Blu-ray

Veröffentlicht am 21.08.2019 | von Michael Boldhaus

Salomon und die Königin von Saba

Salomon und die Königin von Saba Michael Boldhaus
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Yul Brynner von Koch-Media im reizvollen Mediabook zum Zweiten: Salomon und die Königin von Saba

Regisseur King Vidors letztes Opus für die große Leinwand, Salomon und die Königin von Saba (1959), illustriert die Begegnung des weisen jüdischen Königs Salomon mit der Königin von Saba. Diverse Quellen äußern sich dazu, etwa das Alte wie Neue Testament, aber auch der Koran oder das äthiopische Nationalepos Kebra Nagast. Karl Goldmark hat aus dem märchenhaften Stoff eine 1875 in der Wiener Hofoper uraufgeführte  große Oper geschaffen, welche sogar zu einer der erfolgreichsten Opern des ausgehenden 19. Jahrhunderts avancierte. Als sich Hollywood der Sache annahm interpretierte man die Überlieferungen des Alten Testaments mindestens ebenso frei und hat noch viel Fiktives hinzugefügt. Natürlich durfte im Handlungskonglomerat die in der Bibel erzählte Geschichte über eine von Salomons Rechtsprechungen, welche die Grundlage des geflügelten Wortes vom „Salomonischen Urteil“ bildet, nicht fehlen.

Gedreht wurde in Franco-Spanien – siehe dazu auch El Cid. Heraus gekommen ist einer der so genannten Bibelschinken. Das Meiste davon hat inhaltlich eher wenig zu bieten und ist heutzutage in erster Linie von filmhistorischem wie nostalgischem Interesse. Hier ist es insbesondere die pompöse Ausstattung mit ihren edlen, farbenprächtigen, luxuriösen Kostümen und oftmals entsprechend aufwändigen Sets, welche durch die exzellente Kameraarbeit von Freddie Young etwas hat, mit dem der ansonsten etwas zähe Streifen unter dem Stichwort Augenkino für Liebhaber zu punkten vermag. Dazu zählen auch einige der immer noch eindrucksvollen, aus Hintergrundglasmalereien und Miniatursets zusammengesetzten Composite-Shots, wie das alte Jerusalem mit dem von Salomon erbauten Tempel oder der Angriff der Ägypter in der zweiten Schlachtsequenz gegen Ende des Films. Erwähnenswert ist hierbei die Mitwirkung des Set Designers Francisco Prósper Zaragoza, der, wie auch weitere seiner Kollegen von Sevilla Films in Madrid, viele internationale Filmproduktionen bis in die 1980er mit betreut hat – siehe dazu hier.

Bei den Massenszenen überzeugt die finale (zweite) Schlacht gegen die Ägypter noch am ehesten, wo die geschwächten Israeliten die Übermacht der anstürmenden Ägypter durch das auf sie mit Hilfe polierter Schilde fokussierte Licht der Morgensonne blenden und in einen Abgrund stürzen lassen. Die gleich zu Beginn des Streifens in Szene gesetzte erste Schlacht wirkt hingegen in ihrer Bescheidenheit und Simplizität der Inszenierung etwas lächerlich. Das ehemalige Sexsymbol Gina Lollobrigida als sagenhafte Königin von Saba besitzt zudem sicher einiges Nostalgiepotential, und Yul Brynner gibt sich nicht so extrovertiert wie häufig, sondern agiert hier einmal überraschend zurückhaltend.

Um den Zuschauer über die gesamten 140 Minuten Laufzeit mitzunehmen, muss allerdings die Präsentation stimmen, d. h. dem Interessierten darf nicht eine farblich ausgeblichene, eventuell noch mit weiteren Mängeln behaftete Kopie vorgesetzt werden. Davon kann erfreulicherweise beim vorliegen Produkt nicht die Rede sein: im Gegenteil!

Salomon in HD auf BD

Die Blu-ray von Koch-Media wird zusammen mit einer DVD vereint im eleganten Media-Book angeboten. Bemerkenswerterweise hat der Interessent wiederum die Auswahl zwischen zwei Versionen des ansonsten identischen Produkts mit unterschiedlichen Covermotiven (Mediabook A bzw. B).

