Star Wars: Episode I – The Phantom Menace (Ultimate Edition)

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
6. Dezember 2000
Abgelegt unter:
CD

Score

(4.5/6)

Special-Übersicht

Da ist sie also, die sogenannte „Ultimative Edition“ des John-Williams-Scores zu The Phantom-Menace auf zwei CDs mit rund zwei Stunden Spieldauer. Trotz des eher an Halloween-Horror erinnernden Cover-Motivs dürfte diese Ausgabe für viele Freunde der Musik von John Williams ein besonderer Leckerbissen sein. Es hat an anderen Stellen bereits Debatten, über die Art und Weise gegeben, wie das neue Album produziert worden ist. Ob man hier nicht von den ursprünglichen Studio-Einspielungen, sondern von einem bereits für die endgültige Filmschnitt-Fassung bearbeiteten Master ausgegangen ist, kann ich nicht eindeutig beurteilen. Im übrigen dürfte die jetzt vorliegende Fassung die einzige offizielle Veröffentlichung des – zumindest weitgehend – vollständigen Scores sein und wohl auch für längere Zeit bleiben.

John Williams konzipiert die CD-Veröffentlichungen seiner Filmmusiken in der Regel als „Höralben“, welche die Musik in Teilen in (mit behutsamer Hand) veränderter Gestalt präsentieren. Im Interesse eines optimalen akustischen Eindrucks einer vom (Film-)Bild gelösten Filmmusik kann es durchaus zweckmäßig sein, die Reihenfolge der Stücke zu ändern, Teile des Materials zu größeren Musik-Komplexen zu vereinen, aber auch einen schönen (szenisch bedingt knappen) musikalischen Gedanken auszukomponieren. Die Resultate überzeugen bei Williams in der Regel, da er auch die Konzert-Versionen in filmnahen Orchester-Arrangements belässt – man denke hier nur an den gelungenen so genannten „Star Wars Main Title“, der mit seinen mehr als fünf Minuten Spieldauer wohl das am häufigsten gespielte Konzert-Stück aus der Star-Wars-Trilogie geworden ist.

Stellt man alte und neue Edition von The Phantom Menace einander gegenüber, so muss man sagen, dass auch der Solo-CD-Schnitt nicht übel geraten ist, aber die neue verlängerte Fassung insgesamt doch ein Stück mehr überzeugt. Es wird nicht allein bislang unveröffentlichtes reizvolles Musikmaterial geboten, auch die bereits bekannten Themen und Motive erklingen in vielfältigeren Variationen. Da die Musik in der neuen Zusammenstellung dazu auch noch sehr gut fließt, gerät das Album zu einem überaus ansprechenden Hörerlebnis.

Das vor etwa einem Jahr zur Erstveröffentlichung Geschriebene kann ich auch heute überwiegend so stehen lassen. Vielleicht ist die These von „den neuen klanglichen Welten“ doch ein wenig zu hoch gegriffen, ein sehr gelungener Score mit neuen Akzenten ist The Phantom Menace für mich aber nach wie vor. Das der Musik schon damals Attestierte wird durch das zusätzliche Musik-Material noch unterstrichen: Die Komposition erweist sich als vielschichtiger und damit ein gutes Stück reicher; das jetzt noch ausgeprägter Filigrane, die vielfältigeren und breiteren Chorpassagen und auch die schönen Lyrismen verleihen der Langversion eindeutig zusätzliche Reize. Aber auch einige kleine bombastische Perlen sind erstmalig vertreten: z.B. die Fanfare zum „Pod Race“ und das kurze „Hail to the Winner“. Origineller als in der Star-Wars-Trilogie wirken hier auch die bislang unbekannten recht raffiniert gestalteten „folkloristischen Stücke“. Einen großen Anteil an der guten Wirkung auf den Hörer hat die geschickte Instrumentierung, die dank einer sehr guten Aufnahmetechnik bis ins Detail durchhörbar ist.

Zu den Schwachpunkten der neuen Ausgabe zählt das zwar aufwändig bebilderte, aber leider keine Texte zur Musik enthaltende Booklet. Die Art der Präsentation – als sogenanntes „Digipack“ – vermag mich ebenfalls nicht voll zu überzeugen. Die Box ist eine recht empfindliche, dreigeteilte zusammenklappbare Pappkonstruktion, wobei das Booklet mit dem ersten Teil fest verklebt ist. Dies gestattet nur ein recht unkomfortables Handling – um Beschädigung zu vermeiden ist beim Transportieren Vorsicht geboten. Beim Bonus-Track mit einer Dialogfassung von „Duel of the Fates“ handelt es sich außerdem um ein Kuriosum von zweifelhaftem Wert.

Wer die alte Einzel-CD-Version schon hat, sollte, bevor er sich davon trennt, mit der neuen Ausgabe eingehend vergleichen. Die auf der Einzel-CD zum Höralbum zusammengefassten längeren Stücke sind auf ihre Art ebenfalls nicht übel geraten und „The Flag Parade“ ist hier sogar in einer um etwa eine Minute verlängerten Konzertversion vertreten. Etwas schade bleibt, dass man der Lang-Fassung nicht einige der Konzertversionen als Alternativ-Tracks beigegeben hat – Platz genug wäre gewesen.

Fazit: Zwei (Versionen) von The Phantom Menace nicht auf einen Streich, sondern um rund ein Jahr versetzt. Die jetzt veröffentlichte neue Edition auf zwei CDs, unterstreicht die dem Score bereits in der Einzel-CD-Ausgabe gemachten Attribute. Trotz kleinerer Schwachpunkte verbleibt eine eindeutige Empfehlung für eine sicherlich sehr gute John-Williams-Filmmusik – trotz des leider hohen Kauf-Preises.

Komponist*in:
Williams, John

Erschienen:
2000
Gesamtspielzeit:
CD 1: 57:29 Minuten / CD 2: 67:06 Minuten
Sampler:
Sony
Kennung:
S2K 89460

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