DVD

Veröffentlicht am 25.10.2002 | von Michael Boldhaus

El Cid

El Cid Michael Boldhaus
Film
Bild
Ton
Extras

Samuel Bronstons Epics

Der unabhängige Hollywood-Produzent Samuel Bronston (1910-1994) gründete Ende der 50er Jahre in Madrid die Bronston Studios und produzierte eine Reihe aufwändiger internationaler Großproduktionen, aufgenommen auf 70-mm-Film. Hierzu zählen neben dem hier präsentierten Quartett – El Cid (1961), 55 Tage in Peking (1963), Der Untergang des Römischen Reiches (1964) und Circus-Welt (1964) – noch John Paul Jones (1959), King of Kings • König der Könige (1961) und Savage Pampas (1965).

Bronston befand sich bereits bei Circus-Welt in massiven finanziellen Schwierigkeiten und Geplantes – wie Isabella of Spain – konnte überhaupt nicht mehr in Angriff genommen werden. Trotzdem trat er im Jahr 1965 nochmals (ein letztes Mal) als Produzent eines 70-mm-Projektes in Erscheinung: Savage Pampas • Die Verfluchten der Pampas ist alles in allem denn auch nur noch ein „verflucht“ schwacher Abgesang auf Bronstons opulente Kinounterhaltungen.

El Cid

El Cid ist die zwar auf historischen Fakten basierende, aber letztlich auf die verklärende Legende fokussierende Filmstory um den spanischen Ritter Rodrigo Diaz de Vivar (1043-1099), der von den Mauren, die er bekämpfte, für seine Tapferkeit und Gerechtigkeit den Namen „Der Herr“ (arabisch „Al Seid“, spanisch „El Cid“) erhielt. Regisseur Anthony Mann und Kameramann Robert Krasker haben daraus ein auch heutzutage immer noch eindrucksvolles und bildgewaltiges Breitwand-Spektakel gemacht, das sowohl in Pracht und Ausstattung, aber auch durch einen weitgehend überzeugenden Plot zum Besten gehört, was das Ausstattungskino überhaupt zu bieten hat. El Cid zeigt den Bronston-Hang zur Monumentalität der Ausstattung sehr ausgeprägt, z. B. bei den als Hintergrundkulisse verwendeten eindrucksvollen spanischen Burgen und Schlössern – Regisseur Mann sah sich 92 davon auf einer rund 3.500 km langen Tour an – und zugleich im Bau groß angelegter dreidimensionaler Sets, hier die Kathedrale von Burgos, die in den Madrider Studios nachgebaut wurde.

Nicht nur Charlton Heston zeigt sich in El Cid von seiner besten schauspielerischen Seite – ist zum Teil merklich überzeugender als in Ben-Hur – der Komponist Miklós Rózsa beschäftigte sich auf Anregung des spanischen Historikers Don Ramón Menendez Pidal eingehend mit originaler kastilischer Musik des 11. Jahrhunderts und schuf in Folge eines seiner Meisterwerke der Kategorie Historienepos.

Titel: El Cid
Erschienen: 2002

Zusatzinformationen: USA 1961

Medium: DVD
Verleih: e-m-s DVD

Regisseur(e):

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Veröffentlicht am 25.10.2002 | von Michael Boldhaus

55 Tage in Peking

55 Tage in Peking Michael Boldhaus
Film
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55 Days at Peking • 55 Tage in Peking spielt während des blutigen Sommers im China des Jahres 1900, dem so genannten „Boxeraufstand“. Die Boxer waren anfänglich eine von unteren Volksschichten getragene Reformbewegung, später eine von fanatischem Fremdenhass und ekstatischen Riten zusammengeschweißte Sekte, die in Partisanen-Manier operierte. Anfang 1900 begannen sie mit dem Niederbrennen von Missionsstationen und der Ermordung von Missionaren. Den Höhepunkt des Boxeraufstandes markierte die 60-tägige Belagerung des Pekinger Gesandtschaftsviertels, wo sich nach der Ermordung des übrigens in Münster in Westfalen beerdigten – deutschen Botschafters, bunt zusammengewürfelt, hunderte von Diplomaten, Handelsleuten und Missionare zusammen mit einem ebenso vielfältigen, internationalen Detachement von rund 400 Soldaten gegen eine gewaltige übermacht von fanatisierten Boxern verteidigen mussten.

