CD

Veröffentlicht am 10.04.2001 | von Michael Boldhaus

Malèna

Malèna Michael Boldhaus
Bewertung

Ennio Morricone

Zu denen, die bei der diesjährigen Oscar-Verleihung leider leer ausgegangen sind, gehört Ennio Morricone. Zwar gehören die beiden hier präsentierten CDs mit Morricone-Film-Musik des Virgin-Labels nicht in die Kategorie „Meisterwerk“, verdienen aber – als überaus sauber und dazu nicht ohne Pfiff – einige Beachtung. Der Maestro hat die 70 überschritten und zeigt sich – nach rund 40 Jahren Filmkomposition und mehr als 300 vertonten Filmen – in bester Form. Zwar zeigen seine Filmpartituren keine besonderen Innovationen mehr, aber sowohl die erprobten Formschemata als auch die Instrumentierung werden äußerst liebevoll und souverän gehandhabt. Die melodischen Einfälle erweisen sich dazu als frisch und haben ihre Reize nicht verloren. Seit den 60er Jahren haben viele seiner Filmmusiken auch auf Tonträger ein breites Publikum gewinnen können, sind daher aus der Kultur- und Rezeptionsgeschichte des Films nicht wegzudenken. Insofern wäre ein Oscar für Malèna als Anerkennung des Lebenswerkes und der Verdienste Ennio Morricones gerechtfertigt gewesen.

Nach Nuovo Cinema Paradiso und Die Legende vom Ozeanpianisten erarbeitete Ennio Morricone auch die Musik zum neuesten Film von Regisseur Giuseppe Tornatore, Malèna • Der Zauber von Malèna . Die Filmhandlung spielt im Italien des Diktators Mussolini. Die sehr nostalgisch anmutende Filmmusik reflektiert Romantik, aber auch das wehmütige Empfinden bitter-süßer Liebe und damit Melancholie. Die Komposition ist daneben von ironisch klingenden Einschüben geprägt, die von der Unterhaltungs-Musik der 30er Jahre beeinflusst sind. Hier steht Morricone seinem großen Landsmann Nino Rota und dessen mitunter skurrilen Vertonungen der Filme Federico Fellinis nahe.

Regisseur Roland Joffés Film Vatel ist ein prunkvolles Renaissance-Spektakel mit Gérard Depardieu in der Titelrolle, das in der Epoche des „Sonnenkönigs“ im Jahr 1671 angesiedelt ist. Die musikalische Untermalung von Altmeister Morricone ist klassizistisch und modern zugleich. Dem Hörer präsentiert sich ein üppiges musikalisches Buffet: Neben einigen adaptierten Originalen der Ära (z. B. von Jean-Philippe Rameau) wird Zeitkolorit auch durch Eigenkomponiertes erzeugt, in dem der Komponist Stilelemente der Barock-Musik mit seinem eigenen Stil raffiniert verschmilzt. Im reizvollen Track „Vertige“ nähert sich Morricone gar der Tondichtung „Die Vögel“ seines Landsmannes Ottorino Respighi. Insgesamt erweist sich die Musik als frisch und delikat: Wen stört es da, dass das Schlussstück, ein Arrangement aus der „Feuerwerksmusik“ von Georg Friedrich Händel, streng genommen ein Anachronismus ist – diese Musik entstand nämlich zur Feier der Beendigung des „Siebenjährigen Krieges“ im Jahre 1763, also knapp 100 Jahre nach dem Zeitpunkt der Filmhandlung…

Ennio Morricones Klangschöpfungen zu Malèna und Vatel erreichen nicht ganz die Tiefe und Sinnlichkeit von Nuovo Cinema Paradiso oder Die Legende vom Ozeanpianisten. Beide Musiken sind allerdings anmutige, liebliche und auch stilvolle Spätwerke und attraktiv für den, der Morricone mag.

Titel: Malèna
Erschienen: 2001

Laufzeit: 46:49 Minuten

Medium: CD
Label: Virgin
Kennung: 8508892

Komponist(en):

Schlagworte:



Sampler

Veröffentlicht am 10.04.2001 | von Michael Boldhaus

Nino Rota: Music for Film

Nino Rota: Music for Film Michael Boldhaus
Bewertung

Nino Rota

Nino Rota (1911-1979) war zeitweilig nicht unumstritten. Es schrieb unabhängig von avantgardistischen Zeitströmungen eher melodische und die große Tradition bewahrende Musik. Die Kritiker empfanden deshalb seine Werke als unzeitgemäß und stempelten ihren Schöpfer als Eklektiker ab. Heutzutage sind die Dogmatismen der „Neuen Musik“ verblasst und auch der Begriff „Eklektiker“ ist nicht mehr derart negativ besetzt. Nino Rota darf nicht nur als der „Vater der italienischen Tonfilmmusik“, sondern überhaupt als bedeutender Komponist angesehen werden.