Bild und Ton

Der HD-Transfer des im korrekten Scope-Format (1: 2,35) präsentierten Bildes sieht dank des Aufnahmeverfahrens Technirama insgesamt sehr gut aus. Verschmutzungen oder Bildschäden treten nicht in nennenswertem Umfang in Erscheinung. Schärfe, Kontrast und Schwarzwert sind knackig, was für ein bis in die Tiefe extrem detailfreudiges Bild steht. Diese Technirama-Präsentation zeigt dezentes Filmkorn, welches allerdings recht naturbelassen aussieht, also weitgehend ungefiltert sein dürfte. Die Farbwiedergabe ist auf besonders vorzüglichem Niveau angesiedelt, so exzellent fein abgestuft erscheinen hier die einzelnen Farben und zugehörigen Farbtöne. Da kann im Vergleich der „nur“ auf 35-mm-Scope (Panavision) gedrehte Taras Bulba nicht voll mithalten und muss sich bei der Bildqualität klar mit einem, freilich immer noch sehr beachtlichen (!) Platz dahinter begnügen.

Der englische Originalton ist nicht nur sehr frisch und klar. Er besitzt sogar einiges Volumen. Erfreulicherweise liegt dazu auch die deutsche Tonspur qualitativ dicht auf. Eine stereofonische Kanaltrennung vermag ich allerdings weder beim deutschen noch beim englischen Originalton festzustellen. Der bereits in den USA nur wenig erfolgreiche Film dürfte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hierzulande einzig in 35- anstelle von 70-mm-Kopien gelaufen sein, ausschließlich ausgestattet mit Mono-Lichtton – eine (!) 70-mm-Kopie von Lawrence von Arabien kostete mehr als 70.000 Dollar, eine 35-mm-Lichttonkopie  hingegen nur etwa ein Zehntel davon.

Extras

Als Boni gibt es neben der üblichen Bildergalerie mit Standfotos bzw. Werbematerialien einen deutschen und zwei englische Trailer, einer der englischen wirbt für die 70-mm-Super-Technirama-Version im Format 1:2,20. Darüber hinaus ist auch noch die knapp 45-minütige TV-Doku „Königin der Karawanen: Das Geheimnis von Saba“ (wie auch die Trailer in SD) über die Hochkultur der Sabäer vertreten. Sie verdeutlicht, wie wenig vom Mythos um die historische Figur der Königin von Saba  überhaupt belegbar ist. Bei der „Isolierten Musikspur“ handelt es sich allerdings nur um einen dialogfreien Musik/Geräusch-Mix, wobei die Musik (Mario Nascimbene) etwas matter klingt als die übrigen Elemente der Tonspur (Soundtrack).

Das Filmkorn tritt beim für das Hauptmenü der jeweiligen Disc gewählten Hintergrundfilmbild zwar ebenfalls deutlicher hervor. Im Gegensatz zur Taras-Bulba-Edition ist der Effekt aufgrund der Feinkörnigkeit aber deutlich weniger störend und damit noch vertretbar. Das gilt auch für die vor entsprechendem Hintergrundbild präsentierten Werbematerialien.

Besonders positiv hervorzuheben ist auch hier wiederum das fest integrierte, 20-seitige Hochglanz-Begleitheft, welches neben den kompetenten Texten von Rolf Giesen auch mit feinem Bildmaterial aufwartet.

Fazit: Salomon und die Königin von Saba wird in der jetzt von Koch-Media vorgelegten, besonders liebevoll produzierten Mediabook-Präsentation, auch dank der sehr feinen Bildqualität, zu einem besonders ansehnlichen Sammlerstück, das seine Liebhaber finden wird.

Hier geht’s zum Ersten Artikel: Taras Bulba sowie zum Gewinnspiel.

Zur Erläuterung der Wertungen lesen Sie bitte unseren Hinweis zum Thema „Blu-ray-Disc versus DVD“.

Titel: Salomon und die Königin von Saba (Solomon and Sheba)
Erschienen: 7/2019

Zusatzinformationen: USA 1959

Medium: Blu-ray
Verleih: Koch Media
Kennung: BD

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