Das Ende der Belagerung bereitete durch die blutigen Vergeltungsmaßnahmen der Entsatzkorps (so ermächtigte Kaiser Wilhelm II. seine Soldaten durch die berüchtigte „Hunnen-Rede“) den Boden für weiteren Fremdenhass und letztlich den „Langen Marsch“ und die „Kultur-Revolution“. (Einen sowohl filmisch als auch filmmusikalisch vorzüglichen und auch historisch ehrlichen Anknüpfungspunkt an obige Ereignisse bietet Robert Wises 1967er Film The Sand Pebbles • Kanonenboot am Yangtse-Kiang – siehe Filmmusik-Rezension).

Samuel Bronstons Filmepos 55 Tage in Peking (Regie: Nicholas Ray) ist deutlich schwächer geraten als El Cid, vermag trotz Staraufgebot (neben Charlton Heston agieren David Niven und Ava Gardner) wegen der eher banalen Story nur bedingt zu überzeugen. Zu den vielen Freiheiten, die sich der Film nimmt, gehört der wenig sorgfältige Umgang mit verschiedenen historischen Figuren: So heißt der deutsche Botschafter hier „von Meck“, in Wahrheit handelte es sich um den Freiherrn von Ketteler. Was das Epos allerdings sehenswert macht, ist die verschwenderische Ausstattung – hier insbesondere das riesige dreidimensionale Peking-Set, das Bronston errichten ließ – und eine Reihe gelungener Einzelszenen, wie die eindrucksvolle Eröffnung, in der die Kamera große Teile der gigantischen Kulissen abfährt und die morgendliche Flaggenparade der einzelnen Botschaften geschickt Revue passieren lässt. Zwei Chinesen halten sich ob der einander schräg überlagernden Nationalhymnen fast die Ohren zu: „Was für ein furchtbarer Lärm!“ stöhnt der eine und erhält die Antwort „Die verschiedensten Nationen sagen dasselbe zur selben Zeit: Wir wollen China!“

Titel: 55 Tage in Peking
Erschienen: 2002

Zusatzinformationen: USA 1963

Medium: DVD
Verleih: e-m-s DVD

Regisseur(e):

Schlagworte:


DVD

Veröffentlicht am 25.10.2002 | von Michael Boldhaus

Der Untergang des Römischen Reiches

Der Untergang des Römischen Reiches Michael Boldhaus
Film
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Wenn im stimmungsvollen Prolog zu The Fall of the Roman Empire • Der Untergang des Römischen Reiches (Regie: Anthony Mann) der Off-Erzähler davon spricht, dass der Untergang Roms kein Ereignis, sondern ein länger dauernder Prozess gewesen sei, ist der Gipfel der Geschichtstreue bereits überschritten. Die um 180 nach Christus angesiedelte Story um die Schlussphase des Kaisers Marc Aurel (erstklassig dargestellt von Alec Guinness) und die anschließende Ära des Commodus (im zweiten Teil des Films) liefern eine Reihe erstklassiger Schauwerte (z. B. den prächtigen Einzug des Commodus in Rom) und aufwändige Kampfszenen mit Massen von Statisten. Dazu gibt’s teilweise faszinierend üppig ausgestattete Interieurs und wiederum gigantische Bauten, hier des antiken Roms rund um das Forum Romanum. Handlungsmäßig wird allerdings nur die übliche Geschichtsklitterung geboten, so dass auch dieser Film über eine passable Unterhaltung nur in einzelnen Szenen hinauskommt. Hier sind verschiedene der Szenen mit Marc Aurel interessant: Insbesondere, das im Vorfeld des Ablebens gedanklich stattfindende Zwiegespräch mit dem Tod ist sehr geschickt gestaltet und der intellektuelle Höhepunkt des Films. Hier finden sich Teile seines philosophischen Werkes „Selbstbetrachtungen“ wieder. Alec Guinness sieht übrigens dem (sicher idealisierten) Portrait des Reiterstandbildes Marc Aurels recht ähnlich.

In vielem ist die Story von Der Untergang des Römischen Reiches auch Vorbild für Ridley Scotts Gladiator, inklusive einer „Verschwörungstheorie“ der Antike, in der die These von der Ermordung Marc Aurels aufgestellt wird. Heutzutage gilt hingegen als gesichert, dass der berühmte römische Staatsman, der „Philosoph auf dem Kaiserthron“, einer damals grassierenden Infektionskrankheit zum Opfer fiel. Sehr beeindruckend ist der (auch musikalisch) groß angelegte Trauermarsch, im Finale des ersten Filmteils.

