Sampler

Veröffentlicht am 19.06.2003 | von Michael Boldhaus

The Film Music of Richard Addinsell

The Film Music of Richard Addinsell Michael Boldhaus
Bewertung

Nach den beiden mit der Royal Ballet Sinfonia unter Kenneth Alwyn eingespielten Alben mit Musik von Richard Addinsell (1904-1977) – erschienen auf ASV 1997 und 1999 (siehe „Klassische Britische Filmmusik: Folge 3“)- und einer 1994 erschienenen CD aus der Marco-Polo Reihe, „British-Light-Music“, hat nun auch das Chandos-Label im Rahmen seiner Reihe „Chandos Movies“ nachgezogen. „The Film Music of Richard Addinsell“ enthält ein Programm, das neben Überschneidungen mit den genannten Alben aber auch eine Reihe von Ersteinspielungen präsentiert. Die sehr gut fließende Kompilation belegt einmal mehr, wie nahe die Musik der heiteren britischen Filme der British-Light-Music-Tradition steht. Dies belegen besonders die Musiken zu Tom Browns Schooldays • Tom Browns Schulzeit (1951) und Blithe Spirit • Geisterkomödie (1945), die im Charme Eric Coates, einer Ikone des Light-Music-Genres, besonders nahe stehen.

Das Chandos-Album präsentiert Auszüge aus neun Filmpartituren und ist mit knapp 80 Minuten Spieldauer hervorragend bestückt. Ein Highlight ist die eröffnende, rund 10-minütige Suite aus Goodbye Mr. Chips • Auf Wiedersehen, Mr. Chips (1939), deren Hauptthema, das Schullied, geradezu Ohrwurmcharakter besitzt. Hier und auch in den anderen hier vertretenen Schöpfungen von Richard Addinsell zeigt sich, dass seine ausgesprochen starke melodische Begabung das tragende Fundament seiner Kompositionen ist, wobei ihm aber ebenso ein gutes Gespür für die jeweiligen Stimmungen der zu vertonenden Stoffe nicht abgesprochen werden kann. Hierfür steht beispielsweise der romantisch-schwebende Walzer aus der Komödie Blithe Spirit, der das Verführisch-Gespenstische des Geistes Elvira gekonnt in Töne fasst.

Sehr intim gehalten und dabei ebenso von inniger Melodie geprägt ist Love on the Dole (1941), wo leicht ironisch anmutende, tänzerische Klänge einen beschwingt-optimistischen Abschluss bilden. Zur gut gemachten Source-Music tendieren die – sich an bekannten Formen klassischer Tanzmusik orientierenden – Auszüge aus dem 1957er Film The Admirable Crichton • Zustände wie im Paradies (Walzer und Polka) und der Tango aus Out of the Clouds (1954).

Das Hauptthema des farbenprächtigen Abenteuerfilms The Black Rose • Die schwarze Rose (1950) lässt fast schon ein wenig John Barry vorausahnen. Der im 14ten Jahrhundert in England und in Fernost spielenden Story geht allerdings jedweder historisierender Touch ab. Gelungen ist dafür das von Flöte, Harfe, Glockenspiel und Celesta hübsch erzeugte pseudo-exotische Flair des „In the Empress’s Palace“.

Natürlich fehlt auch nicht das unverwüstliche Warschauer-Konzert aus dem lange vergessenen Dangerous Moonlight (1940). Diese kleine Rachmaninoff-like Klavierrhapsodie ist im Bewusstsein von Generationen als Sinnbild für Filmmusik und zugleich auch vollständig mit dem Namen Addinsell verankert – ironischerweise, obwohl diese Musik gar nicht so typisch für ihn ist. Das Warschauer-Konzert war lange Zeit auch regelmäßig im Rundfunk zu hören und dürfte wohl zu den am häufigsten eingespielten Filmmusiken zählen.

Die rund 14-minütige Suite aus Scrooge • Charles Dickens – Eine Weihnachtsgeschichte (1951) fußt auf der hier zum dritten Mal eingespielten Suite, die bereits in den 80er Jahren von Steve Bernstein für Robert Redfords Sundance Institute zusammengestellt worden ist – seinerzeit erstmals von David Newman für Telarc eingespielt. Die Suite ist eine Art sehr stimmungsvoller Tondichtung, die den Handlungsablauf dieser sehr bekannten klassischen britischen Weihnachtsgeschichte geradezu plastisch Klang werden lässt. Eine Komposition, die von traditionellen Weihnachtsliedern durchsetzt ist und deren warmes Hauptthema ebenfalls den Charakter eines Folk-Songs besitzt.

Eventuell hätten Stücke wie der Tango aus Out of the Clouds noch ein Quäntchen mehr Schmiss vertragen. Das liegt aber eher im Bereich des individuellen Geschmackes; von mangelhafter Spielweise kann nicht ernsthaft gesprochen sein. Unterm Strich gilt daher: Das BBC Philharmonic unter Rumon Gamba, der Pianist Martin Roscoe und ebenso der Chetham’s Chamber Choir sowie der Manchester Cathedral Choir haben sich zu ambitioniert ausgeführten Interpretationen zusammengefunden, die kaum Wünsche offen lassen. Ein von der Tontechnik hervorragend eingefangener, sehr transparenter und auch dynamischer Klang rundet im Zusammenwirken mit einem informativ gehaltenen Booklet den Gesamt-Eindruck sehr positiv ab.

Richard Addinsell war einer der wenigen britischen Komponisten, die in jenen Tagen die Detailarbeit des Arrangierens und Orchestrierens ausschließlich anderen überließen. Die Qualität des hier Gebotenen pendelt zwischen etwa dreieinhalb und vereinzelt viereinhalb Sternen. Als Bewertung sind vier Sterne sicherlich nicht zu hoch gegriffen und für das sorgfältig editierte Album geht ein zusätzlicher halber Stern verdienterweise an die Mitarbeiter Addinsells, die Orchestratoren, auf deren Konto eben doch mancher Pfiff verbucht werden muss.

Hier gibt es eine Übersicht der bisher besprochenen Chandos-Movies-CDs.

© aller Logos und Abbildungen bei den Rechteinhabern (All pictures, trademarks and logos are protected.)

Titel: The Film Music of Richard Addinsell
Erschienen: 2003

Laufzeit: 79:50 Minuten

Medium: Sampler
Label: CHANDOS MOVIES
Kennung: CHAN 10046

Komponist(en):

Schlagworte:


Der Autor/Die Autoren



Schreibe einen Kommentar

Nach oben ↑

Pin It on Pinterest