DVD

Veröffentlicht am 21.12.2003 | von Michael Boldhaus

Krieg und Frieden

Krieg und Frieden Michael Boldhaus
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Extras

Krieg und Frieden und „Turandot“: Dino de Laurentiis opernhaftes Kinospektakel und Puccinis Oper

Krieg und Frieden

1037Die von Dino de Laurentiis produzierte italienisch-amerikanische Koproduktion von Krieg und Frieden entstand mit großem Aufwand in Oberitalien in den Jahren 1955/56. Unter der Regie von King Vidor (Duell in der Sonne) brillieren in den Hauptrollen Audrey Hepburn, Henry Fonda und Mel Ferrer. Aber auch Herbert Lom als Napoleon ist einer der überzeugendsten Darsteller des berühmten Korsen überhaupt.

Beim resultierenden Film-Epos muss man zwar von einer stark gestrafften „Readers-Digest-Version“ des berühmten russischen Mammut-Romans sprechen, die allerdings gekonnt inszeniert worden ist. (Der Autor, Leo Tolstoi, verfasste Teile davon übrigens während des Krim-Krieges — bei der Belagerung von Sebastopol.)

1038Es ist praktisch unmöglich, der gewaltigen Romanvorlage im Rahmen eines knapp dreieinhalbstündigen Films umfassend gerecht zu werden. Das Pendant zu Vidors Version ist Sergej Bondartschuks Inszenierung des Stoffes, Wojna i Mir (1965-67). Bondartschuks Film erstreckt sich (ungekürzt) über rund sieben Stunden und ist das wohl gewaltigste Prestigeobjekt des sowjetischen Kinos der 60er Jahre geworden. Auch wenn die russische Filmversion in vielen Details klar besser abschneidet und damit insgesamt dem Roman gerechter wird, die King-Vidor-Fassung ist im Vergleich nicht einfach zweitklassig. Vielmehr profitiert die Vidor-Version trotz gewisser Einschränkungen auch vom unleugbaren Hollywood-Touch in der professionellen Machart. Sie bietet handwerklich perfektes Ausstattungskino (mit tadellosen darstellerischen Leistungen) und imponiert dabei auch durch eine Reihe faszinierend choreographierter Massenszenen. So in der Schlacht von Borodino, bei der optisch brillanten Attacke der französischen Kavallerie, die durch die zurückflutende Infanterie hindurch (!) gegen russische Geschützstellungen voranstürmt.

Der hochdramatisch in Szene gesetzte Rückzug der französischen Armee in der Öde des russischen Winters ist berühmten Gemälden eindrucksvoll nachgestaltet. Und wenn die von den Russen bedrängten und unter Artilleriefeuer genommenen Franzosen verzweifelt versuchen, über den Grenzfluss Beresina zu entkommen, dann ist auch für den letzten Zuschauer die Niederlage Napoleons eindrucksvoll belegtes Faktum. Gerade in diesen Szenen ist Vidors Version nicht nur besonders stark, sondern der vorzüglichen russischen Fassung an Aussagekraft und Wucht sogar eindeutig überlegen.

Der Film auf DVD:

Die Paramout-DVD präsentiert den Film in sehr beachtlicher Qualität. Die transferierte Archivkopie zeigt sehr saubere, satte Farben und Kontraste, ist sehr detailfreudig und darf auch in Sachen Schärfe mit „gut“ bis „sehr gut“ bewertet werden. (Im deutschen Fernsehen ist Krieg und Frieden immer in recht ordentlicher Qualität, allerdings immer nur in Vollbild gezeigt worden.) Die DVD zeigt den Film erstmalig im 16:9-Widescreen-Format, und damit in einem dem VistaVision-Verfahren gerecht werdenden Bild-Seitenverhältnis, mit mehr Bildinformation an den Seiten. Mit stereofonem Ton wartet leider weder die deutsche noch die englische Tonfassung auf. Geboten wird ausschließlich ein klares und sauberes Mono, bei dem Nino Rotas Musik besonders in der deutschen Fassung recht eng und belegt klingt — vermutlich gab es selbst in den USA nie etwas entscheidend Besseres.

