Star Wars: Episode III – Revenge of the Sith

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
15. Juni 2005
Abgelegt unter:
CD

Score

(4/6)

Kommentar zu Film und Filmmusik

Nun ist es also abgeschlossen, das große Weltraummärchen, das unzählige Kinogänger weltweit zumindest in Teilen fasziniert und begeistert hat. So manche, die mit der alten Star-Wars-Trilogie groß geworden sind, gehören heute zur Gemeinde der glühenden Fans, die den Mythos erst möglich machte und ihn lebendig hält. Für die Anhänger des New-Hollywoods, deren Spross ja letztlich auch Lucas ist, gilt die Erfolgsgeschichte von Star Wars und seines Schöpfers hingegen als gewissenloser, vernichtender Schlag gegen das moderne Kino und unabhängige Filmproduktion. Nun, zumindest belegt (nicht allein) Star Wars, wie zeitlos die traditionell bewährten (Abenteuer-)Unterhaltungsrezepte Hollwoods sind, vom Western bis zum Mantel-und-Degen-Spektakel, wenn ihnen geschickt ein modern und zeitgemäß anmutendes Korsett verpasst wird. Und nebenbei feiert dabei auch das klassische Erzählkino fröhliche Urständ. Damit aber nicht genug: Fortwährend werden in den Filmen zugleich Reminiszenzen an das alte Hollywood-Kino sichtbar, wie das an das Wagenrennen in Ben Hur gemahnende Pod-Race in Episode I.

Und schon immer war Lucas auch ein Technikfreak. Von der Skywalker Ranch stammt letztlich der THX-Ton(Bild-)Standard, auf den wohl fast jeder Kinogänger und Heimkinofreund zumindest anhand des berühmten Logos aufmerksam geworden ist. Und gerade durch Star Wars erhielt in der zweiten Hälfte der 1970er das noch in den Kinderschuhen steckende Dolby-Stereo-(Lichtton-)Verfahren den entscheidenden Auftrieb und leitete die Renaissance des seinerzeit in den letzten Zügen liegenden klassischen (Magnetton-)Stereo-Kinoraumklangs ein. Ebenso träumte Lucas schon lange den Traum vom digitalen Kino, wollte sich bereits nach Episode V – The Empire Strikes Back, vom herkömmlichen Filmmaterial verabschieden. Nun, dieser Traum ist erstmalig mit Episode II – Angriff der Klonkrieger, Realität geworden und auch im letzten Teil der Sage ist HD-Technik zum Einsatz gekommen.

Alles in allem gilt auch für mich Episode III – Die Rache der Sith, als der beste der drei Prequel-Filme. Am meisten überzeugt mich die von Szene zu Szene immer dunkler und düsterer werdende Atmosphäre. Der seit langem intrigante, sich als Sith-Lord entpuppende Senator Palpatine greift zur Macht: die Demokratie stirbt im Beifall des Senats, aus der Republik wird das finstere Imperium und Annakin versucht seine große Liebe zu retten. Sicherlich ist in diesem pathetischen Melodram dramaturgisch längst nicht alles völlig überzeugend oder gar im strengen Sinne logisch inszeniert und ebenso wenig schauspielerisch grandios geraten. Für einen Film, der ab 12 Jahren freigegeben ist, sind einige Szenen in Episode III zudem doch recht heftig. So, wenn Annakin nach dem Duell mit Obi-Wan auf dem Vulkan-Planeten Mustafar — der so verflixt an das Land Mordor aus Lord of the Rings erinnert — schon im Kampf schwer verletzt, durch die vulkanische Gluthitze zusätzlich schwer entstellt wird. So stark sind die Verbrennungen, das Annakin alias Darth Vader zukünftig den schwarzen Ganzkörper-Anzug sowie die berühmte schwarze Gesichtsmaske zum Überleben benötigt. Das ist zwar nicht komplett logisch, aber auch nicht einfach ungeschickt gelöst. Entsprechendes gilt letztlich auch für den Übertritt zur dunklen Seite der Macht: Mag die Intrige des Kanzlers durchsichtig und Annakin naiv sein, immerhin suggeriert ihm der Kanzler, dass nur die verbotene dunkle Seite der Macht über die Kräfte verfüge, seine Padmé Amidala vor dem drohenden Tod bei der anstehenden Geburt der Zwillinge zu retten.

