CD

Veröffentlicht am 08.02.2000 | von Michael Boldhaus

All About Eve/Leave Her to Heaven

All About Eve/Leave Her to Heaven Michael Boldhaus
Bewertung

Nicht ausschließlich die renommierten Labels sind es, die dem interessierten Filmmusik-Sammler wertvolle Filmmusik auf CD präsentieren, auch durch Initiativen von privater Seite gibt es hochwillkommene Bereicherungen des Repertoires. Auf diesem Gebiet sehr rührig sind der in Los Angeles beheimatete Lukas Kendall (Herausgeber der Zeitschrift „Film Score Monthly“) auf seinem FSM-Label und der im belgischen Mechelen residierende Luc Van de Ven (Herausgeber der Zeitschrift „Soundtrack“) auf dem hauseigenen Prometheus-Label; daneben sind die Aktivitäten der Brigham Young University bemerkenswert. Bei den vorliegenden Alben handelt es sich generell um die jeweiligen Originaleinspielungen, was in Sachen Interpretation in der Regel optimal ist.

Zwei der drei hier vorliegenden FSM-CDs sind Kompositionen des großen Alfred Newman gewidmet: Die eine bietet eine Kopplung der Musiken zu All About Eve • Alles über Eva (1950) und Leave Her to Heaven • Todsünde (1945). All About Eve ist Joseph Mankiewiczs auch heute noch interessante Tragikomödie über das Karriere-Machen im Theatermilieu mit der großen Bette Davis in einer Ihrer Glanzrollen. Als überwiegend auf Dialog konzipierter Film, der keine musikalische Unterstützung äußerer Handlungselemente bedarf, legte Newman seinen musikalischen Beitrag für All About Eve erheblich sparsamer als z. B. in The Song of Bernadette • Das Lied von Bernadette (1943) an: Gerade nur aus knapp 30 Minuten besteht die vollständige Komposition – schon damals ein „moderner“ Ansatz der Filmvertonung. In der Art und Verarbeitung der Themen spiegelt sich die viel beschriebene psychologisierende Kompositionstechnik wieder, die für Alfred Newmans Filmmusikarbeiten charakteristisch ist: Auch wer zuerst einfach nur hören möchte, wird durch die üppige, romantische und lyrisch-warme Musik unmittelbar angesprochen. Die Komposition erhielt seinerzeit eine Academy-Award-Nominierung.

Leave Her to Heaven ist ein Melodram um eine zwar liebende, aber krankhaft eifersüchtige Frau, die alle aus dem Wege räumt, die ihrem Gatten zu nahe treten und die am Ende Selbstmord begeht. Laut Booklet wird der seinerzeit weitgehend verrissene Film heutzutage deutlich besser bewertet. In seiner Musik symbolisierte der Komponist den weiblichen „psychopathischen Dämon“ mit Hilfe des Tritonus-Intervalls, welches schon in der Klassik als „diabolus in musica“ zur Versinnlichung des Bösen in der Musik herangezogen wurde. Die insgesamt morbide Stimmung der dunklen, romantischen Musik lichtet sich erst im Finale nachhaltig auf.

Die CD präsentiert die Musik in sehr ordentlichem Mono: Allein den Schluss-Track von All About Eve gibt es zusätzlich noch in einer auf Stereo gemixten Version.

