CD

Veröffentlicht am 21.06.2000 | von Michael Boldhaus

Don Quixote (TV)

Don Quixote (TV) Michael Boldhaus
Bewertung

Für die Hallmark-TV-Produktion Don Quixote – Sendetermin: 22. Juni 2000 auf RTL zeichnet Richard Hartley für die Musik verantwortlich. Wie schon zu Alice in Wonderland • Alice im Wunderland hat der Komponist auch für diese neue Verfilmung des spanischen Literatur-Klassikers von Miguel de Cervantes den richtigen Tonfall gefunden – die Romanvorlage hat übrigens schon abseits des Kino-Films mindestens 50 Komponisten, vom barocken Friedrich Telemann bis zu Richard Strauss im 20. Jahrhundert, zu zum Teil faszinierenden Vertonungen angeregt. Hartley verwendet ein konventionelles großes Orchester (The Philharmonia), das durch Gitarre und Kastagnetten als folkloristisches Beiwerk ergänzt wird. Es gibt eingängige Melodik mit überzeugend spanischem Flair, und dazu gewinnt der Komponist dem Klangkörper herrliche Klangfarben ab. Von sanft melancholisch-intimen Stimmungen über Bolero- und Flamenco-Rhythmen bis zu gutem klanglichem Bombast ist alles vertreten, was ein versierter Komponist aus einem modernen Orchester herausholen kann. Im Gegensatz zur Alice-in-Wonderland-Musik spielt die Celesta hier nur eine untergeordnete Rolle. Ihren Part übernimmt die Gitarre, die dem Orchester über weite Strecken – häufig zusammen mit der Oboe – konzertierend gegenübertritt, vergleichbar mit dem bekannten lyrischen „Concierto di Aranjuez“ von Joaquín Rodrigo. Gut gestaltete Action-Musiken, z. B. in Track 11 „Two Great Armies/Battle of the Sheep“, kontrastieren mit reizvoller Tafelmusik wie in Track 15 „Banquet with Dulcinea“ und subtil ausgemalten Stimmungen wie in Track 33 „Journey beyond the Stars“. Als Krönung erklingen strahlende Fanfaren in Track 29 „Joust with Knight of Mirrors“ und in Track 37 „The Final Joust“ – hier schwingt sogar ein Hauch von Miklós Rózsas El Cid (1961) mit. Somit ist Richard Hartley wieder eine sehr gute TV-Filmmusik gelungen, die zweifellos auch den Atem des „großen“ Kinos besitzt und sich daher nicht verstecken muss. Die CD bietet knapp 72 Minuten Musik in hervorragender Ton- und Spiel-Qualität.

Titel: Don Quixote (TV)
Erschienen: 2000

Laufzeit: 71:22 Minuten

Medium: CD
Label: Varèse Sarabande
Kennung: VSD-6142

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 21.06.2000 | von Michael Boldhaus

I Dreamed of Africa

I Dreamed of Africa Michael Boldhaus
Bewertung

Der Film I Dreamed of Africa • Ich träumte von Afrika von Regisseur Hugh Hudson wird erst nach der Sommerpause, voraussichtlich am 22.9.2000, in den deutschen Kinos anlaufen. Die Musik hierfür stammt von Altmeister Maurice Jarre, der erst kürzlich den Film Ein Hauch von Sonnenschein vertont hat. Im Gegensatz zur Tonschöpfung zu vorgenanntem Film ist dem Komponisten mit der Filmmusik Ich träumte von Afrika nur ein ordentliches, gehoben durchschnittliches Werk gelungen. Neben rund 46 Minuten von Jarres Musik entfällt die restliche Spielzeit auf drei von Ayub Ogada und Geoffrey Oryema interpretierte traditionelle afrikanische Songs. Jarres Komposition enthält ein schönes Hauptthema, das aber überdeutlich an das berühmte Lara-Thema aus Dr. Schiwago erinnert. Im Ablauf der Musik gibt es solide und ansprechend gestaltete Passagen und auch das Richard-Strauss-Lied „Im Abendrot“ ist vertreten. Insgesamt hat der renommierte Komponist hier aber eine seiner weniger inspirierten „Routine-Arbeiten“ und, da einfach zu viel allzu stark an Bekanntes erinnert, ein klassisches „Déjà-vu“ vorgelegt. Immerhin handelt es sich dabei aber noch um so solides Handwerk, dass die CD mit etwas wohlwollendem Rückenwind ein Stück oberhalb der kleinen Empfehlung angesiedelt werden kann. Eingespielt wurde wieder mit dem Rundfunk-Sinfonie-Orchester Berlin zusammen mit dem Knabenchor des Staats- und Domchores Berlin. Die Qualität der Einspielung und des Klanges lässt keine Wünsche offen.