Was den mitunter etwas übertriebenen Ruf nach Logik beim Unterhaltungskino angeht, kann man auch mal gelten lassen, dass Handlungen realer Figuren ja häufig ebenso wenig von Logik und Vernunft, sondern oftmals ebenfalls von Dummheit und Naivität geprägt sind. Und so geht es wie bereits in den goldenen alten Kinotagen eben auch im Star-Wars-Imperium zwar oftmals bildgewaltig, aber längst nicht immer dramaturgisch überzeugend, geschweige denn logisch zu. In vielem sind diese Filme eben einfach „nur“ Unterhaltung, bei der Anspruch keineswegs fett gedruckt wird.

Die visuellen Effekte darf man dabei mitunter freilich als überladene tricktechnische Leistungsschau bezeichnen, wo Brilliantes und Verkorkstes Seite an Seite steht. So inszeniert Lucas zum Einstieg hoch über dem Stadtplaneten Coruscant, dem Sitz der zerfallenden Republik, eine gewaltige Raumschlacht. Dies ist schon nicht besonders sinnig — man fragt sich, wo der ganze resultierende Schrott wohl drauf fallen mag — und das Gezeigte wirkt auch nicht allzu echt, sieht eher nach Computerspiel, aus. Nun, das ist vermutlich sogar gewollt: Hat doch Lucas gerade mit den beiden filmischen Vorläufern ganz gezielt die Kiddis mit ins Boot (oder besser ins Raumschiff) gezogen. Schwamm drüber! Man sollte an dieser Stelle m. E. auch nicht allzu streng bewerten, sollte vielmehr die beim Gesamterlebnis Film stark mitentscheidenden (audio-)visuellen Reize und damit den „naiven Charme“ nicht unterschätzen, und da hat Episode III unterm Strich schon so manches zu bieten. Besonders überzeugend gelungen sind vor allem der Schluss und damit der Anschluss an die alte Trilogie: So wird bereits im letzten Viertel von Episode III ein origineller Anachronismus sichtbar, der schmunzeln lässt, wenn das Design des Hauptkorridors auf einem der Blockadebrecher der Rebellen so typisch für den 1977er Erstling ist. Und das Finale vollendet den Brückenschlag: Man sieht den ersten Todesstern im Gerüstzustand, die aus High-Tech-Droiden bestehenden Schutztruppen der Republik werden abgeschaltet; sie entschwinden zugunsten der aus der „wahren“ Trilogie hinlänglich bekannten imperialen Sturmtruppen im bekannten 1977er Plastikoutfit. Und ebenfalls nett gelöst ist, dass C-3PO für seine neue Mission als Beschützer von Luke das Gedächtnis gelöscht wird. Übrigens, der aus der Star-Wars-Ur-Trilogie bekannte Wookie-Riese Chewbacca ist in Die Rache der Sith ebenfalls wieder mit von der Partie. Und auch der vielen sicherlich noch aus der Filmtrilogie Der Herr der Ringe geläufige Veteran Christopher Lee, der seinen Kinoruhm bei Hammer als Graf Dracula begründete, ist als Bösewicht Count Dooku wieder sichtbar ganz in seinem dämonischen Element.

Über die in der Saga mehr oder weniger auffällig versteckten Detailfehler, ist ja schon verschiedentlich geschrieben worden. Zum Teil erklären sich diese auch daraus, dass die nun schlussendliche Star-Wars-Hexalogie nicht chronologisch konzipiert und eben nicht von Anfang an als die letztendlich sechs (zwischendrin sogar neun) Teile angelegte Epos-Saga geplant war. Vielmehr ist das Projekt mit dem Erfolg der Filme der ersten klassischen Trilogie weiter gewachsen. Bei der Produktion des 1977er Erstlings waren die Schwierigkeiten noch derart groß, dass die, (wieder einmal) kurz vor der Pleite stehende 20th Century Fox den Film nur mit Mühen fertig stellen und in die Kinos bringen konnte. Ursprünglich waren nur drei Millionen Dollar bewilligt, für ein Projekt, das zuerst „Adventures of the Starkiller hieß“. Bis aus Starkiller Skywalker wurde und dabei auch das Plot-Universum mit expandierte. Erst der sich einstellende Überraschungserfolg, rückte die Gedanken an eine dreiteilige Epos-Saga in den Bereich des Möglichen. Dabei darf man auch nicht vergessen, dass der Hinweis auf Episode fünf, Das Imperium schlägt zurück, im Filmabspann von Star Wars erst eingefügt worden ist, nachdem der zweite Filmteil bereits in Angriff genommen worden war. So ist es nun an den unzähligen Fans die sich eingeschlichenen Ungereimtheiten zu ermitteln.