Was bis zur Pause noch einigermaßen schlüssig wirkt, löst der zweite Teil in einen zwar optisch und episch-prachtvollen, ansonsten blassen und handlungsschwachen Bilderbogen auf. Immerhin gibt es hier eine der größten Schlachtenszenen der Monumental-Filmgeschichte, in der rund 8.000 Soldaten aus General Francos Armee als Statisten zu sehen sind. Angeblich soll der spanische Kriegsminister seinem Generalissimo auf die Frage nach einem Termin zur Inspektion der Armee gesagt haben: „Im Augenblick unmöglich, da die Armee wieder in einem Film für Samuel Bronston mitwirkt.“

Titel: Der Untergang des Römischen Reiches
Erschienen: 2002

Zusatzinformationen: USA 1964

Medium: DVD
Verleih: e-m-s DVD

Regisseur(e):

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DVD

Veröffentlicht am 25.10.2002 | von Michael Boldhaus

Circus-Welt

Circus-Welt Michael Boldhaus
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Ein deutliches Stück hinter den beiden zuvor genannten Filmen rangiert Circus World • Circus-Welt auch Held der Arena (Regie: Henry Hathaway). Trotz seiner Stars (John Wayne, Rita Hayworth und Claudia Cardinale) kein guter Film, sondern allein eine eher sentimentale und simple Story, um eine vor Jahren verschwundene Artistin. Das Spektakel hält dank 70-mm (wie auch die übrigen Filme des Bronston-Quartetts) ein gestochen scharfes Bild von faszinierender Schärfentiefe bereit. Im Prinzip bietet der nicht billige Film primär etwas für Freunde von Zirkus und Varietee-Nummern: Bei diesen dürften die in Zusammenarbeit mit dem deutschen Zirkus Althoff realisierten Szenen einiges Interesse finden.

Dimitri Tiomkin komponierte zu 55 Tage in Peking, Der Untergang des Römischen Reiches und Circus-Welt die jeweilige Filmmusik. Von diesen zählt Der Untergang des Römischen Reiches zu den großen Tiomkin-Musiken. Diese nicht historisierend angelegte, im Sinne von Miklós Rózsas Musik zu Julius Cäsar (1953) eher „modern“ wirkende (siehe hierzu auch Cleopatra von Alex North) Komposition ist ein stilistisch etwa zwischen Tschaikowsky, Borodin und Rachmaninoff angesiedelter breit-orchestral angelegter Score. Der Academy of Motion Picture Arts and Sciences war diese nur eine Oscar-Nominierung, aber keine Statue wert. Daher entstand das Gerücht, Tiomkin hätte sich dafür mit seiner insgesamt allein auf gehobenem Zirkusmarsch-Niveau befindlichen Partitur zu Circus-Welt „gerächt“. Für 55 Tage in Peking hingegen entstand immerhin eine sehr solide gemachte Abenteuerfilmmusik, die mit einer Reihe sehr schöner Passagen aufwartet – z. B. einer recht originellen „Chinesischen Festmusik“ (mit Chor) und einem archaischen „Arbeits-Chor“ der eine große Kanone heranschaffenden Boxer.

Dass Dimitri Tiomkin ein starkes melodisches Talent besaß, zeigen die in seinem Schaffen häufig anzutreffenden überaus eingängigen, oftmals sehr schönen und zumeist sangbaren Melodien. Mit dem überaus erfolgreichen Song zu High Noon • 12 Uhr mittags (1952) setzte er unter anderem den (im Laufe der Zeit zunehmend) Pop-orientierten Trend, auf eingängige Film-Songs angelegte Scores zu lasten dramatischer, sinfonisch auskomponierter Filmmusiken immer mehr zu bevorzugen (hierzu siehe auch Love Is a Many-Splendored Thing). Zeitweilig war er der bestdotierte Komponist in Hollywood.

Die vier Bronston Epics auf DVD

Zu den DVD-Editionen des Anbieters e-m-s hat es von verschiedenen Seiten m. E. in Teilen etwas zu harsche Kritik gegeben. Sicher, die vier DVDs bieten lange nicht alles von dem, was das perfektionistische Sammlerherz begehrt. So fehlen bei El Cid die Ouvertüre, Pausen- und Schlussmusik, bei 55 Tage in Peking die Ouvertüre und Pausenmusik sowie bei Der Untergang des Römischen Reiches die Eröffnungs-Fanfare und ebenfalls die Pausenmusik. Überhaupt hat e-m-s bei diesem Projekt wohl ein unterstützender Partner aus der Film-Sammlerszene gefehlt, der hätte helfen können, eine Reihe von fehlerhaften Angaben zu den präsentierten Filmen zu vermeiden.

