Beyond Borders

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
2. Februar 2004
Abgelegt unter:
CD

Score

(2/6)

James Horner auf Varèse im Doppelpack:

Beyond Borders • Jenseits aller Grenzen (Kinostart 26.2.2004) ist eine Love Story um die Frau eines britischen Industriellen, die sich in einen jungen, als Entwicklungshelfer tätigen Arzt verliebt und ihm an verschiedenen Schauplätzen (Äthiopien, Kambodscha und Tschetschenien) wieder begegnet, wobei ihre Liebe jeweils neu erwacht.

Horners erste Filmkomposition nach dem arg flau geratenen The Four Feathers (2002) zeigt ihn in passabler aber letztlich keineswegs frischer oder gar gereifter Verfassung. Der Komponist präsentiert in Beyond Borders ein schönes, eingängiges Hauptthema und ordnet den drei Schauplätzen der Handlung ein jeweils passendes musikalisch-ethnisches Umfeld zu. Das ist allerdings vom Konzept her überzeugender gelungen als in der Umsetzung. Am besten ist das Ethnische in den Äthiopien und Kambodscha zugeordneten Musikteilen. Allerdings, die Verknüpfung von Ethno und Sinfonik ist auch hier nicht mehr als passables Klangkolorit.

Eine besondere musikalisch-thematische Entwicklung fehlt und „überraschend“ ist (gelinde gesagt) die hier in erstaunlich weiten Teilen der Komposition anzutreffende Klangsynthetik. Was hier an sterilen Klangflächen und zum Teil allein nervigen Effekten aufgefahren wird, wirkt durchweg überraschend altmodisch und uninspiriert. Warum überhaupt derart viel Synthetik sein musste, der Synthesizer in Teilen auch akustische Instrumente vortäuscht, ist mir schleierhaft. Es klingt nach billig imitierten Streichern und teilweise auch Chören. Da vermögen einige schöne orchestrale Passagen mit ansprechenden Instrumental-Soli, gefällige Pianoeinlagen (Robert Schumanns „Träumerei“ inklusive) und auch ordentliche ethnische Einschübe vokaler und instrumentaler Natur den Kohl nicht wirklich fett zu machen.

Musikalisch recht blass geraten ist zudem die Tschetschenien-Episode. Hier gibt es ein weiteres Thema, dieses Mal mit slawischem Einschlag. Allerdings sind die synthetischen Beigaben kaum minder strapaziös geraten, was besonders für diverse Loops gilt – fast schon schrecklich sind dabei die Balalaika-ähnlichen Imitate.

Insgesamt erhält der Käufer eine doch arg inhomogene Mixtur, die trotz einer Reihe schöner Passagen kein besonders gutes Höralbum abgibt. Durch Programmieren ist da nur wenig zu retten, da die besser fließenden Teile der Musik mit den oftmals eher penetrant elektronisch dominierten Teilen zu längeren Blöcken „verschweißt“ sind.


Mehrteilige Rezension:

Folgende Beiträge gehören ebenfalls dazu:


Komponist*in:
Horner, James

Erschienen:
2003
Gesamtspielzeit:
55:33 Minuten
Sampler:
Varèse
Kennung:
VSD-6529

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