Cinderella Man

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
12. Oktober 2005
Abgelegt unter:
CD

Score

(3/6)

Cinderella Man

In Cinderella Man • Das Comeback (gestartet am 8. September 2005) thematisiert Regisseur Ron Howard (Far and Away, Apollo 13) aufs Neue einen uramerikanischen Mythos: Nein, dieses Mal nicht den vom Tellerwäscher zum Millionär, sondern den von Aufstieg, Fall und zweiter Chance.

Die Story spielt im Boxermilieu und fußt auf der Biografie von Jim Braddock, im Film verkörpert von Russel Crowe (Gladiator, Master and Commander). Braddock stieg in den 20er Jahren zum Schwergewichtsprofi auf. Er erlitt bei einem Kampf eine Verletzung der rechten Hand, verlor beim Börsencrash von 1929 sein Vermögen und erlebte 1935 beim Kampf gegen Weltmeister Max Baer ein wundersames Comeback. Auf besagtem beruht auch der alles verklärende Titel Cinderella Man.

Alles, was man abseits des Verleih-typischen Werbe-Jubelpathos zum Film lesen kann, lässt kaum darüber wundern, dass dieser hierzulande völlig untergegangen ist — in den USA, wo die Figur des Jim Braddock, der ehedem Max Schmeling warten ließ, natürlich wesentlich bekannter ist, geriet der Film ebenfalls ziemlich zum Flop. Ron Howard hat offenbar (wieder einmal) ein mit äußerem Aufwand aber inhaltlicher Leere aufwartendes „soapiges“ Leinwandepos zuwege gebracht, das auch vor Geschichtsklitterung nicht zurückschreckt, um seine Hauptfigur schließlich (in gewohnt verlogener puritanischer Manier) zum strahlenden Helden der Nation stilisieren zu können. Ein Film, der wohl am besten in der Propaganda-Kategorie „Hollywood helps the people to fight against depression“ eingeordnet werden kann.

Dass es in Howards Film offenbar recht pathetisch zugeht, lässt auch Thomas Newmans Musikuntermalung erahnen: in Track 23 „Cinderella Man“ wird das zuvor meist verkürzt auftauchende Hauptthema mit vollem Orchester üppig, ein bisschen Williams-like, ausgespielt. Was Newman über die gesamte Spielzeit auffährt ist zweifellos handwerklich solide gefertigt, aber auch restlos im Bereich des von ihm schon oftmals Gehörten angesiedelt. Klangbezogenes, Collagen, überwiegend irisch gefärbte, meist rhythmische Ethnoeinlagen sowie stärker thematisch orientierte Passagen wechseln miteinander ab. Das ist alles zwar recht gut anhörbar, bleibt aber beträchtlich hinter dem Einfallsreichtum von Angels in America zurück. Über die gesamte Länge erscheinen mir die rund 38 Albumminuten denn (trotz ihrer relativen Kürze) doch als etwas zu viel des Guten, der Griff zur Fernbedienung, um zu programmieren, eindeutig erwägenswert.

Source-Musik der 1930er (insgesamt rund 10 Minuten) ist ebenfalls mit im Gepäck. Wer diese Stücke nicht mag, kann sich durch Programmieren helfen. Der gleiche Trick funktioniert allerdings (leider) nicht bei den Stellen, wo Geräuscheffekte mit Stücken des Albums durch Mixen fest „verschweißt“ sind. Dies ist ein schon ärgerlicher (typischer) US-Gimmick, den man im vergleichbaren Falle von Angela’s Ashes dem europäischen Konsumenten erfreulicherweise nicht zugemutet hat. Im Album zu Cinderella Man sind (Gott sei Dank) „nur“ 4 Tracks betroffen. Aber auch wenn die Geräuscheinschübe hier nur sehr kurz geraten sind, um zumindest lästige und überhaupt unnötige „atmosphärische“ Spielereien handelt es sich dabei nun einmal doch. Derartiges stört nicht nur erheblich den Hörfluss, es schließt die derart „verseuchten“ Tracks von der Verwendung in eigenen Hör-Kompilationen praktisch aus.

Beim in Teilen recht ansprechenden, aber doch sehr routinierten Newman-Score markieren „noch“ drei Sternlein auf der Cinemusic.de-Wertungsskala das Höchste der Gefühle. Die (wenn auch dezent) verhunzten Tracks sind für das der Wertung vorangestellte Attribut nicht mitverantwortlich.

Komponist*in:
Newman, Thomas

Erschienen:
2005
Gesamtspielzeit:
48:01 Minuten
Sampler:
Universal Decca
Kennung:
988 1410

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