DVD

Veröffentlicht am 27.03.2005 | von Michael Boldhaus

Bambi

Bambi Michael Boldhaus
Film
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Vor mehr als 60 Jahren, am 13. August 1942, erlebte Walt Disneys Bambi seine Premiere in der New Yorker Radio City Music Hall. Dem Film liegt eine Novelle des ungarischen Schriftstellers Felix Salten aus dem Jahr 1929 zugrunde.

Wie bereits seine abendfüllenden Disney-Vorläuferfilme, Snow White and the seven Dwarfs • Schneewittchen und die sieben Zwerge (1937), Fantasia (1940) und Pinocchio (1940), bildet auch Bambi keine Ausnahme im Konzept ihres Schöpfers: Durch das Zusammenwirken von Kreativität in der Gestaltung des jeweiligen Sujets sowie Innovation in der zeichnerischen Ausführung soll dem Zuschauer etwas Neuartiges, bis dahin Außergewöhnliches geboten werden. Insgesamt war das Bambi-Team rund fünf Jahre mit Vorarbeiten und Ausführung beschäftigt. Das auf der DVD-1 neben dem Hauptfilm zu findende „Im Kreativ-Meeting mit Walt Disney“ ist dazu eine aufschlussreiche Fundgrube. Im Rahmen eines anhand der archivierten Produktionsaufzeichnungen fiktiv erstellten Dialoges innerhalb des Bambi-Teams läuft über rund 70 Minuten — Bild im Bild — eine Parallelmontage aus Zeichenstudien und wichtigen Filmszenen ab. Dabei werden viele der bei der filmischen Umsetzung des Stoffes auftretenden Probleme und Schwierigkeiten sowie ihre Lösungen erläutert. Dabei wird auch klar, mit wie viel Sorgfalt, Mühe und Einfallsreichtum die Macher vorgegangen sind.

1501Bei Bambi wurden genauestens studierte tierische Bewegungsabläufe und Verhaltensmuster fantasie- und liebevoll auf die gezeichneten Tiercharaktere projiziert, die natürlich Disney-typisch gestylt, also zugleich liebenswürdig karikierend menschliche Züge tragen. Wer hier mit den Filmen der Micky Maus, des Enterichs Donald Duck und auch mit Schneewittchen und die sieben Zwerge vergleicht, für den sind die Fortschritte in der Animation unübersehbar. Bei aller Märchenhaftigkeit und Stilisierung des Gezeigten ist die Synthese aus (vorwiegend) kindlicher menschlicher Mimik und natürlichen tierischen Bewegungsabläufen derart überzeugend geraten, dass Bambi und seine Freunde kaum mehr cartoonhaft künstlich, sondern (fast) schon verblüffend „echt“ wirken.

Faszinierend ist auch der kraftvolle Hauch von Naturalismus der mit Hilfe aufwändiger Multiplantechnik (siehe dazu Fantasia 2000) erzeugten Bilder: So in der den Film eröffnenden, geradezu spektakulär inszenierten „Kamerafahrt“ durch das prachtvolle und zugleich märchenhafte Waldpanorama. Das gilt entsprechend für Bambis ersten Frühlingsregen. Wie dieser ganz sanft (tropfenweise) einsetzt und sich schließlich zum kleinen Gewittersturm mit Blitz und Donner steigert, ist vergleichbar meisterlich gestaltet. Die später den Übergang vom Sommer zum Winter vollziehende Herbstmontage gerät ebenso zum prachtvollen vielfarbigen Bilderrausch — bei dem ein wenig die Nussknacker-Suite aus Fantasia (1940) in Erinnerung kommt. Als geradezu grandios dürfen dabei auch die verblüffenden Spiegelungseffekte im Wasser eines Baches bezeichnet werden. Und der in den anschließenden Winterbildern (scheinbar) ebenso überzeugend echt rieselnde Schnee dürfte wohl kaum einen Betrachter gleichgültig lassen.

