Angels in America

Angels in America
Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
2. Juli 2004
Abgelegt unter:
CD

Score

(4/6)

Angels in America

Thomas Newman komponierte die Musik für Regisseur Mike Nichols’ Angels in America, eine 6-stündige, hochkarätig besetzte TV-Mini-Serie des amerikanischen Kabel-Senders HBO. Unter der Regie von Mike Nichols agieren neben anderen Al Pacino, Meryl Streep und Emma Thompson. Das gleichnamige, als Vorlage für die TV-Produktion dienende Theaterstück von Tony Kushner ist auch hierzulande inszeniert worden. Es ist eine bissige Satire auf Macht, Beziehungen, Liebe, Sex und AIDS in Form eines pointierten, intimen Sittengemäldes des Amerikas der Reagan-Ära.

Newman hat auch dieses Mal eine seiner üblicherweise stark klangkonzipierten Tonschöpfungen geliefert. Ähnlich wie bei The Road to Perdition und Finding Nemo arbeitet der Komponist auch bei Angels in America merklich themenorientiert und sinfonisch. Auch die stärker collagehaften Teile der Musik erscheinen hier durch die Nachbarschaft von stärker thematisch orientierten Passagen und den ausgeprägt melodischen Ruhepunkten besser integriert. Die Klangschöpfung fällt damit auch gelöst vom Bild nicht auseinander. Dank eines schönen, eingängigen Hauptthemas — das durch sparsame Verwendung nicht zu Tode geritten wird — und ähnlich fassbarer thematischer Nebengedanken ist Newman unter dem Strich ein sehr abwechslungsreiches und überhaupt gutes Höralbum gelungen. Neben diversen, geschickt platzierten Instrumentalsoli sind behutsam folkige Americana-Klänge eingearbeitet und neben weiblicher Solo-Vokalise setzt ein Chor markante sakrale Akzente. Ein besonders kräftiger Hauch von Requiem weht dabei durch „The Infinite Descent“.

Mitentscheidend bei den raffinierten Klangkonzepten Newmans ist die im Anschluss an die Aufnahmesitzungen im Tonstudio erfolgende ausgiebige und raffinierte Nachbearbeitung und Ergänzung der akustisch realisierten Teile. Hierbei kommen neben Synthesizer-Effekten und Samples ebenso klangliche Verfremdungen zum Zuge. Dabei wird auch so manche musikalische Lösung im Zuge des Experimentierens gewonnen und auch die Grenzen zwischen der synthetischen und akustischen Klangebene beginnen zu verschwimmen.

Alles in allem gehört das Album zu Angels in America zusammen mit dem zu Finding Nemo zu den jüngeren Filmvertonungen Thomas Newmans, die auch ohne unmittelbaren Bildbezug als Höralben ausnehmend gut funktionieren und somit dem Hörer das Talent ihres Schöpfers besonders eindeutig belegen. Die sehr gut klingende CD präsentiert einen (eventuell nach etwas Eingewöhnung) sehr gut fließenden Albumschnitt. Die drei jazzigen Source-Tracks (Nr. 11, 17 und 31) machten auf mich — zumindest ohne den Film zu kennen — einen etwas den musikalischen Fluss unterbrechenden und damit leicht störenden Eindruck. Man sollte sie daher eventuell erst einmal herausprogrammieren. Netto verbleibt ein beachtlicher Score-Anteil von rund 62 Minuten.

Komponist*in:
Newman, Thomas

Erschienen:
2004
Gesamtspielzeit:
72:00 Minuten
Sampler:
Nonesuch (Warner Music)
Kennung:
7559-79837-2

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