CD

Veröffentlicht am 17.08.2001 | von Michael Boldhaus

Planet of the Apes

Planet of the Apes Michael Boldhaus
Bewertung

Regisseur Tim Burtons Neuverfilmung des Science-Fiction-Klassikers Planet of the Apes startet am 30. August 2001 in den deutschen Kinos. Sowohl der Film als auch Danny Elfmans Musik haben mit dem über 30 Jahre alten Vorbild kaum etwas gemeinsam. Elfman arbeitet sowohl mit Synthesizern als auch mit großem Orchester, das über starkes und vielfältiges Schlagwerk sowie über eine gigantische Sektion schweren Blechs verfügt. Wobei die Elektronik ausgefeilte Klang-Effekte und zusätzliche, komplex strukturierte Rhythmus-Elemente beisteuert. Vokalisierende Chöre werden ebenfalls eingesetzt, spielen aber nur eine untergeordnete Rolle.

Der Score klingt düster, archaisch kraftvoll, ist sehr rhythmisch, mitunter wild pulsierend und in den wuchtigen Klangausbrüchen sehr brachial mit Tendenz zur Klang-Collage. Ein Hauch von „Mars“ (aus „Die Planeten“ von Gustav Holst) bleibt spürbar, ist aber nur noch ferner Ursprung der Inspiration. Elfman arbeitet feinmotivisch, wobei in der Machart der orchestralen Teile Ähnlichkeiten mit Sleepy Hollow spürbar sind. Besonders in den synthetischen Parts – aber auch in der Kombination von natürlichen und elektronischen Sounds – gibt es Parallelen zu Proof of Life. Mit Synthetischem wird zwar in Planet of the Apes nicht gegeizt, aber das Verhältnis zum Orchestralen ist ausgewogener, die Konzeption wirkt durchdachter, die einzelnen musikalischen Ebenen sind hier deutlich überzeugender miteinander verwoben. Elektronische Sounds wirken häufig wie mit Krampf eingesetzt, hier sind sie organischer Teil eines wohlüberlegten künstlerischen Gesamt-Konzepts. Danny Elfman erzeugt komplexe musikalische „Schichtungen“ und damit raffiniert und packend klingende Klangstrukturen. Orchestrales und Synthetisches gehen ähnlich bruchlos ineinander über, sind vergleichbar gekonnt miteinander verschmolzen wie in James Newton-Howards – ansonsten völlig anders gelagerter – Musik zu Snow Falling on Cedars.

Im düster-romantischen Horror-Märchen Sleepy Hollow gestatten die Ruhepunkte melodisch-lyrisches Verweilen; im insgesamt rabenschwarzen Score zu Planet of the Apes hingegen sind diese zwar ebenfalls vorhanden, fallen allerdings erheblich kühler aus. Ein einprägsames Thema fehlt, was die Hörqualität abseits vom Film (zumindest in Gänze gehört) für viele Hörer schon ein wenig beeinträchtigen dürfte. Wobei Elfman allerdings in Planet of the Apes mit einem (Basis-)Motiv vergleichbar geschickt und ähnlich vielseitig arbeitet wie mit der (ebenfalls als Basis fungierenden) Melodie in Sleepy Hollow.

Alles in allem handelt es sich bei Planet of the Apes um eine edle Filmmusik auf handwerklich tadellosem Niveau: Der Käufer erhält ein modernes, intelligent gemachtes, mitreißendes und sorgfältig ausbalanciertes Action-Scoring, das Klasse besitzt, bei dem in rund 55 Minuten (Score-Anteil) kaum Langeweile aufkommt. Das schon in der Rezension zu Sleepy Hollow Angeführte kann hier nur unterstrichen werden. Der Komponist hat seine persönliche Tonsprache, seinen Stil gefunden und beträchtlich verfeinert: Nicht allein Elfman-Fans können (sollten) hier beruhigt zugreifen.

Titel: Planet of the Apes
Erschienen: 2001

Laufzeit: 58:27 Minuten

Medium: CD
Label: Sony
Kennung: CD 89666

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 17.08.2001 | von Michael Boldhaus

Sister Mary Explains It All

Sister Mary Explains It All Michael Boldhaus
Bewertung

In klanglich ruhigere Gewässer führt das Varèse-Kompilations-Album Sister Mary Explains It All, das drei Filmmusik-Suiten des französischen Komponisten Philippe Sarde beinhaltet (siehe auch Tess). Die CD präsentiert Suiten aus Musiken, die für Filme des Regisseurs Marshall Brickman entstanden. Neben Sister Mary Explans It All (TT.: 29:30) sind Lovesick (TT.: 26:57) und The Manhattan Project (TT.: 18:16) vertreten. Bei Sister Mary Explains It All handelt es sich um die aktuelle TV-Verfilmung eines Theaterstückes von Chris Durang. Lovesick • Der liebeskranke Psychiater (1983) ist eine etwas fade Komödie um einen Psychiater, der sich in eine Patientin verliebt. Das Originelle sind die Kurzauftritte von Altmeister Alec Guinness als Sigmund Freud. In The Manhattan Project • Manhattan Project – Der atomare Alptraum (1986) sorgt das Projekt eines College-Studenten für helle Aufregung: ihm scheint der Bau einer funktionsfähigen Atombombe gelungen zu sein.

Die drei Arbeiten belegen Sardes hohes handwerkliches Können und auch seine Vielseitigkeit. Seine Kompositionen zeigen melodische Inspiration und beweisen Klangsinn in den sorgfältig ausgeführten Instrumentierungen. Die Musik zu Sister Mary Explains It All spiegelt von der Kirchenmusik beeinflusste Klänge eines mittleren Ensembles, wobei zusätzlich Chor, Vokalsoli und eine kleine Orgel eine wichtige Rolle spielen. Walzerseliges in geschickten Varianten und unterschiedlich großen Besetzungen – vom mittleren Sinfonieorchester bis zum kammermusikalischen Divertimento -prägen Lovesick und kontrastieren mit den eher komödiantischen Sounds zu The Manhattan Project, wobei nicht erst im (dezent) ausladend heroischen Finale ein kräftiger Hauch von John Williams spürbar wird.

Die Varèse-Kompilation ist eine hochwillkommene Begegnung mit dem hierzulande etwas zu wenig wahrgenommenen Komponisten Philippe Sarde. Erfreulich, dass das Booklet (abweichend vom meist eher schlichten Varèse-Standard) mit einem lesenswerten Artikel von Marshall Brickman aufwartet, der das Verhältnis von Regisseur und Komponist eingehender erläutert. Bleibt zu hoffen, dass diesem schönen Album weitere folgen werden.

Rezension des Filmbuchs: Planet der Affen

Titel: Sister Mary Explains It All
Erschienen: 2001

Laufzeit: 74:46 Minuten

Medium: CD
Label: Varèse
Kennung: VSD-6268

Komponist(en):

Schlagworte:


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