Nicht nur an diesen Stellen tritt die Filmmusik (beim Frühlingsregen im Zusammenwirken mit dem besonders charmanten, herrlich arrangierten Song „Rain Drops“) als nicht allein wichtiges, sondern geradezu entscheidendes Element der Gestaltung mit auf den Plan. Die insgesamt vier charmanten Songeinlagen und der Score wirken dabei optimal zusammen, sind derart fließend ineinander verwoben, dass die musicaltypischen Brüche weitgehend vermieden werden. Alles erscheint somit vorzüglich integriert und die Musik ist überhaupt geradezu perfekt dem Rhythmus der Bilder angepasst. Dabei spielt natürlich häufig eine durch die Vertonung (gewollt) resultierende Bildverdopplung, das „berüchtigte“ Mickey-Mousing, eine wichtige Rolle. Es ist hier übrigens handwerklich derart virtuos und einfallsreich, die Klangfarben der Instrumente nutzend eingesetzt, dass abseits des Orchesters (und Chor) nur ganz wenige Geräuscheffekte benötigt wurden. Und auch die eher sparsam eingesetzten Dialoge (insgesamt rund 1000 Wörter) sind nicht allein ein Indiz für das optimale Zusammenwirken von Bild und Musik. Hier zeigt sich, wie herausragend man eine einfache Geschichte mittels packend umgesetzter ideenreicher Bildsprache allein schon durch die Bilder erzählen kann. Eine Tugend, die viele heutige Produktionen vergleichbarer Sujets eindeutig vermissen lassen — und mit Geschwätzigkeit versuchen, zu kompensieren. Hinzu kommt die beispielhaft eingesetzte Multiplantechnik, die gerade in den vielfältigen Naturstimmungen, dank einer aufwändigen, die einzelnen Bildebenen unterschiedlich ausleuchtenden Lichtregie, besonders attraktive Effekte erzeugt.

1497Figuren und Hintergründe sind immer exakt aufeinander abgestimmt. In der Gestaltung der nicht zu detailverliebten, farblich subtilen, impressionistisch gehaltenen Bildhintergründe spiegeln sich Einflüsse japanischer und chinesischer Malerei. Dank nicht zu vieler einzelner Elemente im Bild rücken so die handlungstragenden Objekte stärker ins Blickfeld des Betrachters. Die relative Einfachheit der Hintergrundgestaltung ist hier künstlerisch absolut hochwertig ausgeführt und in ein dramaturgisches Gesamtkonzept stimmig eingebunden. Bambi ist so zu einem äußerst poesievollen visuellen Gedicht über die Natur im Wandel der Jahreszeiten geworden; allerdings, keineswegs ein einfach romantisch verklärendes. In der charmant-liebenswerten Geschichte um das Hirschkalb Bambi spielt vielmehr der Einfluss des Menschen auf die Geschicke sämtlicher Lebewesen (und natürlich auch auf die Natur selbst) eine keineswegs nur unterschwellige Rolle. Im finalen, großen Waldbrand, ausgelöst durch ein unbeaufsichtigtes Lagerfeuer, erhält dieser geradezu allegorische Bedeutung. (Damit besitzen Film und Story bereits das, was man erst seit den 80er Jahren als „Öko-Touch“ bezeichnet.)

In den auf Bambi folgenden abendfüllenden Disney-Zeichentrickfilmen ist allerdings (für mehrere Dekaden) ein langsamer qualitativer Abstieg unübersehbar. Die Multiplantechnik wurde in größerem Stil nur noch einmal eingesetzt, im letztmalig hervorragenden Dornröschen (1959). Der Dank seiner originellen Hundecharaktere zweifellos liebenswerte Susi und Strolch (1955) bietet zwar erstmals Disney-typische Animationen in CinemaScope; er leidet jedoch eindeutig an der fehlenden Raumperspektive und außerdem an einigen eklatanten Fehlern, die sich mit der Multiplantechnik hätten vermeiden lassen.

Besonders in den Filmen der 60er und 70er Jahre und eben auch in den bei jüngeren Generationen besonders beliebten Filmen Das Dschungelbuch (1967) und Robin Hood (1973) sind allein noch die Tiercharaktere ansprechend. Vom poetischen Realismus von Bambi oder selbst dem „nur“ liebevollen Cartoon-Touch von Schneewittchen ist dabei allerdings auch gar nichts mehr übrig geblieben. Wer bei den genannten Filmen einmal über die zweifellos unterhaltsamen Gags hinaus, nämlich genauer hinschaut, dem müssten die allein noch flächigen, aus eher groben Strichzeichnungen bestehenden (um nicht zu schreiben „verkommenen“) Hintergründe nur noch als billig (!) und insgesamt eher lieblos vorkommen.

Bambi ist bis auf den heutigen Tag als geradezu optimal ausbalancierte Mischung aus Realität, Fantasie und Poesie unerreicht geblieben. Für so manchen Leser dürfte der 1942er Disney-Klassiker zu den besonders anrührenden Kindheitserfahrungen gehören, und natürlich bestimmt auch der Nostalgieeffekt das Kaufverhalten. Bambi dürfte aber auch abseits des Disney-typischen, oftmals lächerlich pauschalierend auf „Meisterwerk“ setzenden Werbegetrommels zum (eher) kleineren Zirkel der zeitlosen, wirklich großen Filme des Studios gehören, die das Zeug besitzen, auch künftige Generationen anhaltend in ihren Bann zu ziehen.