Der schwarz-weiße Produktions-Trailer — im Segment „Special Features“ fälschlich als Theatrical Trailer bezeichnet — ist eine willkommene Rarität. Hier wird man nicht allein „Augenzeuge“, wie einige der monumentalen Szenen der Schlacht von Borodino inszeniert worden sind, auch der Regisseur wendet sich „höchstpersönlich“ werbend an den (potentiellen) Kinogänger. Der originale Kinotrailer ist dann unter „Rerelease Trailer“, ebenfalls in Breitbild, mit leicht verblassten Farben, in insgesamt aber sehr ordentlicher Qualität zu begutachten.

Nino Rotas prächtige, melodisch reichhaltige, breit orchestrale Filmmusik (inklusive Chor) liefert für das opernhafte Kostümspektakel die perfekte musikalische Untermalung. Sie gehört zwar zu den bekannteren Arbeiten des italienischen Maestros, ist aber nichtsdestoweniger bislang allein in äußerst bescheidener Qualität auf Tonträger präsentiert worden. Zweifellos wäre sie ein Kandidat für eine Neueinspielung — vielleicht zum 50. Jubiläum des Films im Jahr 2006. Wie wär’s Silva? (Diese Frage ist allerdings mit der Erwartung optimaler Produktionsbedingungen verknüpft. Krieg und Frieden ist nicht Romeo und Julia! Für die komplexere Musik ist ein ähnlich gut disponiertes Orchester erforderlich wie bei der ersten Jerome-Moross-CD und zusätzlich ein tadelloser Chor.)

Titel: Krieg und Frieden
Erschienen: 2003

Zusatzinformationen: USA/Italien, 1955/56

Medium: DVD
Verleih: Paramount
Kennung: DVD 452300

Regisseur(e):

Schlagworte:


DVD

Veröffentlicht am 21.12.2003 | von Michael Boldhaus

Turandot (DVD)

Giacomo Puccinis Oper „Turandot“ auf DVD und als Living-Stereo-CD-Box

Nicht allein da, wo Opernmusik auch bei der Vertonung von Filmszenen eine wichtige Rolle spielt, berühren sich die Genres Oper und Film. Gigantisches Spektakel in aufwändiger Inszenierung, das sind Attribute, die sowohl auf King Vidors Film Krieg und Frieden als auch auf Giacomo Puccinis letzte Oper „Turandot“ passen — und nicht allein auf diese. Aber ebenso gehört auch Puccinis Musik (generell) zu den Vorbildern, bei denen man sich in Hollywood klar bedient hat. Seine sinnliche Melodik und ebenso die klangschwelgerische Tonsprache waren für berühmte Komponisten wie Korngold, Steiner und Newman einfach unverzichtbar.

Das Aufgebot der erforderlichen Kräfte ist mit einem groß besetzten Orchester (erweitertes Schlagwerk inklusive), Orgel, Kinderchor und großem gemischten Chor noch nicht erschöpft. Darüber hinaus verlangt das Opernwerk erstklassige, ausdrucksstarke Sänger und einen versierten Dirigenten, der jeder Facette der in exotischen Klangfarben schimmernden Partitur gerecht werden kann.

„Turandot“ ist Puccinis kühnstes und auch modernstes Werk geworden, sein Schritt in Richtung musikalische Moderne. (Er reiste im Umfeld der Komposition gar nach Florenz um Schönbergs „Pierrot lunaire“ zu hören.) Die Oper zeigt blühende melodische Inspiration, monumentale Chorszenen und ein prachtvolles exotisches Klangkolorit. Der Komponist trieb hierfür gründliche Studien in chinesischer Musik, die er dann jedoch sehr frei verarbeitete. Ungewöhnliches Schlagwerk und eine raffiniert ausgefeilte Harmonik sorgen für prächtiges exotisches Kolorit. Eine herrliche Musik, die sich kein Filmmusikfreund dauerhaft entgehen lassen sollte.

