The Best of Stargate SG-1

Geschrieben von:
Marko Ikonić
Veröffentlicht am:
28. April 2002
Abgelegt unter:
CD

Score

(3/6)

Seit 1997 gibt es Roland Emmerichs Science-Fiction-Überraschungserfolg Stargate (1994) auch in Serie. Im aufwändig produzierten TV-Format Stargate SG-1 reist das militärische Forschungsteam „Kommando SG-1“ durch das heimische Sternentor zu verschiedensten fremden Welten und versucht die meiste Zeit, mit den oft unerfreulichen Konsequenzen dieser Forschertätigkeit fertig zu werden. Pausenlos nämlich geschieht Unerwartetes, so manche Büchse der Pandora wird geöffnet …

Für den Kinofilm hatte der Brite David Arnold eine üppige symphonische, unmittelbar eingängige Musik geschrieben (siehe Rezension). Sie scheint die Macher der Serie so nachhaltig überzeugt zu haben, dass anlässlich des Serienauftakts auf Nummer Sicher gegangen und Joel Goldsmith damit beauftragt wurde, den Arnold-Score umzuarbeiten und den Gegebenheiten des Pilotfilms anzupassen. Die kürzlich erschienene CD „The Best of Stargate SG-1“ (GNP Crescendo) gilt aber nicht der Pilotfilmmusik, die ohnedies vor einigen Jahren auf einer Milan-CD veröffentlicht wurde, sondern versammelt neun Episodenscores der ersten SG-1-Staffel in Form von repräsentativen Suiten. Fünf davon stammen von Joel Goldsmith, die anderen steuerten die im TV-Sektor ähnlich namhaften Kollegen Dennis McCarthy, Richard Band und Kevin Kiner bei.

Auch die Musiken der ersten Staffel werden noch von David Arnolds schönen pseudo-ägyptischen Melodien beherrscht. Die auf dem Album vertretenen Komponisten arbeiten mit diesem thematischen Erbe aber recht vielseitig; die Variatons-Bandbreite reicht von subtilen Klaviersoli in Richard Bands „Cold Lazarus“-Musik bis hin zu ironischen Saxophoneinlagen im Score zu „Torment of Tantalus“ von Kevin Kiner. Außerdem hat ein derartiges „Themenkontinuum“, das sich vom Kinofilm ausgehend über etliche Episoden der Serie erstreckt, durchaus seine Vorteile. Denn schaden kann es sicher nicht, wenn der Zuseher bei all der Abwechslung von Folge zu Folge zumindest in der Musik immer wieder ein vertrautes Element vorfindet.

Um hier kein verzerrtes Bild zu vermitteln: Abgesehen von den übernommenen Themen und dem allgemein (Hollywood-)ägyptischen Klangidiom verbindet die Stargate-Serienscores nicht viel mit dem Arnold-Original. Eigenständige Kompositionen sind das in jedem Fall, auch wenn im CD-Booklet, umringt von den wesentlich kleineren Abbildungen seiner „Jünger“ Goldsmith, McCarthy, Band und Kiner, Guru-artig David Arnold auf einem Foto prangt, das den großen „Meister“ als Einzigen in kunstvollem Schwarz-Weiß und dazu mit nachdenklichem Seitenblick, gleichsam ganz in intelektuellere Sphären entschwebt zeigt…

Hauptsächlich an büdgetären Gründen wird es wohl liegen, dass in Stargate SG-1 nur wenig echte Orchesterklänge zu hören sind. Man muss Joel Goldsmith und Co. aber zu Gute halten, dass hochwertige Synthesizer-Komponenten und gute Instrumental-Samples eingesetzt wurden. Auch waren die Mitwirkenden im Rahmen des damit Möglichen sichtlich um eine glaubwürdige Simulation symphonischen Klanges bemüht. Der Name Nick Vidar, der in den Credits elektronikhältiger Jerry-Goldsmith-Scores seit vielen Jahren nicht fehlen darf, steht hier ebenso für hohe Qualität. Trotzdem: Wer im Vergleich zu den rein synthetisch erzeugten Suiten die jeweils nur knapp einminütigen Vor- und Abspanntitel hört, wird sich kaum des Eindrucks erwehren können, es doch mit etwas grundlegend Anderem und Besserem zu tun zu haben.

Bei den Episodenscores selbst handelt es sich um handwerklich solide gemachte Musik, die auch ihren Zweck auf dem kleinen Schirm tadellos erfüllt. Auf CD gehört wirkt das Ganze, nicht zuletzt auf Grund der synthetischen Machart, natürlich etwas blasser. Gerade angesichts der Entstehungsumstände jedoch können die Komponisten mit ihren Leistungen sehr zufrieden sein: Geld und Zeit sind im TV-Bereich, zumal bei wöchentlich gesendeten Produktionen, ja gleichermaßen Mangelware.

Bei einer Laufzeit von guten 70 Minuten dürfte auf dem GNP-Crescendo-Album für jeden Geschmack etwas dabei sein. Abseits des reichlich vorhandenen Actionscoring sind es für mich vor allem die insgesamt ruhiger angelegten Arbeiten, die positiv hervorstechen. Joel Goldsmiths bezaubernder Score zur Episode „The Nox“ etwa, der gar für einen Emmy nominiert wurde. Oder auch Richard Bands sensible Vertonung von „Cold Lazarus“. Beides keine Meilensteine der Filmmusik, aber doch nette Beiträge zu einer CD, die alles in allem guten Durchschnitt bietet und somit schon eine kleine Empfehlung verdient hat.

Komponist*in:
Diverse

Erschienen:
2002
Gesamtspielzeit:
68:52 Minuten
Sampler:
GNP Crescendo
Kennung:
GNP 8074

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