Wer nach dem Hinweis auf Nino Rota in der Rezension zu Malèna neugierig auf Musik dieses großen italienischen Komponisten geworden ist, der sollte sich die folgenden beiden Sony-CDs zu Gehör zu bringen: „Nino Rota: Music for Film“ beginnt mit populärer Musik aus Der Pate und Der Pate II. Die Zusammenarbeit zwischen Nino Rota und Federico Fellini markiert ein besonders innovatives Kapitel der italienischen Filmmusik. Geboten werden Auszüge aus den Kompositionen zu 8 ½, La Dolce Vita und Die Orchesterprobe. Daneben gibt es Material aus Luchino Viscontis Rocco und seine Brüder sowie Il Gattopardo • Der Leopard. Der zweite Sampler bietet neben einer Ballet-Suite nach der Film-Musik zu La Strada, das „Konzert für Streicher“ und Tänze aus Der Leopard. (Beide Titel werden zurzeit sehr günstig – für ca. 20 DM – angeboten.)

Wer sicher gehen will, greife zuerst zu „Music for Film“. Hier bekommt man ein hervorragend interpretiertes filmmusikalisches Rota-Konzert-Szenario geboten: herrlich melodisch und auch witzig in Fellinis Orchesterprobe; manchmal etwas skurril, zirkushaft und dazu von Jazz-Einflüssen geprägt. Das Gebotene ist insgesamt „erste Sahne“: klein im Preis, aber dennoch wahrhaft große (Film-)Musik! Als Krönung gibt es eine Suite aus Der Leopard einem Film des Regisseurs Luchino Visconti aus dem Jahr 1963. Hier präsentiert sich eine üppig, klang-schwelgerisch und breit angelegte und traumhaft schöne Filmmusik in Form einer romantisch-nostalgischenen Sinfonie zu einem verschwenderisch inszenierten Kostüm-Film-Stoff. Der Film spielt auf Sizilien im Jahr 1860, als Italien durch Garibaldi im Zeichen der nationalen Einigung – des „Risorgimento“ – stand.

Die zweite CD bietet kaum Schlechteres. Allerdings muss man das anfänglich etwas spröde wirkende „Konzert für Streicher“ mehrmalig hören. Die Ballett-Suite „La Strada“ entstand 1966 als Auftragskomposition der Mailänder Scala. Nino Rota verwendet hier nicht nur Themen der gleichnamigen Filmmusik, sondern auch Material aus seinen Arbeiten für Fellini bis 1965.

Viscontis Film Der Leopard kulminiert im Finale in einer ungewöhnlich ausladenden und auch visuell üppig gestalteten Ballszene von mehr als 45 Minuten Länge. Hierfür wurde Inzidenz-Musik im Stil der Zeit benötigt. Nino Rota instrumentierte hierzu einen unveröffentlichten Walzer des großen italienischen Opernkomponisten Giuseppe Verdi und komponierte – daran stilistisch orientiert – sechs weitere Tänze hinzu. Entworfen für ein kleineres „Salon-Ensemble“ – typisch für die Ära der Filmhandlung -, bietet diese Tanz-Suite einen originellen und zugleich charmanten Abschluss der CD.

Die Filarmonica della Scala unter dem renommierten Dirigenten Riccardo Muti bietet vorzügliche, stimmungsvolle Interpretationen der zum Teil glutvollen Musik. Die Booklets enthalten wertvolle Hintergrund-Informationen – erfreulicherweise auch in deutscher Sprache.

Titel: Nino Rota: Music for Film
Erschienen: 1997

Laufzeit: 70:35 Minuten

Medium: Sampler
Label: Sony
Kennung: SK 63 359

Komponist(en):

Schlagworte:


Sampler

Veröffentlicht am 10.04.2001 | von Michael Boldhaus

Nino Rota: La Strada (Ballet Suite)

Nino Rota: La Strada (Ballet Suite) Michael Boldhaus
Bewertung

Titel: Nino Rota: La Strada (Ballet Suite)
Erschienen: 1995

Laufzeit: 61:59 Minuten

Medium: Sampler
Label: Sony
Kennung: SK 66 279

Komponist(en):

Schlagworte:


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