So wurde El Cid in Deutschland 1962 von Rank-Filmverleih (wie auch international) mit einer Lauflänge von 184 Minuten in die Kinos gebracht. Dem an die vollständige Bildfassung der DVD (kürzere PAL-Video-Laufzeit beachten!) angelegten – leider nur monoralen – deutschen Ton liegt jedoch die auf nur noch rund 155 Minuten gekürzte Wiederaufführungs-Fassung des Constantin-Verleihs aus den 70ern zugrunde. Von „… bisher in Deutschland niemals gezeigten Szenen, für die nur englischer Originalton existiert …“ kann also nicht die Rede sein. Zwar ist El Cid in den Folgejahren von weiteren Rechteinhabern – wie Jugendfilm und C.S.-Film – nur in der gekürzten Fassung wieder aufgeführt worden, allerdings sind in der Bundesrepublik Deutschland wohl die (heute kaum mehr in spielfähigem Zustand befindlichen) 70-mm-Kopien ungekürzt geblieben – was offenbar ebenso für 35-mm-Kopien in Österreich und der Schweiz gilt.

55 Tage in Peking dürfte, abgesehen von den fehlenden o. g. Musikteilen vollständig sein. Der Film lief mit einer Lauflänge von 154 Minuten in den deutschen Kinos. Circus-Welt wurde international mit einer Lauflänge von 138 Minuten gestartet, was mit der DVD-Lauflänge von 133 Minuten gut zusammenpasst. Der Untergang des Römischen Reiches hingegen scheint in Deutschland mit seiner Lauflänge von 174 Minuten von Anfang an gegenüber der ursprünglichen US-Version mit 187 Minuten leicht gekürzt gewesen zu sein. Nun, wohl auch in den USA hat es später zumindest eine Reihe kleinerer Schnitte gegeben. So präsentiert ihn die Laser-Disc-Ausgabe (LD) von 1993 mit „nur“ 182 Minuten, die Lauflänge der PAL-DVD liefert (umgerechnet auf die Kinolaufzeit) rund 179 Minuten. Zieht man die bei der US-LD-Version von 1993 immerhin enthaltene Pausenmusik mit knapp 3 Minuten ab, ergibt sich auch hier immerhin ein Gleichstand mit der wohl zur Zeit verfügbaren längsten US-Fassung. In jedem Fall enthält diese einige Szenen, die in Deutschland vermutlich nie gezeigt worden sind, aber auch ein paar kleinere erkennbare (recht holprige) Schnitte.

Als positiv muss bei sämtlichen DVDs das präsentierte Bild angeführt werden, das nicht allein im korrekten Bild-Seitenverhältnis, sondern ebenso mit soliden bis guten Werten für Schärfe, Farbe, Kontrast, Durchzeichnung und geringem Farbrauschen aufwartet. Gerade beim Farbrauschen und der Schärfe sind die jetzt vorliegenden DVDs den guten US-LD-Fassungen der genannten Filme ein Stück überlegen. Ebenfalls sind die bei 55 Tage in Peking von LD in einigen Teilen – infolge leicht verblasster Farben – deutlich sichtbaren Farbsprünge weitgehend ausgeglichen. Bei El Cid lassen zudem einige verbliebene (gut identifizierbare) leichte Bildfehler der LD-Fassung, die auch von DVD zu sehen sind, den Schluss zu, dass dasselbe Ausgangsmaterial zugrunde gelegt wurde. Bei El Cid wirkt das Bild etwa in der ersten dreiviertel Stunde etwas unnatürlich, nämlich zu dunkel. Zwar erscheint das sehr scharfe Bild durchaus nicht stumpf und zeigt einiges an Details, aber so manches verschwindet im übertrieben wirkenden Schwarz. Circus-Welt belegt beim Bild von DVD klar den hintersten Platz, da es die für 70-mm-Produktionen so charakteristische Schärfentiefe weitgehend vermissen lässt.

Zum Ton gibt es weniger Positives anzumerken: Gerade die deutschen, leider nur monoralen Tonfassungen schneiden ziemlich bescheiden ab. Teilweise wirkt der meist eh matte Sound besonders eng und ist gelegentlich auch verzerrt. Bei El Cid ist die deutsche Tonspur besonders heftig angerauscht und mit Störungen (Knacker etc.) geradezu übersät. Die englischen Tonfassungen sind dagegen sämtlich (entgegen den Coverangaben!) nicht monoral, sondern in immerhin passablem 4-Kanal-Stereo vorhanden. Auch hier markiert allerdings der matte Sound von Circus-Welt klar das Schlusslicht.Die klassischen Stereo-Tonmischungen der Magnettonära sind zwar, was die hinteren Kanäle anbelangt, nicht so effektreich wie von aktuellen Blockbustern gewohnt. Von sehr guter Quelle abgenommen ist der Sound aber sehr präsent, satt und auch druckvoll. Bei den vorliegenden DVDs können die recht gut klingenden Stereo-Tonspuren mit denen der entsprechenden US-LDs weitgehend mithalten. Was allerdings nahezu komplett entfernt worden zu sein scheint, ist das in den klassischen Stereoabmischungen ausgeprägte Dialog-Penning – d. h. der Ton des Sprechenden kommt nicht nur aus der Mitte, sondern folgt exakt der Position im Bild.