Titel: I Dreamed of Africa
Erschienen: 2000

Laufzeit: 60:02 Minuten

Medium: CD
Label: Varèse Sarabande
Kennung: VSD-6143

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 21.06.2000 | von Michael Boldhaus

Up at the Villa

Up at the Villa Michael Boldhaus
Bewertung

Up at the Villa • Die Villa, der Film von Philip Haas — Kinostart am 22.6.2000 — schildert eine Geschichte um Leidenschaft, Intrige und Verrat am Vorabend des Zweiten Weltkrieges im toskanischen Florenz des Jahres 1938. Für den wohl in sehr schönen Bildern aufgenommenen Film schrieb der Italiener Pino Donaggio (La Monaca di Monza • Die Nonne von Monza, Don’t Look Now • Wenn die Gondeln Trauer tragen) eine überwiegend einschmeichelnd romantische Musik. Donaggio, der in seinem Kompositionsstil seinem Landsmann und Vorbild Ennio Morricone überaus nahe steht, ist für Die Villa sicher keine herausragende Tonschöpfung gelungen, aber doch ansprechendes Handwerk. Eingängige von Streichern dominierte und von Klavier und Holzbläsern ergänzte Klänge bestimmen die überwiegend romantische, mitunter auch elegisch-melancholische Stimmung dieser Musik. Neben einem schönen Hauptthema gibt es zeitgemäße Tanzeinlagen im Stil der Dreißiger Jahre in Track 4 „Party at Peppino’s“, in Track 11 „Florence Two Step“ und in Track 17 „Martini“ sowie einige leicht herrmannesk auskomponierte Spannungsmomente z. B. in Track 15 „Intriguing Picnic“. Ein wenig erinnert die Musik an Michael Nymans Komposition zum erst kürzlich gezeigten Film Das Ende einer Affäre. Insgesamt macht die knapp einstündige CD einen ordentlichen, aber nicht aufregenden Eindruck: Die nicht penetrante, dafür angenehm altmodisch wirkende Musik eignet sich vor allem als nette Hintergrunduntermalung und erhält ihren Platz im soliden Mittelfeld.

Titel: Up at the Villa
Erschienen: 2000

Laufzeit: 55:28 Minuten

Medium: CD
Label: Varèse Sarabande
Kennung: VSD-6142

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 21.06.2000 | von Michael Boldhaus

Born Free (Talgorn/Varèse)

Born Free (Talgorn/Varèse) Michael Boldhaus
Bewertung

Ein weiteres John-Barry-Filmmusik-Album hat Frederic Talgorn mit dem Royal Scottish National Orchestra neu eingespielt. Barry landete mit seinem romantischen Hauptthema zu Born Free • Frei Geboren im Jahr 1964 einen Award-nominierten Hit, aus dem eine viel verkaufte LP resultierte. Die Song-Version des Hauptthemas wurde seinerzeit von unzähligen Interpreten weltweit eingespielt. Die auf der vorliegenden CD präsentierten knapp 54 Minuten bieten deutlich mehr als der ehemalige Plattenschnitt. Zwar ist die sinfonische Verarbeitung des Themas auch hier weitgehend Barry-typisch: eher einfach, aber handwerklich sauber und dazu auch recht farbig ausgeführt. In Teilen der Komposition gibt es auch Anklänge an die ein Jahr zuvor komponierte Musik zum Helden- und Durchhalte-Epos Zulu. Insgesamt ist diese vierte Varèse-Barry-CD — nach Out of Africa, Somwhere in Time und Body Heat — ein solider Beitrag auf dem Level eines gehobenen Easy-Listening. Für John-Barry-Fans ist dieser Titel sicher ein Muss, aber auch für viele andere Sammler eine solide Sache.

Fazit: Vier neue CDs mit Musiken zu aktuellen Kino- und Fernsehfilmen sind auf dem Varèse-Label erschienen. Den Spitzenplatz dieser Rezension belegt die herausragende TV-Film-Komposition Richard Hartleys zu Don Quixote, die mich mit ihrer herrlichen spanisch eingefärbten, sehr romantischen Tonsprache besonders überzeugt hat. Soliden Durchschnitt bieten die romantisch-schmeichlerischen Streicher-dominierten Klänge von Pino Donaggio zu Die Villa, und eine Stufe darüber siedelt Maurice Jarres zum Teil bombastische, aber allzu routiniert angelegte Musik zum Film Ich träumte von Afrika. Die Neueinspielung von John Barrys Musik zum 1964er Film Frei Geboren ist eine durchweg gelungene wohlklingende Ergänzung der Varèse-Barry-CD-Kollektion mit dezentem Pfiff.

Titel: Born Free (Talgorn/Varèse)
Erschienen: 2000

Laufzeit: 53:33 Minuten

Medium: CD
Label: Varèse Sarabande
Kennung: VSD-6084

Komponist(en):

Schlagworte:


Nach oben ↑

Pin It on Pinterest