John Williams Filmmusik ist als rund 70-minütiger Schnitt als Doppel-Disc-Set erhältlich. Die der Musik-CD als Bonus beigefügte DVD überrascht mit einer gut gemachten Sammlung Musikvideos: „Star Wars: A Musical Journey“ führt im Rahmen einer audiovisuellen Reise ansprechend durch alle sechs Filme. Das ist zwar Werbung pur, aber geschickt und im wörtlichen Sinne (auch zum wiederholten Male) ansehnlich gemacht. Die vorzügliche Bildqualität der Filmszenen ist Reklame für die DVD-Editionen und die gut gewählten, von Dialogschnipseln nur wenig beeinträchtigten Score-Teile bewerben natürlich ebenso sämtliche Musik-CDs.

Wer als erstes auf die Wertung geschaut hat, für den mögen „nur“ vier Sterne und damit der Eindruck den offenbar „schwächsten“ Williams-Score der Reihe vor sich zu haben, vielleicht wie ein kleiner Schock vorkommen. Doch ruhig Blut. Zum einen stehen vier (ruhig einen Hauch fettere) Sterne auf Cinemusic.de ja eh für etwas zweifellos Gutes, zum anderen liegen die gewissen Schwächen der Musik auch im Plot begründet, der dem Komponisten in der Gestaltung nur eingeschränkte Gestaltungsmöglichkeiten bot. Immerhin muss die Musik zu Episode III als Bindeglied zu den Filmen der klassischen Star-Wars-Trilogie funktionieren. Und genau darin, dass Williams dieses Mal keine Möglichkeit zur Einführung mindestens eines neuen großen Themas besaß, liegt ein wenig die Crux des (Hör-)Albums. Es fehlt einfach eine neue breit angelegte Melodie, die vergleichbar mit dem Liebesthema „Across the Stars“ in Episode II, sowohl den Score zusammen- als auch den Zuhörer bei Laune hält.

„Battle of the Heroes“ präsentiert zwar ein ordentliches neues Thema — gegenüber dem von Williams Gewohnten fehlt ihm aber doch einiges an Durchschlagskraft und Prägnanz. Gelungen ist das dem neuen Bösewicht, General Grievous, zugeordnete rhythmische Motiv, womit allerdings die Aufzählung des neuen musikalischen Materials praktisch bereits erschöpft ist. Natürlich geht der Komponist sowohl mit dem altbekannten als auch dem neuen musikalischen Material handwerklich souverän um. Dabei gelingt es Williams sehr überzeugend, den Score zu Episode III in den Kontext zu Episode IV einzubinden. Logischerweise nimmt in der Vertonung das Thema der Macht einen besonderen Stellenwert ein, erscheint in insgesamt 10 der 15 Tracks. Entsprechend ist auch das Darth-Vader-Thema häufiger vernehmbar. Dessen Wirkung bleibt allerdings, da es immer nur kurz zitiert wird, zugleich etwas eingeschränkt. Die auskomponierte, prachtvoll-düstere Marsch-Variante präsentiert der Komponist seinen Hörern streng genommen erst in Episode V, traute sich deshalb wohl nicht, diese hier „nochmals“ vorwegzunehmen. Bereits am Schluss von Episode II erscheint nämlich, wenn auch nur kurz, bereits besagter Marsch, den Williams aber wohl nur auf ausdrücklichen Wunsch von Lucas einarbeitete.

(Beim Durchforsten der Star-Wars-Musiken, die in der Menge mittlerweile ebenfalls Ausmaße einer Galaxie angenommenen haben, wird leicht übersehen, dass der so markante und kraftvolle Darth-Vader- oder auch Imperiums-Marsch und das von ihm abgeleitete charakteristische Thema überhaupt eine Neuschöpfung für Episode V – The Empire Strikes Back, waren. In Episode IV – A New Hope, besitzt das sowohl vom Imperator als auch Darth Vader symbolisierte Böse musikalisch eben noch nicht die verführerische Faszination. Es ist ein eher unscheinbares Bläser-Motiv, das in einem düsteren marschartig rhythmisierten Umfeld erklingt, das man bestenfalls (!) als Keimzelle für den späterhin so unauslöschlich ins Bewusstsein wohl nahezu eines jeden, der die Filme gesehen hat, implantierten Darth-Vader-Marsch ansehen kann.)

Die Themen von Luke und Leia scheinen gegen Ende von Die Rache der Sith bereits als hoffnungsvolle Vision auf. Die in den rund viertelstündigen „End Credits“ fast 1 : 1 aus dem Finale von Episode IV übernommene Throne-Room-Sequenz erscheint auf den ersten (Hör-)Blick als etwas einfallsarme Replik; sie ist aber wohl ebenso als vorweggenommener Ausdruck der neuen Hoffnung und damit als Blick in die Zukunft gemeint!?

