Special

Veröffentlicht am 21.04.2005 | von Magdi Aboul-Kheir

Italo-Western-Special 4: CDs zu Filmen von Sergio Sollima


CD

Veröffentlicht am 15.05.2005 | von Magdi Aboul-Kheir

Faccia a faccia

Faccia a faccia Magdi Aboul-Kheir
Bewertung

Faccia a Faccia

Im Mittelpunkt von Ennio Morricones beeindruckendem Score zu Faccia a faccia • Von Angesicht zu Angesicht (1967) steht ein Thema, das zu den originellsten musikalischen Italo-Western-Schöpfungen überhaupt gehört. Es ist zweiteilig angelegt und bietet eine Menge Material, das Morricone dann immer wieder aufgreift: Der erste Abschnitt wird geprägt von einem E-Orgel-Solo über kräftigen Trommeln, dazu flirren die Streicher; der B-Teil ist das Herz des Scores, ein ungestümer Gitarren-Riff aus auf- und absteigenden Halbtonschritten, über den schließlich der Chor eine breite Melodie vorstellt. Es ist ein wilder Tanz, fast unbeherrscht wirkend, zuweilen greifen scharfe Blechbläser den Gitarren-Riff auf. Bemerkenswert ist, dass das Thema in der Titelfassung nur vage harmonisiert erscheint.

Morricone spielt dann im weiteren Verlauf gekonnt mit den diversen Elementen dieses Themas, er zerlegt und variiert, zerdehnt und verdichtet es. Später taucht es — dann konventionell und eingängig harmonisiert — in den Tracks 11 und 13 als „großes episches Thema“ über Gitarren- und Percussion-Rhythmen auf, schließlich wird es von Edda dell‘Orso in bewährter Manier getragen.

Doch der Score hat noch mehr zu bieten: ein warmes, nostalgisch wirkendes Thema für Professor Fletcher, ein simples Gitarren-Thema für Maria, E-Orgel-Soli und quasi improvisierte Klavierläufe, dissonante Streicherschichtungen und eine triumphale Duell-Musik.

Der Tonfall von Faccia a faccia ist über weite Strecken ernst, ja grimmig, das Burleske und Spielerische anderer Italo-Western-Scores aus der Feder Morricones fehlt hier fast völlig. Es ist ein erfindungsreicher und spannungsvoller Score, klanglich raffiniert und oft wirklich mitreißend — eine Bewertung von 4 1/2 Sternen ist nicht zu hoch gegriffen.

Im Jahr 2001 ist auf dem Label Screen Trax eine Langfassung des Scores erschienen (Mono-Bänder), die mit 31 Tracks und gut 50 Minuten Spieldauer wesentlich mehr Musik bietet als der alte Plattenschnitt (16 Tracks, 30 Minuten). Unter den erstmals veröffentlichten Cues sind einige reizvolle Varianten der Themen, und auch die Duell-Musik war zuvor auf Tonträger noch nicht zu hören — für wahre Morricone- und Italo-Western-Fans ist das also die Edition der Wahl. Dafür ist die bei Vivi Musica erschienene CD von Faccia a faccia mit der schönen Musik zu Il mercenario gekoppelt, da gibt es also die Höhepunkte zweier Scores auf einem Silberling.

Titel: Faccia a faccia
Erschienen: 2001

Laufzeit: 48:42 Minuten

Medium: CD
Label: Screen Trax
Kennung: CDST 337

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 15.05.2005 | von Magdi Aboul-Kheir

La resa dei conti

La resa dei conti Magdi Aboul-Kheir
Bewertung

La resa dei conti

Ennio Morricones Score zu La resa dei conti • Der Gehetzte der Sierra Madre (1966) mag ein Stück weniger ungewöhnlich und raffiniert klingen als Faccia a faccia, unterhaltsam und überzeugend gefertigt ist er aber ebenso. Das Hauptthema besteht aus einem ausschwingenden Melodiebogen, zudem hat es eine klare Vers/Refrain-Struktur, sodass es nicht weiter überrascht, dass es eine Song-Version gibt — auf Englisch („Run Man Run“) und Italienisch („Corri Uomo Corri“) interpretiert von Christy. Allerlei Percussion-Einwürfe und imitierte Tierstimmen, darunter der unvermeidliche Kojote, würzen das kraftvolle Arrangement.