Bambi auf DVD

Seit dem 3. März 2005 ist Bambi jetzt erstmalig auf DVD erhältlich, als 2-Disc-Special-Edition. Über die Edition gibt es praktisch nur Positives zu berichten. Das Bild ist erstklassig! Derart sauber, ja makellos ist der Film bis dato nicht zu sehen gewesen. Wie in einem einzelnen Programmsegment des vorzüglichen Bonusmaterials eingehender ausgeführt, ist anlässlich der DVD-Veröffentlichung der Film (ausgehend vom Original-Negativ) sorgfältig restauriert worden.

1499Die zum Vergleich herangezogene US-Laserdisc-Edition (LD) aus dem Jahr 1997 belegt den Qualitätszuwachs eindeutig. Bereits diese schon vorzüglich produzierte Ausgabe von Bambi verfügt über ein erstklassig erscheinendes, fehlerarmes Bild in sehr guten Farben. Die bei der neuen DVD-Ausgabe erfolgte digitale Restauration zeigt, auch durch die präziser ausbalancierten (Technicolor-)Farbkompositionen, einen einfach nur als superb zu bezeichnenden Bildeindruck. Dank seiner Makellosigkeit — selbst die früher unvermeidbaren leichten Verschmutzungen in den vielfältigen Multiplansequenzen sind entfernt — wirkt es jetzt zudem noch deutlich plastischer, und auch der prächtige Gemälde-Touch ist verstärkt worden. Wer kann, der vergleiche allein die traumhaft schöne Eröffnungssequenz: die dank Multiplantechnik so eindrucksvolle „Kamerafahrt“ durch den Märchenwald. Da ist vom (Stör-)Effekt der Schmutzpartikel und leichten Kratzer auf den einzelnen Transparent-Folien der unterschiedlichen Bildebenen praktisch nichts mehr zu sehen. Besagte verursachten eine dezente Unruhe im Bild, die sich nachteilig auf die Plastizität auswirkt. Ganz klar! So vollkommen hat man Bambi bislang noch nie sehen können! Es wäre daher sehr reizvoll, den Film in dieser so prachtvoll aufpolierten Form auch auf der großen Kinoleinwand zu erleben. Bleibt zu hoffen, dass Disney, wie zuvor bereits Schneewittchen und die sieben Zwerge, mittelfristig auch Bambi in vom restaurierten Material gezogenen Kopien, dann hoffentlich nicht nur in den USA, sondern auch hierzulande auf Roadshow bringt.

Der Ton ist von DVD neben dem originalen, durchaus recht frischen und knackigen Mono jetzt auch als „Disney Enhanced Home Theater Mix“ anwählbar — der Film erhielt nämlich neben Oscar-Nominierungen in den Kategorien „Beste Filmmusik“ und „Bester Song“ auch eine für „Bester Ton“. AC3-5.1 steht hier erfreulicherweise nicht für gewaltsam auf modern aufgepeppt, sondern vielmehr für ein eher behutsam verräumlichtes Klanggeschehen. Wer’s eher puristisch liebt, kann den zweifellos beachtlichen (natürlich ebenfalls perfekt gesäuberten) Mono-Sound wählen. Viele dürften jedoch den neuen Tonmix als zeitgemäßer, die Wirkung der grandiosen Bilder zusätzlich verstärkend und damit als überzeugender empfinden. Auch hier schlägt sich die (ebenfalls digitale) stereofonisierte Tonspur der US-LD wacker, muss sich aber gegenüber dem Ton von DVD letztlich doch mit Platz zwei begnügen. Zwar sind an dieser Stelle die Unterschiede nicht ganz so markant wie beim Bild, aber ein spürbares Quantum mehr an Frische ist denn doch noch herausgeholt worden.

