CD

Veröffentlicht am 19.10.1999 | von Michael Boldhaus

Plymouth Adventure

Plymouth Adventure/Lust for Life/The King’s Thief/Valley of the Kings/Tip on a Dead Jockey

Fünfmal klassischer MGM-Rózsa der Fünfziger auf einen Streich? Nicht ganz, liebe Leser: Valley of The Kings erschien als erste CD im späten Frühjahr, The King’s Thief, Lust for Life und Tip on a Dead Jockey folgten dann in recht kurzer Folge. Ironischerweise konnte die gute alte Mayflower des Quäker-Epos Plymouth Adventure erst kürzlich soweit hergerichtet werden, dass sie in den Archiven der Sammler vor Anker gehen kann. Für eine Fregatte aus dem siebzehnten Jahrhundert ist das aber auch nicht verwunderlich, oder?

Gleich vorneweg: das tickertape-Label hat hier eine erstklassige Kollektion hochwertiger Rózsa-Scores vorgelegt. Bei allen handelt es sich um die vollständigen Originaleinspielungen, die von Miklós Rózsa mit dem MGM-Orchester für den jeweiligen Film aufgenommen worden sind. Darüber hinaus gibt es noch vorhandene Outtakes und Alternativ-Tracks in bestmöglicher Tonqualität zu hören. Die leicht variierende Qualität der Master spiegelt auch die voranschreitende Entwicklung in Sachen Sound dieser Ära wieder. Dazu kommt noch der generelle Alterungsprozess, der nicht unbedingt gleichmäßig verläuft, so dass hier und da innerhalb der gleichen Aufnahme, von Track zu Track, leichte Qualitätsschwankungen hörbar sind.

Plymouth Adventure wurde entweder noch auf Lichtton eingespielt oder die einmal vorhandenen, frühen Stereo-Magnetton-Master existieren nicht mehr. Letzteres gilt wohl auch für die Musik zu Tip on a Dead Jockey, die zweite monaurale CD. Die anderen drei Musiken dagegen liegen, für im Breitwandformat CinemaScope gedrehte Filme dieser Zeit typisch, in frühen Stereoaufnahmen vor. Deren Qualität ist schon sehr beachtlich, und die gute räumliche Auflösung ist auch für HiFi-verwöhnte Ohren sehr angenehm. Tip on a Dead Jockey liegt klanglich ein wenig dahinter, da die Rauminformation infolge Mono begrenzter ist. Die Akustik der Plymouth Adventure-Einspielung ist rauer und insgesamt etwas uneinheitlich. Überwiegend ist das Klangbild aber präsent und klar, obwohl der Zahn der Zeit hier einige, trotz moderner Computer-Restaurationstechniken nicht vollständig entfernbare Spuren hinterlassen hat.

1949 unterschrieb Miklós Rózsa einen langjährigen Vertrag mit MGM, dem größten und opulentesten der Hollywood-Studios. Hier wurden die meisten Ausstattungsfilme und aufwändigsten Musicals produziert: „More Stars than in the Heavens“ war MGMs Superlativ für lange Zeit. Mit Rózsa erwarb man sich einen Spitzenkomponisten, für den das Komponieren für historische Ausstattungs- und Kostümfilme schnell zur Spezialität und zum Markenzeichen wurde. Für Miklós Rózsa selbst war es die Glanzzeit seiner Hollywoodkarriere.

Speziell Plymouth Adventure • Schiff ohne Heimat (1952), aber auch die Künstlerbiografie über den Maler Van Gogh, Lust for Life (1956), gehören, sowohl filmisch wie musikalisch, in die A-Kategorie. Beide Musiken zählen zum Wertvollsten, was Rózsa für das Kino komponiert hat und gehören in jede ernsthafte Sammlung sinfonischer Filmmusik. Für die auf das Jahr 1620 datierte Fahrt der Mayflower von Plymouth in die Neue Welt lieferte Miklós Rózsa eines seiner überaus gelungenen Beispiele in Sachen Musikarchäologie für die Komposition eines Kostümfilmes. Als Thema für das Schiff Mayflower verwendete er ein Originallied der Quäker, den „136. Psalm“: Wie man hören kann, hat der Komponist eine sehr gute Wahl getroffen. Das von starkem religiösen Ausdruck und einer kraftvollen, kämpferischen Grundstimmung geprägte Lied entfaltet in geschickten Arrangements und Variationen, rein orchestral und auch für Chor und Orchester gesetzt, eine mitreißende Wirkung. Einen Höhepunkt erreicht der Psalm in der tonmalerisch reich gestalteten Ausfahrt der Mayflower aus Plymouth, die auch das musikalische Vorbild für die Ausfahrt der Bounty im 1962er Mutiny on the Bounty • Meuterei auf der Bounty (Komponist hier: Bronislau Kaper) bildete. Die Themen für die Personen entwarf Rózsa im Stile der Lautenmusik des siebzehnten Jahrhunderts, ohne hier allerdings direkt auf Originalthemen zurückzugreifen. Es gelang ihm so auf faszinierende Weise, den subjektiven Eindruck von musikalisch-historischer Authentizität weiter zu vertiefen.

