Sampler

Veröffentlicht am 09.06.2003 | von Michael Boldhaus

British Light Overtures I

Weitere Hör-Einblicke in die Welt der „British Light Music“ (siehe auch: Klassische Britische Filmmusik 3: Mit leichter Hand) ermöglichen die vier nachfolgend vorgestellten CD-Alben.

Die Leichte Musik ist kein Feld der avantgardistischen Wagnisse, aber deswegen keineswegs anspruchslos oder auch nur überkommen. Es handelt sich überwiegend um handwerklich souverän komponierte Stücke kleinerer Dimensionen, die ein möglichst breites Publikum unmittelbar ansprechen und (im besten Sinne) in erster Linie unterhalten wollen. Es finden sich dabei manche kleine und auch größere Perlen, die den Hörer bezaubern können, die es damit Wert sind, auch von kontinentalen Musikfreunden vermehrt entdeckt zu werden.

British Light Overtures 1 & 2

Die beiden Kompilationen des britischen ASV-Labels eröffnen den Reigen. Bei den insgesamt 20 Ouvertüren handelt es sich in erster Linie um als Auftakt von Konzerten mit „Leichter Musik“ gedachte, geschickt auf zündenden Effekt hin konzipierte Stücke.

So findet sich hier z. B. William Blezards (∗ 1921) im Jahr 1966 entstandene Ouvertüre „Caramba“, deren Titel eindeutig auf das lateinamerikanische Flair der Musik hinweist. „Tantivity Towers“ von Thomas Dunhill (∗ 1877 – † 1946) ist ein hübsches Potpourri aus Themen der gleichnamigen, 1931 uraufgeführten Operette. „Boy Wizard“, entstanden in 2001, ist schon ein wenig humorvoller musikalischer Reflex auf Harry Potter. Reizvoll klingende Anleihen bei der Folklore bieten John Gardners „Scots Overture“ und John Ansells (∗ 1874 – † 1948) „Plymouth Hoe“, bei der auch das berühmte „Rule Britannia“ eine wichtige Rolle spielt.

Stanley Black (∗ 1913) dürfte manchem Leser als Arrangeur und Dirigent einer Reihe von Filmmusik-LPs der 70er Jahre geläufig sein. Black, der auch rund 200 Filme vertonte, ist mit „Overture to a Costume Comedy“ vertreten. Das hier verarbeitete Material, ein augenzwinkernder Stilmix aus diversen klassischen Vorbildern der Operntradition, ist größtenteils der Filmmusik zu Mrs. Fitzherbert (1947) entlehnt.

Der rührige Philip Lane (∗ 1950) hat sich nicht nur um die Rekonstruktion klassischer britischer Filmmusik-Partituren verdient gemacht, sondern komponiert dazu für vielerlei Genres. Seine hier aufgenommene „A Spa Overture“ entstand als klingendes Porträt seiner Heimatstadt Cheltenham und wurde 1982 vom Cheltenham Ladies’ College in Auftrag gegeben.

Aber auch die anderen, hier nicht näher genannten Werke fallen keineswegs aus dem Rahmen angenehmer, kurzweiliger sinfonischer Unterhaltung. Die Royal Ballet Sinfonia unter Gavin Sutherland lässt diesen mitunter kleinen Schätzen angemessen spritzig-frische Interpretationen zuteil werden. Die oftmals pfiffigen Details der sorgfältig ausgeführten Instrumentierungen werden Dank einer hervorragenden Klangtechnik im Detail hörbar. Die Liner Notes geben vielfältige Auskünfte, sind aber nur in Englisch vorhanden.

Titel: British Light Overtures I
Erschienen: 2003

Laufzeit: 66:27 Minuten

Medium: Sampler
Label: ASV
Kennung: CD WHL 2133

Komponist(en):

Schlagworte:


Sampler

Veröffentlicht am 09.06.2003 | von Michael Boldhaus

British Light Overtures II

Titel: British Light Overtures II
Erschienen: 2002

Laufzeit: 62:54 Minuten

Medium: Sampler
Label: ASV
Kennung: CD WHL 2137

Komponist(en):

Schlagworte:


Sampler

Veröffentlicht am 09.06.2003 | von Michael Boldhaus

British Light Music: Alfred Reynolds

British Light Music: Alfred Reynolds und Philip Lane

Zwei weitere Alben der umfangreichen Serie des Marco-Polo-Labels, die in der Regel dem Schaffen jeweils eines Komponisten dieses Genres gewidmet sind.