Ebenso vorzüglich wie die Filmpräsentation ist das besonders liebevoll zusammengestellte Bonusmaterial der DVD-Edition. Das bereits oben erwähnte „Kreativ-Meeting mit Walt Disney“ ist eine hervorragende Beigabe auf DVD-1: Eine, bei der man den Film (fast) noch einmal, allerdings dank der wertvollen Infos, jetzt mit geschärftem Blick sehen kann. DVD-2 bietet einige nett gemachte Dinge für die kleinen Zuschauer, wie das „Disney-Lexikon: Bambis Freunde im Wald“, ein in verschiedenen Schwierigkeitsgraden spielbares Abenteuerspiel und auch eine sehr hübsch computergenerierte Naturstimmung „Virtueller Wald“, deren Aussehen sich (im Loop) mit den Jahreszeiten ansprechend wandelt. Weitere Hintergrund-Infos finden sich im rund 53-minütigen, das „Kreativ-Meeting“ der Disc-1 sehr gut ergänzenden „Making of“. Und auch das Geheimnis der Multiplan-Kamera wird in einem Ausschnitt aus einer TV-Sendung der Reihe „Disneyland“ aus dem Jahr 1957 von Walt Disney höchstpersönlich gelüftet, der dabei die Vorzüge dieses technischen Meilensteins sehr anschaulich erläutert. Ein kleineres Segment von rund 6 Minuten widmet sich der Filmrestauration, wobei Patrick Stewart — bekannt als Captain Picard vom Raumschiff Enterprise — moderiert. Ein wenig Eigenwerbung ist auch dabei: für eine für Anfang 2006 geplante Fortsetzung von Bambi — bei der Stewart übrigens die Stimme für Bambis Vater liefert. Die kurzen Ausschnitte und das von den Machern bekundete Bemühen, dem klassischen Look des alten Films auch in der Fortsetzung gerecht zu werden, stimmen vorsichtig optimistisch: Warten wir’s also ab! Neben einem Original-Kinotrailer bildet der Kurzfilm The Old Mill • Die alte Mühle (1937) eine weitere, besonders gut gewählte Zugabe, da in dieser erstmalig die damals brandneue und (nicht ausschließlich) für Bambi so bedeutende Multiplantechnik zum Einsatz kam.

Damit präsentiert sich die Special Edition von Bambi insgesamt in vorzüglichem Licht, kann jedem Interessierten, ohne wenn und aber, ausdrücklich empfohlen werden. Dabei ist der zusätzliche Hinweis zum Veröffentlichungstermin in der hauseigenen Werbung „Nur für kurze Zeit!“ recht ernst zu nehmen. Die Disney Studios vermarkten ihre Klassiker traditionell sehr gezielt, eher sparsam, d. h. in größeren zeitlichen Abständen. Man ist darauf bedacht, Abnutzungseffekte z. B. durch allzu häufige Präsenz in TV-Ausstrahlungen zu vermeiden. Im Gegensatz zu manch anderen Filmklassikern, denen man im TV regelmäßig wiederbegegnen kann, sind beispielsweise hierzulande neben den Cartoons von Donald Duck und Micky allein kleinere Filme wie Dumbo (1941) — nur ganz vereinzelt (!) — komplett gezeigt worden. Konsequenterweise ist man auch nicht an Ramschpreis-Aktionen auf dem Videomarkt interessiert. Wer also (vielleicht erst beim Lesen dieses Artikels) auf den Geschmack gekommen ist, sollte diese Anschaffung daher besser nicht auf die allzu lange Bank schieben.

Titel: Bambi (Special Edition)
Erschienen: 2005

Zusatzinformationen: USA 1942

Medium: DVD
Verleih: Buena Vista
Kennung: BV 00942C10 (2-DVD-Special-Edition)

Regisseur(e):

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CD

Veröffentlicht am 27.03.2005 | von Michael Boldhaus

Bambi

Bambi Michael Boldhaus
Bewertung

Das Score-Album zu Bambi

Die hier vorgestellte Musik-CD erschien in den USA im Jahr 1996, ging der oben erwähnten US-LD-Veröffentlichung kurz voraus. Hierzulande ist die CD bislang nicht veröffentlicht worden. Wie häufiger bei derartigen Score-Veröffentlichungen aus dem Hause Disney, ist das Album nicht voll befriedigend ausgefallen. Zwar darf die Tonqualität in Anbetracht des Alters der Musikeinspielungen (Januar 1942) als sehr gut bezeichnet werden, so erstaunlich frisch, klar und auch recht transparent ist der Klang. Zwar bekommt man hier auch einen zweifellos großen Querschnitt der Musik geboten, aber warum hat man nicht (wie im Falle von Schneewittchen) die noch fehlenden rund 15 Minuten Score mit untergebracht? Am fehlenden Platz wäre dies nicht gescheitert. Dass Disney beim Veröffentlichen seiner musikalischen Archiv-Schätze (ebenfalls) sehr zurückhaltend ist, dürfte kaum jemand unbekannt sein. Allerdings erinnern sich bei den Disney-Scores die allermeisten der nicht nur kleinen Fans eben in erster Linie an die eingängigen Songs und weniger an die oftmals mindestens ebenso versiert ausgeführte orchestrale Vertonung. Insofern ist die vorliegende CD immerhin ein guter Schritt in die richtige Richtung.