Titel: All About Eve/Leave Her to Heaven
Erschienen: 1999

Laufzeit: 44:25 Minuten

Medium: CD
Label: FSM
Kennung: Vol. 2 Nr. 7

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CD

Veröffentlicht am 08.02.2000 | von Michael Boldhaus

Prince of Foxes

Prince of Foxes Michael Boldhaus
Bewertung

Die zweite Newman-CD bietet die Musik zu Prince of Foxes • In den Klauen des Borgia (1949), einem historisierenden Mantel- und Degenfilm mit Tyrone Power (dem Errol-Flynn-Pendant der Fox) als tapferem italienischem Adligen Orsini und Orson Welles als skrupellosem Cesare Borgia. Trotz seiner brillanten Schwarz-Weiß-Fotografie und üppiger Ausstattung vermag der Film heutzutage nur noch ansatzweise zu fesseln. Im Gegensatz zur fast vollständig in Mono vorliegenden All About Eve-CD konnte letztere sogar vollständig in echtem Stereo aufbereitet werden: Der Sound ist in Anbetracht des Alters der Lichttonmaster geradezu fantastisch! Erstaunlich ist auch, dass diese Aufnahme ein vergleichbar natürliches Stereo-Panorama wie die nachfolgend besprochene Comancheros-Magnetton-Einspielung aufweist. Über die Qualitäten der Musik gibt es ebenfalls nur Positives zu berichten: Newman schuf für Prince of Foxes einen seiner prachtvollsten Abenteuer-Scores, der vergleichbaren Arbeiten Korngolds nicht unähnlich ist und mit leuchtkräftigen Themen, strahlenden Fanfaren, kriegerischen Märschen, aber auch inniger Romantik in den Liebesszenen aufwartet.

Titel: Prince of Foxes
Erschienen: 1999

Laufzeit: 47:39 Minuten

Medium: CD
Label: FSM
Kennung: Vol. 2 Nr. 5

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 08.02.2000 | von Michael Boldhaus

The Comancheros

The Comancheros Michael Boldhaus
Bewertung

Elmer Bernsteins Westernmusik zu The Comancheros • Die Comancheros (1961) ist die jüngste der vorliegenden FSM-Veröffentlichungen. Der Film ist der eher schwache Schwanengesang des berühmten ungarischen Regisseurs Michael Curtiz (ursprünglich Mihaly Kertesz), dessen Name den meisten Kinogängern mit dem Melodram Casablanca (1943) verbunden sein wird. Curtiz führte aber auch Regie bei aufwändigen Abenteuer-Action-Epen wie Warners The Charge of the Light Brigade(1936) und The Adventures of Robin Hood (1938), beide mit Errol Flynn; daneben stehen Filme anderer Gattungen wie Komödien und Musicals, aber auch das Antik-Epos The Egyptian • Sinuhe der Ägypter (1954). Auch für einen seiner Protagonisten, den „Duke“ John Wayne, waren Die Comancheros ein „Spätwestern“: Die Story um eine Bande aus weißen Outlaws und Indianern, die weiße Siedler bedroht und vom „Duke“ nach altbekannter Law-and-Order-Manier mit Hilfe der Texas Ranger zur Strecke gebracht wird, wirkt eher routiniert denn inspiriert. Alles in allem ist der Film nur eine recht anspruchslose Westernunterhaltung für verregnete Sonntage. Elmer Bernsteins Musikbeitrag gehört zu den besten Teilen der Produktion: Zwar ist das Vorbild der Glorreichen Sieben (wie in allen Bernsteinschen Western-Scores) deutlich spürbar, platt abgekupfert wird jedoch nicht; der Score zu den Comancheros präsentiert sich insgesamt als gute, melodisch eingängige und auch rhythmisch prägnante Westernmusik, die zudem auch abseits des Films sehr unterhaltsam ist. Auch in dieser Musik finden sich gut eingearbeitete, folkloristisch-mexikanische Musikelemente; bei den als „Bonus“ angehängten beiden Songs handelt es sich allerdings eher um kuriose Fundstücke, die – Gott sei es gedankt (!) – nicht verwendet worden sind.

Auch hier rundet (wie in allen vorliegenden FSM-Editionen) ein liebevoll ausgestattetes und editiertes Booklet den insgesamt überaus positiven Gesamteindruck ab. Die Tonqualität ist auf gutem Magnetton-Stereo-Niveau.

Titel: The Comancheros
Erschienen: 1999

Laufzeit: 43:32 Minuten

Medium: CD
Label: FSM
Kennung: Vol. 2 Nr. 6

Komponist(en):

Schlagworte:


CD Bite The Bullet

Veröffentlicht am 08.02.2000 | von Michael Boldhaus

Bite the Bullet

Bite the Bullet Michael Boldhaus
Bewertung

Noch eine Western-Musik, dieses mal von Alex North: Bite the Bullet • 700 Meilen Westwärts (1975), produziert von Luc Van de Ven. Der Film kann streng genommen kaum noch als „Spätwestern“ – die Handlung spielt im Jahr 1906 – bezeichnet werden: Er schildert ein rücksichtslos ausgetragenes Langstrecken-Pferde-Wettrennen, an dem neben zwielichtigen Gestalten auch arbeitslos gewordene alternde Cowboys aus sozialer Not teilnehmen. Neben teilweise interessant herausgearbeiteten Charakterstudien wird die Geschichte in brillant fotografierten Bildern erzählt und ist auch heute noch sehenswert. North machte Anfang der Fünfziger direkt mit hervorragenden Kompositionen wie A Streetcar Named Desire • Endstation Sehnsucht (1951) und Viva Zapata! (1952) auf sich aufmerksam, als er dank Alfred Newman bei 20th Century Fox seine ersten Chancen erhielt. Er hat auch für Bite the Bullet eine respektable Arbeit geliefert. Neben einigen konventionellen Western-Elementen verwendet North seine charakteristischen herb-dissonanten modernen Klangstrukturen, die jedem vertraut sind, der schon etwas von seiner Musik gehört hat. Daneben kommen aber auch romantische Themen nicht zu kurz und auch von mexikanischem Kolorit geprägte Passagen geben der Komposition zusätzlich reizvolles Flair.

Die vorliegende CD bietet wohl „Sämtliches“, was die Studiomaster hergegeben haben: Neben 18 Stücken, die wohl schon von North selber für eine seinerzeit geplante, aber nicht realisierte, LP-Veröffentlichung editiert wurden, enthält die Musik zwei Anhänge mit zum Teil arrangierten Originalen der Zeit: Die Stereo-Tonqualität ist ansprechend. Das Booklet ist ordentlich, aber nicht so liebevoll gestaltet wie die der FSM-Editionen. Als Fazit verbleibt: Eine gute North-Musik und somit für jeden North-Interessierten eine wichtige Ergänzung der ohnehin nicht allzu üppigen North-CD-Kollektion.

Titel: Bite the Bullet
Erschienen: 1999

Laufzeit: 62:42 Minuten

Medium: CD
Label: Prometheus
Kennung: PCR 504

Komponist(en):

Schlagworte:


CD Broken Arrow

Veröffentlicht am 08.02.2000 | von Michael Boldhaus

Broken Arrow

Broken Arrow Michael Boldhaus
Bewertung

Die brandaktuelle Veröffentlichung dieser Review in Sachen Restauration klassischer Filmmusiken ist Broken Arrow • Der gebrochene Pfeil (1950) der Brigham Young University. Im Gegensatz zu den von der Brigham Young University bislang vorgelegten Steiner-Musiken, die nur von damals als Sicherungskopie dienenden Azetat-Platten in Mono übertragen werden konnten, dienten für die Restauration in diesem Fall die originalen „quasi-zweikanaligen“ Lichttonmaster. Das Resultat ist höchst erfreulich: Auch wenn hier und da einige Störgeräusche und leichte Verzerrungen hörbar sind, ist der Sound insgesamt sehr ordentlich; und wenn man außerdem berücksichtigt, dass die Aufnahme „50 Lenze“ auf dem Buckel hat, ist sie sogar überaus gut. Drei Viertel der Musik liegen sogar in annähernd Prince of Foxes-Stereoqualität vor (s.o.). Auch dieser Score wurde, wie auch die auf den beiden FSM-CDs vorliegenden Aufnahmen, von Alfred Newman dirigiert und belegt das hohe Niveau des Fox-Orchesters sowie seines hervorragenden Dirigenten.

Der Film Broken Arrow des Regisseurs Delmer Davis ist einer der ersten Western, der sowohl um humane Darstellung der Indianer, als auch (weitgehend) historische Genauigkeit im Handlungsablauf bemüht ist: Zusammen mit Anthony Manns Devil’s Doorway • Fluch des Blutes aus dem selben Jahr ist er ein Klassiker seiner Art; eine Aussage, die recht regelmäßig auf einem der Fernsehkanäle überprüft werden kann. Bei dem Komponisten der Filmmusik Hugo Friedhofer (1902-1981) handelt es sich um einen auch gegenwärtig noch weitgehend unbekannten Meister des „Golden Age“: Als überaus gefragter Orchestrator für die „Großen“ dieser Epoche (Steiner, Waxman, Korngold) tätig, stand er als Komponist wohl fast zwangsläufig in deren Schatten. Dazu waren auf Tonträger unglücklicherweise bis vor kurzem nur wenige – von der hervorragenden Musik zu The Best Years of Our Lives • Die besten Jahre unseres Lebens (1949) einmal abgesehen – eher dem gehobenen Durchschnitt zuzurechnende Kompositionen erhältlich.

