CD

Veröffentlicht am 10.12.2006 | von Michael Boldhaus

Der weiße Afrikaner

Der weiße Afrikaner Michael Boldhaus
Bewertung

Der weiße Afrikaner

Nach dem 2002 erschienenen CD-Album zu Der Felsen gibt es dieses Mal — dank der Aktivitäten von Cinema Musica und des Alhambra-Labels — eine weitere Musik des deutschen Filmkomponisten Dieter Schleip für die heimische CD-Sammlung. Der weiße Afrikaner ist ein TV-Mehrteiler, produziert von der ARD; er flimmerte erstmalig an den Weihnachtsfeiertagen 2005 über die Bildschirme. Von der Kritik ist die exotisch-feudale Soapopera als Verklärung deutscher Kolonialgeschichte eher ablehnend aufgenommen worden.

Der zur Vertonung engagierte Dieter Schleip hat bei diesem Auftrag nahezu aus dem Vollen schöpfen und seine Musik für ein komplettes Sinfonieorchester entwerfen dürfen. Ein episches Hauptthema sowie weitere ebenfalls ansprechende thematische Nebengedanken prägen eine Musik, die sich stilistisch im Fahrwasser von Nicki Reisers Nirgendwo in Afrika und Die weiße Massai bewegt und besonders im Hauptthema auch von einem Schuss John Barrys Jenseits von Afrika mitgeprägt ist. Ausgedehnte Streicherpassagen sowie Soli von Holzbläsern und Klavier erzeugen überwiegend lyrische und elegische Stimmungen. Eine kleine afrikanische Rhythmusgruppe sorgt außerdem hier und da für ein wenig exotisches Kolorit. In den eher dezenten Spannungsmomenten wartet die Komposition mit minimalistisch anmutenden Streicherostinati auf. Eingespielt wurde der Score von einem dieses Mal hörbar gut disponierten City of Prague Philharmonic Orchestra unter Enrique Ugarte. Dank guter Aufnahmetechnik gibt es klanglich nichts zu bemängeln.

Insgesamt handelt es sich um eine ruhige, einfühlsame, sehr melodische Melodramenmusik, die im Sinne von solider ausgeführter (wohl auch gewollter) Konfektionsware agiert und auch funktioniert. Nicht mehr, aber auch nicht weniger, bekommt der Käufer. Wobei die Musik über die volle Spielzeit schon dezente Längen besitzt, infolge mangelnder Abwechslung etwas gleichförmig wirkt. Wer beherzt durch Weglassen komprimiert, gelangt zum individuell optimierten Höralbumschnitt, der umso angenehmer zu unterhalten vermag. Alles in allem bekommt der Sammler somit ein weiteres Album mit Filmmusik aus deutschen Landen, das einen respektablen Platz in der Kategorie Souvenir zum Film belegt, durchaus wohlklingend und damit ansprechend, aber eben nicht besonders aufregend ist.

Dieser Artikel ist Teil unseres umfangreichen Programms zum Jahresausklang 2006.

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Titel: Der weiße Afrikaner
Erschienen: 2006

Laufzeit: 65:29 Minuten

Medium: CD
Label: Alhambra
Kennung: A 8959

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