Buffalo Bill und die Indianer

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
10. Januar 2003
Abgelegt unter:
DVD

Film

(4.5/6)

Bild

(5.5/6)

Ton

(3/6)

Extras

(5.5/6)

Regisseur Robert Altman realisierte Buffalo Bill and the Indians • Buffalo Bill und die Indianer (1976); ein Film, der den berühmten Slogan „There’s no business like show business“ einmal ganz anders vermittelt. Buffalo Bill und die Indianer ist zusammen mit Arthur Penns Little Big Man (1970) und Michael Ciminos Heaven’s Gate • Heaven’s Gate – Das Tor zum Himmel (1980) wohl eines der ehrgeizigsten Westernfilmprojekte bis heute.

Viel Ironie liegt im amerikanischen Untertitel von Altmans Film: „Sitting Bull’s History Lesson“. Zwar gewann der Film bei der Berlinale 1976 einen Goldenen Bären, kommerziell war er jedoch ein katastrophaler Misserfolg. Kein Wunder! Der nach einem Bühnenstück von Arthur Kopit gedrehte Film ist keine übliche Westernunterhaltung, sondern eine bitter-ironische und auch sarkastische Abrechnung mit vielen Mythen des Wilden Westens. Der titelgebende Buffalo Bill alias William Frederick Cody, x-fach verklärter Held des Wilden Westens (sehr überzeugend gespielt von Paul Newman), wird als Schmierenkomödiant, als eingebildete, eitle und intrigante Figur entlarvt. Ein rücksichtsloser Geschäftemacher, dem alles Recht ist, um seine ebenso legendäre – inzwischen allerdings marode – Wild-West-Show wieder auf Touren zu bringen. Buffalo Bills neueste Idee dreht sich um Chief Sitting Bull, der mit ihm zusammen unter dem Slogan „Feinde von 1876, Freunde von 1890“ auftreten soll, um einer showmäßig nachgestellten Custer-Schlacht (von 1876) mehr Authentizität und Aura zu verleihen.

Der ironische Grundton des Films wird durch folgenden Filmdialog gut charakterisiert. Auf die skeptische Anmerkung „Sitting Bull, seit wann ist der am Show Business interessiert?“ wird geantwortet: „Wäre er nicht am Show Business interessiert, hätte er sich nicht zum Häuptling machen lassen!“ Neben der zweiten Titelfigur begegnet dem Zuschauer auch der alte Ned Buntline, der Buffalo Bill einst entdeckte, aber inzwischen von seinem Protegé längst verstoßen worden ist. Der ihn verkörpernde Burt Lancaster ist nicht nur selbst Darsteller in manch berühmtem Western (z. B. Vera Cruz, 1954), er zeigt auch in dieser kleineren Rolle nochmals seine Qualitäten. Und ebenso begegnet man der legendären Kunstschützin Annie Oakley (Geraldine Chaplin), einer legendären Figur, die manch einem auch aus dem Film-Musical Annie Get Your Gun (1950) ein Begriff sein dürfte.

Wie häufiger bei Filmen des Regisseurs Robert Altman ist auch hier die Filmmusik (von Richard Baskin) ein wichtiger integraler Bestandteil, aber unabhängig vom Bild nur wenig wirksam.

Die Kinowelt-DVD präsentiert Buffalo Bill und die Indianer im originalen Scope-Format (1 : 2,35), vollständig (daher etwa eine Minute in Englisch mit deutschen Untertiteln) und in exzellenter Bildqualität. Durchgehend sehr gute Werte für Farbe, Kontrast, Durchzeichnung und Schärfe lassen kaum Wünsche offen und auch der saubere und sehr transparente Mono-Ton (in Deutsch und Englisch) ist auf seine Art kaum zu übertreffen. (Die deutsche Synchronisation ist übrigens vorzüglich.) An Zusatzmaterial gibt’s einen prächtigen Scope-Trailer und eine kleine Featurette in Form eines rund 5-minütigen Drehberichts.

Regisseur*in:
Altmann, Robert

Erschienen:
2002
Land:
Deutschland
Vertrieb:
Kinowelt

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