Mit der jetzt veröffentlichten Musik zu Broken Arrow tritt uns Friedhofer einmal mehr als großer und eigenständiger Meister auf dem Gebiet der Filmkomposition gegenüber. Die Wurzeln seiner Indianerthemen sind von der Tradition Max Steiners geprägt. Allerdings ist dabei nicht einfaches Stilkopieren gemeint; vielmehr fallen auch hier bei etwas eingehenderem Hören Eigenwilligkeiten auf. Ganz deutlich werden diese, wenn im Film die Attacke auf einen Treck und die Vernichtung des zuvor in den Wagen verborgenen Militärs musikalisch illustriert wird: Eine Schlachtmusik à la Steiners They Died with Their Boots On • Sein letztes Kommando (1942) gibt es hier nicht einmal ansatzweise! Die nur äußerst sparsam eingesetzten brutal-harschen Klangstrukturen wirken für ihre Zeit überaus „modern“: Die Behandlung der tiefen Bläser und die rhythmischen Akzente nehmen die dissonanten Klänge eines Alex North vorweg, und auch die anschließend für die Trostlosigkeit des Schlachtfeldes erklingenden hohen Violin-Cluster haben mit der entsprechenden musikalischen Lösung Max Steiners in They Died with Their Boots On kaum mehr etwas gemein. Die Love Scenes zeichnen sich zudem durch eine gegenüber Steiners verhältnismäßig „fettem“ Orchestersatz stark aufgelichtete, luftige, von Holzbläsern dominierte, insgesamt fast schon „neo-klassizistisch“ sparsame Behandlung des Orchesterapparates aus.

Hugo Friedhofers Broken-Arrow-Musik ist so ein „Bindeglied“ zwischen der jener Kollegen, die noch mehr dem üppig-romantischen Kompositionsstil des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts verpflichtet sind, und den verstärkten Dissonanzen der schon vor der Tür stehenden „modernen“ Komponistengeneration(en), zu der neben dem schon genannten Alex North auch Leonard Rosenman zählen wird. Ähnliches gilt für die typischen Western-(Americana)-Klänge folkloristischer Prägung, die vom Stil Aaron Coplands („Rodeo“, „Billy the Kid“ usw.) beeinflusst sind. Dieser „Fingerzeig“ wird zuerst von Elmer Bernstein und anschließend auch von Jerry Goldsmith und John Williams als richtungsweisend angenommen werden. Wie das ebenfalls überaus liebevoll gestaltete und sehr informative Booklet zu Recht vermerkt: „A Landmark Score“, und damit gebührt dieser CD, trotz vereinzelter kleiner tontechnischer Einschränkungen, der Spitzenplatz. Das Booklet ist sogar noch umfangreicher als die vorzüglichen Pendants der FSM-Editionen und ist außerdem reichlich mit Film-Farbfotos versehen – dies macht diesen Titel endgültig zum begehrten Sammlerstück.

Soweit gibt es also in Sachen Privat-Editionen nur Gutes bis Exzellentes zu berichten, aber ein Wermutstropfen kommt noch hinterher: Gemeint ist hier der Preis. Leider sind die vorliegenden Titel erheblich teurer (FSM/Prometheus-CDs ca. 22 Euro und 30-35 Euro für Broken Arrow) als reguläre CD-Veröffentlichungen. Es bleibt zu hoffen, dass diese überaus wertvollen Titel trotzdem in nicht zu geringen Stückzahlen gekauft werden, denn nur wenn genug Geld in der Kasse der jeweiligen Produzenten „klingelt“, werden sie uns mit weiteren „Schmankerln“ dieser Art überraschen.

Titel: Broken Arrow
Erschienen: 2000

Laufzeit: 42:30 Minuten

Medium: CD
Label: BYU
Kennung: FMA-105

Komponist(en):

Schlagworte:


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