Die DVD mit 55 Tage in Peking demonstriert ein interessantes Kuriosum. Musikschnitte in deutschen Fassungen sind nämlich nicht immer identisch mit dem Original: So wurde der impressionistisch gefärbte, lyrisch-zarte „Main Title“ gegen einen, auf dem fanfarenartigen Einschub im ersten Drittel der Ouvertüre beruhenden, eher plumpen deutschen „Marching Song“ ausgewechselt. Da dieser nicht lang genug ist, wird anschließend noch ein eher jazzig – nach Peter Thomas klingendes – instrumentales Arrangement besagten Themas in technisch sehr unzulänglicher Weise eingeblendet, das auch im Nachspann (den End Credits) nochmals platziert wird. Durch diesen kommerziellen Eingriff – der ominöse Song war seinerzeit auf einer Singel erhältlich – wird allerdings die Wirkung des von Dong Kingman überaus edel illustrierten, gemäldeartigen Rollenvorspanns stark beeinträchtigt.

Beim Zusatzmaterial kommen die DVD-Editionen über einen ordentlich aussehenden Trailer (allerdings keine Original-Kinotrailer, sondern „selfmade“ by e-m-s) und immerhin solide biografische Notizen auf Texttafeln (in sehr kleiner Schrift und daher etwas mühsam zu lesen) nicht hinaus. An dieser Stelle muss aber angemerkt werden, dass die LD-Versionen der Filme (bis auf die von El Cid) ebenfalls nicht mehr bieten. Das Fehlen des rund 35-minütigen Zusatzmaterials der restaurierten Miramax-Martin-Scorsese-Laser-Disc-Fassung von El Cid ist zwar bedauerlich, aber vermutlich hätte es den wohl recht begrenzten Produktionsrahmen gesprengt, die dafür zusätzlich erforderlichen Rechte anzukaufen – zumal auch eine zweite DVD erforderlich geworden wäre.

Und noch etwas zu den fehlenden Musiksegmenten: Besonders schmerzhaft ist diese Tatsache bei Ouvertüre und Pausenmusik des El Cid, bei 55 Tage in Peking ist es primär um die Ouvertüre schade, wie bei Der Untergang des Römischen Reiches um die effektvolle Eröffnungsfanfare. Bei der jeweiligen Pausenmusik handelt es sich zum einen um eine merklich poppige Version des Peking-Themas, des Songs „So Little Time“, und zum anderen um eine recht kitschige Fassung des Love-Themes für Chor á Capella. Und ebenso ist die hier fehlende „Exit Music“ von El Cid auch „nur“ ein etwas schmalziges Chor-Arrangement des Love Themes mit zünftigem Text von Paul Francis Webster. In diesen Fällen halten sich also die „wahren“ Verluste zumindest in Grenzen. Außerdem darf man auch nicht vergessen, dass die 1993er US-LD-Version von El Cid seinerzeit umgerechnet etwa 80 – kostete, die DVD von e-m-s hingegen jetzt in vielen Geschäften für nur 15 – in den Regalen liegt.

Fazit: Die vier Bronston Epics auf DVD von e-m-s sind gewiss nicht das Nonplusultra, aber auch nicht grundsätzlich schludrig gemacht. Hierfür stehen insbesondere die qualitativ respektablen und auch so vollständig wie möglich zugrunde gelegten Bildfassungen. Wie auch einige weitere DVD-Produktionen dieses kleineren Anbieters zeigen, ist man durchaus bemüht, qualitativ hochwertige, möglichst restaurierte Fassungen älterer Filme zu präsentieren und nicht einfach nur alte Videotransfers zu veröffentlichen. Und der beim Gegenwert von knapp 2 Kinobesuchen angesiedelte günstige Preis pro Bronston-DVD-Edition, dürfte dem Interessenten das In-Kaufnehmen einiger Unzulänglichkeiten schon ein Stück erleichtern.

Titel: Circus-Welt
Erschienen: 2002

Zusatzinformationen: USA 1964

Medium: DVD
Verleih: e-m-s DVD

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