser Artikel ist Teil unseres umfangreichen Programms zum Jahresausklang 2005.

Komponist*in:
Barsotti, Marcel

Erschienen:
2005
Gesamtspielzeit:
60:42 Minuten
Sampler:
The Score Record Company
Kennung:
4023035 NOL

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