Alfred Reynolds (1884-1969) komponierte im Wesentlichen Musik, die auf die eine oder andere Weise mit dem Theater verknüpft ist. Titel von Stücken wie „Overture: The Taming of the Shrew“, „Overture for a Comedy“ oder auch „Three Pieces for Theatre“ machen dies unmittelbar deutlich. Zur 1947er Stratford-Weihnachts-Show komponierte er für die Bühnenversionen der beiden Bücher von Lewis Carroll „Alice in Wonderland“ und „Alice Through the Looking Glass“ Orchestersuiten, von denen die zum letztgenannten Stück auf der CD enthalten ist. Diese zeichnet sich durch Witz in der Instrumentierung und originelle Einfälle, wie eine ungewohnte Klavierkadenz als Eröffnung eines reizenden Walzers, aus. Die „Suite of Five Dances from The Duenna“ belegt Reynolds Engagement bei der Wiederbelebung von Opernmusik des 18ten Jahrhunderts. Seine Aufbereitung (Bearbeitung und Ergänzung) von Originalstücken dürfte aus heutiger Sichtweise zwar kaum einer den Originalen angemessenen Rezeption gerecht werden, ist aber in jedem Fall amüsant anzuhören. Und als besonders hübsch präsentieren sich „Swiss Lullaby and Ballet“ (from Swiss Family Robinson), wo nach einer schönen Einleitung durch Vibraphon und Celesta das bekannte Wiegenlied „Schlaf, Kindlein schlaf“ zitiert wird. Reynolds Händchen für barocke Pasticcios spiegelt sich unter anderem im Entr’acte der „Three Pieces for Theatre“; wobei das Schlussstück (eine Tarantella) die CD schwungvoll zum Abschluss bringt.

Die zweite CD ist ganz den Werken des durch seine Restaurationsarbeiten für diverse CD-Alben mit klassischer britischer Filmmusik bekannt gewordenen Philip Lane (siehe auch William Alwyn und Richard Addinsell) gewidmet. Der 1950 geborene Lane bezeichnet sich auf dem Gebiet des Komponierens und Instrumentierens als Autodidakt, hat erst Ende der 60er Jahre an der Universität Birmigham ein Studium aufgenommen, um seine Fertigkeiten zu vervollkommnen. Von Bernard Herrmann soll er während dessen Londoner Jahre manche Anregung erhalten haben. Die auf dem Marco-Polo-Album vertretenen Kompositionen sind besonders gut fließende und auch vielseitig ausgeführte Miniaturen. So beispielsweise in den entzückenden „Diversions on a Theme of Paganini“, in denen das berühmte Thema weniger im klassischen Sinne variiert, sondern primär elegant mit ihm gespielt wird. Die „Cotswold Dances“ sind die früheste Orchesterkomposition aus 1973; ein unmittelbar ansprechendes und in vielem tonmalerisches Porträt seiner Heimat Gloucestershire und den Cotswold Hills. Mit leicht klassizistischem Touch ausgestattet ist das recht virtuose „Divertissement for clarinet, harp & strings“, in dem der Komponist vielerlei Zitate aus früheren Werken verarbeitet. Sehr hübsch sind auch die aus den 80er Jahren stammenden „Three Christmas Pictures“, von denen das erste, die Schlittenglockenserenade, am bekanntesten geworden ist. Ein wenig ein „La Mer“ im Kleinformat ist „A Maritime Overture“ in der verschiedenen Seestimmungen naturalistisch und mitunter auch wuchtig Ausdruck verliehen wird. Und in den „Three Nautical Miniatures for Strings“ bilden die im letzten Satz anklingenden Shantys einmal mehr den Brückenschlag zur Volksmusik.

Beiden Alben wird durch die Royal Ballet Sinfonia unter Gavin Sutherland vergleichbar kompetent interpretiert, wie die beiden oben vorgestellten ASV-Alben. Auch an der Marco-Polo-Aufnahmetechnik gibt es nichts zu bemängeln. Ein (kleiner) Pluspunkt gegenüber den ASV-CDs sind die auch in deutscher Sprache vertretenen informativen Liner Notes.

Titel: British Light Music: Alfred Reynolds
Erschienen: 2002

Laufzeit: 77:26 Minuten

Medium: Sampler
Label: Marco Polo
Kennung: 8.225184

Komponist(en):

Schlagworte:



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