Des Weiteren bietet die Filmmusik Mexikanisches, einen Pseudo-Mormonen-Gesang, die üblichen dichten Suspense-Elemente und ein einfaches Gitarren-Thema, das einen Verwandten in Il buono, il brutto, il cattivo • Zwei glorreiche Halunken hat, wie der Score zu La resa dei conti überhaupt immer wieder mal an Morricones Meisterstück für Leones Film erinnert. Zu den weiteren Einfällen gehört „La Corrida“, ein grotesker Track mit mexikanischen Anklängen, Bläsereinwürfen, Trompeten- und Violinensoli zwischen Eselgeschrei und Hahngekrähe; auch Alessandronis I Cantori Moderni dürfen ab und an zeigen, was sie an Stimmgewalt aufzubieten haben. Und wer hören mag, was ein fähiger und unerschrockener Arrangeur wie Morricone alles aus einem Thema zaubern kann, der sollte sich die Square-Dance-Fassung des Hauptthemas nicht entgehen lassen — fünf spaßige Minuten sind garantiert. Überhaupt taucht das Hauptthema regelmäßig auf, oft kraftvoll über galoppierenden Rhythmen intoniert.

Unterm Strich handelt es sich um einen thematisch überzeugenden, immer wieder packenden Score, der 4 satte Sterne verdient hat. Die 2001 erschienene CD von GDM bietet die komplette Filmmusik: 24 Tracks mit 52 Minuten Spieldauer, also doppelt so viel wie die frühere Fassung.

Titel: La resa dei conti
Erschienen: 2001

Laufzeit: 51:37 Minuten

Medium: CD
Label: GDM
Kennung: 2027

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 15.05.2005 | von Magdi Aboul-Kheir

Corri uomo corri

Corri uomo corri Magdi Aboul-Kheir
Bewertung

Corri uomo corri

Die Musik zu Sergio Sollimas letztem Western stammt von Bruno Nicolai, der die Western-Musik Morricones oft dirigiert und einige Scores, darunter Il mercenario, mit ihm zusammen komponiert hat. In seinen eigenen Arbeiten folgt er oft dem Stilvorbild Morricone; dabei bietet er zumeist handwerklich saubere Arbeit, auch wenn sie in Punkto Originalität und Inspiration nicht ganz an den großen Maestro heranreicht.

Dass Corri uomo corri • Lauf um dein Leben (1968) in Mexiko spielt, ist der Musik deutlich anzuhören. Das Hauptthema ist auch gleich als spanische Song-Version (gesungen von Peter Boom; auf der ursprünglichen CAM-Single von Tomas Milian) zu hören, samt Mariachi-Elementen, Trompeten, Gitarren und Alessandronis Chor; auch das schlicht-schwungvolle „Dolores“-Thema atmet mexikanischen Geist. Doch das Hauptthema ist ungleich wichtiger, es taucht regelmäßig wieder auf, zuweilen als Galopp mit wirbelnden Streichern, dann wieder folkloristisch transparent instrumentiert. Sehr Morricone-nah gibt sich die Duell-Musik mit dem strahlenden Trompetensolo über schicksalhaftem Rhythmus und sattem Chor. Reizvoll ist das „Americana“-Thema, vor allem in der schwärmerischen Fassung für Alessandronis Ensemble und Streichern über folkiger Gitarre.

Alles in allem eine hübsche, auch recht abwechslungsreiche Filmmusik, die mit 3 1/2 Sternen auch eine Anhörempfehlung bekommt. Die gut klingende CAM-CD enthält 17 Tracks mit einer guten halben Stunde Spielzeit.

Italo-Western-Special 5: CDs zu Rustichelli, Nicolai & Piccioni

Titel: Corri uomo corri
Erschienen: 1991

Laufzeit: 31:07 Minuten

Medium: CD
Label: CAM
Kennung: CSE 070

Komponist(en):

Schlagworte:


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