Sampler

Veröffentlicht am 23.05.2001 | von Michael Boldhaus

Electric Shadows: Film Music by Zhao Jiping

Electric Shadows: Film Music by Zhao Jiping Michael Boldhaus
Bewertung

Zu den Raritäten auf dem internationalen CD-Markt gehören Werke chinesischer Film-Komponisten. Hier ist eine: Die Teldec-CD „Electric Shadows“ portraitiert Zhao Jiping, dessen zur Zeit wohl bekanntesten Musiken zu Lebewohl meine Konkubine und Die rote Laterne ebenfalls auf dem Album vertreten sind. Das Gebotene besteht aus einem Mix aus Stil-Elementen westlich orientierter Romantik und traditioneller chinesischer Musik.

Insgesamt bietet das fast randvoll bestückte CD-Album interessante Hör-Einblicke in insgesamt sechs Film-Partituren von Zhao Jiping. Obwohl der Komponist um Variation im Ausdruck bemüht ist, stellten sich bei mir allerdings – auch beim wiederholten Anhören – nach gut zwei Drittel der CD leichte Ermüdungserscheinungen ein. Derartiger musikalischer Cross-Over zwischen asiatischer und westlicher Kultur wirkt schnell gezwungen, ein wenig wie „nicht Fisch nicht Fleisch“ und überzeugt mich nur teilweise. (Ein Stück besser gefiel mir hier Tan Duns musikalische Lösung zu Tiger and Dragon.) Dies ist jedoch nicht abwertend gemeint. Das solide Album verdient durchaus Beachtung.

Titel: Electric Shadows: Film Music by Zhao Jiping
Erschienen: 2000

Laufzeit: 77:07 Minuten

Medium: Sampler
Label: Teldec
Kennung: 0630 17114

Komponist(en):

Schlagworte:


Sampler

Veröffentlicht am 23.05.2001 | von Michael Boldhaus

Gidon Kremer: Le Cinema

Gidon Kremer: Le Cinema Michael Boldhaus
Bewertung

Gidon Kremers Album „Le Cinema“ ist nur auf den ersten (flüchtigen) Blick ein Pendant zu den beiden Cinema-Serenade-Alben (1 / 2) seines Kollegen Itzhak Perlman. Es handelt sich um ein sehr persönliches Statement des baltischen Geigers Gidon Kremer zum Thema Film. Kremer hat hierfür Musik ausgewählt, bei der auch im Original die Solo-Violine die entscheidende Rolle spielt. Wie die „Cinéma-Fantaisie“ von Darius Milhaud oder Toru Takemitsus „Nostalgia“, das in Memoriam des Regisseurs Andrej Tarkowski entstand belegen, die Stückauswahl hat mit Filmmusik nicht unbedingt und nicht immer direkt zu tun.

Das sehr schön interpretierte „Nostalgia“ ist im übrigen auch das einzige Stück, bei dem Gidon Kremer von einem Streicherensemble begleitet wird; bei den übrigen begleitet ausschließlich der Pianist Oleg Maisenberg. Insofern lenkt die pauschale Nennung des Deutschen Sinfonie-Orchesters Berlin auf dem CD-Cover in die falsche Richtung. Das Gebotene ruft vielmehr ein wenig Klischees der Stummfilmzeit in Erinnerung: die vom Kinogeiger und dem Kinopianisten.

Künstlerisch wird hier zweifellos auf sehr gutem Niveau musiziert. Für Freunde der breitorchestralen Filmmusik erreicht das Album jedoch nicht unmittelbar vergleichbaren Charme wie die bereits genannten beiden „Cinema Serenaden“; die nicht ausschließlich melodisch orientierte Musik ist vielmehr etwas gewöhnungsbedürftig. Bei mehrfachem Hören entfaltet die geigerische Virtuosität Kremers zunehmende Reize in seinen eher kammermusikalischen, eigenwilligen musikalischen Reflexionen zum Thema Film in weiterem Sinne. Im sorgfältig editierten Booklet finden sich dazu wertvolle Erläuterungen.

Titel: Gidon Kremer: Le Cinema
Erschienen: 1998

Laufzeit: 66:14 Minuten

Medium: Sampler
Label: Teldec
Kennung: 0630 17222

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 23.05.2001 | von Michael Boldhaus

Tess/Le Locataire

Tess/Le Locataire Michael Boldhaus
Bewertung

Zu den bekannteren Arbeiten des hierzulande weniger geläufigen französischen Filmkomponisten Philippe Sarde gehören die Musiken zu Am Anfang war das Feuer (1981) und Piraten (1986). Ein mehr als nur einmal hörenswertes Kontrast-Programm bietet das französische Album zweier Film-Musiken Sardes zu Filmen des Regisseurs Roman Polanski aus den 70er Jahren.

Tess (1979) ist eine im ausgehenden 19. Jahrhundert im viktorianischen England angesiedelte Story um ein von Polanski bevorzugtes Thema: die Schutzlosigkeit der Unschuld in einer verdorbenen Welt. Für den in schönen Bildern gehaltenen Film schuf Sarde eine romantisch-sinnliche, von schöner Melodie geprägte breitorchestrale, und sehr farbig auskomponierte Musik mit folkloristischen Einsprengseln: eine insgesamt wunderbar anhörbare, süffige Filmmusik.

Die Musik zu Le Locataire • Der Mieter (1976) ist aus deutlich anderem Holz geschnitzt: Der Film und die Musik illustrieren das Psychogramm eines verklemmten, schüchternen kleinen Angestellten. Regisseur Roman Polanskis Beschreibung eines tödlich endenden psychischen Verfalls hat Philippe Sarde in eigenwillige zum Teil dezent modernistische Töne gefasst. Einem leicht bluesigen, etwas kühlen, dabei jedoch nicht unromantischen Klarinetten-Thema stehen dissonante Klangflächen gegenüber, deren stark atmosphärische, halluzinatorische Wirkungen unter anderem von raffinierten Pizzicati-Effekten der Streicher bestimmt werden. Eine wichtige Rolle im vielfältig ausgeklügelten Klangkonzept spielt die in der Musikliteratur selten verwendete Glasharfe – hier mit besonders unterkühlt klingenden Sounds. Sardes Musik zu Der Mieter ist auch ein gutes Beispiel dafür, welch vielfältige und nahezu unerschöpfliche Klänge und Stimmungen das übliche Orchester-Instrumentarium erzeugen kann – synthetische Klänge müssen eben nicht unbedingt zum Einsatz kommen!

Ein hochwillkommenes CD-Album, das nicht ausschließlich wegen seines günstigen (Mid-)Preises viele Käufer finden sollte.

Titel: Tess/Le Locataire
Erschienen: 2000

Laufzeit: (Tess ca. 37, Le Locataire ca. 21 Min.) 58:34 Minuten

Medium: CD
Label: Universal/Emarcy
Kennung: 159 898

Komponist(en):

Schlagworte:


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