Die im Wechsel zwischen ruhigeren und temporeicheren Stücken eingestreuten Action-Tracks sind handwerklich sauber, aber zugleich auch (auf gutem Niveau) eher routiniert denn besonders inspiriert gearbeitet. Sicherlich gilt aber auch hier: das sehr solide Handwerk lässt im Zusammenwirken mit der guten Orchestrierung — besonders nach mehrmaligem Hören — den Hörcharme auch dieser Piècen wachsen, obwohl sie an prächtige Vorbilder wie „The Asteroid Field“ nicht heranreichen. In Teilen tritt auch der Chor, in der Tradition von „Duel of the Fates“ aus Episode I, kraftvoll hinzu. Und außerdem gibt es beim eingehenderen Hören auch noch verschiedene sehr ansprechende Details zu entdecken, wie die besonders charmant-lyrische Passage für Harfe und Celesta in „The Birth of the Twins and Padme’s Destiny“ oder wenn Williams im Laserschwert-Duell zwischen Obi-Wan und Anakin („Anakin vs Obi-Wan“) originell auf die Zukunft verweist, indem er eine Passage aus der Musik zum Duell zwischen Luke Skywalker und Darth Vader in The Empire Strikes Back zitiert.

Die beiden wohl beeindruckendsten Stücke des Albums dürften „Anakin’s Dream“ und „Anakin’s Betrayal“ sein. In beiden Fällen handelt es sich um Elegien, wobei, wenn Anakin träumt, nochmals „Across the Stars“ schön aufschimmert und bei Anakins Verrat, zur Ermordung der Jedi-Ritter, ein schicksalhaft-ergreifendes Requiem erklingt. Die (vom Film gelöst betrachtet) schwächsten Stücke des Scores sind das rein atmosphärische „Padme’s Ruminations“, das sogar mit einer eher Williams untypischen Ethno-Vocalise im Media-Ventures-Stil aufwartet, und zumindest das erste Drittel von „Palpatines Teaching’s“, das allein mit einem synthetisch unterstützten sonoren Chorsummen, erinnernd an tibetische Mönche, aufwartet und entsprechend ermüdet.

Insgesamt ist der musikalische Eindruck bei Episode III damit partiell etwas durchwachsen, aber, wie bereits eingangs geäußert, keinesfalls einfach enttäuschend. Letzteres gilt auch für das besonders klare und transparente Klangbild, das dank der optimalen Portion Hall, nicht trocken, sondern satt und im wahrsten Wortsinn machtvoll wirkt, ohne dabei Gefahr zu laufen, ins Breiige zu geraten. Für Freunde von Star Wars und/oder John Williams ist das Album eh unverzichtbar. Filmmusikalische Gelegenheitstäter dürfte es vielleicht gerade durch die als Bonus beiliegende DVD ebenfalls mindestens zufrieden stellen.

Im Film funktioniert Williams Musik nicht nur gut, sie ist in Teilen von beeindruckender Wirkung. In Teilen hat Lucas aber auch wohl dieses Mal seinem Komponisten Williams ein wenig ins Handwerk gepfuscht. Ebenso dürften gegenüber dem Albumschnitt noch ca. 60 Minuten Musik fehlen. Etwa eine Stunde Musik, die zwar kaum Umwälzendes im Gepäck haben wird, aber sicher noch manch hörenswertes Material birgt. Wenn in naher Zukunft nun sämtliche StarWars-Filme auf DVD vorliegen, dürfte auch eine Edition der vollständigen Prequel-Scores in greifbare Nähe rücken, wie wir sie von der alten Trilogie bereits besitzen. Dabei geht es mir nicht etwa darum, Vollständigkeitsfanatismus zu befriedigen, sondern vielmehr die Musiken in Ruhe zu studieren und ebenso, daraus die schönsten Teile für den eigenen Suitengebrauch auskoppeln zu können. Die Kompositionen sollten dabei allerdings entsprechend den Intentionen ihres Schöpfers Williams herausgebracht werden und nicht, wie im Fall der zu Episode I nachgereichten Doppel-CD-Ausgabe, die durch nachträgliche Eingriffe (Umstellungen, Kürzungen etc.) teilweise dramatisch veränderte Musikschnittfassung des Films. Möge also die Macht mit den Machern bei SONY-BMG sein.

Komponist*in:
Williams, John

Erschienen:
2005
Gesamtspielzeit:
70:50 Minuten
Sampler:
Sony Classical
Kennung:
SK 94220

Weitere interessante Beiträge:

Robin and Marian

Robin and Marian

Davis: Aladdin

Davis: Aladdin

The Emperor’s Club

The Emperor’s Club

The Mask of Zorro

The Mask of Zorro