Ein weiteres Wehrmutströpfchen betrifft hauptsächlich den, der möglichst detailliert über die Entstehung der Musik informiert werden möchte. Hier vergaßen die Macher bei Disney wieder einmal die beteiligten Mitglieder der Musikabteilung und die Art und Weise der erfolgten Arbeitsteilung korrekt aufzuführen. Eingehendere Infos zur Entstehung der Musik fehlen ebenfalls völlig. Allein den Songs wird (s. o.) Aufmerksamkeit gewidmet.

1500Bereits die Album-Credits sind zumindest unscharf: „Composed by Frank Churchill, Larry Morey and Ed Plumb“. Wer im „Making of“ auf DVD-2 das recht nette — aber auch unzulängliche — Segment zur Musik betrachtet, kommt puzzelnd der Wahrheit immerhin schon etwas näher: erfährt, das Morey nur für die Songtexte verantwortlich zeichnete und Frank Churchill allein die Songs auskomponiert hat. Der Rollen-Titel des Films nennt dann immerhin noch Paul Smith als Orchestrator.

In einem Aufsatz von Ross Cares (herausgegeben vom The Library of Congress, Washington 1984) finden sich zur Vertonung von Bambi weitere, wertvolle Details. Hier erfährt man die kaum bekannte Tatsache, dass Frank Churchill neben den Songs auch eine vollständige eigene Musik komponiert hat. Walt Disney lehnte höchstpersönlich ab. Er beauftragte Ed Plumb und stattete ihn dazu mit einigen Vorgaben aus, wie die in den Raum gestellte Frage, in wieweit eine Strawinskys „Frühlingsopfer“ angenäherte Musik zum Kampf von Bambi mit einem (Hirsch-)Rivalen passen würde — damit dürfte Disney wohl auch für die Strawinsky’haften Passagen in Pinocchio verantwortlich sein.

Frank Churchill und der Texter Larry Morey haben die Songs erarbeitet, die (im Wesentlichen) Ed Plumb gekonnt in eine reizvoll ausgestaltete orchestrale Filmmusik eingearbeitet hat. Aus Zeitgründen wurden einzelne Cues aber noch von Kollegen beigesteuert — zur weit verbreiteten Teamarbeit in den Music Departments des Golden Age siehe auch How to Marry a Millionaire. So müssten streng genommen als Co-Komponisten auch (der für die Orchestration verantwortliche) Paul Smith, Charles Walcott und der Dirigent der Aufnahmesitzungen, Alexander Steinert, genannt werden.

Zweifellos geht der Hauptanteil der erstklassigen Wirkung der Musik auf die Leistung von Plumb zurück. An Ravels „Daphnis und Cloe“ und „La Valse“ gemahnende impressionistisch gefärbte Sounds für Chor und Orchester untermalen perfekt die Herbstmontage (s. o.) und auch dem Pfeifen des winterlichen Windes und den (so überzeugend echt) wirbelnden Schneeflocken verleiht seine Musik eine geradezu perfekte Aura. Auch Plumbs äußerst versiert gestaltender Umgang mit dem zweifellos simplen, nur aus Drei-Noten bestehenden „Menschen“-Motiv ist erwähnenswert. Spätestens sein Einsatz in der Sterbeszene von Bambis Mutter ist derart eindringlich, dass die für die Handlungen des Menschen stehende Tonfolge anschließend im Bewusstsein des Zuschauers fest verankert ist: diese beim Erklingen sofort drohendes Unheil assoziiert.

Die Musik zu Bambi zählt zusammen mit der zu Pinocchio wohl zum Stärksten was bei Disney für Zeichentrickfilme komponiert worden ist. Wer jetzt auch das Album am liebsten gleich noch mitkaufen möchte, der muss dies etwas aufwändiger über Import erledigen.

Dieser Artikel ist Teil unseres umfangreichen Programms zu Ostern 2005.

© aller Logos und Abbildungen bei DISNEY PICTURES.

Titel: Bambi
Erschienen: 1996

Laufzeit: 53:10 Minuten

Medium: CD
Label: Walt Disney Records

Komponist(en):

Schlagworte:


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