K-19: The Widowmaker

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
3. Oktober 2002
Abgelegt unter:
CD

Score

(3/6)

Zum Kalten-Krieg-U-Boot-Epos K-19: The Widowmaker lieferte Klaus Badelt die musikalische Untermalung. Eine große Überraschung hält seine Komposition nicht bereit, bewegt sich klar im Kielwasser von filmmusikalischen Vorläufern zu Filmen ähnlicher Thematik, wie Hunt for Red October (Basil Poledouris, 1990) und insbesondere Crimson Tide (Hans Zimmer, 1995), aber auch Duell – Enemy at the Gates (James Horner, 2000). Es dürfte daher kaum verwundern, dass dem entsprechend in der Musik eine folkloristisch und auch klassisch orientierte „russische“ Grundstimmung vorherrscht, in welcher etwas Tschaikowsky, gelegentlich aber auch ein Hauch Schostakowitsch spürbar wird.

Das insgesamt recht konzertant wirkende Album startet mit der viersätzigen (rund 16-minütigen) „Suite für Chor und Orchester in g-moll“. In den Action-Passagen klingt es schon sehr deutlich nach Media Ventures, allerdings (auch) eindeutiger sinfonisch. „War – Allegro“ enthält eine ganz nette Variante des „Mars“, die Gladiator in Erinnerung ruft. Wobei mir an dieser Stelle weniger der Begriff „Zimmer-Plagiat“ in den Sinn kam; vielmehr zeigt sich hier, welche Bedeutung Klaus Badelts sinfonisch-orchestrales Können häufig im Klangdesign von Hans Zimmers Werken hat.

Die Szenen der drohenden Reaktorkatastrophe sind mit requienhaft klingenden Auszügen aus der Kantate für Sopran, Frauenchor und Orchester „Voices of Light“ von Richard Einhorn – auch als Filmmusik für Carl Dreyers Stummfilm Die Passion der Jan Darc (1929) verwendet –, bei K-19: The Widowmaker (wohl) in einem Arrangement (der Filmmusik-Version) von Walter Murch unterlegt. Für die tapfere russische Crew steuert Badelt ein nicht übles heroisch-dramatisches Thema bei, mit dem im weiteren Verlauf aber leider nicht eingehend gearbeitet wird, und das so allzu repetitiv wirkt. Der vorherrschend schwermütig-lastende Ausdruck in der Musik zu K-19: The Widowmaker dürfte zumindest diejenigen Hörer etwas enttäuschen, die einen eher kraftstrotzenden, zupackenden Abenteuer-Score erwartet haben.

Insgesamt ist Klaus Badelts derzeit aktuellste Filmkomposition sicher kein großes Werk, sondern noch allzu sehr dem Hause Media Ventures nahestehend. Unterm Strich aber schon eine solide gearbeitete Angelegenheit, wobei die CD von Hollywood Records nicht die Hör-Power von Badelts The Time Machine erreicht.

Immerhin bietet das großzügig bestückte Album knapp 70 Minuten Musik in sehr guter Klangqualität. Dass die Musik vom weltberühmten Kirov-Orchester (nebst Chor) unter der Leitung des renommierten russischen Stardirigenten Valerie Gergiev erklingt, dürfte dazu für manch einen ein besonderer Anreiz zum Kauf sein.

Komponist*in:
Badelt, Klaus

Erschienen:
2002
Gesamtspielzeit:
35:48 Minuten
Sampler:
Hollywood Records (wea)
Kennung:
5050466-0804-2-4

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