Puccini konnte sein unter großen Qualen entstehendes letztes Opernwerk nicht zu Ende komponieren. Franco Alfano vollendete aufgrund der Skizzen des Meisters. Um den Alfano-Schluss ranken sich einige Legenden und besonders in jüngerer Zeit ist dieser auch verstärkt kritisiert worden. Luciano Berio hat für die Inszenierung der Oper im Rahmen der Salzburger Festspiele 2002 dazu eine interessante, recht eigenwillige Alternative entworfen. Aber diese ist gewiss nicht der einzige Grund, sich die DVD in dieser Inszenierung zuzulegen. „Turandot“ wird hier visuell in einer Art und Weise glanzvoll und aufwändig in Szene gesetzt, welche die grandiose Musik in einen beeindruckenden optischen Rahmen setzt. Regisseur David Pountneys Inszenierung ist eine von Roboter-ähnlichen Figuren und Maschinenmenschen bevölkerte pittoreske, prallbunte Szenerie. Hier muss man längst nicht alles als gelungen ansehen, mag einiges auch als hart an der Grenze zum Kitsch angesiedelt empfinden. Es handelt sich aber in jedem Fall um eine sehenswerte bildgewaltige Umsetzung, der man durchaus die Bezeichnung „Salzburg meets Hollywood“ verleihen kann. Eine, die für das Medium DVD wie geschaffen erscheint, mit entsprechend brillantem Bild aufwartet und selbstverständlich auch akustisch nicht enttäuscht. Valery Gergiev dirigiert hier die Wiener Philharmoniker. Im rund viertelstündigen Zusatzsegment gibt es ein paar Blicke hinter die Kulissen der Aufführung sowie Gespräche mit dem Regisseur und der Sopranistin Gabriele Schnaut (Interpretin der Turandot).

Titel: Turandot (DVD)
Erschienen: 2003

Zusatzinformationen: Salzburger Festspiele 2002

Medium: DVD
Verleih: TDK

Regisseur(e):

Schlagworte:


Klassik

Veröffentlicht am 21.12.2003 | von Michael Boldhaus

Turandot

Die im Jahr 1959 in Rom für RCA entstandene Einspielung der „Turandot“ ist zugleich faszinierendes aufnahmetechnisches (Living Stereo), wie auch interpretatorisch begeisterndes Dokument von zeitlosem Wert. Hierfür stehen große Künstler-Namen der Vergangenheit, wie die der beiden größten Sopranistinnen ihrer Zeit, Birgit Nilsson und Renata Tebaldi, der brillante Tenor Jussi Bjoerling und nicht zuletzt der meisterlich-erhabene Bass eines Giorgio Tozzi. Gekrönt wird diese herausragende Einspielung vom Dirigat Erich Leinsdorfs, dessen Interpretation mit dem Orchester der Oper Rom einen meisterlich gekonnten dramaturgischen Bogen spannt, der sowohl zarteste Lyrik als auch kraftvolle dramatische Wucht einschließt. Die brillante Aufnahmetechnik setzt dem rauschhaften Spektakel akustisch die Krone aufs Haupt. Sie vermittelt ein exzellent durchhörbares tief gestaffeltes breites Stereo-Klangpanorama, das akustisch (breiter wirkend als VistaVision) an das Kinoformat CinemaScope erinnert.

Titel: Turandot
Erschienen: 1996

Zusatzinformationen: Rome Opera Orchestra & Chorus, E. Leinsdorf
Laufzeit: 115:40 Minuten

Medium: CD (Klassik)
Label: BMG RCA
Kennung: 09026626872 (2-CD-Box)

Komponist(en):

Schlagworte:


Klassik

Veröffentlicht am 21.12.2003 | von Michael Boldhaus

Pops Plays Puccini

Die Rezeption der Gattung Oper ist nicht für alle Hörer von Anfang an gleichermaßen unkompliziert. Den Einsteiger stören oftmals die Singstimmen derart, dass der Blick auf die schöne, oftmals hinreißend melodische Musik allzu sehr verstellt erscheint. Sowohl als eine Einstiegshilfe für Opernneulinge als auch für diejenigen gedacht, die Opernmusik auch gerne rein instrumental erleben, ist die Telarc-CD „Pops plays Puccini (Puccini Without Words)“. Der gut bestückte Sampler bietet längere rein orchestrale Suitenfassungen aus „Tosca“, „Madame Butterfly“ und „La Bohème“. Aus „Gianni Schicci“, „Manon Lescaut“ und „Turandot“ erklingt jeweils eine berühmte Arie.

Ein Opern-Sampler der etwas anderen Art. Nichts für Opern- oder Puccini-Puristen! Die dürften hierbei eher die Nase rümpfen. Für alle anderen dürfte die gut klingende CD als unproblematischer und unterhaltsamer, da gut fließender Einstieg in das Œuvre Puccinis wohl mehrheitlich geeignet sein.

Titel: Pops Plays Puccini
Erschienen: 1991

Zusatzinformationen: Cincinnati Pops, E. Kunzel
Laufzeit: 73:48 Minuten

Medium: CD (Klassik)
Label: Telarc
Kennung: CD-80260

Komponist(en):

Schlagworte:


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