Titel: Plymouth Adventure (Schiff ohne Heimat)
Erschienen: 1999

Laufzeit: 73:25 Minuten

Medium: CD
Label: tickertape
Kennung: tt 3014

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 19.10.1999 | von Michael Boldhaus

Lust for Life (tickertape)

Vincente Minellis Film Lust for Life • Van Gogh – Ein Leben in Leidenschaft ist eine der herausragenden Künstlerbiografien geworden, deren überzeugende Wirkung auch auf der hervorragenden schauspielerischen Leistung von Kirk Douglas in der Titelrolle und der exzellenten Arbeit eines Miklós Rózsa beruhen. Dieser konzipierte hier einen überzeugenden Anachronismus, in dem er den Impressionismus der Malerei mit dem musikalischen Impressionismus (ausgehend vom „Nachmittag eines Fauns“ von Claude Debussy) kombinierte, obwohl diese Komposition erst 4 Jahre nach Van Goghs Tod entstand. Der Komponist stellte der leidenschaftlichen Story eine ebenso leidenschaftliche „Sinfonie des Lichts und der Farben“ gegenüber, wodurch es ihm gelang, die Emotionen der handelnden Figuren und die Dramatik des Stoffes akustisch lebendig werden zu lassen. Bisher war dem an dieser Musik Interessierten ausschließlich eine Konzertsuite zugänglich, die in der Entstehungszeit des Films auf LP (und später auch auf CD) veröffentlicht worden war. Diese Konzertsuite ist, verglichen mit der vollständigen Originaleinspielung, eine Enttäuschung: Geradezu frappant sind z. B. die Glättungen bei der „falsch spielenden“ Blaskapelle des Volksfestes. Das Original erweist sich zudem insgesamt als wesentlich kraftvoller und auch dramatisch packender. Hinzu kommt noch, dass bei dieser Musik (dies gilt auch für Plymouth Adventure) jede Kürzung ein echter Verlust ist.

Titel: Lust for Life (tickertape)
Erschienen: 1999

Laufzeit: 57:31 Minuten

Medium: CD
Label: tickertape
Kennung: tt 3013

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 19.10.1999 | von Michael Boldhaus

The King’s Thief

The King’s Thief • Des Königs Dieb (1955) ist ein kleineres „Mantel-und-Degen-Spektakel“, im Kielwasser von Scaramouche • Scaramouche, der galante Marquis (1952). Es ist weniger anspruchsvoll als Plymouth Adventure und Lust for Life, aber immerhin eine nette Unterhaltung. Musikalisch ist diese Komposition zwar nicht ganz so stark wie die beiden zuvor besprochenen, zählt aber in jedem Fall zu den wertvollen Schöpfungen des Komponisten. Auch hier präsentiert uns Rózsa gekonnt musikalisch Historisierendes in den reizvollen höfischen Tänzen und ein paar typische Fanfaren, die in direkter Nachbarschaft zu Ivanhoe und den Rittern der Tafelrunde stehen.

Titel: The King’s Thief
Erschienen: 1999

Laufzeit: 59:10 Minuten

Medium: CD
Label: tickertape
Kennung: tt 3012

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 19.10.1999 | von Michael Boldhaus

Valley of the Kings

Valley of the Kings • Das Tal der Könige (1954) und Tip on a Dead Jockey • Luftfracht Opium (1957) gehören musikalisch – im positiven Sinne – in den Bereich soliden routinierten Handwerks und sind daher insgesamt durchaus hörens- und sammelnswert. Auf etwa vergleichbarem Niveau kann man Jerry Goldsmiths Kompositionen zu The Mummy und The 13th Warrior einordnen. Valley of the Kings bietet ein wenig pseudo-arabisches Klangkolorit und einige hübsche klangliche Exotismen die an den Dieb von Bagdad (1939) erinnern.

Titel: Valley of the Kings
Erschienen: 1999

Laufzeit: 40:20 Minuten

Medium: CD
Label: tickertape
Kennung: tt 3010

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 19.10.1999 | von Michael Boldhaus

Tip on a Dead Jockey

Tip on a Dead Jockey Michael Boldhaus
Bewertung

Tip on a Dead Jockey (der einzige der fünf Filme, der meines Wissens bislang im Fernsehen nicht gezeigt wurde) präsentiert in einer Passage zu Beginn sogar einen Hauch von Blues und spanisches Klangkolorit. Beide Filmmusiken belegen auf ironische Weise, dass das eigene Œuvre sich gelegentlich als guter musikalischer Steinbruch eignet: In beiden Kompositionen ist der ursprünglich für den 1949er Film Madame Bovary entworfene Walzer, dort sehr dramatisch angelegt, in hübschen, leichten Kaffeehausarrangements implantiert. Bei Valley of the Kings gibt’s obendrauf noch eine Alternativversion als Outtake.

Das jeder CD beigelegte Booklet ist zwar schlicht, aber solide ausgestattet. Die Texte sind kompetent und setzen die Musik in den Kontext zur jeweiligen Filmhandlung. Hier hätte eine Luxus-Ausstattung wie in den exzellenten Rhino-Editionen zu einer um jeweils einen halben Punkt höheren Bewertung geführt.

Die inzwischen auf dem Markt erschienenen offiziellen Versionen von The King’s ThiefValley of the Kings, Plymouth Adventure und Lust for Life auf FSM sind nicht allein klanglich ein Stückchen besser, sondern stechen die tickertape-Fassungen besonders durch das sorgfältig editierte Booklet aus.

Titel: Tip on a Dead Jockey
Erschienen: 1999

Laufzeit: 49:49 Minuten

Medium: CD
Label: tickertape
Kennung: tt 3011

Komponist(en):

Schlagworte:


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