Superman (Varèse/Debney)

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
16. März 2000
Abgelegt unter:
CD

Zu Varèses John-Debney-Neueinspielung las ich seinerzeit eine Reihe kritischer Stimmen. Bemerkungen wie: „Bei Nachspielungen wird der Eindruck des Originals auch nicht annähernd erreicht“ bis „Das Royal Scottish National Orchestra erreicht niemals den Schmelz und die Qualität der Londoner Sinfoniker“ waren zu lesen. Natürlich klingen Nachspielungen, seien sie im Tempo und Interpretationsstil auch noch so sehr dem Original angenähert, immer etwas anders. Allerdings sind die renommierten Projekte in Sachen Neueinspielungen sinfonischer Filmmusik unter Charles Gerhardt, John Morgan, James Sedares, Joel McNeely usw., von wenigen Ausnahmen abgesehen, durchaus gelungen: Der Geist des jeweiligen Originals wurde bewahrt. Den Einwand der mangelnden Spielqualität weniger renommierter Orchester – ähnliche Argumentationen kenne ich auch aus dem Klassik-Bereich – halte ich in den meisten Fällen für überzogen. Was die Einspielung unter John Debney betrifft, vergebe ich jedenfalls mit Überzeugung die Top-Bewertung. Das Royal Scottish National Orchestra ist zweifelsohne ein edler Klangkörper, der durchaus in der Lage ist, hervorragende Spielleistungen zu erbringen: Die Superman-Einspielung ist hierfür ein bester Beweis. Ein zusätzliches Plus ist die fantastische digitale Aufnahmetechnik, welche die Musik in einer Qualität präsentiert, mit der das Original zwangsläufig nicht ganz mithalten kann: Kein klangliches Detail der raffiniert ausgearbeiteten Partitur geht verloren. Auch dieser Doppel-CD liegt ein geschmackvoll, wenn auch nicht so aufwändig gestaltetes Booklet bei, das interessante Informationen zur eingespielten Musik und den Hintergründen der Neueinspielung enthält.

Fazit: John Williams Superman-Musik gehört zu den großen Williams-Musiken der Siebziger und liegt jetzt in zwei aktuellen Versionen auf CD vor. Wer auf Vollständigkeit Wert legt, muss zwangsläufig zur Rhino-Version greifen, wer auf Super-Sound scharf ist und mit einer überaus geschickt zusammen gestellten Auswahl der musikalischen Highlights zufrieden ist, wird Varèse-Debney den Vorzug geben: Diese ist eine hochrangige, filmnah eingespielte große Konzertfassung. Ich empfehle nicht nur beide Editionen gleichermaßen, sondern rate dazu – auch wenn die finanziellen Mittel knapp sein sollten -, mittelfristig beide Einspielungen für die Sammlung zu beschaffen, denn jede der Fassungen hat ihre individuellen Reize. Zumindest eine Version sollte in keiner repräsentativ angelegten Filmmusiksammlung fehlen.


Mehrteilige Rezension:

Folgende Beiträge gehören ebenfalls dazu:


Komponist*in:
Williams, John

Erschienen:
1998
Gesamtspielzeit:
37:45 + 44:25 (82:10) Minuten
Sampler:
Varèse Sarabande
Kennung:
VSD-2598

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